Warum Cabrera nicht zur Partyinsel werden darf

Ein mallorquinischer Poet hat es einmal so ausgedrückt: „Nur eine Stunde von Palma entfernt, befindet sich das Mittelmeer des Odysseus.“ Gemeint ist damit der spanische Meeres-Nationalpark Cabrera, der lediglich 20 Kilometer vor der Südküste von Mallorca wie auf dem Meer zu schweben scheint.

Der Poet bezog sich auf die Felseninsel zu Beginn des 20. Jahrhunderts, damals, als nur eine Handvoll Menschen auf dem Eiland lebte. Doch die Beschreibung ist heute noch – mit Abstrichen – gültig. Die Zahl der Gebäude, die auf Cabrera errichtet wurden, hält sich in Grenzen, außer einigen Geländewagen gibt es dort keine Autos, und die Anzahl der Menschen, die dort als Militärs, Polizisten, Naturparkverwalter und Zivilisten lebt, beläuft sich nach Angaben der Naturpark-Direktorin Carolina Encinas je nach Jahreszeit auf 34 bis 42.

Doch auch Cabrera ist als Insel den Zeitläufen unterworfen. Die Nachfrage der Menschen nach heiler Umwelt und ungetrübten Naturerlebnissen wächst, und so hat sich auch der Besucherandrang verstärkt. Waren es im Jahre 2000 noch 45.000 Besucher, so hat sich die Zahl im Vorjahr auf 80.000 nahezu verdoppelt. In den Jahren 2012 und 2014 kamen sogar mehr als 100.000 Besucher.

Es ist somit ein schwieriges Unterfangen für die Verwaltung, den Naturschutz und die touristische Nutzung fein auszutarieren. Im Zweifelsfalle sollte der Ausschlag besser zugunsten von Flora und Fauna erfolgen, um Cabrera auch künftig zu erhalten. Es ist begrüßenswert, dass der geschützte Unterwasserbereich im 25. Jahr des Bestehens des Nationalparks noch einmal ausgeweitet werden soll.

Auch die Besucher sollten sich bewusst sein, dass Cabrera ein Ort der Stille und der Ruhe zu sein hat. Auf der Insel sind Tausende von Kriegsgefangenen verhungert. Da ist es nicht angebracht, auf den Segel-yachten die Champagnerkorken knallen zu lassen, laut schallend zu lachen und ausgelassen zu feiern. Es ist gut, dass der Nationalpark Partys und nächtlichen Radau ausdrücklich verbietet. Wer nach Cabrera geht, sollte sich zu benehmen wissen.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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06 2016

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