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Der komplizierte Weg zur Corona-Stabilität

Die Coronalage auf Mallorca scheint sich nach wochenlang bedenklich hohen Zahlen langsam zu stabilisieren. Mehrere Male lag die 7-Tage-Inzidenz auf 100.000 Einwohner dieser Tage unter der 50-Personen-Marke, was ein Novum ist. Das lässt eine gewisse Hoffnung aufkeimen, zumal man den Trend ab dem kommenden Freitag mit lokalen Abriegelungsmaßnahmen unterfüttern will.

Es ist nun einmal so, dass nicht, wie von vielen gemutmaßt, die ausländischen Touristen die Zahlen nach oben trieben, sondern sorg- und zügellose Bewohner sozial eher problematischer Gegenden. Dass so mancher Einwohner im nun abgeriegelten Viertel Son Gotleu nicht unbedingt zu jenen Bürgern zählt, die sich voll und ganz obrigkeitshörig verhalten, hat sich in der Vergangenheit immer wieder mal gezeigt. Vielleicht zögerte die Regierung zu lange, hier durchzugreifen, denn die Tourismussaison musste wegen der Reisewarnungen mehrerer Länder, darunter Deutschland, vorzeitig beendet werden.

Bei anderen Maßnahmen scheint man nach der Meinung vieler Menschen übers Ziel hinaus geschossen zu sein. Was soll die Anordnung, auch dort Masken zu tragen, wo weit und breit kein anderer Passant zu sehen ist? Was soll das mitunter allzu strenge Verhalten von Polizisten gegenüber Bürgern? Das alles hat nur allgemein zunehmenden Groll zur Folge.

Ungeachtet dessen kann man der Regional-Regierung unter Francina Armengol nicht vorwerfen, uneffektiv zu handeln. Denn es tut sich nun einmal was. Parallel dazu versucht das spanische Außenministerium, auch mit Deutschland quarantänefreie Luftkorridore auszuhandeln. Sollte das in absehbarer Zeit gelingen, wäre das Reisen wieder völlig unproblematisch. Und sollte die 7-Tage-Inzidenz weiter unten bleiben und die Reisewarnung aufgehoben werden, kann der in Deutschland immer unbeliebtere Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht mehr wie unlängst laut empfehlen, die Herbstferien in Deutschland zu verbringen. Wer will schon unter grauem Himmel durch die Gegend schreiten, während man parallel auf Mallorca noch immer baden kann!

Autor: Ingo Thor

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10

09 2020

Mallorca kann wieder aufblühen – aber wann?

Wer die Entwicklung Mallorcas während der vergangenen Jahre und Jahrzehnte beobachtet hat, der darf auch jetzt sicher sein: Die Insel wird zu alter Stärke zurückfinden. So wie es ihr einst gelang, das Image der „Putzfraueninsel” abzuschütteln, die Wirtschaftskrise von 2008 zu überstehen und in deren Folge sogar zu der Boom-Insel im Mittelmeer zu werden, so wird „Sa Roqueta” auch die Coronakrise hinter sich lassen – die Frage ist nur wann.Die Hoteliers werden nicht müde, den Herbst zu beschwören. Würde die Bundesrepublik ihre Reisewarnung aufheben, so stünde einer Wiederbelebung des Geschäfts nichts mehr im Wege. Man könnte auf diese Weise retten, was zu retten ist. Aber ist das auch realistisch? Jein.

Sollten die Infiziertenzahlen auf Mallorca und den Nachbarinseln weiter sinken und die 7-Tage-Inzidenz über mehrere Tage hinweg deutlich unter der kritischen Schwelle von 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegen, ist nicht ausgeschlossen, dass die deutschen Behörden die Reisewarnung zurückziehen. So schnell wird das allerdings nicht passieren. Denn nach vergleichsweise niedrigen Corona-Zahlen am Wochenende und am Dienstag wurden am Mittwoch erneut mehr als 300 Neuinfektionen auf den Balearen gemeldet. Derzeit bleibt also allen, die wirtschaftlich unter dieser Krise leiden, nur abzuwarten und zu hoffen, dass es den Behörden irgendwie gelingt, die Infektionszahlen nach unten zu drücken.

In der Zwischenzeit tun die Verantwortlichen auf der Insel gut daran, tragfähige Konzepte für den Tourismus zu entwickeln, den man sich auf Mallorca für die Zukunft wünscht. Dieses Eiland bietet alles, was sich Urlauber von einem Reiseziel wünschen: Sonne, Strand, eine hervorragende Gastronomie, tolle Hotels, Kunst, Kultur, Geschichte, Natur und Sport. Dass sie also wiederkommen werden, steht außer Frage. Die Frage ist nur: Will man dann wirklich zurück zum Konzept der Masse? Soll der Erfolg nur dann gewährleistet sein, wenn Millionen von Urlaubern die Insel überrennen? Diese Diskussion wird wieder aufkommen, spätestens dann, wenn die Coronakrise weitgehend überwunden wurde.

Autor: Patrick Czelinski

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03

09 2020

Mehr Kontrolle und weniger Zahlensalat

Kaum steigen die Corona-Zahlen wieder, fühlt man sich in die Zeit der Ausgangssperre zurückversetzt. Als die Politiker der Zentralregierung uns ein ums andere Mal mit verwirrenden Regeln konfrontierten, deren Umsetzung bisweilen schwierig, ihr Nutzen manchmal zumindest zweifelhaft war. Jetzt hat Madrid den „Schwarzen Peter” den Regionalregierungen zugeschoben. Und die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol reagierte prompt und präsentierte am Mittwoch ein Maßnahmenpaket, das gegen die weiter steigenden Coronazahlen endlich Wirkung zeigen soll.

Getreu dem Motto „viel hilft viel” regnet es jetzt nach dem Gießkannenprinzip Verschärfungen in vielen Bereichen. Ob nun aber ausgerechnet eine Maskenpflicht am Uferboulevard und ein Rauchverbot auf einer Café-Terrasse die Weiterverbreitung des Virus eindämmen können, ist fraglich – zumindest die Obergrenze für private Feiern, bei denen sich besonders viele Menschen mit dem Virus anstecken, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wichtiger wäre aber, die bereits jetzt geltenden Maßnahmen endlich strenger zu kontrollieren und Zusammenkünfte vieler Menschen, beispielsweise Trinkgelage Jugendlicher, konsequent aufzulösen. Hier galt bisher: Polizei? Fehlanzeige!

Auch an Transparenz mangelt es. Wie kann es sein, dass an einem Tag 900 Fälle nachgemeldet werden müssen, von denen nur zehn (!) durch PCR-Tests in den letzten 24 Stunden nachgewiesen wurden? Hier muss die Regionalregierung auf jeden Fall nachbessern, ebenso bei den teils unhaltbaren Zuständen in den Gesundheitszentren.

Die Frage, ob noch Urlauber auf die Insel kommen, ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen in den Hintergrund gerückt. Fast schon befremdlich mutet es an, dass die Regierung, die jetzt das soziale Leben wieder herunterfährt, noch vor wenige Tagen „sichere Korridore” mit Deutschland etablieren wollte. Der „Govern” wirkt momentan leider etwas kopflos und nervös – das ist aber auch nur allzu verständlich, bei all dem, was für Mallorca auf dem Spiel steht.

Autor: Patrick Czelinski

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27

08 2020

Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl, bitte!

War die Reisewarnung wirklich notwendig? Geht man nach den nackten Zahlen, ja. In diesem Fall war es richtig, für ganz Spanien Alarm zu schlagen. Schon länger liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei deutlich mehr als 50 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner, sowohl im landesweiten Schnitt als auch auf den Balearen. Und dennoch: Dass die deutschen Behörden im Falle von Mallorca nicht mit ein wenig mehr Empathie vorgegangen sind, erstaunt. Erstens, weil auf der Insel insbesondere Palma, kaum aber der ländliche Raum betroffen ist – vielleicht hätte es auch eine Reisewarnung nur für die Inselhauptstadt getan.

Zweitens, weil Deutschland mit Mallorca deutlich enger verbunden ist als mit anderen Gegenden Spaniens – Millionen von Bundesbürgern lieben und schätzen die Insel, verbringen hier Jahr um Jahr eine unbeschwerte Zeit, kommen immer wieder aufs Neue zurück oder werden hier sogar ganz sesshaft. Und nicht zuletzt drittens: Weil die Insel in den vergangenen Monaten hervorragende Arbeit geleistet hat. Exzellente Hygienekonzepte in den Hotels, ein Pilotprojekt, das man durchaus als „Coup” bezeichnen kann und bei dem sich die Region zu allererst den Deutschen geöffnet hat, noch bevor die eigenen Landsleute vom Festland kommen durften – ein Treuebeweis! Darzulegen, dass man diese Gesichtspunkte zumindest abgewogen hat, wäre schön gewesen. Stattdessen holen deutsche Politiker und selbsternannte Gesundheitsexperten Tag für Tag das alte Bild von wilden Partys am Ballermann heraus, jener Feiermeile, die doch seit Monaten brach liegt. Es ist erschreckend, dass sie blind glauben, was deutsche Boulevard-Zeitungen berichten.

Mallorca holt hier leider der eigene Ruf ein, was zu einem ziemlich unwürdigen Spektakel führt. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl wäre angebracht gewesen. Denn wer Ruhe sucht, auf die Hygiene achtet und Menschenansammlungen meidet, kann auf Mallorca auch jetzt noch einen schönen und sicheren Urlaub verbringen. Vielleicht wesentlich entspannter als an überfüllten Alpenseen oder dicht gedrängt am Nordseestrand.

Autor: Patrick Czelinski

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20

08 2020

Das Gestern kann helfen, das Heute zu verstehen

Haben Sie gewusst, was für eine mythenumwobene Insel Mallorca ist? Dass der Aberglaube hier bis heute tief in der Gesellschaft verankert ist, ist den meisten fremd. Dabei ist diese dunkle, fast schon sagenhafte Welt wirklich spannend. Sie erzählt zahlreiche Geschichten aus dem Seelenleben der Mallorquiner. Die Angst vor Stürmen auf hoher See, vor Waldgeistern, schlechten Ernten, vor der Gewalt der Natur und menschlichem Unglück. Sie zeichnet ein Bild von einer Insel, die durch den Massentourismus zwar ein Stück weit weltläufig wurde und die doch bis heute an alten Traditionen festhält. Von einer Gesellschaft, die sich zwar dem Einfluss von außen geöffnet hat, ihn aber nach wie vor in viele Lebensbereichen eher als Bedrohung denn als Bereicherung versteht.

So kann uns der Aberglaube vieler (vor allem älterer) Mallorquiner dabei helfen zu verstehen, dass auf der Deutschen liebster Ferieninsel bis heute zwei Welten aufeinanderprallen: das polyglotte Glitzerparadies für Urlauber und die bisweilen altmodische und in Traditionen verhaftete Lebensweise der Einheimischen. Wir, die „Forasters”, – die „von außen Gekommenen” – tun gut daran, dieser Tatsache mit Respekt zu begegnen. Denn letztendlich ist Aberglaube immer auch Ausdruck eines tiefen menschlichen Bedürfnisses. Des Schaffens der Gewissheit (oder zumindest der Hoffnung), dass am Ende irgendwie alles gut wird.

Und so bleibt auch uns Mallorca-Deutschen nur zu hoffen, dass die Geister unserer Insel auch 2020 wohlgesonnen sind: Möge der Tourismus florieren, ohne die ureigene Inselwelt mit ihrer Natur zu zerstören. Mögen die so verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf Mallorca auch in Zukunft in friedlicher Koexistenz leben und wir Ausländer hier weiter willkommen sein. Mögen die Stauseen und die Staatskassen so voll sein wie die Sangria-Gläser und die Politiker ihren Vorsätzen treuer als viele von uns es sind.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, liebe Leser, alles Gute für das neue Jahr. In der Hoffnung, dass Sie die Insel auch weiterhin genießen können!

Autor: Patrick Czelinski

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26

12 2019

Die angekündigte Überholung des Airports ist vernünftig

Flughäfen sind die Visitenkarten ganzer Regionen. Wer irgendwo ankommt und sieht, dass die Gepäckbänder nicht wie geschmiert laufen oder dass sich der Unrat häuft, macht sich ein Bild, das nicht selten mit der Realität des Reiseziels übereinstimmt. Wird eine Region schluderig geführt, kann sich das also durchaus im Airport widerspiegeln. Für das boomende Bayern etwa gibt es keine idealere Visitenkarte als den hochmodernen Münchner Flughafen.

Angesichts dessen ist es nur vernünftig, wenn die spanische Betreibergesellschaft Aena tief in die Taschen greifen will, um Mallorcas riesigen Flughafenkomplex ein für allemal auf Vordermann zu bringen. Mehr als eine halbe Milliarde Euro lässt man springen. Das ist bestens investiertes Geld, denn es ist nunmal so, dass der Airport jenseits des 2010 eingeweihten, mit dem 21. Jahrhundert kompatiblen C-Terminals trotz vieler schon erledigter Verbesserungen vielerorts angejahrt aussieht. In manchen Ecken und Gängen besonders zwischen dem Hauptgebäude und dem Terminal D kommt der Komplex geradezu muffig daher. Man fühlt sich an Retro-Orte wie den Flughafen Berlin-Tegel erinnert.

Dass auf Mallorca bei der bald anstehenden Überholung bewusst auf Helligkeit gesetzt wird, passt zur lichtdurchfluteten Insel. Dass eine leistungsstarke Photovoltaik-Anlage kommen soll, passt wunderbar in die immer umweltsensiblere aktuelle Zeit. Und dass die Passagiere weniger Zeit vom Eingang zum Gate benötigen sollen, werden diese den Managern dieses sehr weitläufigen Airports danken.

Doch ach, wegen der vielen zu erwartenden Baustellen wird sich manch ein Fluggast vor allem im Winter möglicherweise genervt fühlen, zumal der Mallorca-Flughafen ohnehin ein Labyrinth ist, das nicht wenige verwirrt. Doch all das, was verbesserungstechnisch geschehen wird, wird dazu führen, dass Mallorcas Visitenkarte peppiger und zeitgemäßer daherkommt. Und wir alle hier wollen doch, dass die betörende Insel-Realität eine betörende Eingangspforte bekommt.

Autor: Ingo Thor

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10

10 2019

Der Druck auf Mallorca nimmt zu

Auf Mallorca Hotelier sein, ist sicherlich keine einfache Sache. Die Betriebskosten steigen, die Ansprüche der Gäste ebenso, und das Panorama der externen Faktoren, die sich von hier aus nicht beeinflussen lassen, nimmt an komplizierter Vielfalt zu.

Beispiele gefällig? Das ist etwa der Brexit. Kommt er nun oder nicht? Und wenn ja, wie wird er sich auf die britischen Urlauberströme in Richtung Insel auswirken?

Da sind ferner die „Flugscham” samt Überlegungen zur Vermeidung von Emissionen. Wenn Deutschland oder die Europäische Union tatsächlich eine CO2-Steuer auf Flugtickets einführen sollten, die das Fliegen verteuert – werden dann weniger Menschen nach Mallorca düsen?

Des Weiteren sind da die Entwicklungen bei den Mitbewerbern. Die griechische Regierung senkt für die kommende Saison die touristische Mehrwertsteuer drastisch von 24 auf 13 Prozent (S. 39). Das heißt, Hotelübernachtungen werden dort günstiger. Und auf welche Ideen die Türkei mit ihren niedrigen Lohnkosten und der staatlichen Tourismusförderung noch kommt, wird ebenfalls Auswirkungen haben.

Nicht zu vergessen Faktor Wetter. In Deutschland war es diesen Sommer zeitweise heißer als auf Mallorca. Wer wollte da schon auf die Insel? Und was ist, wenn der Regen diesen Winter auf Mallorca ausbleibt? Dann steht das Eiland vor keineswegs kleinen Problemen.

Den Wind spüren die Unternehmer auf der Insel demnach zunehmend von vorne, nachdem die geopolitischen Krisen im östlichen Mittelmeer ihnen in den vergangenen Jahren reichlich Rückenwind beschert hatten.

Nach den Rekorden der jüngsten Vergangenheit normalisiert sich die Lage wieder. Das hat auch den einen oder anderen Vorteil: Mallorca ist nicht mehr so überlaufen, der Ressourcenverbrauch sinkt.

Statt in Panik zu geraten, tun die Hoteliers gut daran, an ihren ehrgeizigen Qualitätsstandards festzuhalten. Sie werden dadurch zwar keine spektakulären Zuwächse mehr verzeichnen. Aber treue Mallorca-Fans werden bei gutem Service nicht aufhören, hier von Zeit zu Zeit Urlaub zu machen.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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05

09 2019

Eine Lösung für Caló des Moro wird dringend gesucht

Mehr und mehr Urlauber, die nach Mallorca kommen, wollen nicht mehr einfach nur die Ferien in ihrer Hotelanlage verbringen. Gerade junge Touristen möchten das echte Leben der Insel entdecken, sie suchen nach Geheimtipps und buchen sich Ferienwohnungen in den ursprünglichen Vierteln Palmas. Onlineplattformen wie das Fotonetzwerk Insta-gram und die Ferienvermietungsplattform Airbnb liefern dazu die passende Unterstützung.

Wozu Empfehlungen bei Insta-gram führen können, lässt sich gut am Beispiel der Caló des Moro beobachten. Mehrere Tausend Fotos der Bucht stehen auf der Plattform online. Sie zeigen das türkisfarbene Wasser der idyllischen Bucht nahe Santanyí. Was die Aufnahmen allerdings nicht verdeutlichen, ist die Zahl der Besucher, die mittlerweile an die Bucht strömt. Auch ist nicht zu sehen, dass es keinen Sand mehr dort gibt und die Badegäste es sich auf den Felsen „bequem” machen müssen.

Badevergnügen im Paradies sieht wahrlich anders aus. Die Bucht hat sich vom Geheimtipp zum Besuchermagnet entwickelt. Auf der einen Seite kann man die Besucher verstehen, die eines der schönsten Fleckchen der Insel entdecken wollen. Auf der anderen Seite kann man angesichts der herausgeputzten Instagram-Pilger, die sich in der Sommerhitze den Weg zur Bucht hinabschieben, nur für einen Schnappschuss, den bereits Tausende vor ihnen schon gemacht haben, nur den Kopf schütteln.

Die Caló des Moro ist ein Beispiel, wie Mallorca sich auf die veränderten Bedingungen des Massentourismus einstellen muss. Fraglich ist bisher nur wie. Denn allein das Wort Zugangsbeschränkung löst bei vielen Urlaubern und Politikern schon Allergien aus. Doch über kurz oder lang wird die Zahl der Besucher in solchen begrenzten und sensiblen Naturräumen reguliert werden müssen. Ansonsten kommt es so weit wie in Thailand, wo der bekannte Strand aus dem Film „The Beach” gänzlich für Badegäste dicht gemacht wurde. Solch eine Lösung ist für Mallorcas Strände wahrlich nicht wünschenswert.

Autor: Claudia Schittelkopp

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01

08 2019

Es Trenc ist Naturpark und gleichzeitig Ziel von Urlaubermassen

Türkisfarben das Meer, feinkörnig und karibikweiß der Sand: Dieses Bild des Es-Trenc-Strandes hat sich über die Jahrzehnte in Millionen deutsche Urlauberköpfe eingebrannt. Kein Wunder, dass die Playa im Süden Mallorcas im Sommer einer der Hotspots der Insel ist. Daran hat sich bis heute nichts geändert, obwohl genau am Beispiel dieses ziemlich bezaubernden Sandstreifens deutlich wird, welchen Spagat die Politik auf einer Insel wie dieser hinlegen muss, um Naturschutz und Menschenmassen irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Allen Überlegungen muss zumindest folgender Grundgedanke vorausgehen:Die Menschen wird man in ihrer Bewegungsfreiheit nicht einschränken können. Wer zum Es-Trenc-Strand will, der kommt auch dorthin.

Hier ist festzuhalten, dass Balearen-Regierung, Inselrat und die Gemeinde Campos mittlerweile ein recht ordentliches Verkehrskonzept auf die Beine gestellt haben. Illegale Parkflächen wurden geschlossen, dafür hat man unweit von Ses Covetes einen sehr ansehnlichen Großparkplatz mit unkompliziertem Bezahlsystem geschaffen. Die Busse verkehren zwischen Sa Ràpita, dem Parkplatz und dem Strand zuverlässig und recht eng getaktet, sodass eine ziemlich stressfreie Anreise garantiert werden kann.

Etwas weniger gelungen mutet das Konzept am Strand an, der gänzlich in einem Naturpark liegt und deshalb weder maschinell gereinigt noch professionell bewirtschaftet wird. Die Holzbuden, an denen Getränke und Snacks verkauft werden, bekommen den Strom aus brummenden Generatoren statt aus der Leitung, im Sand liegt allerlei Treibgut, Toiletten sind Mangelware. Das mag dem Umweltschutz dienen, den Strand schöner gemacht hat es nicht. Das Flair von einst ist weg, der Strand mag jetzt „natürlicher” sein, wirkt aber irgendwie auch ein wenig heruntergekommen. Umweltschutz und touristische Interessen unter einen Hut zu bekommen ist eben ein Spagat, und der gelingt nicht immer perfekt. Eine Naturschönheit bleibt Es Trenc dennoch, und wenn die Sonne über dem glitzernden Meer versinkt, entschädigt das für so einiges.

Autor: Patrick Czelinski

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25

07 2019

Auch die Sandburgen waren ein Teil von Sodom

Es war ein punktueller Akt, der am vergangenen Freitagmorgen von vielen unbemerkt an der Playa de Palma durchgezogen wurde: Lokalpolizisten rückten mit einem Bagger und einem Lkw an und machten fünf der in den vergangenen Jahren so sehr in Mode gekommenen Riesensandburgen platt. In den sozialen Netzwerken schwankten die Reaktionen zwischen Beifall und Bedauern ob der Aktion. Denn hässlich waren die Dinger ja nicht.

Das punktuelle Vorgehen fügt sich in die neue Linie ein, mit der die Stadt gegen Alkoholexzesse an der Urlaubermeile vorgeht. Das Fernziel ist, dem verlotterten Leben à la Sodom dort ein für alle Mal den Garaus zu machen. Die von Balkanbewohnern errichteten Sandburgen sagten nur eines aus: Hier ist so ziemlich alles erlaubt. Achtbar ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Polizisten nicht vom Urteil einer Palmesaner Richterin im Frühling beeindrucken ließen, die das unsägliche Hütchenspiel ausdrücklich nicht für illegal gehalten hatte.

Urteile hin oder her, mit den teils unhaltbaren Zuständen an der Playa de Palma soll halt Schluss sein. Deshalb kann man der Lokalpolizei nur applaudieren, wenn sie dagegen vorgeht. Aber dennoch: Gewaltkriminalität ging von den Erbauern der Burgen nicht aus. Die findet vielerorts weiter ungebremst statt, ohne dass mit der nötigen Härte eingegriffen wird, auch wenn jüngst verlautbart wurde, dass im Sommer in dem Touristendorado bereits 145 mutmaßliche Straftäter festgenommen wurden.

Die Playa de Palma hat in der Hochsaison auch Schattenseiten. Symbolaktionen und ein paar Festnahmen reichen denn auch nicht aus, um diesen Pfuhl auszutrocknen. Ein resoluteres Vorgehen der Stadt-Regierenden und der Polizei in Kooperation mit den Hoteliers ist unerlässlich. Also, liebe Lokalpolizei: Warum wurden die Burgen so verschämt entfernt? Wäre es nicht angemessener gewesen, am helllichten Tag zur Tat zu schreiten? Viele der autoritätshörigen deutschen Partytouristen wären schwer beeindruckt gewesen.

Autor: Ingo Thor

18

07 2019