Entrada etiquetada ‘Waldbrände’

Eigentum verpflichtet

Wer über reichlich materielle Besitztümer verfügt, der trägt auch eine besondere Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber. Dieser Gedanke ist nicht nur im deutschen Grundgesetz verankert, sondern auch in der spanischen Verfassung, und ist also Teil der Normen, die in unserem Kulturkreis das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft regeln. Eigentum verpflichtet – was damit gemeint ist, verdeutlicht auf ganz besonders anschauliche Weise ein Beispiel aus der mallorquinischen Realität.

Mehr als 90 Prozent des Tramuntana-Gebirges befinden sich in Privatbesitz. Dabei handelt es sich zum Teil um enorme Ländereien, um historische Herrenhäuser, um Wälder, Weiden, Terrassengärten, um spektakuläre Landschaft, um Mallorcas kulturelles Erbe. Die Zeiten, in denen sich die Landgüter in der Tramuntana gewinnbringend bewirtschaften ließen, sind längst vorüber. Im materiellen Sinne wertvoll ist das Gebirge heute nur noch als Kulisse für das touristische Mallorca. Statt Köhler werden die jungen Insulaner heute Kellner. Das hat weitreichende Folgen.

Denn Wälder und Felder, die nicht genutzt werden, liegen brach und verwildern. Die Menge der Biomasse in der Tramuntana hat in den vergangenen Jahrzehnten extrem zugenommen – und mit ihr die Gefahr von Waldbränden. Als Ende Juli im Südwesten ein verheerendes Feuer mehr als 2330 Hektar Fläche vernichtete, zeigten sich die Folgen dieser Entwicklung: Die Flammen konnten sich in Windeseile ungehindert ausbreiten. Darunter hatten dann auch diejenigen zu leiden, die ihre Fincas eigentlich gut in Schuss halten, wie etwa die Umweltschützer vom GOB.

Die Bewahrung der Tramuntana fällt in den Verantwortungsbereich der Grundbesitzer. Ebenso wie es verboten ist, in den Sommermonaten in Waldnähe Feuer zu machen, sollten die Eigentümer der Fincas dazu verpflichtet sein, auf ihren Landgütern Brandschutzmaßnahmen zu ergreifen. Zum Wohle der Allgemeinheit.

Autor: Jonas Martiny

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10 2013

Zumindest das Vorgehen der Einsatzkräfte war keine Tragödie

Gleich zwei tragische Ereignisse haben in den vergangenen Tagen spanienweit die Nachrichten beherrscht: Zum einen die Zugkatastrophe von Galicien, bei der 79 Menschen ums Leben kamen. Zum anderen – zum Glück ohne Todesopfer – der Waldbrand im Südwesten Mallorcas.

Auf den ersten Blick haben diese beiden Ereignisse nichts miteinander zu tun. Wenn es eine Gemeinsamkeit gibt, dann vielleicht diese: Die Einsatzkräfte haben an beiden Unglücksorten rasch, professionell und koordiniert ihren Job gemacht. Chaos und gegenseitige Behinderungen hat es allem Anschein nach nicht gegeben. Wie am Mittwoch in den Nachrichten verlautete, traf in Galicien, wo ein Schnellzug vollständig entgleist war, der erste Krankenwagen bereits zwei Minuten nach dem Notruf am Unfallort ein.

Auf Mallorca soll die Zusammenarbeit zwischen den vielen sehr unterschiedlichen Brandbekämpfern – Feuerwehren, Polizeien, Armeeangehörigen, Löschflugzeugpiloten, Forstmitarbeitern, Kommunalangestellten – bestens geklappt haben. Das ist irgendwo tröstlich, denn wenn der Wald aufgrund von Inkompetenz und Koordinationsdefiziten noch immer am Lodern wäre, dann wäre das (Image-)Desaster für Mallorca noch weitaus größer.

Schlimm genug, dass der Wald abgefackelt wurde. Traurig genug, dass die Ursache diesmal „nur“ Fahrlässigkeit war, nachdem im Vorjahr noch ein krimineller Brandstifter die vielen, wenn auch vergleichsweise kleinen Brände gelegt hatte.

Fazit: Mallorcas Wälder sind im Sommer hochgefährdet. Das unterstreicht einmal mehr, wie wichtig Waldpflege, Vorsorge und Wachsamkeit sind, um das Brandrisiko zu minimieren. Hier zu investieren, und auch mehr, kann nicht der falsche Weg sein.

Aber es wäre schön, wenn nicht nur die vorbildliche Einsatzfähigkeit der Notfallkräfte europäische Standards erfüllen würde. Auch die Gesellschaft muss mitziehen. Es darf nicht sein, dass Bauschutt und Abfälle in die Landschaft abgekippt werden, wo zwischen verdorrten Gräsern jede leere Flasche, jede Glasscherbe im Sonnenschein potenziell zu einem Brennglas werden kann.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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08 2013