„Nachhaltigkeit” klingt auf der ITB gut – in Mallorcas Realität leider weniger

„Better in Winter“ – das Statement, das Mallorca mit diesem Slogan auf der Tourismusmesse ITB in Berlin setzt, ist eindeutig: Kommt nicht im Sommer, liebe Urlauber! Es fügt sich perfekt ein in die Politik, die die Balearen-Regierung seit Anfang der Legislaturperiode fährt. „Sostenibilidad“, Nachhaltigkeit, scheint nach wie vor das Lieblingswort der Mitglieder des Linkspakts, des Inselrats und vieler Gemeindepolitiker zu sein.

Dem ist nichts entgegenzusetzen. Natürlich ist es sinnvoll und richtig, in erneuerbare Energien zu investieren, um Baustopps und Touristenobergrenzen zu kämpfen und Umweltschutzregelungen zu verschärfen und einzuhalten. Aber genau da zeigt sich eine der wohl größten Schwächen, die das Wort Nachhaltigkeit auf den Balearen mit sich bringt: Sie wird von der eigenen Bevölkerung nur bedingt gelebt – und zwar unabhängig vom Tourismus. Das fängt beim Bewusstsein der Menschen an. Anders als in Deutschland ist es unter Mallorquinern nicht verpönt, Getränke in Dosen zu kaufen oder den Automotor minutenlang laufen zu lassen, wenn man „mal eben“ in ein Geschäft reinspringt oder mit Nachbarn quatscht. Auch die Gesetzeslage ist ausbaufähig. Warum gibt es bis heute kein Flaschenpfand-System auf der Insel? Und warum gucken Verantwortliche in der für die vorbildlichste Mülltrennung der Insel bekannten Gemeinde einen mit großen Augen an, wenn man von Bunt- und Weißglascontainern erzählt?

Ja, es gibt politische Bestrebungen, das Bewusstsein der Inselbewohner bezüglich der Nachhaltigkeit zu schärfen. Doch sie wirken meist lustlos, so, wie das Plastiktütenverbot in Palma. Lustloser jedenfalls, als das Wort „Sostenibilidad“, wenn es auf großen Reden der ITB geschwungen wird, wo es offene Türen einrennt und gleichzeitig das Image der Insel – und das der eigenen politischen Couleur – aufpoliert.

Experten mahnen, dass Nachhaltigkeit nur durch einen echten Wandel entstehen kann. Aber den wird es nur geben, wenn alle an einem Strang ziehen. Politiker, Unternehmer, die Bevölkerung und, ganz klar, auch die Touristen. Und zwar das ganze Jahr über. Ganz nach dem Motto: „Always better“.

Autorin: Sophie Mono

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09

03 2017

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