Der Terror ist noch mal etwas näher gekommen

Die Nachricht von tragischen Ereignissen trifft einen sicherlich mehr, wenn man Beteiligte kennt oder den Ort, an dem etwas geschehen ist. Der Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche ist „mein“ Weihnachtsmarkt. Zuletzt war ich vor drei Wochen dort. Wie so oft in den vergangenen Jahren, wenn ich eine Stippvisite an die Spree gemacht habe. Der eine oder andere Glühwein am Breitscheidplatz ist dann Pflicht. Mich findet man allerdings nicht dort, wo der Lkw die Schneise des Schreckens schlug, sondern an einem Stand auf der anderen Seite des Marktes. Es mögen gut 100 Meter dazwischenliegen. Aber was macht das schon für einen Unterschied …

So schrecklich die Geschehnisse von Paris, Brüssel oder Nizza waren – das, was am Montagabend im westlichen Herzen von Berlin passierte, dürfte vielen Mallorca-Deutschen etwas näher gehen. Waren wir nicht fast alle irgendwann schon mal auf dem Ku‘ Damm? Und dann sind da ja noch die Lieben daheim. Für die Familie, für die Freunde, für die Bekannten ist der Terror einen Schritt näher gekommen. Und damit ohne Zweifel auch für uns auf Mallorca.

Was war 2016 nur für ein Jahr? Ist der schreckliche, menschenverachtende Terror eine vorübergehende Erscheinung oder müssen wir ihn für ein paar Jahrzehnte als neue Normalität akzeptieren? Auf diese Frage weiß wohl niemand eine Antwort.

Wenn jetzt auf Mallorca Weihnachten gefeiert wird, ist das Morden weit weg, hat aber in den Köpfen doch seinen Platz. Wir leben auf einer friedlichen Insel. Es dominiert die Gelassenheit. Immer noch wandern viele Deutsche deswegen hierher aus. Obwohl man nirgendwo hundertprozentig sicher ist: Angst vor einem Attentat gibt es hier nicht. Und das bleibt hoffentlich noch lange so.

Es ist schon oft gesagt worden: Wir dürfen unser Leben nicht vom Terror diktieren lassen. Ich will auch im kommenden Jahr wieder einen Glühwein an der Gedächtniskirche trinken. Schmeckt er mir dann? Kann ich die Weihnachtsatmosphäre so genießen wie in den vergangenen Jahren? Vielleicht doch ganz gut, dass mein Stammplatz auf der anderen Seite des Marktes ist.

Autor: Nils Müller

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12 2016

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