Der Traum von einer großen deutschen Schule auf Mallorca

Zählt man die Schüler zusammen, die derzeit die beiden deutschsprachigen Schulen auf Mallorca besuchen, kommt man auf knapp 150. Offenbar ist ein Bedarf da, auch wenn die deutsche Regierung bisher der Meinung war, dass Mallorca keine deutsche Schule braucht. Argument: Die deutsche Kultur ist auf der Insel ohnehin präsent und deutsche Schulen im Ausland dienten eher dazu, Einheimischen deutsche Kultur zu vermitteln.

Dieser Ansatz ist aber nicht mehr zeitgemäß. In Zeiten hoher Mobilität wissen viele Menschen heutzutage nicht mehr mit Sicherheit, wie lange sie an einem bestimmten Ort leben. Das trifft umso mehr auf Mallorca zu, das einem aus deutscher Sicht manchmal wie ein einziges Kommen und Gehen von Landsleuten erscheint, bedingt durch eine Vielzahl prekärer Arbeitsverhältnisse und einer für deutsche Verhältnisse oftmals ungünstigen Ratio aus Einkommen und Lebenshaltungskosten.

Hinzu kommt das große Versäumnis der europäischen Politik, eine Harmonisierung der jeweiligen Bildungssysteme in den EU-Mitgliedsländern zu schaffen. Wer mit seiner Familie nur für einen bestimmten Zeitraum nach Mallorca kommt, will nicht riskieren, sein Kind oder Kinder einem mit anderen Ländern inkompatiblen Schulsystem zu übergeben. Wie wird das Kind eingestuft, wenn man wieder zurück nach Deutschland zieht? Muss es etwa ein oder zwei Jahre wiederholen? Das sind verständliche Sorgen.

Wer dieses Problem umgehen will, muss derzeit nicht unerheblich in die Tasche greifen. Pro Kind ist man auf einer der privaten internationalen Schulen ab 500 Euro pro Monat aufwärts dabei. So viel brauchen die Schulen, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Eine fusionierte und vom deutschen Staat geförderte deutsche Schule könnte möglicherweise die bisherigen Leistungen für ein geringeres Schulgeld anbieten. Bei entsprechenden Ermäßigungen kämen sicher mehr als 200 Schüler zusammen, auch Kinder von Einheimischen. Erschwingliche Bildung für eine mobile Gesellschaft: Ein schöner Traum, findet auch die Konsulin. Vielleicht wird er eines Tages wahr.

Autor: Thomas Zapp

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04 2015

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    Eine größere schulische Einrichtung ist besonders deswegen wichtig, weil ja nicht alle Schulkinder stromlinienförmig den Weg bis hin zum Abitur gehen, sondern weil es eine Vielfalt von individuellen Stärken und Schwächen, d.h. Lern-/Leistungsvoraussetzungen, Begabungsschwerpunkten, Motivationen, usw. gibt, denen man pädagogisch begegnen muss, z.B. durch Binnendifferenzierung, Förderkurse und Arbeitsgemeinschaften. Das gelingt an einer größeren Einheit vom Typus „integrierte Gesamtschule“ natürlich besser.
    Viele Residenten wollen ihren Bezug zu Deutschland – und vor allem den ihrer Kinder –aufrechterhalten, aber nicht alle können sich das Schulgeld für eine deutsche Privatschule leisten. Vielleicht könnte eine Spendeninitiative helfen? Wohlhabende deutsche Residenten gibt es reichlich auf der Insel. Man könnte z.B. eine „Patenschaft“ für ein Schulkind übernehmen, also ein Stipendium. Die deutsche Schule Eurocampus ist ein eingetragener Verein. Man könnte außerordentliche Vereinsmitgliedschaften einführen mit reinem Förderer-Status, d.h. ohne Stimmrecht. Ideen gibt es sicherlich viele.

  2. Erwin Müller #
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    – „Die deutsche Regierung war bisher der Meinung, dass Mallorca keine deutsche Schule braucht“ – aber Eurocampus Deutsche Schule wird doch in gewissem Rahmen durch die Bundesregierung gefördert, ist Teil von „PASCH“ und bietet anerkannte Abschlüsse an, in Kooperation mit der Deutschen Schule Barcelona?!

    – „Versäumnis der europäischen Politik, eine Harmonisierung der jeweiligen Bildungssysteme in den EU-Mitgliedsländern zu schaffen“ – wie kann man davon sprechen, wenn es noch nicht mal innerhalb Deutschland Harmonie der Bildungssysteme der Länder gibt? Ein Umzug von einem deutschen Bundesland in ein anderes dürfte vom Schulwechsel her mindestens ebenso schwierig sein wie ein Wechsel von einer Schule im Ausland auf eine im Inland.

    – „Eine fusionierte und vom deutschen Staat geförderte deutsche Schule könnte möglicherweise die bisherigen Leistungen für ein geringeres Schulgeld anbieten“ – anerkannte und staatlich geförderte deutsche Auslandsschulen erheben gleichfalls Schulgelder, teilweise deutlich höhere. Und die Notwendigkeit umfangreicher staatlicher finanzieller Förderung für „Ermäßigungen“ auf einer Deutschen Schule auf Mallorca wird dem gemeinen deutschen Steuerzahler kaum zu erklären sein.



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