Es Jonquet: Binsenweisheiten aus dem „Kleines Schilf“

Es Jonquet ist eines jener Viertel von Palma, in das sich früher kein Pauschaltourist hineingetraut hätte. Drogen, finstere Gestalten, Dreck, Verfall. Das Besondere an dem Quartier auf dem Mühlenhügel von Palma: Es liegt nicht innerhalb der historischen Altstadtmauern, sondern davor. Denn das Viertel gehörte lange gar nicht zu Palma.

Und dennoch ist es heute eines der ältesten der Stadt, und auch eines der malerischsten. Es ist eine Schande, dass die Mühltürme, das Wahrzeichen des Viertels, so dermaßen vom Verfall bedroht sind. Wie gerne würden Besucher dort einmal auf der Terrasse sitzen und mit Blick auf den Hafen einen Kaffee trinken wollen?!

Die jüngsten Pläne zur Bebauung der freien Brachflächen in dem Viertel sind ebenfalls eine Schande. Sogar in ihrer abgespeckten Form. Wie kann man auf die Idee kommen, auf dem Gelände, das mittelalterlichen Charme atmet, ein unterirdisches Handelszentrum zu errichten? Ganz zu schweigen von der Glasfassade, mit der das Unternehmen zunächst die einstigen Meeresklippen verkleiden wollte? Und was sollen dort neue Wohneinheiten, die letztlich niemals an den alten Charme heranreichen, egal, wie sehr sie kosmetisch auch auf Alt gestylt werden? Das Beste für die Brachfläche wäre, sie in eine attraktive Grünzone zu verwandeln, für alle Bürger und Besucher. Von solchen Parks, die nicht im Autolärm versinken, gibt es in Palma kaum welche. Erst recht nicht im Zentrum oder an der Hafenpromenade.

Palma kann nicht auf der einen Seite seine Altstadt als Unesco-Kandidat anpreisen wollen, und andererseits historische Viertel verhunzen. Das Rathaus sollte überhaupt viel mehr im Kleinen agieren, als sich Großprojekte vorzuknöpfen.

Warum ist der abgesicherte Meeresfelsen von Es Jonquet nicht ansprechender verkleidet und begrünt? Warum sind die verwahrlosten Mühlen nicht längst enteignet und gerettet? Warum erfährt „Gewachsenes“ auf Mallorca eine solche Geringschätzung?

Es sind gerade die Gassen von Es Jonquet (deutsch: Kleines Schilf), die Palma pittoresken Charme und Fotomotive bescheren. Solche Dinge gehören bewahrt! Eine Binsenweisheit, die aber gerne ignoriert wird.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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03

07 2014

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