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Interkulturelle Kommunikationsprobleme

Das Spannungsfeld zwischen der, sagen wir mal, manchmal etwas „abenteuerlichen” Corona-Politik der spanischen Zentralregierung einerseits und dem Unverständnis deutscher Mallorca-Freunde für eben diese Politik andererseits entwickelt sich zunehmend zu einem aufregenden psychologischen Experiment, das die kulturellen Unterschiede, die es trotz aller europäischer Gemeinsamkeiten immer noch gibt, schonungslos offenlegt.

Mit allem Respekt sei hier zunächst vorangestellt, dass viele Maßnahmen von Pedro Sánchez und seinem Mitarbeiterstab ob der dramatischen Lage in den spanischen Krankenhäusern, der hohen Toten- und Infektionszahlen sowie der schrecklichen Bilder aus vielen Altersheimen, notwendig und richtig waren. Was hingegen gehörig schiefläuft, ist die Art und Weise, diese Maßnahmen zu kommunizieren. Vieles wurde zunächst angekündigt, später korrigiert oder ganz zurückgenommen. Einiges blieb so schwammig, dass eigentlich niemand weiß, wie er damit umgehen soll. Die Schnapsidee, dass Kinder bei ihrem ersten „Ausgang” ausgerechnet Erwachsene in den Supermarkt oder die Apotheke begleiten sollten, anstatt sich an der frischen Luft aufzuhalten, ist nur ein Beispiel in der langen Liste der teilweise absurden Regeln. Und der Corona-Exitplan hat sich mittlerweile zu einem völlig undurchsichtigen Dschungel entwickelt, in dem eigentlich keiner mehr durchblickt. Das Ganze einem deutschen Insel-Liebhaber zu erklären, fällt zugegebenermaßen schwer, gerade weil wir Deutsche gerne verlässliche Regeln haben, die am besten auf jeden Einzelfall anwendbar sind und deren Umsetzung im Idealfall nicht vom guten oder schlechten Willen einzelner Beamten abhängt. Viele Bundesbürger reagieren deshalb mit Kopfschütteln auf die Vorschriften aus Madrid – insbesondere wegen der immer noch geschlossenen Grenzen.

Man kann nur hoffen, dass sich Deutsche und Spanier aufgrund dieses „psychologischen Experiments” nicht allzu sehr entfremden. Wir sollten immer das, was uns vereint, im Blick behalten. Und das ist nicht zuletzt die Liebe zu Mallorca.

Autor: Patrick Czelinski

28

05 2020

Wenn der Spaß am Meer die Sorgen nicht vertreiben kann

Bei Temperaturen knapp unter 30 Grad, wie sie für die kommenden Tage angekündigt werden, ist das endlich einmal eine gute Botschaft: Von Montag an werden die Strände wieder geöffnet. Bislang durfte man dort coronabedingt lediglich Sport treiben oder spazieren gehen. Auf dem Sand sitzen, liegen, sonnenbaden? Das war bislang verboten. Ein höchst merkwürdiges Gefühl für eine Inselbevölkerung, die liebend gern zu ihren Playas pilgert, sobald die Sonne lacht.

Und selbst baden oder auch nur im Meer plantschen ist von kommender Woche an wieder erlaubt, wenn man einen Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern einhält. Ganz Mallorca dürfte also bald, nach sechs Wochen Ausgangssperre und zwei weiteren Wochen samt ersten Lockerungen, mal wieder so richtig ans Meer gehen.

Die Erleichterung über die allmählichen Aufhebungen der Corona-Vorgaben sind in der Bevölkerung durchaus zu spüren. Die Straßen sind belebt, und die Außenplätze der Bars und Cafés (im Innern der Lokale darf man ja auch erst von diesem Montag an bedient werden) sind gut besetzt. Und doch wachsen an vielen Stellen die Sorgen über die wirtschaftliche Zukunft. Wenn man bedenkt, dass viele Hotels dieses Jahr nicht mehr öffnen werden, dann kann man sich ausrechnen, wie viele Mitarbeiter diese Saison keinen Job haben werden.

Die Coronakrise macht drastisch deutlich, dass Mallorca ohne Tourismus so gut wie nicht existieren kann. Denn von der heimischen Nachfrage allein lässt sich die Inselwirtschaft nicht aufrechterhalten. Betroffen sind aber auch Arbeitsplätze in Deutschland, bei Airlines, Reisebüros und -veranstaltern. Da ist es ein guter Ansatz, dass Unternehmer und Politiker auf Mallorca Initiative ergreifen mit dem „Pilotprojekt Playa de Palma” (S. 4). Es geht darum, auszutesten, wie sich trotz Covid-19 Tourismus verwirklichen lassen kann – und dies bei minimiertem Risiko.

Möge dieses Vorhaben seine Vorreiterrolle mit viel Erfolg absolvieren, damit Urlaube wieder weitgehend normalisiert möglich sind, und Mallorca nur im Meer – aber nicht wirtschaftlich – baden geht.

Autor: Alexander Sepasgosarian

22

05 2020

Die Vergangenheit holt uns ein

An Grenzkontrollen in Europa kann sich vor allem die jüngere Generation nur noch vage erinnern. Ich selbst bin im deutsch-französischen Grenzgebiet aufgewachsen. Für mich ist es seit Kindertagen selbstverständlich, den Rhein zu überqueren, ohne ein Ausweisdokument vorzeigen zu müssen. Die Freizügigkeit von Helsinki bis Cádiz, von Amsterdam bis Athen –egal ob man per Flugzeug, Auto oder Schiff unterwegs ist – ist eine der größten Errungenschaften der EU. Dass in diesen Tagen und Wochen wieder die Schlagbäume heruntergelassen und Zäune hochgezogen wurden, dass Flughäfen militärischem Sperrgebiet gleichen, das sind Bilder, die niemand jemals mehr sehen wollte.

Noch zu Beginn der Krise hatten die Politiker stets betont: „Ein Virus kennt keine Grenzen.” Diese Aussagen scheinen überholt. Isolation und Abschottung wurden zum Mittel der Wahl. Aber der Preis dafür ist hoch. Familien wurden getrennt, Beziehungen belastet, die Wirtschaft gelähmt. Brüssel tut deshalb gut daran, seine Mitgliedsstaaten jetzt einmal mehr in die Pflicht zu nehmen, einen Fahrplan für eine rasche Öffnung aller EU-Binnengrenzen vorzulegen und die Länder mit Nachdruck dazu aufzufordern, diesen auch umzusetzen.

Ja, der Schutz von Leben und Gesundheit sollte immer Vorrang haben, aber auch dieser ist letztlich nur im Einklang möglich – mit schlüssigen Konzepten und im Gleichschritt – über die Grenzen hinweg. Denn wenn diese Krise eines leider gezeigt hat: Am Ende ist sich – selbst in dieser viel beschworenen Union – jeder selbst der Nächste. Im Guten alle vereint, im Schlechten jeder für sich. Viele Image-Schäden sollte sich die EU nicht mehr leisten.

Nicht zuletzt kommt eine rasche Grenzöffnung natürlich auch dem Tourismus zugute – das weiß man auf Mallorca nur allzu gut. Das Infektionsgeschehen hier ist gering – der Schaden, der durch den (bisher notwendigen und richtigen) Lockdown aber entsteht, nimmt ungekannte Ausmaße an. Das sollten die Politiker berücksichtigen, damit auch die Kinder von Morgen den Rhein überqueren können, ohne einen Ausweis vorzeigen zu müssen.

Autor: Patrick Czelinski

15

05 2020

Wir werden diesen Sommer noch Urlauber sehen

Es gibt Dinge, die eine solche Eigendynamik entwickeln, dass man sich am Ende fragt: „Wie konnte das eigentlich alles passieren?”. Beim Corona-Shutdown war das so. Aus einem Virus im fernen China, „kaum schlimmer als die Grippe”, wurde die „größte Prüfung seit dem Zweiten Weltkrieg”. Erst ein paar isolierte Fälle – auch in Deutschland – dann abgeriegelte Dörfer in Norditalien, schließlich eine heftige Gesundheitskrise von Spanien bis in die Türkei, von Großbritannien über die USA bis nach Ecuador, geschlossen Grenzen, Feldlazarette, das weltweite Grounding der Airline-Flotten – und schließlich ein globaler Lockdown. Schwupps, die Welt steht still. Die Delfine sind zurück, in Großstädten hört man die Vögel wieder zwitschern, Rehe erobern unsere Parks. Das Undenkbare ist passiert – binnen weniger Wochen.

Doch kaum flacht die Infektionskurve ab, beginnt eine neue Entwicklung eine ganz eigene Dynamik zu bekommen: die des Corona-Exits. Die ersten Spaziergänge am Meer geben eine leise Ahnung von dem zurück, was einmal „echte” Freiheit war. Und die Rufe nach dieser – zumindest aber nach einem Stück „Normalität” – werden auch auf Mallorca immer lauter. Und da gehören auf dieser Insel nun einmal Touristen dazu. Die Regierung tut deshalb gut daran, bereits jetzt Gespräche über eine Wiederbelebung der Balearen möglicherweise schon vor der „Neuen Normalität”, die die spanische Regierung am 22. Juni erwartet, zu führen. Warum?

Weil wir lernen müssen, mit dem Virus zu leben, das sagen auch die Experten. Wenn das so ist, muss aber auch die Freizügigkeit in Europa so schnell es geht wieder möglich sein – natürlich erst dann, wenn die einzelnen nationalen Gesundheitssysteme entlastet sind und ein EU-weites Konzept für „sicheres Reisen” steht. „Sicherheit gewährleisten, aber Freiheiten ermöglichen”, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch. Wenn das klappt, werden wir noch in diesem Sommer Urlauber auf der Insel sehen – der wichtigste Wirtschaftszweig Mallorcas hätte zumindest noch etwas von dieser verlorenen Saison. Meine Vermutung: Die Eigendynamik wird es möglich machen.

Autor: Patrick Czelinski

07

05 2020

Es steht viel auf dem Spiel

Wer am Sonntag in Palma miterleben durfte, wie viel Freude die Kinder daran hatten, nach sechs Wochen Ausgangssperre erstmals wieder ins Freie zu gelangen, der wird diesen Moment nicht so leicht vergessen. Ihr Lächeln verbreitete einen Hauch Aufbruchstimmung in einer Stadt, die 42 Tage lang wie ausgestorben gewirkt hatte.

Stück für Stück wollen sich nun Spanien und Mallorca parallel zum Abklingen der Coronakrise allmählich wieder öffnen. Wer gehofft hatte, jetzt werde alles schlagartig gut, der wurde jedoch enttäuscht. Ministerpräsident Pedro Sánchez verkündete am Dienstag ein Vier-Phasen-Modell, mit dem der Weg zu einer „Neuen Normalität” beschritten werden soll. Schnell ist anders. Das Konzept bedeutet, dass dem Land noch mindestens acht Wochen „anormale” Zustände bevorstehen.

Immerhin wird das Öffnungsdatum nicht willkürlich von der Regierung festgelegt, sondern unterliegt objektiven Kriterien wie etwa dem Leerstand der Betten in den Intensivstationen der Kliniken.

Nicht klar ist indes, wie es mit dem Bettenleerstand in den Hotels weitergeht. Für die Wirtschaft auf Mallorca ist das eine essenzielle Frage, denn nahezu jeder Arbeitsplatz auf der Insel hängt – direkt oder indirekt – vom Tourismus ab. Da wirkte es aus Inselperspektive „lächerlich” (wie die Zeitung „Ultima Hora” schrieb), dass Sánchez zwar eine Wiederaufnahme der Hotelbetriebe andeutete, sich aber mit keinem Wort zur Inbetriebnahme der Häfen und Flughäfen äußerte. Gerade auf Mallorca ist das eine untrennbar mit dem anderen verbunden.

Somit ist schon jetzt absehbar: Die kommenden Wochen der zaghaften Öffnung werden auch Wochen sein, in denen weite Teile der Inselgesellschaft auf einer raschen Lösung bestehen werden, um wenigstens einen kleinen Teil der Saison noch retten zu können. Es dürfte indes nicht leicht sein, praktikable Lösungen zu finden. Der Versuch sollte dennoch unternommen werden. Denn es stehen viele Jobs auf dem Spiel.

Mit innovativen Ideen hat Mallorca dabei sogar gute Chancen, zu einem Pilotmodell zu werden – für die Erholung touristischer Destinationen nach der Coronoa-Pandemie.

Autor: Alexander Sepasgosarian

30

04 2020

Auf ein baldiges Wiedersehen!

Unzählige E-Mails fanden in den vergangenen Tagen den Weg in den Account von Balearen-Ministerpräsidentin Francina Armengol. Geschickt von Deutschen, die auf den Balearen eine Immobilie besitzen. Während die Menschen auf Mallorca eingesperrt sind, bleiben die Zweitwohnsitzler ausgesperrt. Dass ihnen das nicht gefällt, ist verständlich. Aber leider nicht von heute auf morgen zu ändern.

Francina Armengol reagierte besonnen. Sie verwies auf die besonderen Beziehungen der Inseln zu Deutschland, betonte aber zugleich, dass die Einschränkung der Mobilität im Moment nicht davon abhängt, welchen Pass jemand hat. Auch Spanier vom Festland kommen momentan nicht zu ihrer Ferienbleibe auf den Inseln.

Die Immobilienbesitzer verweisen darauf, dass sie ein Recht darauf haben, ihre Immobilien nutzen zu können. Normalerweise ist da was dran. Aber was ist in diesen Zeiten schon normal? Rund 10.000 Deutsche sollen Eigentum auf Mallorca haben. Aber das Dilemma betrifft nicht nur diese Menschen, sondern auch diejenigen, die hierzulande dauerhaft eine Wohnung oder ein Haus gemietet haben. Auch sie müssen draußen bleiben. Beide Gruppierungen kurbeln die Wirtschaft an, zahlen Steuern oder Abgaben. Die Klientel schaut nicht auf den Cent, sei es in Restaurants oder beim Einkaufen. Und viele einheimische Handwerker freuen sich über Aufträge. Aber man darf das Schicksal der Zweitwohnsitzler nicht nur mit dem wirtschaftlichen Aspekt verknüpfen. Sie gehören einfach dazu, sind längst ein Teil der sich entwickelnden kosmopolitischen mallorquinischen Gesellschaft. Auch ohne Residencia fühlen sich diese Menschen größtenteils längst nicht mehr als Gäste, sondern sind auch auf Mallorca zu Hause. Vieles vermischt sich, anderes ergänzt sich. Das wissen und verstehen auch die Einheimischen.

In der Coronakrise wird es viele Verlierer geben und wohl nur wenige Gewinner. Eine bittere Erkenntnis, aber so ist es nun einmal. Deutsche und Mallorquiner haben zusammen viel erlebt. Und daher ist der Satz der Stunde mehr als eine Floskel: Gemeinsam schaffen wir das.

Autor: Nils Müller

23

04 2020

Das Epochale, das alles umwälzt

Nach einem Monat Alarmzustand und einer Abflachung der Pandemie-Kurve blickt man in Spanien immer intensiver auf die möglichen wirtschaftlichen Folgen. Und man erschauert, denn der Schaden dürfte verheerend sein. Auf Mallorca wird der Tourismus, die wichtigste Branche, wenn überhaupt erst im August mit Ach und Krach wieder zum Laufen gebracht. Angesichts der grausamen Aussicht, dass Spaniens Bruttoinlandsprodukt – wie vom Währungsfonds erwartet – um acht Prozent sinken soll und die Arbeitslosenzahl wohl explodiert, stellen sich viele die Frage, ob die Politiker nicht anders mit dieser Krise hätten umgehen sollen. So etwa wie in Schweden, wo selbst die Diskotheken noch in Betrieb sind und sich die Corona-Kurve dennoch ebenfalls abflacht. Doch würde ein Kampf gegen das Virus ohne Freiheitsentzug und Verbote in Spanien funktionieren? Wohl eher nicht, denn Nordeuropäern fällt es sicherlich leichter als Menschen in mediterranen Gefilden, einen Sicherheitsabstand einzuhalten. Doch es fühlt sich unangenehm an, anders als in Deutschland nicht einmal Sport draußen treiben oder spazieren gehen zu können. Im Übrigen gibt es Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Alarmzustandes.

Ob Spanien die Krise zufriedenstellend meistern kann, ist noch gar nicht abzusehen. Klar ist, dass das Gesundheitsystem das Ganze durchaus bewältigt, und das trotz der um die Welt gegangenen Bilder von in Krankenhaus-Gängen liegenden Menschen in Madrid. Klar ist aber auch, dass die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez nicht unbedingt eine gute Figur abgibt. Sie wirkt autoritär und unsouverän zugleich. Die Politiker hatten nunmal das Pech, von der unerwarteten, alles umwälzenden Krise heimgesucht zu werden. Es ist fraglich, ob sich der Ministerpräsident irgendwann als großer Bezwinger des Virus darstellen kann, weil sich alles halt um die Wirtschaft dreht. Diese epochale Wucht der Coronakrise macht vielen Politikern zu schaffen. Aber das Leben wird weitergehen, auch auf Mallorca, nur anders.

Autor: Ingo Thor

16

04 2020

Was bleibt, wenn alles anders ist?

Kaum etwas sehnen die Menschen auf Mallorca dieser Tage mehr herbei, als das Ende des Alarmzustandes. Und aller Voraussicht nach werden wir Ende April oder spätestens Anfang Mai tatsächlich das Haus wieder verlassen können. Ein Spaziergang am Meer, joggen im Park, all diese einst so selbstverständlichen Dinge werden vielleicht bald wieder möglich sein – dann, wenn sich der Abwärtstrend der Infektionskurve fortsetzt. Vorbei ist Corona dann aber noch lange nicht. Im Gegenteil. Für viele geht der Kampf erst richtig los.Werde ich meinen Job behalten? Wird mein Unternehmen überleben? Wie sieht der Arbeitsmarkt aus?

Fast schon wie ein Luxusproblem klingt dagegen die Frage: „Werde ich diesen Sommer in Urlaub fahren können?” Und doch ist sie gerade für Mallorca von besonderer Bedeutung. Denn wie kaum eine andere Region in Europa leben die Balearen in besonderem Maße vom Tourismus – man könnte fast „ausschließlich” sagen. Deshalb hängt auch die Zukunft Mallorcas in besonderem Maße vom Verhalten Dritter, nämlich der Urlauber, ab. Und wie dieses in naher Zukunft aussehen wird, steht leider in den Sternen.

Wann werden die Reisebeschränkungen aufgehoben? Welche Airlines werden diese Krise überstehen? Germanwings ist schon am Ende, selbst die Lufthansa, eine der stärksten Fluggesellschaften der Welt, streicht die Flotte zusammen. Was ist mit Easyjet und Ryanair? Und überhaupt – wie werden sich die Preise entwickeln? Wie stark sind die Hotels gebeutelt?

Was vor uns liegt, ist vor allem eine große Ungewissheit. Eine Ungewissheit, die Angst macht. Was bleibt, ist die Hoffnung. Darauf, dass wir und unsere Liebsten gesund bleiben (oder werden), dass uns eine schwere Wirtschaftskrise erspart bleibt, dass das Leben, wie wir es kannten, bald wieder zurückkommt, dass wir alle gemeinsam und in Frieden diese „dunkle Stunde” überstehen. Und so geistern selbst den Atheisten unter uns in diesen Tagen mehr denn je zwei biblische Begriffe durch den Kopf. Erlösung und Auferstehung. In diesem Sinne und trotz allem: ein friedliches Osterfest!

Autor: Patrick Czelinski

09

04 2020

Erstaunlich, was alles möglich ist

Digital Detox – eine bewusste Auszeit von Facebook, Instagram, Twitter, Tinder und Co. – noch vor wenigen Wochen war das ziemlich en vogue. Zu schnell, zu oberflächlich, zu zeitraubend waren die sozialen Netzwerke für viele von uns geworden. Und heute? In Zeiten einer Pandemie, in denen man zum Hausarrest verdammt ist, wirken die bunten Apps wie Lebensretter. Die Quarantäne – das bestätigt einem jeder Arzt – kann ordentlich aufs Gemüt schlagen. Vor allem, wenn man – wie in Spanien – nicht mal zum Spazieren nach draußen gehen kann. Umso schöner ist es, wenn man sich per Whatsapp, Zoom oder Houseparty mit seinen Freunden verbindet – im Pyjama auf dem Sofa mit einem Glas Wein in der Hand. Auf einmal haben die „Social Networks” und die vielen Chat-Apps einen echten Nutzen. So schlimm Corona ist, in unserem täglichen Leben hat das Virus manches ins rechte Licht gerückt. Was ein Zeitfresser war, ist plötzlich dienlich. Das Selbstverständliche wird zum Besonderen. Gut, dass Spanien in Sachen schnelles Internet ordentlich aufgestellt ist. Selten war das Web wichtiger als in diesen Tagen. Und in manch einem Lebensbereich hat Corona sogar möglich gemacht, was lange unmöglich schien. „Teletrabajo” – Homeoffice – es funktioniert tatsächlich besser als gedacht, selbst in Branchen, in denen die Präsenz im Büro oder bei Vor-Ort-Terminen sonst wichtig ist. Wieder haben Sie eine prall gefüllte Ausgabe des MM auf Ihrem Tisch liegen – und das, obwohl die Hälfte der Redakteure von zu Hause aus arbeitet.Restaurants liefern jetzt nach Hause, die Landwirtschaft versorgt Bürger mit Gemüsekisten und unsere Kinder lernen im heimischen Wohnzimmer – mit Laptop oder Tablet.

Dass die Folgen der Krise schwerwiegend sein werden, steht außer Frage. Und täglich blutet einem das Herz, wenn die neuen Totenzahlen gemeldet werden. Aber wir können aus dieser Krise auch etwas lernen. Im Privaten erkennen wir die Dinge, die uns wirklich wichtig sind. Und in der Arbeitswelt hat uns Corona um Lichtjahre in die Zukunft katapultiert. Erstaunlich, was alles möglich ist, wenn man keine Wahl hat. Bleiben Sie gesund!

Autor: Patrick Czelinski

02

04 2020

See you soon, Mallorca!

Es ist ein Albtraum, der nicht enden will. Seit der Ausrufung des Alarmzustandes in Spanien ist Mallorca nicht mehr das, was es war. Man geht zur Arbeit (das darf man noch), um an der Plaça d’Espanya einen meist leeren Bus zu besteigen, und sieht diese wenigen Menschen, die meist mit Masken bewehrt umherhuschen, als würde das Coronavirus viele Meter weit durch die Luft fliegen. Wer hustet, wird wie ein Aussätziger angeglotzt, wer keinen Abstand zum Nächsten wahrt, ebenfalls.

Mallorca ist im März 2020 wie viele anderen Gebiete der Welt eine Gegend der Angst, was angesichts der Tausenden von Toten nicht verwundert. Man leidet und man weint. Alles, was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist verboten, sogar das Spazierengehen oder Joggen am Strand. Und wenn dann noch wie in diesen Tagen kühl-feuchtes Wetter hinzukommt, fühlt man sich völlig verloren. Aber diese ganzen, das normale Leben total durcheinanderwirbelnden Einschränkungen sind nötig, um die in Spanien besonders wild grassierende Krise endlich in den Griff zu bekommen.

Doch nach jeder Nacht kommt der Tag, nichts ist für immer. Und während hier auf der Insel die Menschen notgedrungen zu Hause hocken, zeichnet sich woanders ein Licht am Ende des Tunnels ab: Nach zwei Monaten wurde in China die Abriegelung der Provinz Hubei aufgehoben. Die Zahl der Neuinfektionen in der Gegend, von wo das Unheil kam, ist zurückgegangen.

Dass Mallorca wieder aus dem Albtraum aufwachen wird, ist klar. Die Frage ist nur, wann. Wird der Alarmzustand über den 12. April hinaus verlängert? Denkbar ist dies angesichts der dramatischen Lage im Land durchaus. Doch das Licht wird heller werden. Immer mehr. Das weiß auch der Inselrat, der die Kampagne #SeeyousoonMallorca gestartet hat. Man wird wieder ausgehen können, man wird wieder an den Strand und wandern dürfen. Das früher ganz Normale wird sich wunderbar anfühlen. Und dann wird man sagen: Wie schön ist es, das Wiedergeborenwerden an einem so traumhaften Ort wie Mallorca zu erleben!

Autor: Ingo Thor

26

03 2020