Urlauber belasten das spanische öffentliche Gesundheitswesen

Lange Wartezeiten, schlechte Organisation, zu hohe Kosten: Spaniens öffentliches Gesundheitswesen hat keinen guten Ruf. Wer sich von den Zuständen einen Eindruck verschaffen möchte, muss nur einmal einen Termin mit einem Facharzt ausmachen: Ein Vierteljahr Vorlauf sollte man mindestens einplanen und nicht damit rechnen, dass der Doktor mehr als fünf Minuten Zeit für einen hat.

Auch die Zustände in den Krankenhäusern sind gelinde gesagt haarsträubend: In den Wintermonaten, wenn die Zahl der Grippefälle in die Höhe schießt, schieben Krankenschwestern die Patienten kurzerhand auf die Gänge. Dabei sind die Gesundheitsausgaben mit mehr als einer Milliarde Euro der größte Einzelposten im Balearen-Haushalt.

Die Sparmaßnahmen verschärfen die Lage nun noch weiter, wie etwa der Tod des 28-jährigen Senegalesen Alpha Pam vor wenigen Wochen zeigt: Eine Ärztin in der Notaufnahme hatte ihn offenbar nur oberflächlich untersucht und nicht erkannt, dass er an Tuberkulose litt. Es liegt auf der Hand, dass es angesichts solcher Zustände nicht angehen kann, dass vergleichsweise gut situierte Urlauber aus Nord- und Mittel-Europa Leistungen des spanischen Gesundheitswesens in Anspruch nehmen, ohne dass zumindest die Kosten ersetzt werden.

Tatsächlich ist gerüchteweise immer wieder einmal die Rede von „Gesundheitstouristen“, die ihren Inselaufenthalt nutzen sollen, um sich der längst fälligen Hüftoperation zu unterziehen – weil die hier im Gegensatz zu anderen Ländern gratis ist. Wie verbreitet dieses Phänomen ist und wie hoch die verursachten Kosten wirklich sind, ist allerdings weitgehend unbekannt.

Fest steht, dass die öffentlichen spanischen Krankenhäuser nicht kurzerhand Urlauber aus dem EU-Ausland verpflichten dürfen, ihre Behandlung selbst zu bezahlen. Vielmehr sollte man dafür sorgen, dass die erbrachten Leistungen auch korrekt abgerechnet werden, immerhin gibt es dafür ja EU-weite Ausgleichszahlungen: Durch lückenhafte Abrechnung entgehen dem spanischen Staat Jahr für Jahr Millionen. Geld, das im öffentlichen Gesundheitswesen dringend gebraucht wird.

Autor: Jonas Martiny

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06

06 2013

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  1. aviator #
    1

    …die behandlung ist hier nicht gratis sondern werdenz.B.: von den deutschen krankenkassen interkontinental abgerechnet.

  2. 2

    Ich wollte eigentlich kommen, aber ließ es lieber bleiben, da ich mich sicher aufgeregt hätte ;-). Ich selbst war in einigen Kliniken und kann nur sagen, dass ich mich sehr gut aufgehoben fühlte und ich es empfehlen kann dort hinzugehen. Wenn dann Horrorgeschichten auftauchen, nehmen sich das vielleicht Leute zu Herzen, die genau die Hilfe dort bräuchten. Das ist schade.



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