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Der schwierige Weg zum Konsens

Wenn es auf Mallorca eine richtungsweisende Entscheidung zu treffen gilt, dann wollen sie alle mitreden: Politiker, selbst ernannte und echte Experten, Interessensverbände und Lobbygruppen, Gewerkschaften, Anwohner, Nachbarschaftsvereine und Umweltschützer. Meist – eigentlich fast immer – gehen die Meinungen weit auseinander und die Entscheidungsfindung zieht sich dementsprechend zäh in die Länge. Sobald ein konkreter Vorschlag auf dem Tisch liegt, gibt es üblicherweise zu allererst einen lauten Aufschrei. Dann zählen Kritiker all die Dinge auf, die gegen das Vorhaben sprechen und deretwegen es auf gar keinen Fall umgesetzt werden kann. Den Beitrag vollständig lesen →

05

03 2015

Hotelmitarbeiter dürfen nicht leer ausgehen

Die wütenden Reaktionen, vor allem auf den Internetseiten der Zeitungen, ließen nicht lange auf sich warten. Nein, das Volk hat kein Verständnis für das Ansinnen der Hoteliers, bei den Tarifverhandlungen auf eine Nullrunde zu setzen. Zuvor war dem Volk nämlich ein ums andere mal erklärt worden, wie toll die touristische Saison gelaufen ist. Wenn nicht nach einer Rekordsaison, wann dann wird es jemals wieder etwas mehr in die Lohntüte geben?

Wir haben inzwischen zwar gelernt, dass Touristenmassen nicht mehr gleichzusetzen sind mit einer hohen Rendite, aber jetzt übertreiben es die Hoteliers. Es war eine Top-Saison, und die haben sie auch ihren Mitarbeitern zu verdanken, die zurecht ein Stück vom Kuchen verlangen. Die Zahl der Insulaner, die kein Auskommen mit dem Einkommen haben, ist sowieso schon viel zu hoch.

Hinzu kommt, dass das Vorhaben der Hoteliers Schule machen wird. Schon meldet sich die Gastronomie zu Wort. Auch bei ihr müssten die Gehälter eingefroren werden, denn ihr gehe es ja viel schlechter als den Hotellerie (was übrigens stimmt).

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass einige Unternehmer die Krisenstimmung nutzen, um die Gehälter zu drücken, und zwar ganz unabhängig von ihrem wirtschaftlichen Ergebnis.

Dieses Verhalten ist Ausdruck des zementierten Misstrauens zwischen Unternehmern und Beschäftigten in Spanien. Es gibt „die da oben“ und „die da unten“, aber kein Verständnis für Lage des jeweils anderen. An diesem schlechten Verhältnis sind im Übrigen nicht nur Arbeitgeber, sondern auch die Gewerkschaften schuld, die häufig allzu betonköpfig agieren. Angesichts dieser Konfrontation können wir uns schon jetzt auf Streiks zu Beginn der Saison einstellen.

In Spanien herrscht Krise, viele Betriebe stehen auf der Kippe. In dieser Situation können auch Nullrunden angezeigt sein. Aber wenn es wieder läuft, dürfen die Arbeitnehmer nicht leer ausgehen. So wie in diesem Jahr in den mallorquinischen Hotels.

Bei Tarifverhandlungen in Krisenzeiten ist besonderes Augenmaß gefragt. Bei denen da unten – und bei denen da oben.

Autor: Bernd Jogalla

12

12 2013

Ein Leben ohne Plastiktüte

Immer freitags ist in Can Picafort Markt – fast direkt am Meer. Wenn die Marktleute die Stände dann abbauen, bleibt ein weiteres Meer zurück: das der Plastiktüten. Die Stadtreinigung nimmt sich des Abfalls an, aber manchmal ist der Wind auch schneller: Massenhaft landen die Tüten dann in der Landschaft – oder gleich im Meer. Es ist zum Heulen.

Der Markt von Can Picafort ist nur ein Beispiel, wir könnten in jedem Inselort ein ähnliches finden. Plastiktüten gehören in Spanien noch immer zum Einkaufsalltag dazu. In der Apotheke sind die Pillen schneller in der Tüte, als man „no importa“ (nicht notwendig) sagen kann, und im Supermarkt liegen die Dinger ohnehin parat. Vielleicht nicht mehr an jeder Kasse, aber sicher in jeder Obstabteilung. Und wie wir jetzt wissen, sind die dünnen Tüten die schlimmsten.

Die EU-Kommission will den Plastikwahn jetzt in den Griff bekommen. Das wird auch Zeit. Ohne Gebühren und Verbote geht es nun mal nicht. Solange die Plastiktüten überall griffbereit liegen, nehmen wir sie auch. Geben wir’s doch zu: In solchen Situationen siegt die Bequemlichkeit über das Umweltgewissen nicht nur bei unverbesserlichen Umweltschweinen.

Wir auf Mallorca erleben die Auswirkungen der Tütenorgie hautnah. Etwa dann, wenn das wütende Meer die schier unverwüstlichen Dinger wieder ausspuckt und die Strände mit Plastikmüll übersät sind. Das ist auf einer Urlaubsinsel schlecht fürs Geschäft. Die restlichen Tüten im Meer werden nach und nach in kleinste Teile zerlegt und geraten in die Nahrungskette. Das ist dann ein Umwelt-Desaster.

Spanien hat also besonders viele Gründe, die Forderungen der EU-Kommission rasch umzusetzen. Hoffentlich lässt sich die Regierung Rajoy nicht zu viel Zeit dafür. (Warum eigentlich war es den EU-Mitgliedsländern bislang verboten, Plastiktüten zu verbieten?) Das Schönste daran: Niemand muss befürchten, dass seine Lebensqualität negativ beeinflusst wird. Finnen und Dänen zeigen, dass man auch ohne Plastiktüten leben kann.

Autor: Bernd Jogalla

07

11 2013

Die Werbetrommel schweigt ungerührt

Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn man eine Firma besucht, und die Mitarbeiter dort rund um einen Kickertisch versammelt sind und sich lärmend und lachend die Bälle gegenseitig in die Tore hineindonnern.

Ganz abgesehen von den anderen Annehmlichkeiten, die es für die Mitarbeiter gibt: Etwa eine Sonnenterrasse samt Liegestühlen, ein Teeküche mit Bier im Kühlschrank, freundliche Arbeitsräume mit Blick ins Grüne. Fehlt nur noch der Pool.

Ach was, es gibt innovative Unternehmen auf der Insel, etwa in Sachen Film, die bieten den Mitarbeitern sogar Fitnessräume. Warum nicht gar die Büros am Strand ansiedeln? Da ließe sich in der Mittagspause ein Bad im Meer nehmen, um nachmittags erfrischt weiterzuarbeiten.

Die balearischen Politiker dürfen nicht schlecht gestaunt haben, als sie vor gut einer Woche die neue Niederlassung des Hotelpreise-Vergleichsportals Trivago im Parc Bit besuchten. Während in spanischen Behörden Sekretärinnen meist im Flur sitzen, war dort eine Grünzone zu finden. Gut fürs Auge und fürs Gemüt.

„Also, diese Art Unternehmenskultur ist mittlerweile eigentlich Standard bei westlichen Internet-Firmen“, sagt ein Insider. Arbeitsforscher haben eruiert: Wo spielerisch gearbeitet wird, wird sogar mehr gearbeitet, als dort, wo stur nach Zeitplan Schicht im Schacht ist.

Die Frage ist, warum bisher so wenig Internetfirmen den Weg nach Mallorca gefunden haben. Die, die kamen, kamen aus eigenem Antrieb. Etwa, weil die Fluganbindung so gut und die Lebensqualität für die Mitarbeiter so hoch ist. Ernsthaft geworben hat niemand um diese Unternehmen, erst recht nicht von offizieller Seite.

Wenn die Balearen-Regierung Geld zückt, wenn überhaupt, dann ist es für touristische Werbung. Das Anlocken von innovativen Unternehmen, die hier dank digitaler Vernetzung leicht anzusiedeln wären und damit auf der Inselscholle Arbeitsplätze und Umsätze schaffen würden, findet öffentlichkeitswirksam kaum statt. Schade eigentlich, denn für solche Kreativ-Start-ups, Existenzgründer und Internet-Dienstleister wäre „Mallorca“ sicher eine wohlklingende Firmenadresse.

Autor: Alexander Sepasgosarian

15

08 2013