Die Werbetrommel schweigt ungerührt

Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn man eine Firma besucht, und die Mitarbeiter dort rund um einen Kickertisch versammelt sind und sich lärmend und lachend die Bälle gegenseitig in die Tore hineindonnern.

Ganz abgesehen von den anderen Annehmlichkeiten, die es für die Mitarbeiter gibt: Etwa eine Sonnenterrasse samt Liegestühlen, ein Teeküche mit Bier im Kühlschrank, freundliche Arbeitsräume mit Blick ins Grüne. Fehlt nur noch der Pool.

Ach was, es gibt innovative Unternehmen auf der Insel, etwa in Sachen Film, die bieten den Mitarbeitern sogar Fitnessräume. Warum nicht gar die Büros am Strand ansiedeln? Da ließe sich in der Mittagspause ein Bad im Meer nehmen, um nachmittags erfrischt weiterzuarbeiten.

Die balearischen Politiker dürfen nicht schlecht gestaunt haben, als sie vor gut einer Woche die neue Niederlassung des Hotelpreise-Vergleichsportals Trivago im Parc Bit besuchten. Während in spanischen Behörden Sekretärinnen meist im Flur sitzen, war dort eine Grünzone zu finden. Gut fürs Auge und fürs Gemüt.

„Also, diese Art Unternehmenskultur ist mittlerweile eigentlich Standard bei westlichen Internet-Firmen“, sagt ein Insider. Arbeitsforscher haben eruiert: Wo spielerisch gearbeitet wird, wird sogar mehr gearbeitet, als dort, wo stur nach Zeitplan Schicht im Schacht ist.

Die Frage ist, warum bisher so wenig Internetfirmen den Weg nach Mallorca gefunden haben. Die, die kamen, kamen aus eigenem Antrieb. Etwa, weil die Fluganbindung so gut und die Lebensqualität für die Mitarbeiter so hoch ist. Ernsthaft geworben hat niemand um diese Unternehmen, erst recht nicht von offizieller Seite.

Wenn die Balearen-Regierung Geld zückt, wenn überhaupt, dann ist es für touristische Werbung. Das Anlocken von innovativen Unternehmen, die hier dank digitaler Vernetzung leicht anzusiedeln wären und damit auf der Inselscholle Arbeitsplätze und Umsätze schaffen würden, findet öffentlichkeitswirksam kaum statt. Schade eigentlich, denn für solche Kreativ-Start-ups, Existenzgründer und Internet-Dienstleister wäre „Mallorca“ sicher eine wohlklingende Firmenadresse.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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08 2013

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