Wir schauen schon zu lange weg

Das Ebola-Virus ist ein Stück näher gekommen. Erstmals wurde ein Mensch außerhalb des afrikanischen Kontinents mit der Seuche infiziert – in Madrid. Nach den bisherigen Erkenntnissen war dafür eine Kette von Fehlern und Versäumnissen verantwortlich. Gleichwohl herrscht im Land keine Panik – denn die Experten können bislang glaubhaft darlegen, dass die Gefahr einer Ebola-Epidemie im hoch entwickelten Westen gering ist.

Diese Botschaft hört man auch auf Mallorca gerne. Die Nagelprobe für die Gelassenheit der Bevölkerung wollen wir dennoch lieber nicht erleben. Machen wir uns doch nichts vor: Hierzulande hätten Ebola-Fälle neben der gesundheitlichen auch rasch eine wirtschaftliche Dimension. Mallorca und Ebola – die Schlagzeilen der einschlägigen Medien in Deutschland oder England können wir uns doch alle gut vorstellen. Sie könnten eine Wirkung auf den Tourismus entfalten, gegen die die beruhigende Experten-Meinung nicht mehr ankommt. Einen Vorgeschmack darauf haben wir bei der Vogelgrippe im Jahr 2006 erlebt.

Aber auch das wäre letztlich ein Luxusproblem. Und darin liegt die eigentliche Tragik der Ebola-Krise: Je sicherer wir uns in Deutschland, Spanien & Co. fühlen können, desto größer ist die humanitäre Katastrophe, die Ebola in Afrika verursacht. Noch immer ist die Hilfe in den betroffenen Staaten völlig unzureichend – weil wir es uns leisten können, wegzuschauen.

Autor: Bernd Jogalla

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09

10 2014

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