Sant Sebastià: Neue Ideen braucht die Stadt

Die Tageszeitung Ultima Hora erteilte die Höchststrafe: Auf ihrer Titelseite am Dienstag bezeichnete sie die Konzertnacht zur Fiesta Sant Sebastià in Palma als „koffeinfrei“. Das soll heißen: Die Fete war stinklangweilig. Das schlechte Wetter wollen die Festkritiker als Ausrede nicht gelten lassen. Das Konzept sei einfach nicht mehr aktuell.

Damit haben sie sicherlich recht. Die Stadt Palma hat das seit Jahrzehnten bestehende Gehäuse der Fiesta stehen lassen, es gleichzeitig aber seiner Inhalte beraubt. In früheren Jahren lockten Spitzenbands bei der Revetla 50.000 Besucher und mehr in die Innenstadt; dieses Mal sollen es noch 22.000 gewesen sein. Man musste ja auch ein großer Insider sein, um wenigstens einige der Musiker zu kennen.

Zweites Spitzenereignis war über Jahre ein gigantisches Feuerwerk mit sechsstelligen Besucherzahlen (und Kosten). Daraus wurde dann eine reduzierte Lightshow und schließlich ein Feuerlauf („Correfoc“), wie man ihn auf jedem zweiten Dorffest sieht. Gleichzeitig wurde die Festbroschüre von Jahr zu Jahr dicker: Kirchenführungen, Golf- und Boule-Turniere, Ausstellungen – da hat man alles reingeschrieben, was in dieser Jahreszeit wohl ohnehin stattfinden würde.

Der Grund für den Niedergang ist bekannt und nachvollziehbar: Es muss gespart werden. Die Zeiten des Prassens sind vorüber. „Brot und Spiele“, das war einmal.

Wenn dem so ist, macht es aber auch keinen Sinn mehr, an dem alten Gerüst festzuhalten. Neue Ideen sind gefragt. Bei ihrem gelungenen Tourismuskonzept hat die Stadtverwaltung bewiesen, dass sie durchaus in der Lage ist, auch mit kleinen Etats etwas zu bewegen. Sant Sebastià braucht auch so eine Erneuerung, damit die Menschen – im doppelten Sinne des Wortes – wieder mitgehen.

Sant Sebastià ist in erster Linie für die Einwohner gedacht. Es ist aber auch eine touristische Attraktion im ereignisarmen Winter und verdient entsprechende Aufmerksamkeit.

So hoffen wir auf einen Neuanfang im Januar 2016. Und auf besseres Wetter natürlich.

Autor: Bernd Jogalla

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01 2015

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