Eine Frage der Prioritäten

Bisher stand sie nur auf der To-do-Liste der Balearen-Regierung, seit Mittwoch ist die Sache ernster: Die Urlaubersteuer, nun „Steuer für nachhaltigen Tourismus“ genannt, hat konkrete Formen angenommen. Ab kommenden Jahr wird sie den Mallorca-Urlaub um bis zu zwei Euro pro Tag und Person teurer machen.

Mit der Konkretisierung des Vorhabens dürfte es mit der Ruhe um das Vorzeigeprojekt des Linkspaktes zu Ende sein. Bis dato hatte sich kaum Protest geregt, nicht zuletzt deshalb, weil die oppositionelle PP ausreichend mit sich selbst beschäftigt ist. Jetzt jedoch werden zumindest Teile der Tourismusbranche zur Attacke blasen.

Die Balearen-Regierung hat in dieser heiklen Angelegenheit bislang überlegt gehandelt; die Steuer hat eine wesentlich größere Akzeptanz als ihre Vorgängerin vor 15 Jahren. Möglich, dass die Urlauber die bittere Pille ohne zu murren schlucken, wenn sie erfahren, dass die Abgabe dazu gedacht ist, ihr Urlaubsziel nachhaltig zu verbessern.

Die eigentliche Gefahr liegt in einer möglichen Eskalation des Streits um die Steuer. Sollte sich die Auseinandersetzung verschärfen, könnte das auch in den Herkunftsländern der Urlauber für Schlagzeilen sorgen – und einen ordentlichen Flurschaden anrichten. Tourismus ist ein sensibles Geschäft, das sollten alle Beteiligten bedenken.

Mit der Einführung der Steuer erfüllen die Parteien der Linksregierung ein Wahlversprechen. Man könnte sagen, das Vorhaben ist vom Volk abgesegnet. Die Steuer muss wohl akzeptiert werden, denn diese Regierung wird sich von ihrem Weg nicht abbringen lassen. Außerdem braucht sie das Geld dringend.

Obwohl – 50 bis 80 Millionen Euro an Einnahmen klingen für das Risiko, das hier eingegangen wird, nicht so sensationell. Es ist zwar richtig, dass die Balearen von der Zentralregierung monetär sträflich vernachlässigt werden. Aber es ist auch richtig, dass auf der Insel Prioritäten gesetzt werden, die manchmal nur schwer nachzuvollziehen sind. Für den Tourismus war nie Geld da – für andere Dinge schon. Allein der mittelprächtige Regionalsender IB3 hat schon Hunderte von Millionen verschlungen.

Autor: Bernd Jogalla

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15

10 2015

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