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Auch die Sandburgen waren ein Teil von Sodom

Es war ein punktueller Akt, der am vergangenen Freitagmorgen von vielen unbemerkt an der Playa de Palma durchgezogen wurde: Lokalpolizisten rückten mit einem Bagger und einem Lkw an und machten fünf der in den vergangenen Jahren so sehr in Mode gekommenen Riesensandburgen platt. In den sozialen Netzwerken schwankten die Reaktionen zwischen Beifall und Bedauern ob der Aktion. Denn hässlich waren die Dinger ja nicht.

Das punktuelle Vorgehen fügt sich in die neue Linie ein, mit der die Stadt gegen Alkoholexzesse an der Urlaubermeile vorgeht. Das Fernziel ist, dem verlotterten Leben à la Sodom dort ein für alle Mal den Garaus zu machen. Die von Balkanbewohnern errichteten Sandburgen sagten nur eines aus: Hier ist so ziemlich alles erlaubt. Achtbar ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Polizisten nicht vom Urteil einer Palmesaner Richterin im Frühling beeindrucken ließen, die das unsägliche Hütchenspiel ausdrücklich nicht für illegal gehalten hatte.

Urteile hin oder her, mit den teils unhaltbaren Zuständen an der Playa de Palma soll halt Schluss sein. Deshalb kann man der Lokalpolizei nur applaudieren, wenn sie dagegen vorgeht. Aber dennoch: Gewaltkriminalität ging von den Erbauern der Burgen nicht aus. Die findet vielerorts weiter ungebremst statt, ohne dass mit der nötigen Härte eingegriffen wird, auch wenn jüngst verlautbart wurde, dass im Sommer in dem Touristendorado bereits 145 mutmaßliche Straftäter festgenommen wurden.

Die Playa de Palma hat in der Hochsaison auch Schattenseiten. Symbolaktionen und ein paar Festnahmen reichen denn auch nicht aus, um diesen Pfuhl auszutrocknen. Ein resoluteres Vorgehen der Stadt-Regierenden und der Polizei in Kooperation mit den Hoteliers ist unerlässlich. Also, liebe Lokalpolizei: Warum wurden die Burgen so verschämt entfernt? Wäre es nicht angemessener gewesen, am helllichten Tag zur Tat zu schreiten? Viele der autoritätshörigen deutschen Partytouristen wären schwer beeindruckt gewesen.

Autor: Ingo Thor

18

07 2019

Quo vadis, Playa de Palma?

Es ist die Frage aller Fragen, die sich viele selbst in Fieberträumen stellen dürften. Werden die nervigen Sauftouristen bald endlich deutlich weniger auf dieser unserer Insel? Abzusehen ist das nicht, auch wenn an der Playa de Palma eine gewisse Bewegung in die richtige Richtung auszumachen ist. Dieses Jahr ist dort immerhin fast mit Händen zu fühlen, dass es chilliger geworden ist.

Doch es ist kaum zu erwarten, dass sich die rülpsenden Zeitgenossen, die hier einfliegen, um auf den Putz zu hauen, ohne weiteres geschlagen geben. Zwar gibt es eine neue Verordnung, die das Trinken auf offener Straße untersagt, doch die feierwütigen Youngster dürften sich davon kaum beeindrucken lassen. Klar, diese in ihrem Heimatland mutmaßlich überwiegend braven Deutschen würden schnell wie geprügelte Hunde winseln, wenn von Polizeiseite noch mehr Druck gemacht werden würde. Aber dass die ungeliebten Gäste irgendwann mit Knüppeln und Handschellen en masse zur Raison gebracht werden, ist angesichts der zu erwartenden schlechten Presse mehr als unwahrscheinlich.

Und mal ehrlich: Ist es nicht nachvollziehbar, wenn in gleichfarbige T-Shirts gehüllte Milchköpfe aus allen möglichen Bundes-Käffern ein bisschen die Sau rauslassen wollen? Nach sieben Monaten Kälte und stocksteifem Malocherleben im Grau in Grau des deutschen Alltags kann man fast Mitleid mit diesen Leuten empfinden.

Doch sie sorgen halt dafür, dass Mallorca ein gewisses ungutes Image nicht los wird. Aber oho, es tut sich halt etwas: Nicht mit Gewalt, sondern mit dem charmanten Würgegriff des Ibiza-Chills und des Luxus ist es gelungen, die Trunken- und Partybolde zumindest etwas zu verwirren. Angesichts der von Hoteliers und dem Unternehmerverband Palma Beach initiierten Entwicklung bei parallel stärkerer Kontrolle verwundert es nicht, wenn in sozialen Medien Orte wie der Goldstrand in Bulgarien als besser geeignet für alkoholselige Urlauber genannt werden. Aber ach, die Schlacht ist noch lange nicht geschlagen.

Autor: Ingo Thor

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13

06 2019

Ein polarisierendes Geschäft beschäftigt Mallorca

Es gibt Leute, die schon beim Anblick eines Ozeanriesen wie der jetzt wöchentlich nach Palma kommenden „Oasis of the Seas” vor Wut schäumen. „Diese Dreckschleudern”, wird unter anderem gegeifert. Doch die da maulen, gehören zu einer lautstarken Minderheit, die sich in den sozialen Netzwerken ausbreitet. Generell werden Kreuzfahrten dagegen immer beliebter. Und deswegen werden weiterhin immer größere Pötte in den Werften konstruiert, von denen viele irgendwann mit Sicherheit auch Palma anlaufen.

Es ist Geschmackssache, ob man sich bar jeder Selbstinitiative in einem Rudel durch eine Stadt führen lassen möchte und es einem mit einer Fahne vorweglaufenden Reiseleiter überlassen will, zu bestimmen, wie lange man sich eine Sehenswürdigkeit anzuschauen hat. Zudem ist es nachvollziehbar, wenn man keine Lust hat, hautnah irgendwelche mürrisch dreinblickenden Mitreisenden zu ertragen. Auf der anderen Seite hat es durchaus Charme, nur einmal den Koffer auspacken zu müssen und dennoch viel kennenlernen zu können. Und um die Verpflegung muss man sich bekanntlich auch nicht kümmern, man wird durchgefüttert. Doch Hand aufs Herz: Sowas wie die „Oasis of the Seas” ist ja eigentlich kein richtiges Schiff mehr, sondern eine Art anonyme Kleinstadt. Die Nähe zum Meer kann man am Strand intensiver genießen. Hinzu kommt die Umweltverschmutzung durch diese Schiffe, die viele zu recht wurmt.

Wie auch immer man zu Kreuzfahrten steht, sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Jeder Pott bringt gehörig Umsatz in eine Region. Wer kann es angesichts dessen einer Stadt wie Palma verdenken, die Zahl der Ozeanriesen nicht limitieren zu wollen. Würde man das hier tun, würden sich die Regenten anderer Kommunen hohnlachend die Hände reiben.

Es muss respektiert werden, dass viele Menschen Kreuzfahrten machen wollen. Auch muss es aber respektiert werden, dass Städte wie Dubrovnik nicht allzu viele Schiffe mehr haben wollen.

Autor: Ingo Thor

09

05 2019

In ein paar Wochen kann alles ganz anders sein

Seit Mittwoch tummeln sich auf der ITB in Berlin wieder die Touristiker. Unternehmen werben um Kunden, die Reiseziele um Urlauber. Der ein oder andere Balearen-Vertreter ist in diesem Jahr mit gemischten Gefühlen an die Spree geflogen. Buchungsrückgänge und wiedererstarkende Konkurrenzziele haben bereits vor Beginn des Sommers erste Schatten auf die anstehende Saison geworfen. Wie das Geschäft 2019 tatsächlich laufen wird, vermag noch niemand zu sagen. 

Sicher ist zumindest eines: Die Insel ist und bleibt eine Top-Destination im Mittelmeerraum. Eine solche Fülle an Angeboten auf so kleinem Raum ist einzigartig. Natürlich ist Mallorca nicht die Türkei. All-Inclusive zu Dumping-Preisen, wie es sie derzeit in dem von einer Rezession bedrohten Land gibt, sind hier zur Seltenheit geworden. Die Preise haben in den vergangenen Jahren angezogen, die Touristensteuer „Ecotasa“ tut ihr Übriges. Gleichzeitig aber muss sich auf Mallorca niemand davor fürchten, am Flughafen festgenommen zu werden, nur weil er sich regierungskritisch äußert. Auch hier gilt: Mallorca ist eben nicht die Türkei. Das Eiland ist international und weltoffen. Und genau so wird es sich auf der ITB präsentieren, das ist quasi Pflicht. Zu viele Negativmeldungen hat es in den vergangenen Wochen gegeben. Nicht wenige Experten sind der Meinung, der regierende Linkspakt habe mit Projekten wie der Urlaubersteuer und der Kampagne „Better in Winter“ Touristen vergrault. 

Umso gespannter blicken die Tourisitker nun auf das Frühjahr. So wird nicht nur am 28. April eine neues Parlament in Madrid gewählt, einen Monat später stehen auch Regional- und Kommunalwahlen an. Nach derzeitigem Stand der Dinge ist alles offen. Sollte es aber zu einem Regierungswechsel kommen, dann – das weiß man aus Erfahrung – wird ohnehin wieder vieles umgekrempelt – gerade im Tourismussektor. Projekte wie die Kurtaxe wären dann vielleicht wieder Geschichte.

Ob es anschließend wieder einen Boom geben wird? Nicht abzusehen. Allzuviele Gedanken aber muss man sich auf Mallorca nicht machen. Die Insel ist und bleibt ein Urlaubsziel, das seinesgleichen sucht.

Autor: Patrick Czelinski

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07

03 2019

Wir bezahlen den Preis fürs billige Fliegen

Keine Bruchlandung, ein Absturz! Nach dem Air-Berlin-Aus vor zwei Jahren hat es mit Germania nun wieder eine deutsche Fluggesellschaft erwischt, der grün-weiße Ferienflieger musste Insolvenz anmelden. Viele Mallorca-Urlaubern und Residenten werden Germania in guter Erinnerung behalten, galt die Airline doch lange als eine der letzten Fluggesellschaften, bei denen es noch „Service“ gab. Der Koffer flog gratis mit und auch der Snack war reichhaltiger als bei der Billig-Konkurrenz. Letztendlich aber zeigt die Pleite, dass es darauf heutzutage nicht mehr ankommt. Die Diskussionen um die Qualität des Brötchens und die Maße des Handgepäcks haben in den vergangenen Jahren vielleicht den Blick auf das Wesentliche versperrt, nämlich darauf, dass am Himmel ein erbitterter Preiskampf tobt. 

Die Airlines sind am Limit und fliegen bildlich nur knapp über dem Boden. Ein steigender Kerosinpreis und Entschädigungen wegen ausgefallener oder verspäteter Flüge im vergangenen Sommer gepaart mit hohen Wartungskosten können da die „kleineren Fische“ wie Germania finanziell schnell aus der Bahn werfen. Die Leidtragenden sind am Ende nicht die Manager, sondern das fliegende Personal. Angaben der Vereinigung Cockpit zufolge müssen sich jetzt mindestens 400 Piloten und eine deutlich höhere Zahl von Flugebgleitern nun um einen neuen Job bemühen. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Kunden, von denen zumindest jene, die ihre Flüge direkt bei der Airline gebucht haben, auf den Kosten sitzen bleiben werden. Es ist fast schon skandalös, dass es bis heute keinen besseren Verbraucherschutz im Falle insolventer Airlines gibt. Letztendlich bezahlen wir alle den Preis für den Billig-Wahn in der Luftfahrtbranche. 

Die (kleinen) Lücken, die Germania an großen Airports wie Düsseldorf, München oder Frankfurt hinterlässt, werden die Big Player schnell füllen. Die großen Löcher, die jetzt an kleinen Regionalflughäfen wie Erfurt oder Friedrichshafen klaffen möglicherweise nicht. Es ist wie in vielen Branchen, es geht halt doch nur um’s Geld.

Autor: Patrick Czelinski

07

02 2019

Palmas Flughafen ist eine gut funktionierende „Stadt in der Stadt”

Du bist keine Schönheit, vor Arbeit ganz grau, liebst dich ohne Schminke, bist ’ne ehrliche Haut, leider total verbaut, aber gerade das macht dich aus!” – die Zeilen, die Herbert Grönemeyer einst über seine Heimatstadt Bochum schrieb, könnte man auch genau so dem Flughafen von Palma widmen, jener „Stadt in der Stadt, die jährlich fast 30 Millionen Menschen „ausspuckt” beziehungsweise aufsaugt, um sie an irgendeinen anderen Ort der Welt – oder zumindest Europas – zu katapultieren. Den Beitrag vollständig lesen →

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25

10 2018

Es ist noch nicht vorbei

Die internationalen Medien haben das Flutdrama – abseits von royalen Besuchen – bereits aus den Augen verloren, und die schlimmsten materiellen Verwüstungen sind beseitigt. Wir wissen nun, wie viele Todesopfer die Unwetter-Katastrophe im Inselosten gekostet hat, wie viele Autos fortgespült, wie viele Bauwerke beschädigt wurden.

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18

10 2018

Urlauberfeindliche Grüppchen haben auf Mallorca keine Chance

Es gibt auf diesem unseren Planeten wenige multikulturellere Orte als Mallorca. Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen leben hier seit Jahrzehnten friedlich zusammen und respektieren sich gegenseitig. Ob Deutsche, Briten, Skandinavier, alteingesessene Insulaner, Festlandspanier, Südamerikaner, Inder oder Chinesen – hier wird eine Toleranz gelebt, wovon woanders in dieser im Augenblick engstirnigen und von Nationalismen geprägten Zeit nur geträumt wird. Und hier wird leben gelassen. Humangeograph Pere Salvà spricht denn auch im MM-Interview von einer „Gesellschaft mit zahlreichen Identitäten”.

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04

10 2018

Welche Meeresfront ist Palma zu wünschen?

Im Atelier des Architekten Pere Nicolau, der auch den Flughafen von Palma errichtete, ist ein Entwurf zu sehen für Palmas Filetstück, die Meeresfront der Balearen-Metropole. Gemeint ist der Landstreifen zwischen Altstadtmauer, Gesa-Hochhaus und Kongresspalast, sprich jener Bereich, den jeder Ankömmling zu sehen bekommt, wenn er sich vom Flughafen her der Stadt nähert. Das Areal steht entsprechend für den ersten Eindruck, ist die Visitenkarte Palmas schlechthin.

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27

09 2018

Die Kunst und die Massen: Bei der Nit de l’Art ist ein guter Kompromiss gelungen

Am Samstag tobt in Palma die Nit de l’Art, der in dieser Ausgabe auch ein Special gewidmet ist. Zehntausende flanieren dann durch die Innenstadt. Sie suchen längst nicht nur Bilder und Skulpturen (die angesichts der vielen Menschen manchmal kaum noch zu sehen sind). Sie suchen Unterhaltung, Freunde, Bars und Restaurants – die „Nacht der Kunst” ist zu einem Volksfest mutiert. Den Beitrag vollständig lesen →

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09 2018