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Generelle Alkoholverbote wären ungerecht

Es ist radikal, was Sicherheits- und Suchtexperten jüngst auf einer Fach-Konferenz in Anwesenheit der sicherlich hoch erfreuten sozialistischen Balearen-Ministerpräsidentin Francina Armengol forderten: Angesichts der bekanntermaßen zahllosen Sauftouristen auf der Insel sollte man den Alkohol auf Flughäfen oder in Flugzeugen generell verbieten. Anwohner an der berüchtigten Playa de Palma äußerten wenig später, dass einige Straßen dort bitte alkoholfrei gehalten werden müssten.

Fluggesellschaften wie Eurowings sehen das Ganze dagegen geschmeidiger: Man habe es bisher immer hingekriegt, an- oder betrunkene Passagiere im Zaum zu halten, so ein Sprecher. Man rede und habe Erfolg. Ein generelles Verbot sei deswegen nicht sinnvoll, schließlich wolle man den Fluggästen das Urlaubsvergnügen nicht verhageln.

Wie wahr! Die Lösung liegt wohl zwischen alledem: Dass die Polizei in einigen Ballermann-Straßen dafür sorgen soll, dass die üblicherweise dort absteigenden Youngster nicht zu viel trinken, ist nachvollziehbar. Schließlich gibt es dort jede Menge total normale Menschen, die einfach nur in Ruhe leben möchten. Es würde sich lohnen, dort durchzugreifen: Denn Deutschen von oben herab den Knüppel nur leicht in den Nacken zu rammen, hat in der Geschichte, wie man weiß, immer gefruchtet. Das unterscheidet die Ballermann-Gäste von den bekanntlich ausrastungsfreudigeren und nicht so autoritätsfixierten Briten.

Bei Flughäfen und Flugzeugen sieht die Sache anders aus: Die meisten Menschen, die sich dort aufhalten, sind keine Rülpser und Randalierer. Wenn diese Leute zwei oder drei Gläser Wein trinken, führt das in der Regel nicht zu Unruhe oder gar Schlägereien. Wegen einer saufenden lauten Minderheit, wie in Palma unlängst geschehen, laut nach Verboten zu blöken, ist angesichts dessen einfach nur autoritär – oder besser gesagt, so tourismuskritisch wie die derzeitige Balearen-Regierung halt ist, der die Teilnehmer der Expertenkonferenz offenbar gefügig nach dem Munde redeten.

Autor: Ingo Thor

21

02 2019

Der Wandel mit den winzigen Schritten

Früher hatte an der Playa de Palma nahezu jedes Hotel im Winter geöffnet. Das ist aber schon Jahrzehnte her. Damals war es für deutsche Langzeit-Urlauber billiger, die kalten Wochen und Monate auf Mallorca zu verbringen, als in Deutschland den Heizöltank auffüllen zu lassen. Dass die Hotels damals keine Heizungen hatten, das war den abgehärteten Rentnern, die als junge Menschen die Kriegs- und Nachkriegswinter überstanden hatten, ziemlich egal.

Dann kamen neue Destinationen wie die Kanaren und die Karibik hinzu, der Fortschritt in Spanien und der spätere Euro verteuerten ihrerseits die Urlaube auf Mallorca. Immer mehr Hotels schlossen im Winter ganz, so dass vor etwa zehn Jahren und im Zuge der Wirtschaftskrise vieles dicht war. Tote Hose. Alle waren sich einig: Das kann so nicht weitergehen.

Dann, vor etwa fünf Jahren, wurden die ersten – zum Teil angejahrten – Hotels für viele Millionen Euro modernisiert, teils sogar ausgebaut oder aufgestockt. Selbst Neubauten im Fünf-Sterne-Bereich wuchsen aus dem sandigen Boden empor.

Das trägt heute Früchte: Nicht wenige dieser aufgehübschten Übernachtungsunternehmen halten im Winter ihren Betrieb aufrecht und begrüßen Gäste – auch wenn es ihrer längst nicht so viele sind wie im Sommer. Dieser Wandel ist positiv für die Strandmeile, auch wenn weiterhin viele Gastronomen und Einzelhändler es vorziehen, im Winter zu pausieren.

Was an der Playa de Palma hingegen nicht positiv ist, fällt bei jedem Schritt und Tritt ins Auge: Der Straßenbelag ist erschütternd, manche Häuserfassaden mit ihren heruntergekommenen Wohnungen und Läden samt der verlotterten Billig-Deko lassen Dritte-Welt-Assoziationen aufsteigen. Das zeigt: Der Lokalpolitik hat es sichtlich am Gestaltungswillen und an Investitionen gefehlt. Auch viele Probleme im Bereich der Kleinkriminalität sind ungelöst. Der Wandel an der Playa de Palma, er kommt bei Weitem nicht so voran, wie man es der Tourismusmeile wünschen würde. Und dennoch: Allen Schattenseiten zum Trotz ist ein Spaziergang auf der Meerespromenade bei Sonnenschein gerade im Winter ein grandioses Erlebnis.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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02 2019

Wer Mieter in Spanien ist, hat weiter schlechte Karten

Spanien ist anders als Deutschland bekanntlich kein Land der Mieter. Wer hier in einer Wohnung lebt, ist in der Regel das ganze Leben dabei, diese im Schweiße seines Angesichts abzubezahlen, wenn es ihm denn überhaupt je gelingt. Dass jetzt die sozialistische Zentralregierung in Madrid an der früher kaum beachteten Mieterfront überhaupt aktiv wird, liegt sicher daran, dass es diese Menschen derzeit sehr schwer haben. Die Mieten steigen nach dem Ende der bleiernen Wirtschaftskrise seit Jahren rasant an im Staate Spanien, und erst recht ist das auf Mallorca der Fall. Jetzt dürfen also Vermieter nicht mehr unbeschränkt hohe Kautionen verlangen. Bravo! Und die Verträge – sie sind hier grundsätzlich befristet – haben wieder eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren. Auch das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Doch all das täuscht über die Tatsache weg, dass man in Spanien als Mieter den Vermietern gnadenlos ausgeliefert ist, zumal die nun beschlossene Gesetzesänderung keine Mietpreisbremse vorsieht. Wenn etwa ein Wasserhahn defekt ist oder die Fenster undichter werden, kommt es durchaus vor, dass Immobilienbesitzer einem ins Ohr flöten, dass man das doch bitteschön selber bezahlen müsse oder – wenn einem das nicht passe – gleich die Wohnung verlassen solle. Die weiterhin mieterunfreundliche Rechtslage und die starke Nachfragen nach solchen Wohnungen lassen deren Besitzer zunehmend überheblich werden. Sicher: Einige Intelligentere unter ihnen wissen, dass nach für sie guten Zeiten schnell auch wieder schlechtere Zeiten kommen können. Sie verhalten sich also weiter anständig, so schwer es manch einem von ihnen zuweilen auch fällt.

Das Thema Mieten zeigt, genauso wie beispielsweise auch die popelige Arbeitslosenunterstützung, dass Spanien halt – vom gut funktionierenden Gesundheitswesen mal abgesehen – alles andere als ein stringent durchstrukturierter Sozialstaat ist. Es bleibt also noch allerhand zu tun, um an mittel- oder nordeuropäische Zustände auch nur entfernt heranzukommen.

Autor: Ingo Thor

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01 2019

Ganz schön teuer hier

Als Gentrifizierung bezeichnet man den sozioökonomischen Strukturwandel großstädtischer Viertel durch eine Attraktivitätssteigerung zugunsten zahlungskräftigerer Eigentümer und Mieter und deren anschließenden Zuzug. Damit verbunden ist oft der Austausch ganzer Bevölkerungsgruppen. Besser kann man die Entwicklung von Santa Catalina nicht beschreiben.

Sicher, der Wandel hat dem einst armen Fischerviertel, das auch für den Drogenhandel bekannt war, grundsätzlich gutgetan. In dem Barrio hat sich eine lebhafte Bar-, Café- und Gastroszene angesiedelt, die (vergleichsweise teure) Markthalle ist zum Hotspot für Gourmets und Schaumweinfreunde geworden, von der Verbesserung der Bausubstanz und den unzähligen Renovierungen gar nicht erst zu sprechen. Gleichzeitig aber hat die Aufwertung des Quartiers einen Segregationsprozess in Gang gesetzt, der ihm nach und nach seinen Charme von einst zu nehmen droht. Die Zeiten, in denen Einheimische und Zugewanderte Tür an Tür lebten und Eck-Kneipe und Schlemmertempel in friedlicher Koexistenz hungrige Mäuler stopften, sind vorbei. Santa Catalina ist heute vor allem eines: teuer! Die Mieten sind für Einheimische ebenso wie für Zugezogene mit „normalem” Einkommen kaum noch bezahlbar, von den Kaufpreisen ganz abgesehen. Die Preissteigerungen sind dabei nicht auf den Zuzug alleine zurückzuführen, auch die Immobilienspekulation hat zu einer extremen Teuerung geführt, und dabei sind zahlreiche Häuser und Wohnungen in der Hand ausländischer Besitzer nur wenige Wochen im Jahr bewohnt – es ist verständlich, dass das viele mallorquinische Einwohner wütend macht, die abwandern mussten und müssen. Wütend machen übrigens auch die Unsummen, die man mittlerweile in manch einem Lokal für einen Teller Nudeln, ein Stück Fleisch oder ein paar „Tapas” hinlegen muss. Ja, das sind die Gesetze der freien Marktwirtschaft – dem Viertel aber wird diese Situation auf Dauer nicht guttun. Denn so wird irgendwann selbst die zahlungskräftigste Klientel abwandern und sich neue, hippe Barrios suchen. Die Frage wird dann sein, was vom In-Viertel übrig bleibt.

Autor: Patrick Czelinski

10

01 2019

Wir stellen uns den Herausforderungen und der Verantwortung

Eine Jahresbilanz für 2018 zu ziehen, ist für uns, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Mallorca Magazins, diesmal eine schmerzliche Angelegenheit. Der Tod unseres langjährigen Chefredakteurs vor knapp zwei Monaten steckt uns nach wie vor in den Knochen. Bernd Jogalla war ein geschätzter Vorgesetzter und liebenswerter Mensch, ein Freund seiner Freunde. Wer ihn gut kannte, vermisst ihn. Daran wird sich nichts ändern, unabhängig vom Tagesgeschäft, das gerade in unserem Metier ein turbulentes ist.

Der Ausblick auf 2019 zeigt, dass diese Turbulenzen nicht abnehmen, im Gegenteil. Mallorca steht vor möglichen Veränderungen, deren Folgen – sollten sie eintreten – wenig absehbar sind: Im kommenden Mai wird auf der Insel gewählt. Bleibt es bei der regierenden Linkskoalition, die derzeit mit dem Straßenausbau Llucmajor-Campos ihre Öko-Mitglieder vergrätzt? Oder gelangt das konservative Lager an die Macht, sprich: setzt sich der bisherige Zickzackkurs einmal mehr fort? Wird eine Kleinpartei den Ausschlag zur Mehrheit geben? Und kommt aus Madrid mehr Geld?

Unterdessen wächst die Sorge der Hoteliers vor dem Wiedererstarken der Mitbewerber am Mittelmeer; Türkei, Ägypten, Griechenland. Bedeutet das weniger Einnahmen und Arbeitsplätze für Mallorca? Ist es eine Rückkehr zur Normalität nach den Rekordsaisons? Wird dadurch das Ende der touristischen „Massifizierung” eingeläutet? Zumindest eine Rückkehr zum Billig-Tourismus schließen die Hoteliers (vorerst) aus.

Der Blick über die Insel hinaus erspäht weltweit politische Baustellen: Katalonien, Brexit, Ukraine, Naher Osten, Afrika, Klimawandel; sie harren (schon lange) einvernehmlicher Lösungen. Bleibt zu hoffen, dass 2019 die Vernunft obsiegen möge. Daran sollten wir alle mitwirken, jeder nach seinen Kräften und Möglichkeiten. Wir von MM werden die künftigen Entwicklungen auf Mallorca begleiten und Ihnen berichten. Ohne Aufgeregtheit, aber mit Besonnenheit, Verantwortungsbewusstsein und humanem Augenmaß. So, wie es uns Bernd Jogalla stets vorgemacht hat.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein glückliches neues Jahr – molts d’anys!

Autor : Alexander Sepasgosarian

27

12 2018

Mehr Radtourismus nützt der Insel

Sie saufen nicht, achten auf ihren Körper, grölen nicht herum und sorgen für volle Kassen bei den Gastro- und Hotel-Betrieben dieser unserer Insel. Was wäre zum Beispiel das verschlafene Kaff Petra ohne die vielen Radtouristen, die auf dem Zentralplatzabsteigen und nur darauf aus sind, zum Vorteil der Insel-Wirtschaft Geld in rauen Mengen auszugeben? Doch wie seltsam: Diese so handsamen Gäste sind umstritten auf Mallorca, vor allem unter deutschsprachigen Autofahrern.

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20

12 2018

Willkommen in Absurdistan

Einen Abgrund an Absurdität offenbart die jüngste Entwicklung im ohnehin schon seltsamen Fall Cursach, bei dem es um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen an die Lokalpolizei, Erpressung von Konkurrenten in der Gastronomie oder auch eine mögliche Hells-Angels-Beteiligung geht. Den Beitrag vollständig lesen →

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14

12 2018

Das Vermächtnis unseres Chefredakteurs – Was von Bernd Jogalla im Mallorca Magazin fortleben wird

Als Bernd Jogalla das Handwerk des Journalismus erlernte, da war die Schreibzunft ein Prestigeberuf. Wer ein Autorenkürzel, gar seinen vollen Namen unter einen veröffentlichen Bericht setzen durfte, dem war allgemeine Anerkennung gewiss. Den Beitrag vollständig lesen →

08

11 2018

Wer sich neu erfindet, kann groß rauskommen

Mallorca ist eine so vielfältige Insel. Es gibt ja bekanntlich nicht nur die Tourismusindustrie, sondern auch jede Menge traditionelle Handwerksbetriebe. Glasfabriken, Möbelhersteller, Lederfirmen, Flammenstoff-Manufakturen oder Unternehmen aus Branchen, die einem auf Anhieb gar nicht einfallen.

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30

08 2018

Alle reden von Entschleunigung. Auf Mallorca gab’s das immer

Wer kennt das nicht… Man tritt seinen wohlverdienten Mallorca-Urlaub an, und schon beim Warten am Eincheck-Schalter am Flughafen durchzuckt einen ob der langen Schlange ein gewisses Unbehagen. Und wenn dann nach der Ankunft am Traumziel der Koffer erst nach halbstündigem Warten kommt, ist man schon genervter.

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23

08 2018