Entrada etiquetada ‘Unglücke’

Nach der großen Flut hat sich in Sant Llorenç schnell viel getan

Es ist erstaunlich, wie schnell und agil Behörden handeln können: Ein Jahr nach der Flutkatastrophe von Sant Llorenç freuen sich Einwohner dort zum Teil geradezu ungläubig, wie rasch und unbürokratisch ihnen von der Balearen-Regierung unter die Arme gegriffen wurde. Ehemals ramponierte Häuserfassaden und sonstige Wände wurden denn auch fleißig angestrichen, Fensterläden massenhaft neu lackiert. Und nicht nur das: Was ansonsten in der Infrastruktur mit Sicherheit viel länger gedauert hätte, wurde in dem Unglücksort fast atemberaubend schnell erledigt: Zahlreiche Straßen erhielten dort inzwischen neue Teerdecken. Man reibt sich überrascht die Au- gen und kann laut ausrufen: Ja, sogar im bekanntlich eher schläfrigen, aber im Grunde durchaus korrekten Spanien kann der Amtsschimmel galoppieren, sofern es hart auf hart kommt.

Aber was soll die ganze Eile, wenn das Wichtigste einfach nicht gemacht wird? Über den Todes-Sturzbach, der sich am Rande des Ortes in seinem Betonbett befindet, führen mehrere Brücken mit meterdicken Wänden. Und die wirkten am 9. Oktober 2018 wie Staumauern und lenk- ten die mit Karacho herunterströmenden Wassermassen in die Dorfstraßen von Sant Llorenç. Es müssten dort also dringend Öffnungen eingebaut werden, um bei ei-findet, führen mehrere Brücken mit meterdicken Wänden. Und die wirkten am 9. Oktober 2018 wie Staumauern und lenkten die mit Karacho herunterströmenden Wassermassen in die Dorfstraßen von Sant Llorenç. Es müssten dort also dringend Öffnungen eingebaut werden, um bei einer neuen Flutwelle das Durchfließen zu garantieren. Das ist bislang nicht ge- schehen. Immerhin: Die Gemeinde hat bereits leere Flächen am Rande des „Torrents” erworben, um die Wassermassen im Notfall dort- hin umzuleiten und so Überschwemmungen zu verhindern beziehungsweise zu minimieren.

Im Großen und Ganzen gingen die Arbeiten in Sant Llorenç erstaunlich glatt über die Bühne. Und das liegt daran, dass wir auf Mallorca gottlob im gut funktionierenden West-Europa leben. Eine so reibungslose Leistung wäre in korrupten Drittweltstaaten, wo sich ganze Heerscharen öliger Politiker nach ähnlichen Katastrophen bekanntermaßen ohne Zeitverzug mit Hilfsgeldern die Taschen gefüllt hätten, kaum vorstellbar.

Autor: Ingo Thor

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03

10 2019

Es ist noch einmal gut gegangen

Et hätt noch emmer joot jejange: Das rheinische Grundgesetz besagt, dass das, was gestern gut gegangen ist, auch morgen funktionieren wird. Selbst wenn es Murks ist. Es hat wohl dieses Mal auch vor Mallorca Geltung gehabt, Gott sei Dank möchte man sagen. Schenkt man den Aussagen Glauben, die die von der brennenden Fähre „Sorrento“ geretteten Passagiere gemacht haben, ging es an Bord des havarierten Schiffes chaotisch zu. Die international zusammengewürfelte Mannschaft kannte offenbar das Sicherheitsprotokoll nicht und konnte sich untereinander auch kaum verständigen. Die Rettungsboote funktionierten nur eingeschränkt. Insgesamt scheinen die Sicherheitsvorkehrungen mangelhaft gewesen zu sein. Wie drückten es einige der Geretteten aus: Wenn mehr Passagiere an Bord gewesen wären, hätte es eine Katastrophe gegeben. Schließlich waren nur 156 auf dem Schiff, Kapazität hätte es für mehr als 900 gegeben.

Funktioniert hat offenbar das Rettungsprotokoll der Seerettung. Auch wenn einige Passagiere über Schwierigkeiten beim Umstieg von der brennenden auf die andere Fähre berichtet haben. So eine Operation auf See läuft nicht immer problemlos ab, zumal wenn sie durch Qualm erschwert wird.

Am Ende gab es weder Schwerverletzte noch Tote zu beklagen. Auch die Umwelt bleibt nach bisherigem Stand offenbar verschont. Die Saison kann also kommen, alles wieder gut vor und auf Mallorca.

Doch halt: Sollte man diesen Warnschuss vor den (Schiffs-)Bug nicht zum Anlass nehmen, die Sicherheitskontrollen von Fährschiffen zu erhöhen? Sie sind täglich im Gewässer vor Mallorca unterwegs, transportieren Menschen und teilweise Gefahrgut. Wenn dieses Fast-Unglück ohne Konsequenzen bleiben sollte, macht sich trotz aller Erleichterung ein flaues Gefühl breit: Die Passagiere und Mallorcas Bewohner als mögliche Betroffene einer Umweltkatastrophe haben Glück gehabt. Viel Glück. Man sollte es in Zukunft nicht überstrapazieren.

Autor: Thomas Zapp

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30

04 2015

Der Absturz von Flug 4U9525 lässt auf Mallorca kaum jemanden kalt

In der Regel spielen sich Tragödien weit entfernt von uns ab: Tsunamis am anderen Ende der Welt, Erdbeben in entlegenen Regionen, Kriege auf fremden Kontinenten, Seuchen und Hungersnöte im tiefsten Afrika. Meist schenken wir solchen Themen nur vorübergehend unsere Aufmerksamkeit – nämlich bis zur nächsten Katastrophe. Wer noch nicht gänzlich abgestumpft ist von den tagtäglichen Schreckensmeldungen, der wird sich wohl noch in das Leiden der Mitmenschen hineinversetzen können. Wirklich betroffen aber sind meist doch nur die anderen. Den Beitrag vollständig lesen →

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26

03 2015