Entrada etiquetada ‘Kommunen’

Keine italienischen Verhältnisse bitte

Wer einmal in Norditalien war, weiß, wie die Auswüchse der „Strandindustrie“ aussehen können. Der öffentlich zugängliche Teil des Küstenabschnitts eines beliebigen Ortes hat die gefühlte Größe von zehn Badehandtüchern, der Rest wird privat bewirtschaftet, sprich: Er ist vom öffentlichen Teil durch Absperrungen getrennt, steht voller Liegen oder wird von einer Bar belegt. Wer sich hier aufhalten will, zahlt. So schlimm ist es auf Mallorca Gott sei Dank noch nicht und wird es wohl in absehbarer Zukunft auch nicht werden. Der Strand ist grundsätzlich öffentlich zugänglich und Strandbuden dürfen eine bestimmte Größe nicht überschreiten. Den Beitrag vollständig lesen →

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05 2015

Roulette an der Playa – Warum nicht?

Las Vegas, Monte Carlo oder Baden-Baden: Das klingt nach edler Glitzerrobe, noblen Karossen, Filmkulisse für Agentenfilme und den großen Nervenkitzel. Wie bekannt wären diese Orte wohl ohne ihre Kasinos? Stilvoll betriebenes Glücksspiel kann ein Anziehungspunkt für Touristen sein und auch für die einheimische Bevölkerung ein Treffpunkt für einen besonderen Abend. Nicht zu vergessen ist die wachsende Zahl der Anhänger des Pokerspiels, die für ihre Turniere rund um die Welt reisen.

Das Kasino der Stadt Palma hat sich in den knapp zwei Jahren seiner Existenz bislang nicht wirklich als Werbeträger etablieren können. Vermutlich wissen viele nicht einmal, dass es in der Balearenhauptstadt überhaupt eins gibt. Eingebettet in den alten Kinosaal eines Einkaufszentrums am Stadtrand versprüht es einen eher zurückhaltenden Glamour, um es mal vorsichtig auszudrücken. Dass die Stadt nun die Lizenz für ein zweites Kasino vergeben will, klingt logisch. Nicht zu verstehen ist, warum der Favorit auf den Zuschlag eine alte Bingo-Halle in der Nähe des Hinterausgangs einer Markthalle und in Rufweite eines stadtbekannten Straßenstrichs ist. Wer soll denn dort hingehen? Leute mit Lust auf einen stilvollen Abend gewiss nicht. Darüber hinaus wird ein Kasino an diesem Standort direkt Kundschaft vom etwa drei Kilometer Luftlinie entfernten bestehenden Kasino abziehen.

Was spricht also gegen die konkurrierende Option, ein Kasino an der Playa de Palma: Wollte die Stadt dort nicht ohnehin mit einer Verschönerungskur beginnen? Ein Fünf -Sterne-Hotel mitsamt einem edlen Kasino wäre mal ein Anfang, ganz abgesehen vom Investitionsvolumen privater Investoren in Höhe von 100 Millionen Euro. Schließlich sind die dahinterstehenden Firmen keine Windeier, sondern mit Nervión und Hipotels zwei etablierte Unternehmen in ihren Branchen. Und keine Angst vor Störungen durch die klassischen Playa-Besucher: Die „Schinkenstraßen-Fraktion“ reagiert erfahrungsgemäß allergisch auf hohe Getränkepreise und strenge Kleiderordnung. Letztere wäre daher unbedingt zu empfehlen.

Autor: Thomas Zapp

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11 2013

Welterbestatus der Tramuntana zeigt kaum Wirkung

Mehrere Jahre lang hatte sich Mallorcas Inselrat intensiv darum bemüht, dass die Unesco doch die Tramuntana zum Welterbe erklären möge, und dabei weder Kosten noch Anstrengungen gescheut. Im Juni 2011 war es dann endlich so weit, die Freude war einhellig – und ging sogar über Parteigrenzen hinweg, was sonst nicht alle Tage vorkommt auf Mallorca im Besonderen und in Spanien im Allgemeinen.

Lediglich die Grundbesitzer meldeten Zweifel an: In Sorge, die bürokratischen Hürden, die zu überwinden sein würden, um wirtschaftliche Aktivitäten in der Tramuntana aufzunehmen, könnten nun noch höher werden.

Jetzt werde ein Aktionsplan erarbeitet, verkündete der Inselrat damals, um die Auszeichnung denn auch gleich in angemessener Form zu nutzen, für Werbezwecke in erster Linie. Dann ebbte zunächst die anfängliche Euphorie ab, die Konservativen übernahmen die Regierungsverantwortung, was das übliche Stühlerücken in den Ministerien und Dezernaten nach sich zog, und von der Tramuntana sprach schon bald niemand mehr.

In den ersten beiden Jahren seit der Titelvergabe durch die Unesco hat sich kaum etwas getan. Der angekündigte Aktionsplan liegt in der Schublade. Geld, ihn umzusetzen, gibt es nicht. Bislang ist es noch nicht einmal gelungen, die Bürgermeister der 19 Gebirgsgemeinden an einen Tisch zu bringen. Das wiederum dürfte unerlässlich sein, will der Inselrat das Vorgehen mit ihnen abstimmen.

Dass die Rivalitäten zwischen den Dörfern gerade in den Bergen weitaus bedeutsamer sind als die Gemeinsamkeiten, hat sich schon bei dem gescheiterten Versuch gezeigt, einen funktionierenden Gemeindeverband auf die Beine zu stellen.

Und auch für das allerdinglichste aller Probleme ist noch längst keine Lösung in Sicht: Die Tramuntana ist als Kulturlandschaft nur zu bewahren, wenn sich dort ein tragfähiges Wirtschaftsmodell entwickelt. Ansonsten bleibt der Welterbestatus auch weiterhin nur ein symbolischer Akt.

Autor: Jonas Martiny

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04 2013