Tierschutz sorgt für Zoff im Regierungsbündnis

Wenn man politische Entscheidungen zu Problemen trifft, die sehr kontrovers diskutiert werden, sollten die entsprechenden Gesetzesvorlagen wenigstens „wasserdicht“ sein. Beim Thema Tierschutz hat sich die Balearen-Regierung nicht mit Ruhm bekleckert.

Erst werden offenbar irrtümlich alle Fiestas mit Tieren auf den Index gestellt, bevor die Protagonisten bemerken, dass damit auch die populären Feiern zu Sant Joan auf Menorca der Vergangenheit angehören würden. Ciutadella ohne Pferdespektakel? Undenkbar!

Und dann fangen die Regierungsparteien auch noch an, sich untereinander zu zoffen, weil sie sich nicht einig sind, wie sie mit dem Stiertreiben in Fornalutx umgehen sollen. Voraussichtliches Ergebnis: Eine Regierungspartei stimmt mit der Opposition gegen eine andere Regierungspartei. Außerdem wird das Gesetz mit deutlicher Verspätung kommen. Dilettantisch bis peinlich.

Zum Thema selbst: Dass auf den Balearen der Stierkampf verboten werden soll, stößt nur noch bei hart gesottenen Corrida-Fans auf Unverständnis. Die blutige Zeremonie hat nie richtig zu Mallorca gehört, der Abschied fällt der großen Mehrheit der Bevölkerung nicht schwer. Anders ist das mit dem Correbou in Fornalutx, für den auch viele langjährige Mitglieder der regierenden PSIB stehen. Das relativ harmlose Spektakel zu verbieten, mag für Tierschützer konsequent sein, schafft aber nur Zwietracht. Besser wäre es, sich dafür einzusetzen, den Brauch weiter zu entschärfen.

Alles, was mit Stieren zusammenhängt, hat eine enorme Symbolkraft. Auch für Tierschützer, die mit Stierkampf oder Correbou besser punkten können als mit streunenden Katzen oder Legebatterien.

Letztlich ist der Streit um den Correbou ein Sinnbild für den Zustand der Balearen-Regierung. Vieles, was die „Pacte“-Handschrift trägt, geht traditionellen Sozialdemokraten viel zu weit. Um im Bild des Correbou zu bleiben: Die Parteien ganz links treiben die PSIB vor sich her. Vielleicht ein Vorgeschmack auf das, was wir nach den Parlamentswahlen in Gesamt-Spanien zu erwarten haben.

Autor: Bernd Jogalla

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09

06 2016

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