Republikanische Krönung

Die Amtseinführung von Spaniens neuem König Felipe VI. fällt ausgesprochen nüchtern aus. Wenn man (wie übrigens schon seit dem 19. Jahrhundert) vom Aufsetzen einer Krone absieht, wirkt das zwar sehr zeitgemäß. Dass aber auch auf einen Empfang für ausländische Staatsgäste und eine feierliche katholische Messe verzichtet wird, erstaunt viele Beobachter. Offenbar will das neue Staatsoberhaupt Rücksicht auf die Gefühle derjenigen Bürger nehmen, die selbst am Nötigsten sparen müssen oder die Kirche und ihre Kampagne zur Kriminalisierung der Abtreibung im Zusammenspiel mit konservativen Politikern eher kritisch sehen.

Wichtige Aufgabe eines Königs ist es in der parlamentarischen Monarchie, über den Parteien zu stehen und die „zwei Spanien“ („las dos Españas“) zu versöhnen, die sich im 20. Jahrhundert immer wieder bis aufs Messer bekämpft haben – bis hin zum blutigen Bürgerkrieg. Selbst heute prägen sie ein Stück weit die politische Kultur, wenn es darum geht, über weltanschauliche Gräben hinweg konstruktiv zusammenzuarbeiten, oder eben nicht.

Bemerkenswert ist im Übrigen auch der Prozess, mit dem die Thronfolge abgesegnet wurde. Das Parlament hat dem Übergang von Juan Carlos zu Felipe mit 80 Prozent zugestimmt, der Senat sogar mit über 90 Prozent. Wäre man mit der Monarchie unzufrieden, hätte man stattdessen auch ein Referendum zur Einführung der Republik beschließen können. Das war offensichtlich nicht gewünscht – wohl auch weil ein König institutionelle Stabilität gewährleistet und weiter als Garant für die bei Katalanen oder Basken umstrittene Einheit der Nation dienen soll.

Da ist es nur logisch, dass Felipe VI. nicht gekrönt, sondern im Parlament proklamiert wird. Auch als Symbol dafür, dass sich jede Generation der Familie das Vertrauen der Bürger neu verdienen muss. Trotz kritischer Momente ist das bei Juan Carlos gelungen – vor allem mithilfe von demokratischen Politikern wie dem kürzlich verstorbenen Adolfo Suárez. Mögen Felipe ähnlich gute Berater zur Seite stehen wie seinem Vater in den besten Momenten. Die Aufgaben sind fast ebenso schwierig wie damals.

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MMRedaktion

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06 2014

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