Jedem bleibt es überlassen, ob er reisen will

Sowohl in Deutschland als auch auf Mallorca ist die Coronalage momentan wirklich ernst. Doch während dort ein Lockdown angelaufen ist, kann man hier noch viel machen. Etwa shoppen. Oder auf einem Weihnachtsmarkt Glühwein trinken. Oder auf der Terrasse eines Strandlokals den Sonnenuntergang betrachten.

Das ist auf jeden Fall besser, als in der eisigen, dunklen und jetzt auch immer stilleren Heimat Trübsal zu blasen. Es lohnt sich allemal, die Sachen zu packen, in einen Flieger zu steigen und zu kommen, zumal man auf der Insel bei fast 20 Grad momentan von einem geradezu traumhaften Wetter sprechen kann. Doch ach: Da ist ja noch dieser PCR-Test, den man bei der Einreise vorzeigen muss. Der ist teuer. Und man muss die fünftägige Zwangsquarantäne nach der Rück-Ankunft in Deutschland einkalkulieren, womöglich sogar bald auch wieder in Nordrhein-Westfalen. Aber wenn man nach Mallorca kommt, hilft man immerhin der seit Monaten fast im Koma befindlichen Insel-Wirtschaft.

Gut möglich, dass den ein oder anderen Reisewilligen das schlechte Gewissen plagt: Warum einfach wegfliegen, wenn in der Heimat gerade so viele Menschen an Corona sterben? Warum sich davonmachen, wenn das Leiden so unermesslich ist? Solche Gewissensbisse sind nur zu verständlich. Doch kann man es jemandem verdenken, dem grauen Himmel Mitteleuropas zu entfliehen?

Dagegen ist, solange kein Reiseverbot verhängt wird, im Prinzip nichts einzuwenden. Jeder weiß, dass ein Spaziergang am Meer oder ein Kaminfeuer im Zweithaus auf Mallorca ein Stück Lebensqualität ist. Wenn Politiker einem ein schlechtes Gewissen einreden wollen, so ist dies ihr Recht. Doch dem mündigen Bürger steht es gut an, das Für und Wider in aller Ruhe zu analysieren und sich autonom eine Meinung zu bilden. Es bleibt jedem selbst überlassen, was man an Weihnachten und Silvester anfangen und wo man es verbringen will. Hauptsache, man gefährdet dabei gesundheitlich keine anderen Menschen.

Autor: Ingo Thor

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12 2020

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  1. Wolf. #
    1

    Es ist verständlich und für uns Europäer natürlich, dass jeder tun und lassen kann, was er will, auch verreisen, soweit er es darf.

    Aber ich halte es mit diesem klassischen Spruch, der da lautet:
    „Mir ist das Hemd näher als die Hose.“

    Seit über zwanzig Jahren ist Mallorca meine Wahlheimat. Aktuell gibt es dort besseres Wetter und auch etwas mehr Freiheiten als in Deutschland.

    Aber mein Hemd ist und bleibt Deutschland, Mallorca eben die Hose.

    Ich freue mich dennoch bereits heute auf die Zeit, in der ich wieder beides gleichzeitig anziehen kann, ohne dabei eine Entscheidung dahingehend treffen zu müssen, was ich zuerst anziehe.

    Wolf.



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