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Sozialer Frieden trotz sozialer Gegensätze

Wer mit einem Bus der Linie 7 von Palmas Problemviertel Son Gotleu ins stille, grüne und vornehme Son Vida fährt , sieht ungeschminkt, dass die sozialen Gegensätze auf Mallorca nicht viel weniger krass als in riesigen Millionenstädten sind. Der Unterschied ist, dass hier auf diesem betont internationalen Eiland alles viel kleiner und übersichtlicher ist: Kaum ist ein schlechtes Viertel durchfahren, kommt auch schon nach wenigen Minuten ein etwas besseres. Und in weniger als einer Stunde ist man im Paradies der Wohlhabenden.

Und es gibt noch einen Unterschied: Hält man sich in einer Gegend wie Son Gotleu längere Zeit auf, läuft man nicht wie in einigen Molochen Gefahr, entführt, beraubt oder gleich erschossen zu werden. Klar, eine teure Uhr sollte man auch hier abnehmen, aber Mallorca ist halt eine Insel mit einem allgemein vernehmbaren Sicherheitsgefühl, das fast überall gilt. Und das ist geradezu mehr als sympathisch. Davon kann in riesigen Städten wie Johannesburg, Buenos Aires oder Mexico-City nicht die Rede sein. Dort wird man in ein schlechtes Viertel hineingeboren, wächst dort auf und stirbt dort im Regelfall, manchmal mit einer Kugel im Herzen. Für Angehörige höherer Schichten sind das halt abgekapselte No-Go-Areas, die zu meiden sind. Auf Mallorca sind die Abgrenzungen fließender: Wer in Palma einen halbwegs guten Job ergattert, kann aus „Barrios” wie Son Gotleu oder Son Roca durchaus herauskommen. Dennoch: Auch hier bleiben die Menschen in der Regel in den betroffenen Vierteln.

Wer die sozial so unterschiedlichen Ecken bereist, dem wird einmal mehr klar, dass Mallorca die Welt im Kleinen ist. Wie unter einem Brennglas wird hier der Erdball unverfälscht erfahrbar – mit Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen und mit unterschiedlichster sozialer Herkunft. Diese leben im Großen und Ganzen friedlich zusammen, zwar eher nebeneinander als miteinander, aber immerhin. Und das trägt nunmal entscheidend dazu bei, dass diese Insel so lebens- und liebenswert ist.

Autor: Ingo Thor

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16

12 2021

Wahre Probleme 
und Luxusprobleme

Wer schon lange auf Mallorca lebt und den Blick nach Deutschland richtet, der kommt mitunter aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ist das noch die Bundesrepublik, wie man sie kannte, bevor man sich auf der Insel niederließ?

Die Debatte in der alten Heimat zur Corona-Pandemie und den Maßnahmen dagegen wirkt aus Inselsicht geradezu befremdlich. Die im Vergleich zu Spanien und Mallorca lächerlich niedrige Impfquote wirft die Frage auf: „Ja, was haben die in Deutschland bisher eigentlich gemacht?”

Gerne wird nördlich der Alpen über die vermeintlich planungsunfähigen Südländer gelächelt, aber längst haben es Mittelmeerländer wie Spanien und Italien vorgemacht, dass sie in Sachen Corona-Schutz rascher und effizienter agieren können als die angeblichen Organisationstalente.

Gerade auf Mallorca ist der Ernst der Lage der überwiegenden Mehrheit der Bürger stets bewusst. Man ist abhängig vom Tourismus. Darum möchte man eine sichere Destination bieten, für jene, die hier urlauben wollen. Aber man will auch Sicherheit für sich selbst und drängte darum schon früh auf Impfzertifikate und Kontrollen.

In Berlin und den Bundesländern verliert sich die Politik nach fast zwei Jahren Pandemie nach wie vor in Endlosdebatten über „2G”, „3G” und etwas mehr Impfdruck. Selbst vor neuen Lockdowns schreckt man nicht zurück, statt die Impfquote zu verbessern.

Auf Mallorca sind es die Unternehmen, die zusätzliche Impfpasskontrollen fordern, damit die Betriebe weiterarbeiten können. Hier hat 2020 jeder zweite Arbeitnehmer mit weniger als 950 Euro Monatsgehalt über die Runden kommen müssen, bei 28 Prozent der Beschäftigten waren es sogar weniger als 475 Euro! Auf der Insel weiß man, was es bedeutet, wenn die Wirtschaft pandemiebedingt stockt. Diskussionen um Impfanreize und Impfzwänge, wie sie anderswo gepflegt werden, gelten hier als Luxusproblem von Gesellschaften im Vollkasko-Dauermodus. Noch verstörender wirken gar die Straßenkrawalle gegen die Corona-Regeln in Rotterdam und Brüssel. Bleibt zu hoffen, dass zumindest solche Ausfälle Deutschland erspart bleiben.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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25

11 2021

Verdienste dürfen kein Freibrief sein

Skandale um Staatsoberhäupter sind nichts Neues: Man denke nur an den spektakulären Rücktritt des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff im Jahr 2012, die Eskapaden des thailändischen Party-Königs Maha Vajiralongkorn, die nicht enden wollende Liste afrikanischer oder lateinamerikanischer Präsidenten und Diktatoren, die sich wegen Korruption (oder noch schlimmerer Verbrechen) verantworten mussten (oder auch nicht) und die unzähligen medienwirksamen royalen Klatschgeschichten aus den europäischen Herrscherhäusern. In den meisten Fällen verbindet das Volk solche Skandale jedoch mit einer Person – und stellt nur selten das Amt an sich infrage. Das Gefährliche am „Fall Juan Carlos” ist, dass in Spanien längst eine lebhafte Debatte um Sinn und Zweck der Monarchie entbrannt ist, die jetzt noch einmal angeheizt wird.

Sicher, Juan Carlos I. hat sich um Spanien verdient gemacht, als er nach Francos Tod instinktiv die Transition vorantrieb und Spanien zu einem modernen und demokratischen Staat umbaute und sich auch 1981 einem Putschversuch vehement entgegenstellte und so dem Franquismus endgültig den Wind aus den Segeln nahm.

Aber selbst der ehrenvollste Verdienst darf kein Freibrief sein, später „krumme Dinger” zu drehen. Das musste auch schon der deutsche „Einheitskanzler” Helmut Kohl schmerzlich feststellen.

König Felipe VI. hat mit dem Verzicht auf das Erbe seines Vaters, mit dem Offenlegen der eigenen Einkünfte und nun auch mit dem endgültigen „Bruch” mit Juan Carlos gezeigt, dass er es mit der Transparenz im Königshaus ernst meint. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie geschwächt die Institution Monarchie als solche bereits ist. Viele werden nur darauf warten, dass die Königsfamilie weitere Fehler macht. Denn es gibt zahlreiche Strömungen im Land, von katalanischen Separatisten bis hin zu Regionalisten – auch auf Mallorca –, die Felipe VI. gerne als letzten spanischen Monarchen abdanken sehen würden. Erster „Stresstest” für die Royals wird der Sommerurlaub auf der Insel, der am Freitag beginnt. Wir sind sehr gespannt auf die Bilder.

Autor: Patrick Czelinski

07

08 2020

Investoren entdecken eine Schmuddelecke

Nächtlicher Partylärm, Schlägereien, Drogenkriminalität – bislang machte die Gegend um die Plaça Gomila vor allem mit Negativ-Schlagzeilen von sich reden. Es ist die Schmuddelecke von El Terreno, das mit seinen historischen Prachtvillen unterhalb des Castell de Bellver eins der emblematischsten Viertel Palmas ist. Viele der Bars des ehemaligen Künstler- und Partyviertels wurden inzwischen geschlossen. Doch eine Lösung war dies nicht. Die Lokale an der Plaça Gomila und der Avinguda Joan Miró gammelten mit verbarrikadierten Türen und Fenstern genauso wie leer stehende Wohnhäuser einfach nur weiter vor sich hin. Appelle an das Rathaus, etwas gegen den Verfall zu tun, blieben jahrzehntelang ungehört. Städtische Verordnungen untersagen Immobilienbesitzern, ihre Häuser verfallen zu lassen, geahndet werden die Verstöße nie, beklagt der Präsident der Anwohnervereinigung, Xavier Abraham gegenüber MM.

Kein Wunder, dass angesichts der öffentlichen Untätigkeit nun Privatinvestoren in die Bresche springen. Seit einigen Monaten hat ein regelrechter Run auf die Immobilien rund um die Plaça Gomila eingesetzt, vornehmlich soll das Geld in Luxuswohnungen und -hotels investiert werden. Ein altes, weltweit praktiziertes Rezept. Die übliche Nebenwirkung: Weniger kaufkräftige Bewohner werden durch steigende Mieten und Immobilienpreise aus ihrem angestammten Wohnviertel vertrieben. Immer noch besser, als den ruinösen Verfall einfach weitergehen zu lassen, lautet das oft geäußerte – wenn auch etwas resignierte – Gegenargument. Und dass Investitionen zu einer verbesserten Infrastruktur in Form neuer Geschäfte, Restaurants oder Cafés beitragen werden, lässt sich ebenfalls nicht von der Hand weisen. In der Autostadt Detroit, an deren Zukunft schon niemand mehr glaubte, ist genau das passiert.

Und dennoch bleibt Wut angesichts der Untätigkeit der Stadt, die die Umgestaltung eines ihrer auch touristisch interessantesten Viertel so wenig selbst in die Hand nimmt. Gut zwei Millionen Euro hatte sie für 2017 und 2018 zugesagt, gerade einmal gut 45.000 Euro flossen tatsächlich in Projekte.

Autorin: Maike Schulte

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05

12 2019

Traditionsorte wie das Abaco sterben, doch Palma bleibt Palma

Es ist schon wieder passiert. Erneut schließen in Palma zwei emblematische Lokale, die vielen ein Begriff sein dürften: die Bar Abaco und der Jazz Voyeur Club. In Erinnerung sind noch Einkehr-Orte wie die Bar Cristal, das Café Lírico und und und. Es ist nachvollziehbar, dass viele das Dahinscheiden solcher Institutionen bedauern. Schließlich verliert damit Palma mehr und mehr an Individualität. Die Stadt nähert sich – wenn auch langsam – x-beliebigen anderen Städten an, die mit Burger King, Starbucks und dergleichen immer verwechselbarer werden.

Aber auch Institutionen haben halt Halbwertszeiten. Rechnen sie sich nicht oder werden sie altbacken oder unpopulär oder passen nicht mehr in die Zeitläufte, sind sie nicht mehr zu halten. Andererseits ist es auch schon passiert, dass die Betreiber solcher Geschäfte oder Lokale von einer exorbitanten Mietentwicklung überrollt wurden und schließen mussten, obwohl sie bei Kunden sehr beliebt waren. So erging es den Lenkern der Bar Cristal an der Plaça d’Espanya, die jahrzehntelang von ihrem angestaubten Vintage-Flair profitierte.

Wenn etwas Altes vergeht, muss es aber nicht zwangsläufig sein, dass eine Stadt wegen des Einzugs anderer Strukturen im Sauseschritt uninteressanter wird. Heutzutage haben halt die Ketten Geld und Macht. Und wenn die zuschlagen, haben es einzelne Betreiber trotz kreativer Ideen schwer, weil die Großen halt die Mietpreise nach oben treiben.

Dass Palma nur ansatzweise so öde wie etwa eine deutsche Ruhrgebietsstadt geworden ist, kann man selbstredend nicht sagen. Noch finden sich hier auffallend viele individuelle und traditionsreiche Lokale. Weshalb sich kaum einer Sorgen machen muss, irgendwann auf Langeweile zu stoßen. Zumal es auch positive Beispiele gibt, was die Wiederbelebung von Traditionellem angeht: Man denke nur an die Bäckerei Forn des Teatre, die jahrelang leer stand und jetzt floriert. Aber die Entwicklung in ihrem Lauf kann man nun mal auch hier nicht aufhalten.

Autor: Ingo Thor

21

11 2019

Bußgelder bekämpfen nicht die Ursachen des Straßenhandels

Mal Hand aufs Herz: Wer von den Residenten hat nicht schon mal einem fliegenden Händler auf den Straßen etwas abgekauft? Sei es eine Flasche Wasser, eine Sonnenbrille während des Strandtages oder ein anderes modisches Accessoire. Auch Urlauber sagen beim Angebot der Händler nicht immer Nein. Andere wiederum fühlen sich belästigt, wenn sie zum vierten, fünften Mal während eines Strandspazierganges von einem der senegalesischen Verkäufer angesprochen werden. Doch ohne die Nachfrage wäre auch das große Angebot nicht da.

Und gerade diese starke Konkurrenzsituation ist der Punkt, an dem sich die Einzel- und Markthändler der Insel stören. Sie zahlen Steuern und Abgaben, welche die Straßenhändler nicht entrichten. Dafür locken sie die Kunden oft mit einer aggressiven Verkaufstaktik sowie haltlosen Versprechen („1000 Jahre Garantie”) und sind bereit, um den Preis zu handeln. So setzte Palma auch eine Forderung der Einzelhandelsverbände um, eben auch die Käufer der illegale Ware zu bestrafen. Auch wenn bisher nur in einem Fall ein Bußgeld ausgesprochen wurde.

Ein anderer Punkt ist natürlich die Frage, warum die Polizei nichts gegen die vielen illegalen Händler unternimmt? Erst vor wenigen Tagen war wieder die Situation nahe der Kathedrale zu beobachten: Die berittene Polizei patrouillierte und die Straßenhändler gingen wenige Meter weiter in aller Seelenruhe ihren Geschäften nach.

Dass die Polizei gar nichts unternimmt, lässt sich so nicht unterschreiben. Doch gerade in der Hochsaison reichen weder Zeit noch Personal aus, um den Scharen der Straßenhändler Herr zu werden. Auch scheint eine Null-Toleranz gegenüber den Händlern vonseiten der Politik nicht wirklich gewünscht zu sein. Denn der Straßenhandel sichert vielen Migranten ohne Papiere das Einkommen.

Nur Bußgelder zu verhängen, bekämpft nicht die Ursachen der Probleme: Dass tonnenweise gefälschte Ware ins Land kommt und wie illegale Zuwanderer ihren Lebensunterhalt sichern können.

Autor: Claudia Schittelkopp

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14

11 2019

Nach der großen Flut hat sich in Sant Llorenç schnell viel getan

Es ist erstaunlich, wie schnell und agil Behörden handeln können: Ein Jahr nach der Flutkatastrophe von Sant Llorenç freuen sich Einwohner dort zum Teil geradezu ungläubig, wie rasch und unbürokratisch ihnen von der Balearen-Regierung unter die Arme gegriffen wurde. Ehemals ramponierte Häuserfassaden und sonstige Wände wurden denn auch fleißig angestrichen, Fensterläden massenhaft neu lackiert. Und nicht nur das: Was ansonsten in der Infrastruktur mit Sicherheit viel länger gedauert hätte, wurde in dem Unglücksort fast atemberaubend schnell erledigt: Zahlreiche Straßen erhielten dort inzwischen neue Teerdecken. Man reibt sich überrascht die Au- gen und kann laut ausrufen: Ja, sogar im bekanntlich eher schläfrigen, aber im Grunde durchaus korrekten Spanien kann der Amtsschimmel galoppieren, sofern es hart auf hart kommt.

Aber was soll die ganze Eile, wenn das Wichtigste einfach nicht gemacht wird? Über den Todes-Sturzbach, der sich am Rande des Ortes in seinem Betonbett befindet, führen mehrere Brücken mit meterdicken Wänden. Und die wirkten am 9. Oktober 2018 wie Staumauern und lenk- ten die mit Karacho herunterströmenden Wassermassen in die Dorfstraßen von Sant Llorenç. Es müssten dort also dringend Öffnungen eingebaut werden, um bei ei-findet, führen mehrere Brücken mit meterdicken Wänden. Und die wirkten am 9. Oktober 2018 wie Staumauern und lenkten die mit Karacho herunterströmenden Wassermassen in die Dorfstraßen von Sant Llorenç. Es müssten dort also dringend Öffnungen eingebaut werden, um bei einer neuen Flutwelle das Durchfließen zu garantieren. Das ist bislang nicht ge- schehen. Immerhin: Die Gemeinde hat bereits leere Flächen am Rande des „Torrents” erworben, um die Wassermassen im Notfall dort- hin umzuleiten und so Überschwemmungen zu verhindern beziehungsweise zu minimieren.

Im Großen und Ganzen gingen die Arbeiten in Sant Llorenç erstaunlich glatt über die Bühne. Und das liegt daran, dass wir auf Mallorca gottlob im gut funktionierenden West-Europa leben. Eine so reibungslose Leistung wäre in korrupten Drittweltstaaten, wo sich ganze Heerscharen öliger Politiker nach ähnlichen Katastrophen bekanntermaßen ohne Zeitverzug mit Hilfsgeldern die Taschen gefüllt hätten, kaum vorstellbar.

Autor: Ingo Thor

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03

10 2019

Die Schmierereien sind Teil eines größeren Problems

Es ist ein Ärgernis, und es kommt nicht von ungefähr. Die Fülle von Wand-Schmierereien in Palma dürfte mit einer allgemeinen Verwahrlosung vor allem jüngerer Kreise zu tun haben. Ob der anhaltende Konsum von Trash-TV-Sendungen, entfesselte Prügeleien bei Dorffesten, öffentliche Sauforgien noch und nöcher und Vandalismus auf der Straße – das alles ist ein Trend, der auffällt. Nicht nur in Spanien, auch in Deutschland ist von einer um sich greifenden allgemeinen Verflachung, ja sogar Verblödung die Rede. Und das geht leider mit einer fortschreitenden Verrohung einher, die die anständigen Menschen in Touristenorten auch auf der Insel gerade im Moment ebenfalls ertragen müssen.

Wenn dumpfe junge und halbjunge Leute inländischer wie – so die Denkmalschützer von Arca – auch ausländischer Herkunft sogar jahrhundertealte Denkmäler mit hässlichem Gekrakel vollschmieren, dann ist das auf niedriger Intelligenzebene genauso zeitgemäß egozentrisch, wie stumpfsinnige Sprüche in sozialen Netzwerken zu klopfen, auf Skateboards Passanten in Fußgängerzonen fast umzufahren oder sich – keine Seltenheit in Palma – vor McDonalds-Filialen hinzustellen und laute Musik anzuschalten, die die anderen Menschen stört. Das ist ausgelebte Hohlheit bei gleichzeitig ausgeprägter Respektlosigkeit. Und das sollte man keinesfalls mit dem Drang künstlerisch beseelter Menschen verwechseln, sich durchaus manierlich an manch hässlicher Betonwand auch in Palma auszuleben.

Es ist denn auch vonnöten, talentierte „Street-Art”-Künstler zu fördern, aber hart gegen zerstörerische Schmierer vorzugehen, die keinerlei Unterstützung bedürfen. Die Politiker handeln zu zaghaft. Bis zu 700 Euro Strafe für diejenigen Schmierfinken, die erwischt werden, sind angesichts des Ernstes der Lage zu wenig. Auch über Haftstrafen für solche Täter zu reden, darf kein Tabu sein. Oder soll die geschichtlich so wertvolle Altstadt von Palma bald so unattraktiv werden, dass die Besucher nicht mehr herkommen wollen?

Autor: Ingo Thor

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22

08 2019

Im Alter: Das Vorbild Willi Hinter

Willi Hinter ist älter als ein Jahrhundert, an diesem Wochenende wird der rüstige Rentner seinen 101. Geburtstag feiern. Knapp ein halbes Jahr zuvor ließ er sich auf Mallorca nieder, zog ins Seniorenheim nach Santa Ponça. Hier kann er seinen Sohn häufiger sehen als in Deutschland. Denn dieser ist beruflich viel unterwegs, und auf Mallorca lässt sich die gemeinsame Freizeit besser genießen.

Die Eltern in Deutschland zu wissen, das ist eine Problematik, die nicht wenige deutsche Mallorca-Residenten umtreibt, insbesondere jene in mittleren Jahren, die sich dafür entschieden haben, ihren Lebensmittelpunkt auf der Insel zu haben. Sie gehen hier ihren Berufen nach, gründen Familien, ziehen Kinder groß, verbringen im Laufe der Zeit Jahre, Jahrezehnte auf dem Eiland.

Und dennoch sind sie nicht gänzlich losgelöst von der alten Heimat. MM kennt viele solcher Lebensläufe. Da gab es den Kollegen, der sich von Mallorca verabschiedete und nach Bayern zurückkehrte, um den kranken Vater zu pflegen.

Andere Kollegen flogen zeitweise ständig nach Deutschland, um bettlägerige Angehörige noch so oft wie möglich zu besuchen, bevor es für ein letztes Wiedersehen zu spät sein könnte. Den an sich selbst gerichteten Vorwurf – „Wäre ich doch nur noch einmal geflogen” – wollten sie sich nicht machen müssen. So wie jener Kollege, der zögerte, zu spät eintraf, und sich dann nur noch am Totenbett vom Vater verabschieden konnte.

Sicher sind Seniorenresidenzen auf Mallorca nicht für jeden Individualfall zu empfehlen. Da ist zum einen die Frage der Kosten. Zum anderen ist auch nicht jeder alt gewordene Mensch bereit, auf sein gewohntes Umfeld zu verzichten, fürchtet den Schritt nach Mallorca, insbesondere ohne Spanisch-Kenntnisse.

Das Beispiel Willi Hinter zeigt indes, dass ein Umzug nicht nur theoretisch möglich ist, sondern realisierbar, selbst wenn man schon 100 ist. Ein absoluter Einzelfall, zugegeben. Doch der Schritt macht Mut, weckt Zuversicht. Sogar bei jüngeren Menschen. Denn er beweist, dass man sehr alt werden und dennoch flexibel bleiben kann.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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08

08 2019

Auch die Sandburgen waren ein Teil von Sodom

Es war ein punktueller Akt, der am vergangenen Freitagmorgen von vielen unbemerkt an der Playa de Palma durchgezogen wurde: Lokalpolizisten rückten mit einem Bagger und einem Lkw an und machten fünf der in den vergangenen Jahren so sehr in Mode gekommenen Riesensandburgen platt. In den sozialen Netzwerken schwankten die Reaktionen zwischen Beifall und Bedauern ob der Aktion. Denn hässlich waren die Dinger ja nicht.

Das punktuelle Vorgehen fügt sich in die neue Linie ein, mit der die Stadt gegen Alkoholexzesse an der Urlaubermeile vorgeht. Das Fernziel ist, dem verlotterten Leben à la Sodom dort ein für alle Mal den Garaus zu machen. Die von Balkanbewohnern errichteten Sandburgen sagten nur eines aus: Hier ist so ziemlich alles erlaubt. Achtbar ist in diesem Zusammenhang, dass sich die Polizisten nicht vom Urteil einer Palmesaner Richterin im Frühling beeindrucken ließen, die das unsägliche Hütchenspiel ausdrücklich nicht für illegal gehalten hatte.

Urteile hin oder her, mit den teils unhaltbaren Zuständen an der Playa de Palma soll halt Schluss sein. Deshalb kann man der Lokalpolizei nur applaudieren, wenn sie dagegen vorgeht. Aber dennoch: Gewaltkriminalität ging von den Erbauern der Burgen nicht aus. Die findet vielerorts weiter ungebremst statt, ohne dass mit der nötigen Härte eingegriffen wird, auch wenn jüngst verlautbart wurde, dass im Sommer in dem Touristendorado bereits 145 mutmaßliche Straftäter festgenommen wurden.

Die Playa de Palma hat in der Hochsaison auch Schattenseiten. Symbolaktionen und ein paar Festnahmen reichen denn auch nicht aus, um diesen Pfuhl auszutrocknen. Ein resoluteres Vorgehen der Stadt-Regierenden und der Polizei in Kooperation mit den Hoteliers ist unerlässlich. Also, liebe Lokalpolizei: Warum wurden die Burgen so verschämt entfernt? Wäre es nicht angemessener gewesen, am helllichten Tag zur Tat zu schreiten? Viele der autoritätshörigen deutschen Partytouristen wären schwer beeindruckt gewesen.

Autor: Ingo Thor

18

07 2019