Entrada etiquetada ‘Tramuntana’

Mallorcas Rettungskräfte sind einer Wanderinsel nicht angemessen

Es geht nicht um Schuld. Der Tod der deutschen Wanderin Jana Lugt in Mallorcas Bergen war ein schrecklicher Unfall. Wenn die Formulierung „Verkettung unglücklicher Umstände” jemals zutraf, dann in diesem Fall. Das wissen auch die Angehörigen der jungen Frau, trotz des schmerzhaften Verlustes eines geliebten Menschen. Die Familie wendet sich an die Öffentlichkeit, weil sie hofft, dadurch etwas bewegen zu können auf der Insel. Damit sich so etwas nicht wiederholt. Sie haben recht damit.

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08

08 2016

Eine Gratwanderung in der Tramuntana

Das Hin und Her im Zusammenhang mit dem eigentlich fürs nächste Frühjahr geplanten Tramuntana-Extremlauf „Ultra Mallorca“ zeigt, wie schwierig es auf dieser Insel ist, das Gleichgewicht zwischen Tourismus und Umweltschutz zu bewahren. Auf der einen Seite sind alle heilfroh über jede Veranstaltung, die die Nebensaison auf Mallorca belebt, auf der anderen Seite sind die Bedenken groß, mehrere Tausend Extremläufer im Dauerlauf durchs Unesco-geschützte Welterbe trampeln zu lassen. Den Beitrag vollständig lesen →

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07

01 2016

Mallorcas natürliche Ressourcen sind permanent überlastet

Das kritische Bewusstsein der Urlauber hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, da sind sich die Experten einig. Eine wachsende Zahl der Touristen setzt sich durchaus mit den Folgen des eigenen Tuns auseinander. Kein Wunder, dass es kaum noch Hotels gibt, in denen die Gäste nicht aufgefordert werden, ihre Handtücher mehrfach zu benutzen und dadurch Wasser zu sparen. Löblich ist auch, dass Mallorcas Hoteliers mit lokalen Produzenten kooperieren, um einerseits die lokale Wirtschaft zu stärken und andererseits den CO2-Ausstoß möglichst gering zu halten. Den Beitrag vollständig lesen →

29

01 2015

Der ewige Spagat; was ist wichtiger: Umwelt oder Wirtschaft?

Dass Mallorcas Natur ein unbedingt schützenswertes Gut ist, das sehen mittlerweile selbst Bauunternehmer, Hoteliers und PP-Politiker so, nachdem auf der Insel jahrzehntelang weitgehend ohne Sinn und Verstand ganze Landstriche zubetoniert wurden. Es ist heute allgemein akzeptierter Konsens, dass Mallorcas Schönheit nicht zerstört werden darf. Denn davon lebt diese Insel nun einmal, die Jahr für Jahr fast zehn Millionen Touristen anlockt. Auf der anderen Seite braucht die Insel Investitionen. Die Touristenzonen müssen modernisiert werden, die Infrastruktur muss auf dem neuesten Stand sein, neue Attraktionen müssen her. Denn dass Mallorca im internationalen Wettbewerb den Anschluss verliert, kann auf der Insel auch niemand wollen.

Es ist ein fortwährender Spagat zwischen ökologischer Zurückhaltung und wirtschaftlicher Notwendigkeit, den die Entscheidungsträger auf der Insel vollführen müssen. Deshalb ist es von großer Bedeutung, die wirklich wichtigen Dinge nicht aus dem Blick zu verlieren. Im Fall des nun geplanten Ausbaus des Hafens von El Molinar stellt sich etwa die Frage, ob Mallorca tatsächlich 200 weitere Bootsliegeplätze braucht, wo es doch aktuell schon fast 20.000 gibt. Bereits jetzt herrscht an Sommertagen vor Mallorcas Küste ein solcher Verkehr, dass man sich bange fragt, wie lange die Umwelt das noch ertragen kann. Dazu kommt, dass der Nautiktourismus ein ausgesprochener Sommertourismus ist. Yachtbesitzer kommen nur, wenn es schön warm ist. Einen Beitrag zur Stärkung der Nebensaison leistet diese Art Tourismus nicht.

Genau das aber sollte das alles entscheidende Kriterium sein, wenn es darum geht, über die Sinnhaftigkeit eines touristischen Projektes zu befinden. Die Insel braucht ganz gewiss kein Wachstum mehr in den warmen Monaten. Von Mai bis Oktober ist Mallorca ohnehin praktisch ausgebucht. Unberührte Natur sollte auf Mallorca grundsätzlich nur noch dann geopfert werden, wenn zu erwarten ist, dass Urlauber in der Nebensaison angelockt werden. Das wäre ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen.

Autor: Jonas Martiny

14

11 2013

Eigentum verpflichtet

Wer über reichlich materielle Besitztümer verfügt, der trägt auch eine besondere Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber. Dieser Gedanke ist nicht nur im deutschen Grundgesetz verankert, sondern auch in der spanischen Verfassung, und ist also Teil der Normen, die in unserem Kulturkreis das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft regeln. Eigentum verpflichtet – was damit gemeint ist, verdeutlicht auf ganz besonders anschauliche Weise ein Beispiel aus der mallorquinischen Realität.

Mehr als 90 Prozent des Tramuntana-Gebirges befinden sich in Privatbesitz. Dabei handelt es sich zum Teil um enorme Ländereien, um historische Herrenhäuser, um Wälder, Weiden, Terrassengärten, um spektakuläre Landschaft, um Mallorcas kulturelles Erbe. Die Zeiten, in denen sich die Landgüter in der Tramuntana gewinnbringend bewirtschaften ließen, sind längst vorüber. Im materiellen Sinne wertvoll ist das Gebirge heute nur noch als Kulisse für das touristische Mallorca. Statt Köhler werden die jungen Insulaner heute Kellner. Das hat weitreichende Folgen.

Denn Wälder und Felder, die nicht genutzt werden, liegen brach und verwildern. Die Menge der Biomasse in der Tramuntana hat in den vergangenen Jahrzehnten extrem zugenommen – und mit ihr die Gefahr von Waldbränden. Als Ende Juli im Südwesten ein verheerendes Feuer mehr als 2330 Hektar Fläche vernichtete, zeigten sich die Folgen dieser Entwicklung: Die Flammen konnten sich in Windeseile ungehindert ausbreiten. Darunter hatten dann auch diejenigen zu leiden, die ihre Fincas eigentlich gut in Schuss halten, wie etwa die Umweltschützer vom GOB.

Die Bewahrung der Tramuntana fällt in den Verantwortungsbereich der Grundbesitzer. Ebenso wie es verboten ist, in den Sommermonaten in Waldnähe Feuer zu machen, sollten die Eigentümer der Fincas dazu verpflichtet sein, auf ihren Landgütern Brandschutzmaßnahmen zu ergreifen. Zum Wohle der Allgemeinheit.

Autor: Jonas Martiny

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10

10 2013

Zumindest das Vorgehen der Einsatzkräfte war keine Tragödie

Gleich zwei tragische Ereignisse haben in den vergangenen Tagen spanienweit die Nachrichten beherrscht: Zum einen die Zugkatastrophe von Galicien, bei der 79 Menschen ums Leben kamen. Zum anderen – zum Glück ohne Todesopfer – der Waldbrand im Südwesten Mallorcas.

Auf den ersten Blick haben diese beiden Ereignisse nichts miteinander zu tun. Wenn es eine Gemeinsamkeit gibt, dann vielleicht diese: Die Einsatzkräfte haben an beiden Unglücksorten rasch, professionell und koordiniert ihren Job gemacht. Chaos und gegenseitige Behinderungen hat es allem Anschein nach nicht gegeben. Wie am Mittwoch in den Nachrichten verlautete, traf in Galicien, wo ein Schnellzug vollständig entgleist war, der erste Krankenwagen bereits zwei Minuten nach dem Notruf am Unfallort ein.

Auf Mallorca soll die Zusammenarbeit zwischen den vielen sehr unterschiedlichen Brandbekämpfern – Feuerwehren, Polizeien, Armeeangehörigen, Löschflugzeugpiloten, Forstmitarbeitern, Kommunalangestellten – bestens geklappt haben. Das ist irgendwo tröstlich, denn wenn der Wald aufgrund von Inkompetenz und Koordinationsdefiziten noch immer am Lodern wäre, dann wäre das (Image-)Desaster für Mallorca noch weitaus größer.

Schlimm genug, dass der Wald abgefackelt wurde. Traurig genug, dass die Ursache diesmal „nur“ Fahrlässigkeit war, nachdem im Vorjahr noch ein krimineller Brandstifter die vielen, wenn auch vergleichsweise kleinen Brände gelegt hatte.

Fazit: Mallorcas Wälder sind im Sommer hochgefährdet. Das unterstreicht einmal mehr, wie wichtig Waldpflege, Vorsorge und Wachsamkeit sind, um das Brandrisiko zu minimieren. Hier zu investieren, und auch mehr, kann nicht der falsche Weg sein.

Aber es wäre schön, wenn nicht nur die vorbildliche Einsatzfähigkeit der Notfallkräfte europäische Standards erfüllen würde. Auch die Gesellschaft muss mitziehen. Es darf nicht sein, dass Bauschutt und Abfälle in die Landschaft abgekippt werden, wo zwischen verdorrten Gräsern jede leere Flasche, jede Glasscherbe im Sonnenschein potenziell zu einem Brennglas werden kann.

Autor: Alexander Sepasgosarian

01

08 2013

Welterbestatus der Tramuntana zeigt kaum Wirkung

Mehrere Jahre lang hatte sich Mallorcas Inselrat intensiv darum bemüht, dass die Unesco doch die Tramuntana zum Welterbe erklären möge, und dabei weder Kosten noch Anstrengungen gescheut. Im Juni 2011 war es dann endlich so weit, die Freude war einhellig – und ging sogar über Parteigrenzen hinweg, was sonst nicht alle Tage vorkommt auf Mallorca im Besonderen und in Spanien im Allgemeinen.

Lediglich die Grundbesitzer meldeten Zweifel an: In Sorge, die bürokratischen Hürden, die zu überwinden sein würden, um wirtschaftliche Aktivitäten in der Tramuntana aufzunehmen, könnten nun noch höher werden.

Jetzt werde ein Aktionsplan erarbeitet, verkündete der Inselrat damals, um die Auszeichnung denn auch gleich in angemessener Form zu nutzen, für Werbezwecke in erster Linie. Dann ebbte zunächst die anfängliche Euphorie ab, die Konservativen übernahmen die Regierungsverantwortung, was das übliche Stühlerücken in den Ministerien und Dezernaten nach sich zog, und von der Tramuntana sprach schon bald niemand mehr.

In den ersten beiden Jahren seit der Titelvergabe durch die Unesco hat sich kaum etwas getan. Der angekündigte Aktionsplan liegt in der Schublade. Geld, ihn umzusetzen, gibt es nicht. Bislang ist es noch nicht einmal gelungen, die Bürgermeister der 19 Gebirgsgemeinden an einen Tisch zu bringen. Das wiederum dürfte unerlässlich sein, will der Inselrat das Vorgehen mit ihnen abstimmen.

Dass die Rivalitäten zwischen den Dörfern gerade in den Bergen weitaus bedeutsamer sind als die Gemeinsamkeiten, hat sich schon bei dem gescheiterten Versuch gezeigt, einen funktionierenden Gemeindeverband auf die Beine zu stellen.

Und auch für das allerdinglichste aller Probleme ist noch längst keine Lösung in Sicht: Die Tramuntana ist als Kulturlandschaft nur zu bewahren, wenn sich dort ein tragfähiges Wirtschaftsmodell entwickelt. Ansonsten bleibt der Welterbestatus auch weiterhin nur ein symbolischer Akt.

Autor: Jonas Martiny

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25

04 2013