Das Vabanquespiel der Francina Armengol

Es ist ein Vabanquespiel, das die balearische Regierungschefin gerade spielt. Aber jeden Tag wird klarer, dass sie es gewinnen könnte. Um die Hochsaison zu retten und damit Jobs zu bewahren und auch zu schaffen, hat Francina Armengol für die Inseln die inzwischen härtesten Einschränkungen spanienweit zementiert: nächtliche Ausgangssperre ohne Alarmzustand, weiter stark eingeschränkte private Treffen, Tests auch für Inlandseinreisende. Der Lohn für die Härte ist die anhaltend niedrige Corona-Inzidenz.

Die mitunter schon als Insel-Thatcher bezeichnete Armengol nimmt ungerührt in Kauf, dass die Stimmung in der Bevölkerung schlechter wird. In der Nacht zum Sonntag kam es in Palma sogar zu gewalttätigen Ausschreitungen. So etwas hatte man hier jahrelang nicht gesehen. Wäre jetzt Wahl, würde man die Sozialistin wohl in die Wüste schicken. Doch eine neue Regierung wird auf den Inseln das nächste Mal erst 2023 bestimmt. Bekanntlich sind die Menschen vergesslich. Steckt man ihnen kurz vor Urnengängen Brot in die Münder, werden sie handzahm wie gut gefütterte Kälber. Übersetzt heißt das: Gibt man verarmten Menschen Jobs – und die gibt es halt fast nur im Tourismus – werden sie ruhig. Zwar wird es immer gewaltbereite Personen geben, doch Bodensatz gehört halt zu einer Gesellschaft.

Sollte es keine weitere Corona-Welle geben, wird man zu Pfingsten und im Sommer wieder viele Bundesbürger auf Terrassen sitzen sehen. Emsige Kellner werden sie gern bedienen und nicht auf die Idee kommen, nachts Bambule zu machen. Die Zeit wird vergehen. Wer wird sich in zwei Jahren noch an die strengen Regeln von gestern erinnern? An die Polizisten, die einen manchmal mit bösem Blick fixierten, wenn die Maske schief saß? Gut möglich, dass man dann Armengol – wenn sie denn wieder antritt – für ihre Stringenz an den Urnen würdigt. Aber was ist schon voraussagbar … Man könnte auch dermaßen traumatisiert sein, dass man Sozialismus auf den Balearen nie wieder erleben will.

Autor. Ingo Thor

13

05 2021

Regionalwahl in Madrid hat Signalwirkung

Das Ergebnis der Regionalwahl in Madrid transportiert mehrere Botschaften. Erstens: Wer Corona-Maßnahmen lockert, kommt gut an. Zweitens: Die Zentralregierung Spaniens muss noch stärker als zuvor auf die politische Stimmung in der Hauptstadt schauen. Und: Egal wie verroht Wahlkampf geführt wird, die Art und Weise hat nachher kaum Konsequenzen und wird vergessen.

Vor der Wahl in Madrid haben die politischen Führer Wähler gegeneinander aufgehetzt. Die Folge waren an Politiker adressiert Messer mit Blutspuren sowie Patronen. Sprich Morddrohungen. Das war selbst für Spanien, wo Rechts und Links im Gegensatz zu Deutschland kaum miteinander regieren könnte, besorgniserregend.

Madrids Wahlsiegerin Isabel Díaz Ayuso von den Konservativen warb mit dem Slogan „Kommunismus oder Freiheit”. Beide Worte waren überzogen. Vermutlich haben noch nicht mal Anhänger von Ayusos Partido Popular ernsthaft geglaubt, dass linksgerichtete Parteien im Fall eines Wahlsiegs kommunistische Strukturen eingeführt hätten. Frei ist in der spanischen Hauptstadt auch jeder – und während der Pandemie hatten besonders Madrilenen vergleichsweise viele Freiheiten. Bars und Restaurants sind bis 22 Uhr geöffnet. Der Slogan war übertrieben, hatte aber einen wahren Kern.

Welche Auswirkung der überragende Wahlsieg der Partido Popular in Madrid auf nationaler Ebene hat, bleibt abzuwarten. Die Zeitung „El País” spricht von einem politischen Erdbeben. Zumindest der Ton gegenüber der sozialistischen Regierung von Pedro Sánchez dürfte noch rauer werden. Dass sie den Alarmzustand am Sonntag auslaufen lässt und Grundrechte schwieriger einzuschränken sind, trägt dem Stimmungsbild in der Gesellschaft Rechnung.

Auch die sozialistische Regionalregierung der Balearen dürfte der Wahlsieg der Konservativen zumindest beunruhigen. Sie kämpft im Gegensatz zu Ayuso für strenge Corona-Regeln. Für diese ist die Ausgangssperre fast zum Synonym geworden. Wie auch immer das Ringen ausgeht: Eine populistische Debatte wie in Madrid ist während einer Gesundheitskrise unangebracht.

Autor Philipp Schulte

06

05 2021

Abend-Frohsinn ist gut, Vorsicht aber auch

Von einer bequemen Situation für die Wirte kann auf Mallorca derzeit nicht die Rede sein. Zwar dürfen sie jetzt abends ihre Terrassen an einigen Tagen wieder öffnen, doch sie müssen diese zuvor um 17 Uhr schließen. Es dürfte schwierig sein, ein Restaurant erst herunterzufahren und drei Stunden später wieder hochzufahren. Dass einige vor dem komplizierten Personalmanagement in dieser Lage zurückschrecken, ist nachvollziehbar. Das Ganze kann sich wohl nur bei schönem Wetter rechnen, zumaldie Innenräume noch immer nicht aufgemacht werden dürfen. Es könnte sein, dass dies ab dem 10. Mai wieder möglich wird, aber alles hängt bekanntlich von der Entwicklung der Corona-Inzidenz ab.

Der vorsichtige Kurs der Regierung gerade im Gastrobereich hat sich bislang als goldrichtig erwiesen. Denn würde man den Wirten erlauben, durchgängig zu öffnen, blieben viele Menschen sitzen, und selbstredend befördert die Alkoholseligkeit das Ansteckungsgeschehen. Dass nur die Terrassen aufmachen dürfen, kommt ebenfalls nicht von ungefähr. Mehreren Studien zufolge ist das Ansteckungsrisiko bei stehender Luft in Innenräumen um ein Vielfaches höher. Das hatte man bereits im März gemerkt, als kurzzeitig das Innere betretbar war. Schnell ging es mit der Inzidenz wieder nach oben. Vor diesem Hintergrund ist auch zu verstehen, dass das Abendvergnügen an Wochenenden nicht stattfinden darf.

Dass Vorsicht angebracht ist, wurde bereits am ersten Abend, am 26. April, schon klar (S. 6) : Auf einigen Terrassen ballten sich gefährlich die Menschen, auch bei den Tischen wurden mancherorts nicht im mindesten die Abstandsregeln eingehalten. In Palmas Ausgehviertel Santa Catalina trieben sich durchaus jüngere Menschen ohne Masken herum, die laut redeten. Ob die vier Abende pro Woche dazu beitragen, die Inzidenz signifikant zu erhöhen, wird sich zeigen. Dass die Regierung handeln wird, wenn es so sein sollte, ist sicher. Und es ist im Hinblick auf die Hochsaison auch gut. Es bleibt zu hoffen, dass der Großteil der Menschen so diszipliniert wie in den vergangenen Wochen ist.

Autor: Ingo Thor

29

04 2021

Das große Ziel ist, die Sommersaison zu retten

Langsam und in Ruhe will die Ministerpräsidentin der Balearen, Francina Armengol, ab 26. April die coronabedingten Einschränkungen lockern. Zeitgleich zu ihrer Ankündigung verabschiedete in Deutschland der Bundestag die sogenannte „Corona-Notbremse”. Im Vergleich zur deutschen Corona-Politik, die seit Monaten den Eindruck eines planlosen Hin und Her erweckt, lassen sich die Maßnahmen auf Mallorca – trotz aller Kritik – durchaus als Krisenmanagement bezeichnen. Und während in Deutschland und anderen Ländern die Inzidenz-Zahlen nicht in den Griff zu kriegen sind, ist die Lage auf Mallorca weitaus entspannter. Selbst an Ostern nahmen die Neuansteckungen nicht zu.

Trotzdem wird es auf Mallorca nur vorsichtige Lockerungen geben. Seit dem 12. April dürfen sich bereits wieder sechs Personen aus zwei Haushalten privat treffen, ab 2. Mai dürfen große Einkaufsmärkte erneut an Wochenenden öffnen. Den besonders stark gebeutelten Gastronomen will der Govern Balear ab 26. April erlauben, die Terrassen zu vergrößern und nun auch von 20 bis 22.30 Uhr Gäste zu empfangen – von Montag bis Donnerstag und weiter nur an Vierer-Tischen. Dafür wird die nächtliche Ausgangssperre von 22 auf 23 Uhr verkürzt.

Das Innere der Gaststuben bleibt dagegen weiter geschlossen. Grund: hohe Infektionsgefahr in Innenräumen. Tatsächlich war im vergangenen März die Zahl der Infizierten gestiegen, nachdem Lokale auch drinnen bewirten durften.

Dass der Branche diese Erleichterungen nicht weit genug gehen, ist verständlich. Ihr steht das Wasser mittlerweile bis zu den Haarspitzen. Doch die Balearen-Regierung verfolgt seit jeher ein großes Ziel, dem sie alle Lockerungen unterordnet: die Rettung der touristischen Sommersaison.

Um so dringlicher suchen Juristen nach Möglichkeiten, die Ausgangssperre auch nach dem 9. Mai aufrecht zu erhalten. Denn diese ist an den Alarmzustand gebunden, den die spanische Regierung am 9. Mai enden lässt. Der Govern wird – auch wenn der „Toque de queda” fällt – sein Ziel nicht aus dem Blick verlieren. Dazu hängt Mallorcas Wirtschaft zu sehr vom Tourismus ab.

Autor: Martin Breuninger

22

04 2021

Die Ausgangssperre soll bleiben – und eine Perspektive muss her

Die nächtliche Ausgangssperre auf den Balearen ist in den vergangenen Tagen zum Symbol für die Corona-Maßnahmen geworden. Die einen wollen sie abschaffen und weniger eingeschränkt sein. Andere wollen, dass sie weiter wie ein Damm an der See die vierte Corona-Welle aufhält.

Fakt ist, dass der „Toque de queda” den Lebensrhythmus der Menschen verändert. Seit Ende Oktober strukturiert er den Tag, lässt besonders Jugendliche gegen 22 Uhr nach Hause spurten. Sie leiden wie kaum eine andere Altersgruppe unter der Pandemie, weil sie sich öfter als andere mit Freunden treffen – um ein bisschen abzuhängen.

Nächsten Monat, am 9. Mai, soll der Alarmzustand in Spanien enden, wodurch der Balearen-Regierung die rechtliche Grundlage für die Ausgangssperre entzogen würde. Die Ministerpräsidentin der Inselgruppe, Francina Armengol, sucht jedoch nach Möglichkeiten, den Toque de queda aufrechtzuerhalten. Politiker der oppositionellen Parteien Partido Popular und Vox werfen Armengol Autoritarismus vor. Sie verfolge einen Weg, der sich gegen Freiheit richte.

Armengol hingegen hält an der „Desescalada lenta”, der langsamen Öffnung, fest und verweist auf einen Zeitplan. Allerdings sagt sie nicht, wie dieser aussieht. Bars und Restaurants fehlt eine Perspektive, wann sie länger als 17 Uhr öffnen dürfen. Recht gibt Armengol die niedrige Sieben-Tage-Inzidenz auf den Balearen, 30 Corona-Fälle je 100.000 Einwohner. In ganz Spanien steigen die Ansteckungszahlen wohl als Folge der Osterferien – lediglich die Balearen bilden eine Ausnahme.

Die Regierung will diese Zahl den Sommer über halten – oder verringern –, um sicheres Reiseziel zu sein. Die regionale Wirtschaft braucht Touristen wie ein Tennisspieler Bälle. Doch dass auch diese Saison keine normale wird, ist vielen klar. Hotelbetreiber rechnen damit, wenn es gut läuft, dass sie 50 bis 70 Prozent der Betten belegen. Nur dann lohnt es aufzusperren. Und wie viele der rund 1000 Insel-Hotels machen auf? 400, 500? Das wäre angesichts der Ausgangslage ein Erfolg.

Autor: Philipp Schulte

16

04 2021

Politiker müssen Ausdauer der Menschen belohnen

Gute Nachrichten gab es in den vergangenen Tagen für alle Virusmüden. Müde, erschöpft, genervt von der Corona-Krise dürften Sie, liebe Leser, vermutlich alle sein. Sie haben aber bestimmt nicht die Hoffnung auf ein anderes Leben, auf eines ohne Angst vor dem Virus verloren. Ihre Ausdauer könnte sich bald auszahlen.

Also, vier „Buenas noticias”: Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez verspricht, dass bis Ende August 70 Prozent der Menschen in Spanien geimpft sind. Die Sieben-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner auf den Balearen stabilisiert sich trotz geschätzt 40.000 deutschen Oster-Urlaubern bei 30. In Deutschland geht sie zurück: 110 am Mittwoch. Der Impfpass – oder das grüne Zertifikat – der Europäischen Union, das Reisen leichter machen soll, steht wohl von Juni an zur Verfügung.

Eine fünfte Meldung noch: Die europäische Arzneimittelagentur Ema empfiehlt den Impfstoff von Astrazeneca, der wesentlich zum britischen Impferfolg beiträgt, uneingeschränkt. Der spanische Impfplan könnte aufgehen.

Die Hoffnung auf bessere Zeiten nähren aber auch Diskussionen, wann Restriktionen zurückgenommen werden müssen. Die Ministerpräsidentin der Balearen, Francina Armengol, ist bekanntlich eine Verfechterin strikter Maßnahmen, um mit Zahlen wie derzeit die touristische Saison in zwei Monaten zu erreichen. Wenn der Alarmzustand in Spanien wie angekündigt am 9. Mai endet, verliert Armengol jedoch Befugnisse. Die Ausgangssperre, die den Tagesrhythmus vieler Menschen verändert hat, dürfte nicht mehr haltbar sein.

Und was ist mit Öffnungszeiten von Bars und Restaurants, die derzeit um 17 Uhr schließen? Dort zu sitzen, steht wie kaum etwas für Leben. Die Tage werden länger, die Menschen sehnen sich, um 19 Uhr einen Castell-Miquel-Wein – oder eine Apfelschorle – in sanftem Sonnenlicht zu trinken. Was ist mit Treffen von Menschen aus mehr als zwei Haushalten?

Politiker müssen die Ausdauer der Menschen belohnen. Indem sie ihnen diese Dinge – vorausgesetzt ist eine Sieben-Tage-Inzidenz um 30 – erlauben. Sie würden den Menschen zeigen, dass sie ihnen vertrauen.

Autor: Philipp Schulte

08

04 2021

Die Auferstehung 
der Insel

Mallorca war in den vergangenen ein, zwei Wochen dauerpräsent: Kein Tag, an dem nicht deutsche Medien über die Insel berichteten, aber auch kein Tag, an dem deutsche Politiker nicht auf das Eiland eindroschen. Sie forderten Reiseverbote für die Bundesbürger, nachdem die Osterbuchungen für Mallorca sprunghaft angestiegen waren. Denn die Insel ist, anders als Deutschland, kein Risikogebiet mehr.

Das Reiseverbot hat sich nicht durchsetzen lassen, aber eine neue Testpflicht für Rückreisende nach Deutschland ist seit Dienstag in Kraft. Das muss gar nicht schlecht sein. Die Testpflicht ist zwar ein weiteres Prozedere, das Urlauber in Kauf nehmen müssen. Aber die Testpflicht erhöht die Sicherheit im Flugzeug – und für die Gesellschaft allgemein. Niemand kann hinterher behaupten, die Reiserückkehrer hätten das Coranavirus zusätzlich verbreitet.

Auf Mallorca wartet man ungeduldig auf das Eintreffen der Urlauber, auf das Anspringen des Tourismusmotors. Denn Vielen ist in den vergangenen Monaten schmerzlich bewusst geworden, wie sehr die Insel vom Fremdenverkehr abhängig ist. Die Wirtschaft liegt am Boden, alle hoffen auf Arbeit und Auskommen. Die Schlangen vor den Lebensmittelausgaben der Tafeln sind vorerst nicht kürzer geworden.

Allerdings hat man auch auf Mallorca Angst vor einem neuen Anstieg des Inzidenzgeschehens. Die Regierung setzt auf strenge Maßnahmen, um dies zu verhindern. So haben Reisende wie Residenten dieser Tage viele Einschränkungen in der Gastronomie und bei Zusammenkünften zu befolgen. Aber auch diese Einschränkungen erhöhen die Sicherheit und sind die Voraussetzung dafür, dass der Tourismus – bei fortschreitender Impfkampagne – zum Sommer hin ohne Gefährdungen funktionieren kann. Zum Wohle aller.

Mallorca will auferstehen! Will sich aufrappeln, nach all den Einschlägen. Jeder, der dabei mithilft, durch korrektes Hygieneverhalten und die Einhaltung der Tests bei der Ein- und Ausreise, ist willkommen. Genießen Sie die Insel im Rahmen des Möglichen – aber genießen Sie! MM wünscht entspannte, fröhliche und vor allem gesunde Ostern.

Autor: Alexander Sepasgosarian

01

04 2021

Trotz Corona-Chaos gelassen bleiben

Die vergangenen Wochen haben Mallorca-Residenten sowie -Urlaubern gezeigt, wie sehr ihr Leben durch die Bekämpfung des Coronavirus geprägt ist. Sie fieberten auf die Aufhebung der Reisewarnung durch die deutsche Regierung hin. Residenten freuten sich, nach gut sieben Monaten wieder ohne Test und Quarantäne nach Deutschland reisen zu können. Urlauber buchten über Nacht Reisen an die Playa de Palma oder in die Bucht von Alcúdia. Und jetzt, alles wieder auf Anfang?

Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Bundesregierung gar ein vorübergehendes Verbot aller Urlaubsreisen prüft. Egal ob Risikogebiet oder nicht. Das geht über die am Dienstag beim Bund-Länder-Treffen beschlossene Corona-Testpflicht für Rückkehrer aus dem Ausland hinaus. Und zeigt, dass die scheidende Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die Pandemie mit allen Mitteln bekämpfen will. Bisher ist sie mit diesem Kurs gut gefahren, Deutschland ist glimpflicher als andere Länder durch die Krise gekommen.

Ob das Verbot kommt oder nicht – die Euphorie bezüglich der Aufhebung der Reisewarnung ist vorbei. Wer bucht bei diesem Hin und Her noch einen Urlaub? Mallorca-Liebhaber scheinen sich noch bis Juni, Juli gedulden zu müssen, um wieder entspannter auf die Insel zu kommen. Dass das klappt, kann niemand garantieren.

Die Leidtragenden sind Hoteliers und ihre Angestellten wie Putzkräfte, Kellner, Rezeptionisten. Sie sind abhängig vom deutschen Quellmarkt. Einige von ihnen sind seit einem Jahr komplett in Kurzarbeit.

Wichtiger als die Frage, ob Deutsche schon im April und Mai wiederkommen können, ist, dass die Sieben-Tage-Inzidenz auf den Balearen unter 50 bleibt. In den vergangenen Tagen stieg sie leicht, auf 30. Deshalb reagiert auch die Ministerpräsidentin der Balearen, Francina Armengol, mit Verboten. Restaurants dürfen nicht mehr in Innenräumen bewirten.

Das zeigt: Deutsche Inselresidenten sind von Entscheidungen zweier Regierungen abhängig. Sie können deshalb lauter über das Hin und Her schimpfen als andere. Oder doppelt so viel Gelassenheit zeigen.

Autor: Philipp Schulte

25

03 2021

Die Sehnsucht und die Bedenkenträger

Die Sehnsucht ist einfach groß. Nach der hochoffiziellen Ankündigung der deutschen Regierung, Mallorca nicht mehr als Corona-Risikogebiet zu sehen, buchen die kälte-, regen- und lockdowngeplagten Menschen in seltenem Ausmaß Flüge auf ihre so heißgeliebte und so lange so fern befindliche Lieblingsinsel. Doch kaum brach sich die Mittelmeereuphorie Bahn, äußerten sich schon Bedenkenträger. Dazu zählten die üblichen Gesichter, die sich in den vergangenen bleiernen Monaten ins Gedächtnis eingebrannt haben. Mallorca-Urlaub würde er keinem empfehlen, unkte etwa der als Panikmacher vielkritisierte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Keine unerwartete Aussage. Auch die Äußerungen von Regierungsvertretern aus Bayern und Niedersachsen überraschen nicht. Auf der Insel würden sich Menschen aus ganz Europa gegenseitig anstecken, hieß es.

Könnten die Kritiker recht behalten? Momentan nicht, denn die Lage ist entspannt. Doch so etwas kann sich in wenigen Wochen wieder zum Schlechteren wenden. Andererseits: Jetzt ist halt ein wunderbarer Augenblick, um zu buchen. Und Sicherheit kann man erwarten, denn hier wird kein Infizierter hereingelassen. Dass man sich als Urlauber anstecken kann, ist ob der niedrigen Inzidenz fast ausgeschlossen. Was soll also dieses auf Unwissenheit und plumpen Ballermann-Vorurteilen basierende deutsche Getue, Mallorca als „zweites Ischgl” abzuqualifizieren? Hier lebt man derzeit x-mal sicherer als in der Bundesrepublik, denn anders als dort ist es gelungen, die Corona-Lage entscheidend zu verbessern.

Die Mehrheit der Deutschen, die während der noch nicht allzu warmen Ostertage kommen werden, wollen keine Party machen, sondern einfach nur Ruhe, etwas Wärme, Meer und eine schöne Umgebung. Sie wollen auch den ewig mäkelnden Bedenkenträgern entweichen. Ihnen ist klar: Wer weiß, wann sich angesichts einer neuerlich beginnenden Corona-Welle in Deutschland wieder so ein Zeitfenster auftun wird. Die Menschen brauchen Hoffnung, sie wissen selbst, wie sie sich vorzusehen haben.

Autor: Ingo Thor

18

03 2021

Die Reisewarnung muss so bald wie möglich kippen

Als das Coronavirus unseren Alltag noch nicht verändert hatte, setzten deutsche Behörden das Wort Risikogebiet dosiert ein. Etwa, wenn es irgendwo einen Anschlag gab. Heute verwendet das Auswärtige Amt Risikogebiet inflationär. Die Corona-Pandemie hat undenkbare Dinge real werden lassen. Besonders,dass seit knapp sieben Monaten vor Reisen nach Mallorca gewarnt wird. Dass der Archipel bald nicht mehr als Risikogebiet gilt, wäre eine beruhigende, gar Jubel auslösende Nachricht bei Mallorca-Residenten, Pendlern und Urlaubern. Dass das passiert, ist überfällig. Mallorca muss am besten diesen Freitag, bei der wöchentlichen Bewertung des Robert-Koch-Instituts, von der Liste der Risikogebiete genommen werden.

Dafür spricht, dass die 7-Tage-Inzidenz auf den Balearen seit gut zwei Wochen unter 50 liegt. Mehr noch: Sie liegt seit einer Woche unter 25. Das ist das Verdienst disziplinierter Bürger.

Kritiker einer Öffnung Mallorcas werden sagen, dass sie zu früh kommt. Für sie klingt es vernünftig, dass deutsche Urlauber noch nicht in der Osterzeit, also zwischen 29. März und 11. April, auf die Insel kommen. Die Gefahr, dass die Inzidenz bei erhöhter Mobilität steigt, ist da. Die Reiseveranstalter Tui und Alltours öffnen noch diesen Monat Hotels.

Für eine Herabstufung der Balearen spricht, dass Urlauber nach wie vor nur mit einem negativen PCR-Testergebnis auf Mallorca landen dürfen. Außerdem sind Bars und Restaurants nur bis 17 Uhr offen, die Maskenpflicht ist streng. Und kommen wirklich schon so viele Touristen an Ostern?

Die Karwoche könnte ein neues Pilotprojekt werden, wie es vergangenes Jahr im Juni stattfand. Sie wissen schon: Als Deutsche nach dem Lockdown als Erste auf die Insel kamen. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre es für Mallorca wichtig, schon im März wieder Gäste zu empfangen. Und um zu zeigen, dass das Infektionsgeschehen dadurch nicht außer Kontrolle gerät. Die Insel kann sich langfristig als sicheres Reiseziel präsentieren. Die Zahl der Gäste würde sich langsam steigern. Im Sommer könnte dann wieder eine Art Urlaubsnormalität herrschen.

Autor: Philipp Schulte

11

03 2021