Die Folgen der Korruptionsblase, die 2006 in Andratx platzte

Kaum jemand hätte sich träumen lassen, dass es einmal so weit kommen würde. Dass Polizei und Staatsanwaltschaft mit Dutzenden von Beamten ein Rathaus stürmen und den Bürgermeister in Handschellen abführen. Damals, im November 2006, war das Vorgehen der Justiz etwas ganz Unerhörtes, nie Dagewesenes. Die Bilder gingen zwar nicht um die Welt, aber sie sorgten doch europaweit für ungläubiges Aufsehen.

Damals, als der konservative Lokalpolitiker in Polizeigewahrsam zur Vernehmung fortgeschafft wurde, brach eine neue Ära an, ohne dass dies 2006 schon absehbar war. Zehn Jahre danach hat sich das politische Leben auf Mallorca bis zur Unvorstellbarkeit gewandelt. Wer hätte damals gedacht, dass nach dem Alkalden – um nicht zu sagen, mit ihm – auch die höchsten Vertreter der balearischen Gesellschaft fallen würden? Dass die einst scheinbar unantastbare Inselratspräsidentin Maria Antònia Munar wegen Korruption vor Gericht gestellt und zu jahrelanger Haft verurteilt werden würde? Wer konnte ahnen, dass ein lächelnder Sunnyboy wie Ministerpräsident Jaume Matas vom lukrativen Job in den USA nach Mallorca zitiert werden würde, um fortan zwischen Gerichtsverhandlung, Gefängnisaufenthalt, Geldstrafe und Freigang zu pendeln? Und wer wäre jemals auf die Idee gekommen, dass eine spanische Prinzessin in Palma auf der Anklagebank Platz nähme?

Der Scherbenhaufen, den die Politiker und ihre Helfershelfer in den Behörden hinterlassen haben, ist enorm. Nicht nur wegen des finanziellen Schadens, an dem die Steuerzahler noch lange zu beteiligen sind (siehe Palma Arena). Sondern auch wegen des Vertrauensverlustes, den der Beruf des Politikers erlitten hat. Das Ansehen ist dahin. Selbst anständige Politiker finden kein Gehör mehr für ihre Vorhaben.

Die Alternative? Wer keine Willensbildung über Parteien will, dem bleibt nur die Diktatur. Keine schönen Aussichten.

Hoffnungsschimmer? Dieser: Die Korrupten können nicht mehr damit rechnen, straffrei auszugehen. Die Mühlen der spanischen Justiz mahlen. Sie mahlen durchaus gründlich, wenn auch quälend langsam.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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11 2016

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