Die Notbremse ziehen. Palma und der Autoverkehr

Palma ist eine fantastische Stadt. In dieser Bewertung sind sich alle einig. Aber die Kapitale der Balearen hat ein riesiges Problem, das Einheimischen wie Besuchern die Freude trübt: den Individual-Verkehr.

Jetzt will die Stadtverwaltung das Problem angehen. Autos sollen aus der Innenstadt herausgehalten werden, der Busverkehr attraktiver, ein Parkleitsystem und Radwege installiert werden. So weit, so gut.

Die Maßnahmen bleiben allerdings halbherzig. Denn es ist keineswegs sicher, dass sich die Autofahrer mit diesen Maßnahmen davon abhalten lassen, in der Innenstadt herumzukurven, um einen Parkplatz zu finden. Mittelfristig sollten Teile der Innenstadt ganz für den Verkehr gesperrt werden, Anlieger eventuell ausgenommen. Welchen Sinn machen die Staus in der Rambla, der Jaime III. oder dem Borne? Wo sonst kennt man, dass man über einen historischen, teils mit Kopfsteinpflaster belegten Rathausplatz fahren kann? Nur wer sich an solch eine Verkehrsberuhigung heranwagt, hat wirklich Mut.

Natürlich müsste der öffentliche Verkehr vor solchen Schritten deutlich ausgebaut und verbessert werden. Das geht, wenn man realistisch ist, nur mit dem Ausbau des vorhandenen Bussystems. Denn die Regierungen in Palma und der Region haben in der Vergangenheit versäumt, ein zeitgemäßes Straßenbahnnetz aufzubauen. Dafür haben wir eine Hunderte von Millionen Euro teure U-Bahn zur Uni, die kaum einer benutzt – Sünden der Vergangenheit.

In einem haben die Regierenden recht: in ihrem Lamento über die schlechte Finanzausstattung aus Madrid. Anderswo in Spanien werden für Milliarden (!) Schnellzuglinien gebaut, aber hier reicht das Geld nicht einmal mehr für eine Tram in der Bucht von Palma. Angesichts dieser Situation ist Findungsgeist gefragt. Und man darf auch ruhig andere europäische Städte kopieren.

Aber seien wir ehrlich: Es geht nicht nur ums Geld. Die Politiker haben schlicht Angst davor, die Notbremse zu ziehen, denn die ans Auto gewöhnte Bürgerschaft würde ihnen aufs Dach steigen.

Autor: Bernd Jogalla

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02 2016

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