Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl, bitte!

War die Reisewarnung wirklich notwendig? Geht man nach den nackten Zahlen, ja. In diesem Fall war es richtig, für ganz Spanien Alarm zu schlagen. Schon länger liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei deutlich mehr als 50 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner, sowohl im landesweiten Schnitt als auch auf den Balearen. Und dennoch: Dass die deutschen Behörden im Falle von Mallorca nicht mit ein wenig mehr Empathie vorgegangen sind, erstaunt. Erstens, weil auf der Insel insbesondere Palma, kaum aber der ländliche Raum betroffen ist – vielleicht hätte es auch eine Reisewarnung nur für die Inselhauptstadt getan.

Zweitens, weil Deutschland mit Mallorca deutlich enger verbunden ist als mit anderen Gegenden Spaniens – Millionen von Bundesbürgern lieben und schätzen die Insel, verbringen hier Jahr um Jahr eine unbeschwerte Zeit, kommen immer wieder aufs Neue zurück oder werden hier sogar ganz sesshaft. Und nicht zuletzt drittens: Weil die Insel in den vergangenen Monaten hervorragende Arbeit geleistet hat. Exzellente Hygienekonzepte in den Hotels, ein Pilotprojekt, das man durchaus als „Coup” bezeichnen kann und bei dem sich die Region zu allererst den Deutschen geöffnet hat, noch bevor die eigenen Landsleute vom Festland kommen durften – ein Treuebeweis! Darzulegen, dass man diese Gesichtspunkte zumindest abgewogen hat, wäre schön gewesen. Stattdessen holen deutsche Politiker und selbsternannte Gesundheitsexperten Tag für Tag das alte Bild von wilden Partys am Ballermann heraus, jener Feiermeile, die doch seit Monaten brach liegt. Es ist erschreckend, dass sie blind glauben, was deutsche Boulevard-Zeitungen berichten.

Mallorca holt hier leider der eigene Ruf ein, was zu einem ziemlich unwürdigen Spektakel führt. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl wäre angebracht gewesen. Denn wer Ruhe sucht, auf die Hygiene achtet und Menschenansammlungen meidet, kann auf Mallorca auch jetzt noch einen schönen und sicheren Urlaub verbringen. Vielleicht wesentlich entspannter als an überfüllten Alpenseen oder dicht gedrängt am Nordseestrand.

Autor: Patrick Czelinski

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08 2020

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  1. 1

    Populistische Aussagen vom Grünen Gesundheitsminister Österreichs empört mich zu tiefst! Sprach er doch tatsächlich bezüglich der Reisewarnung vom Ballermanvirus! Hat der Herr die letzten Monate verschlafen?!? Der Ballermann hatte heuer noch gar nicht auf! Bei der gleichen Pressekonferenz spricht der Österreichische Innenminister vom Westbalkan und drunter steht Reisewarnung Mallorca! Hat er die Geografistunde geschwänzt! Hygienemassnahmen etc sind wichtig! Solche Aussagen wenig hilfreich und fördern nur das Unverständniss!
    Vielleicht wäre es vernünftig sich einmal vorher zu informieren und eine Pressekonferenz weniger zu machen und dann endlich nach 6 Monaten ein Ziel zu sehen und daran arbeiten dieses zu erreichen und nicht stündlich das Maul aufzureißen!

  2. Wolf #
    2

    Lieber Patrick,

    das mit der Übertriebenheit der Reisewarnung sehe ich ganz genauso. Ich glaube aber auch, dass man z.B. auf Mallorca nicht Unterschiede zwischen Risikogebieten wie Palma und dem Rest der Insel machen kann. Das gleicht einer Ghettoisierung und führt folglich zum Unmut. Auf der Insel kann und soll sich doch schließlich jeder frei bewegen. Ich bin außerdem der Meinung, dass die Mallorquiner sich gerade mit ihrem Verhalten selbst den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Die Neuinfektionen kommen nahezu ausschließlich von ihnen selbst und von Festlandsspaniern.

  3. Christoph #
    3

    Da kann man nichts hinzufügen, sehr gut geschriebener Kommentar!!

  4. Dr. R. Noll #
    4

    Ihr Kommentar spricht mir aus der Seele. Es scheint, als wollten deutsche Politiker die Urlauber lieber im eigenen Land behalten. Und das, obwohl man vor 30 Jahren die Insel gerne zum 13. Bundesland machen wollte (natürlich nur scherzhaft).
    Meine Frau und ich haben vor fünf Jahren eine Wohnung in Sa Coma gekauft und fühlen uns dort ebenso wie unsere Kinder und Enkel ausgesprochen wohl. Wir haben nun Flüge für Anfang September gebucht und werden entgegen der Reisewarnung, aber mit der gebotenen Vorsicht, auf die schönste Insel der Welt reisen. Auch, um zu zeigen, dass wir die Menschen auf der Insel nicht alleine lassen.
    MFG



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