Ist Spanien kinderfreundlich? Klare Antwort: jein!

Ist Spanien ein kinderfreundliches Land? Klare Antwort: ja! Kinder gehören zum gesellschaftlichen Leben der Spanier einfach selbstverständlich dazu. Auf der Dorffeier, im Café, im Restaurant. So lange, bis sie müde werden, und nicht, bis Eltern sie ins Bett abschieben. Hier wird Kinderlachen nicht als Lärm angesehen, Umhertoben nicht als Ergebnis schlechter Erziehung.

Ist Spanien kinderfreundlich? Klare Antwort: nein! Elternzeit, Kindergeld, Mutterschutz? In Spanien geringer oder gar nicht ausgeprägt. Wenn sich schon die von der Krise gebeutelte „untere Mittelschicht“ aus finanziellen Gründen gegen das Kinderkriegen entscheiden muss, dann läuft etwas gewaltig falsch!

Gewaltig ist auch der Widerstreit: Die Gesellschaft ist willig, doch der Staat ist schwach. Die Gesellschaft will Nachwuchs, doch der Staat kann (will?) nicht helfen. Dies regt zum Nachdenken an. Über Deutschland, das trotz des vergleichsweise paradiesischen Sozialstaats einfach aufgrund von gesellschaftlichen Verhaltensweisen von seinen Bürgern als weniger kinderfreundlich angesehen wird als alle anderen europäischen Staaten. Über Spanien, wo Menschen die Kinderfreundlichkeit der Gesellschaft loben und selbst gern Nachwuchs hätten, sich aber wegen ihrer finanzielle Situation gegen das Kinderkriegen entscheiden. Es regt zum Nachdenken an, macht traurig, in beiden Fällen. In Deutschland muss die Gesellschaft kinderfreundlicher werden, in Spanien die Politik.

Bemühen um mehr Nachwuchs, das ist, das sollte im Interesse aller Parteien sein. Bei den Konservativen in Madrid aus wirtschaftspolitischen Gründen, beim Linkspakt auf den Balearen aus sozialpolitischen. Auf beiden Ebenen wurde versagt. Soziale Projekte wie die Einführung der neuen Sozialhilfe für die Ärmsten auf den Balearen sind richtig und wichtig. Aber sozial, das heißt auch zu verhindern, dass die etwas weniger Armen, die seit der Krise große Teile der Bevölkerung ausmachen, keine Kinder mehr bekommen, nur um nicht ganz nach unten zu sinken. Und wirtschaftspolitisch, das heißt, in Humankapital zu investieren. Wo kein Nachwuchs ist, da ist keine Zukunft – in jeglicher Hinsicht.

Autorin: Sophie Mono

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10 2016

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