Gordischer Knoten durchschlagen?

Es tut sich was in der europäischen Luftfahrt – eine Branche, die fast schon naturgemäß ständig in Bewegung sein muss. Mit dem angekündigten Wet-Lease-Abkommen zwischen Air Berlin und der Lufthansa-Tochter Eurowings einerseits sowie andererseits dem geplanten Zusammenschluss zwischen Tuifly, Niki unter Beteiligung von Etihad samt einigen Dutzend Air-Berlin-Maschinen entstehen in Mitteleuropa zwei mittelgroße Discount-Anbieter, die endlich der britischen und irischen Konkurrenz ein gewisses Volumen entgegenhalten können.

Für die Balance in der Branche ist das tendenziell positiv, vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass man sich von dreisten Billigheimern nicht alles gefallen lassen muss – nach dem Brexit erst recht nicht. Experten gehen bisher davon aus, dass die Konkurrenz auf den Mallorca-Strecken trotzdem erhalten bleibt, vielleicht sogar schärfer wird. Eine Zustimmung der Kartellbehörden zu der überfälligen Konsolidierung, die voraussichtlich mit dem Sommerflugplan 2017 in Kraft treten wird, ist also zu erwarten.

Aus Unternehmersicht sind die Deals auch deswegen clever, weil nicht mit kreditfinanzierten Übernahmen gearbeitet wird, wie sie letzten Endes die alte Air Berlin ruiniert haben. Stattdessen geht es nun um den Austausch von Beteiligungen oder das Leasing von Flugzeugen mit Besatzung. Bei niedrigen Kosten und Risiken bietet das viel Flexibilität.

Gleichzeitig bleibt das Firmengeflecht mehrheitlich in europäischer Hand – Voraussetzung dafür, dass die Air-Berlin-Mutter Etihad die EU-Landerechte für ihre Tochter behält, und diese ihre Schulden von 1,2 Milliarden Euro abtragen kann.

Den privilegierten Tuifly-Angestellten, die künftig wohl in einer Gesellschaft mit österreichischen Tarifen arbeiten müssen, mag das suspekt sein – obwohl das Stammpersonal Bestandsschutz genießt. Für eine auf die Hälfte reduzierte Rumpf-Air-Berlin ist die Sache trotz 1200 Kündigungen eher eine gute Nachricht. Letzten Endes sichert sie das Überleben der allseits beliebten Marke. Vielleicht bleibt sie uns ja unter dem Namen „Air Berlin Austria“ (oder so ähnlich) auch auf Mallorca erhalten?

Autor: Michael Maier

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06

10 2016

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