Immer besser statt immer mehr

Vor der Eisdiele bei der Kathedrale blockiert eine lange Menschenschlange den Gehweg, die Parkhäuser in Palmas Innenstadt sind allesamt „completo“, durch die Calle San Miguel kämpfe ich mich nach einem Marktbesuch mit vollen Einkaufstüten nur mit Mühe durch die Menschenmassen, und das Lieblingsrestaurant winkt ab: „Was, du hast nicht reserviert?“ Es ist August auf Mallorca. Und es ist voll.

Das ist gut so: Der Tourismus ist der Motor der Inselwirtschaft und viele Unternehmer und Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen müssen in wenigen Monaten das Auskommen für das ganze Jahr verdienen. Im Winter wird nur noch ein Bruchteil der 250.000 Hotelbetten benötigt werden, die zurzeit belegt sind. Die alljährlichen Meldungen über immer neue Rekordzahlen (zum Beispiel: 955 Starts und Landungen am vergangenen Samstag auf Palmas Airport und ein Passagieraufkommen von über 3,5 Millionen im August) wird daher wahrscheinlich bei den meisten Mallorca-Bewohnern mit Erleichterung zur Kenntnis genommen, auch wenn die Lebensqualität zeitweilig darunter leidet.

Gerade zum Highnoon der Saison stellt sich aber jedes Jahr die Frage: Wie viel Wachstum kann die Insel noch verkraften? Brauchen wir wirklich noch mehr Hotels und noch mehr Liegeplätze, die einen großen Teil des Jahres ungenutzt bleiben? Schon jetzt gleichen die Strände zeitweise Sardinenbüchsen und die Buchten eher Bootsparkplätzen als Badegewässern. Von begrenzten Wasserressourcen und überlasteten Kläranlagen ganz zu schweigen.

Etliche Jahre hatte die Politik den Bau neuer Hotels und die Erweiterung von Häfen verhindert, um Umwelt und Landschaft zu schonen, dann hemmte die Krise Investitionen in großen Dimensionen. Doch nun scheint das Thema Wachstum in Spitzenzeiten wieder salonfähig zu sein. Vielleicht, weil es mit der oft geforderten Verlängerung der Saison nie geklappt hat, die nachhaltige Entwicklung bringen könnte. Wenn diese wunderschöne Insel nicht irgendwann am eigenen Erfolg zugrunde gehen soll, darf es heute aber nur noch „immer besser“ statt „immer mehr“ heißen.

Autorin: Gabriele Küster

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08 2014

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