Die Flüchtlingskrise und das Ansehen Deutschlands

Kein Abend ohne Miguel Ángel García Rodríguez. Der Berlin-Korrespondent des staatlichen Fernsehens ist seit Tagen unverzichtbar für die Hauptnachrichtensendung im ersten spanischen Programm. Er erklärt das deutsche Management der Flüchtlingskatastrophe, kommentiert die Bilder aus Hauptbahnhöfen und Übergangsheimen. Berichtet darüber, dass Deutschland in diesem Jahr 800.000 Flüchtlinge erwartet, dass die Regierung sechs Milliarden Euro bereitstellt, dass Merkel gesagt hat, „Wir schaffen das!“. García ist ein erfahrener Kollege mit der gebotenen Distanz zum Sujet, und doch hören wir eine gewisse Bewunderung heraus.

Gestatten Sie mir eine ganz persönliche Anmerkung: Selten war ich als Deutscher in Spanien so stolz auf mein Herkunftsland wie in diesen Tagen. Wir produzieren die besten Autos, haben die Krise durch ein Jobwunder ersetzt, wagen eine Energiewende und sind Fußball-Weltmeister. Alles schön. Aber Deutschland als Vorbild in einer zentralen humanitären Frage, das finde ich großartig.

Merkel wurde wegen der Griechenlandkrise auch in Spanien gerne als peitschenschwingende Zuchtmeisterin Europas dargestellt. So eine beneidet man vielleicht, aber man liebt sie nicht. Plötzlich hat die Kanzlerin ein neues, freundliches Gesicht bekommen. So wie ganz Deutschland. Wir im Ausland bemerken so eine Veränderung vielleicht unmittelbarer als die Landsleute daheim. Wie dem auch sei, der Wandel tut gut.

Spanien hat zur Syrien-Krise lange geschwiegen. Aber jetzt bewegt sich etwas. Immer mehr Menschen fordern mehr Engagement, und die Regierung reagiert. Die Vorbildfunktion Deutschlands hat dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt. Sie wird auch in Zukunft vonnöten sein, denn ein Land allein kann die Flüchtlingsströme nicht beherrschen und auch nicht bewirken, dass sie wieder abebben.

Die Euphorie dieser Tage wird verschwinden wie die Willkommens-Plakate an den Bahnhöfen. Dann kommt es darauf an, dass Deutschland bei seiner Linie bleibt. Und Miguel Ángel García weiterhin Positives aus Alemania zu berichten hat.

Autor: Bernd Jogalla

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09 2015

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