Wer Nachhaltigkeit will, muss auch Radfahrer mögen

Seien wir ehrlich: (Fast) jede(r) hat sich schon mal über eine Gruppe Radfahrer aufgeregt, die entweder in Dreier- oder Viererreihen die Ortsdurchfahrt versperrt, in der Tramuntana bei Auf- oder Abfahrt die Mittellinie der Straße kreuzen oder – wenn man die Perspektive wechselt – auf dem Zebrastreifen einfach durchrauschen, auch wenn man schon halb auf der Straße steht. Alles schon gesehen, über alles schon geärgert. Auch ein Grinsen kann man sich nicht immer verkneifen, wenn ein professionell ausgerüsteter Hobbyfahrer in seinen Profischuhen über den glatten Fliesenboden im Café zur Toilette eiert. Immer noch besser, als wenn er sich am Straßenrand erleichtert. Ja, auch darüber hat man sich schon geärgert.

Aber ansonsten muss man einfach sagen: Der Radtourist hat ein relativ hohes Bildungsniveau und auch ein gewisses Budget, um sich auf der Fahrt zum Berg eine Stärkung zu gönnen, oder nach der Rückkehr das verdiente Bier mit deftigem Essen. Laut gefeiert wird in der Regel nicht, dafür sind die Pedalritter zu müde. Vor allem aber ist der Radfahrer absolut nachhaltig unterwegs, angetrieben nur von Ökostrom via Beinkraft, eventuell unterstützt von ein bisschen Elektroantrieb – wir wollen nicht kleinlich sein.

Es handelt sich beim Radfahrer oder der Radfahrerin also um genau jene Art von Touristen, die Mallorcas Regierung gerne hätte, weil sie konsumieren, aber dabei am wenigsten die Umwelt auf der Insel belasten. Stellt sich nur die Frage, wo die natürliche Kapazitätsgrenze liegt. Momentan ist von 200.000 Radtouristen pro Jahr die Rede. Wenn das noch mehr wird, muss man sicher noch mehr Geduld von den hiesigen Autofahrern verlangen. Beziehungsweise gleichzeitig das Autovolumen auf den Straßen verringern. Oder noch besser:Fahrgemeinschaften mit Elektroautos. Wobei wir da zum nächsten Problem kommen: E-Autos hört man nicht. Stellen Sie sich also darauf ein, wenn Sie im E-Auto nachhaltig unterwegs sind und auf eine nachhaltige Gruppe Radfahrer stoßen:Es könnte etwas länger dauern, bis man Sie vorbeilässt.

Autor: Thomas Zapp

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03 2018

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  1. Eva McKendrick #
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    Solange sich die Radfahrer so benehmen, als gelten für sie keinen Regeln, wie z.B. in großer Gruppe auf einer engen Einbahnstraße in die falsche Richtung fahren oder mit geparkten Fahrrädern Eingänge versperren, muss man sie nicht mögen, auch wenn man etwas für die Nachhaltigkeit übrig hat. Bildung ohne Erziehung ist nicht so beeindruckend.

  2. Anna #
    2

    „Der Radtourist hat ein relativ hohes Bildungsniveau …“ – Warum zeigt der Radtourist sein relativ hohes Bildungsniveau nicht nachhaltig z. B. im Umgang mit FußgängerInnen auf ausdrücklich für FußgängerInnen gekennzeichnete Promenaden an der Play de Palma? Statt die mit quer gestellten Fahrrädern zu blockieren oder FußgängerInnen mit radelnden Rudeln zu gefährden?
    Ich vermisse hier jegliches „relativ hohes Bildungsniveau“.



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