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Neue Zeiten bei Michelin auf Mallorca

Die Gastronomie auf Mallorca hat in den letzten Jahren einen beeindruckenden Weg zurückgelegt. Statt Tagesmenü, fettigen Kroketten und dem immergleichen Pica-Pica am Bartresen ist Haute Cuisine angesagt. Kreative und innovative Lokale sprießen geradezu aus dem Boden (Seite 34/35) . Auch an Orten, wo das nicht unbedingt zu erwarten ist, zum Beispiel in erster Meereslinie von Port de Pollença oder auch in Gestalt eines relativ einfach wirkenden Restaurants im Bistro-Stil, das es kulinarisch allerdings in sich hat.

Dem Guide Michelin ist es hoch anzurechnen, dass Sterneküche heutzutage auch in der Kategorie unter 50 Euro machbar ist. In der Tat kommt es mehr auf den Inhalt an als auf die Verpackung. Ein junger Koch leistet manchmal mehr als ein erfahrener Kollege. Auch wenn manche Location natürlich einen Aufpreis rechtfertigt: Aufwendiges Gedeck, ein altmodischer Service oder ein riesiger Weinkeller bieten genau so wenig Garantie für richtig gutes Essen wie Menüpreise von 150 Euro aufwärts. Speziell auf Ibiza, das von Michelin einmal mehr links liegen gelassen wurde, sollte man sich das bitte hinter die Ohren schreiben. Ganz zu schweigen von einer anderen Nachbarinsel, wo jemand meinte, seine Preise dank Stern vervielfachen zu können – und die Ehrung prompt wieder entzogen bekam.

Klar ist aber auch, dass gehobene Kulinarik nicht mit einer „Geiz-ist-geil“-Mentalität funktionieren kann. Die immer besser qualifizierten Mitarbeiter in der Küche und im Service haben anständige Gehälter verdient.

Dem Tourismus ist es zu verdanken, dass diese zumindest teilweise auch bezahlt werden können, und dass gleichzeitig mutige unternehmerische Investitionen in neue Projekte möglich sind. Der diesjährige Sterneregen lässt erahnen, dass die kulinarische Avantgarde auf Mallorca einen breiten Unterbau hat, der auch in Zukunft noch die eine oder andere Überraschung bereithalten dürfte. Mit jährlich elf Millionen potenziellen Gästen beschränkt sich das hiesige Potenzial schließlich nicht nur auf die lokale Bevölkerung, sondern ist durchaus mit den Metropolen der Welt zu vergleichen.

Autor: Michael Maier

01

12 2016

Ecotasa: Gut gelaufen

Da hat die linke Balearen-Regierung doch so etwas wie ihr Meisterstück abgeliefert: Seit vergangenem Freitag wird auf den Balearen die Steuer für nachhaltigen Tourismus kassiert – und keiner regt sich auf. Dem ersten Eindruck nach noch nicht einmal jene, die sie berappen müssen. Das ist gut gelaufen für Tourismusminister Biel Barceló & Co..

Im Grunde kann man sich noch immer fragen, warum Urlauber eine Zusatzsteuer entrichten müssen. Eine schlüssige Antwort wird man wohl nicht finden, es sei denn, man hängt der Ideologie an, dass der Tourismus die Wurzel allen Übels ist. Den Beitrag vollständig lesen →

07

07 2016

Spielzeug für Politiker

Totgesagte leben länger. Das gilt auch für das Projekt einer Bahnlinie zwischen Manacor und Artà. 1977 stillgelegt, wollte die Mitte-Links-Regierung von Francesc Antich die Verbindung 2007 wiederbeleben. Sein Nachfolger José Ramón Bauzá, aus dem rechten Lager, packte die Pläne prompt wieder in die Schublade und machte aus der halbfertigen Trasse den Rad- und Spazierweg Vía Verde. Jetzt sind wieder die Linken am Zug, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie würden lieber heute als morgen mit dem Schienenbau loslegen, wenn, ja wenn sie nur das Geld dazu hätten. Den Beitrag vollständig lesen →

08

10 2015

Es Jonquet: Binsenweisheiten aus dem „Kleines Schilf“

Es Jonquet ist eines jener Viertel von Palma, in das sich früher kein Pauschaltourist hineingetraut hätte. Drogen, finstere Gestalten, Dreck, Verfall. Das Besondere an dem Quartier auf dem Mühlenhügel von Palma: Es liegt nicht innerhalb der historischen Altstadtmauern, sondern davor. Denn das Viertel gehörte lange gar nicht zu Palma.

Und dennoch ist es heute eines der ältesten der Stadt, und auch eines der malerischsten. Es ist eine Schande, dass die Mühltürme, das Wahrzeichen des Viertels, so dermaßen vom Verfall bedroht sind. Wie gerne würden Besucher dort einmal auf der Terrasse sitzen und mit Blick auf den Hafen einen Kaffee trinken wollen?! Den Beitrag vollständig lesen →

03

07 2014

Neue Träume für den Boulevard of broken dreams

Fünf Jahre ist es her, da wurde in Palma das 50-jährige Bestehen der Hafenpromenade Paseo Marítimo begangen. Es war eine schnöde Würdigung: MM kommentierte im Jahre 2008:

„Für die spanischen Medien war es allenfalls lästige Chronistenpflicht, an das Jubiläum zu erinnern. Es gab dieselben alten Fotos wie alle zehn Jahre wieder. Die Gelegenheit, das Ereignis zur Grundlage einer Diskussion über Sinn und Zweck des Bauwerks zu machen, wie weiter mit der Stadtplanung und Verkehrsführung zu verfahren sei, wurde nicht ergriffen, weder von Politikern noch von Architekten.“

Das hat sich nun geändert: Zumindest vier Architekten haben vergangene Woche in der Kammer eine neue Vision vorgelegt, wie die derzeitige Hafen-Autobahn von Staus, Lärm und Abgasen befreit werden könnte: Sie wollen den Verkehr ausdünnen, die Bürgersteige verbreitern, Bäume pflanzen, Flaniermeilen für Fußgänger und Cafébetriebe schaffen.

Mehr noch, Palma soll sich wieder dem Meer öffnen. Denn sicherlich riegelt die sechsspurige Asphalttrasse wie eine Barriere die Stadt vom Ufer ab.

Witzig; ursprünglich war der Paseo in den 1950er Jahren errichtet worden, um der Stadt einen breiten Zugang ans Wasser zu bieten. Die Planungen gehen auf die 1930er Jahre zurück. Visionäre von damals, wie etwa Llorenç Villalonga, strebten dem Vorbild Nizza nach. Eine Promenade am Wasser sollte den Palmesanern die Möglichkeit geben, das Meer zu sehen und sogar darin zu baden.

Palma, so Villalonga, vertue wie ein „dummes Mädchen“ seine Zeit mit der Felsküste. Letztere wurden mit dem Paseo Marítimo tatsächlich erschlossen (und hinter Beton und Hochhäusern versteckt). Doch die einstigen Träume wurden nicht wahr. Wo ein Badegewässer sein sollte, ist heute Hafenbecken samt Yachten.

Dennoch würde Palma durch eine Verkehrsberuhigung des Paseo an Lebensqualität gewinnen. Der Verkehr müsste sich indes über die Ringautobahn wälzen, zum Nach-teil der dortigen Anwohner. Denn die Pläne für eine Straßenbahn am Paseo, die es auch einmal gegeben hatte, sind längst zerplatzt.

Autor: Alexander Sepasgosarian

 

16

05 2013