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Bußgelder bekämpfen nicht die Ursachen des Straßenhandels

Mal Hand aufs Herz: Wer von den Residenten hat nicht schon mal einem fliegenden Händler auf den Straßen etwas abgekauft? Sei es eine Flasche Wasser, eine Sonnenbrille während des Strandtages oder ein anderes modisches Accessoire. Auch Urlauber sagen beim Angebot der Händler nicht immer Nein. Andere wiederum fühlen sich belästigt, wenn sie zum vierten, fünften Mal während eines Strandspazierganges von einem der senegalesischen Verkäufer angesprochen werden. Doch ohne die Nachfrage wäre auch das große Angebot nicht da.

Und gerade diese starke Konkurrenzsituation ist der Punkt, an dem sich die Einzel- und Markthändler der Insel stören. Sie zahlen Steuern und Abgaben, welche die Straßenhändler nicht entrichten. Dafür locken sie die Kunden oft mit einer aggressiven Verkaufstaktik sowie haltlosen Versprechen („1000 Jahre Garantie”) und sind bereit, um den Preis zu handeln. So setzte Palma auch eine Forderung der Einzelhandelsverbände um, eben auch die Käufer der illegale Ware zu bestrafen. Auch wenn bisher nur in einem Fall ein Bußgeld ausgesprochen wurde.

Ein anderer Punkt ist natürlich die Frage, warum die Polizei nichts gegen die vielen illegalen Händler unternimmt? Erst vor wenigen Tagen war wieder die Situation nahe der Kathedrale zu beobachten: Die berittene Polizei patrouillierte und die Straßenhändler gingen wenige Meter weiter in aller Seelenruhe ihren Geschäften nach.

Dass die Polizei gar nichts unternimmt, lässt sich so nicht unterschreiben. Doch gerade in der Hochsaison reichen weder Zeit noch Personal aus, um den Scharen der Straßenhändler Herr zu werden. Auch scheint eine Null-Toleranz gegenüber den Händlern vonseiten der Politik nicht wirklich gewünscht zu sein. Denn der Straßenhandel sichert vielen Migranten ohne Papiere das Einkommen.

Nur Bußgelder zu verhängen, bekämpft nicht die Ursachen der Probleme: Dass tonnenweise gefälschte Ware ins Land kommt und wie illegale Zuwanderer ihren Lebensunterhalt sichern können.

Autor: Claudia Schittelkopp

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11 2019

Nach der Parlamentswahl ist der Wille zum Konsens gefragt

Ein Déjà-vu erlebt, wer dieser Tage auf Mallorca seinen Briefkasten öffnet. Der quillt geradezu über vor Wahlwerbung aller Couleur, das gesamte politische Spektrum – vom linksalternativen Bündnis Podemos bis zur rechtspopulistischen Vox – ist vertreten. Freundlich lächeln Pedro Sánchez, Pablo Casado, Albert Rivera, Pablo Iglesias und Santiago Abascal aus Werbeprospekten, die in ihrer Mehrheit in der Altpapiertonne landen. Warum? Weil viele Spanier wahlmüde sind! Erst vor einem halben Jahr waren die Briefkästen nämlich ähnlich voll. 2016 übrigens auch – und 2015 ebenso.Zum vierten Mal binnen vier Jahren sind die Bürger des Königreichs aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. „Wozu?”, fragen sich mittlerweile viele. Denn eine stabile Regierung gibt es faktisch seit 2015 nicht mehr.

Immer noch nicht scheint bei den spanischen Politikern die Nachricht angekommen zu sein, dass die Zeit des Zwei-Parteien-Systems vorbei ist. Im Gegenteil: Erst am Dienstag sagte die Sprecherin der geschäftsführenden Linksregierung: „Allen unentschlossenen Wählerinnen und Wählern sei gesagt: Bei einem Patt wird es keine Regierung geben!”. Besser kann man die eigene Unfähigkeit zum Konsens einfach nicht in Worte fassen. Sicher ist nämlich: Auch nach diesem Urnengang wird es keine absolute Mehrheit geben. Umfragen zufolge soll es nicht einmal mehr für ein Zweierbündnis reichen. Die beiden Blöcke – rechts und links – werden also Mehrheiten bilden müssen. Nach der Macht greifen dann – Stand jetzt – entweder die konservative PP zusammen mit den liberalen Ciudadanos und der rechtspopulistischen Vox oder die sozialdemokratische PSOE mit der linkspopulistischen Partei Podemos, mehreren regionalistischen Kleingruppen und eventuell der neuen Linkspartei „Más País” des ehemaligen Podemos-Vizes Íñigo Errejón.

Und eines ist klar: Dieses Mal muss es gelingen, eine tragfähige Regierung zu bilden. Die Spanier sind zwar geduldig, aber irgendwann verlieren auch sie endgültig den Glauben an ihre Politiker. Darauf sollten es die ehrgeizigen Herren an den Spitzen der Parteien nicht ankommen lassen.

Autor: Patrick Czelinski

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07

11 2019

Ossi? Wessi? Der Spanier kennt nur die „Alemanes”

Alt genug, um die deutsche Wiedervereinigung physisch miterlebt zu haben; jung genug, um den Trennungsgedanken zu überwinden. Das trifft wohl auf die aus Leipzig stammende Autorin dieser Zeilen zu. Die Klischees vom „Meckerossi” und „Besserwessi” kennt wohl jeder. Und wie bei jedem Klischee steckt darin auch ein bisschen Wahrheit. Dass ein Land nach seinem Zusammenbruch und einer Verschmelzung mit einem anderen Land schwierige Zeiten durchlebt, ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Frust und Vergleichsdenken sind menschlich. Aber wer in der Zukunft vorankommen will, darf nicht in der Vergangenheit leben. Abstufungen sind noch heute etwa beim Gehalt spürbar, da ist noch viel Anpassungsarbeit nötig. Natürlich spielt die Frage der Herkunft immer noch eine Rolle, wenn von „deutsch” die Rede ist. Aber warum auch nicht? Deutschland hat nun mal seine Geschichte. Und die sollte man nicht ignorieren. Auch unter Spaniern fragt man sich, ob man denn aus Andalusien, dem Baskenland oder von den Kanaren stamme. Die Grenzöffnung brachte den Balearen neue Touristen aus dem Osten und machte die kulturelle Mischung noch ein bisschen bunter. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten waren auch die Ostdeutschen bereits vor dem Mauerfall ein reiselustiges Völkchen. Heute sieht man auf den Autobahnen der Insel neben den Kölner, Düsseldorfer und Hamburger Autokennzeichen genauso viele Pkws, die offenkundig aus dem Erzgebirge, dem Havelland oder Rostock kommen. Und die Welt zu erkunden und das Ersparte in einen Urlaub zu investieren, spielt für Deutsche in ihrer Gesamtheit eine wichtige Rolle. Oder haben Sie jemals einen Urlaub erlebt, ohne dabei auf einen Deutschen getroffen zu sein? Mallorca bietet sich als Reiseziel und Lebensort wunderbar an, um altes Klischeedenken zu überwinden. Hier leben „Ossi” und „Wessi” als „Deutsche” zusammen. Der Spanier kennt eh nur die Klischees über die „Alemanes”, über die er sich des Öfteren belustigt. Das zeugt doch davon, dass wir in unserem Denken und Tun alle mehr gemeinsam haben als wir vielleicht dachten.

Autorin: Diana Serbe

31

10 2019

Wasser sparen tut not, die Regierenden müssen handeln

Wer dieser Tage Zeit auf Mallorca verbringt, könnte meinen, sich in einer wassertechnisch unproblematischen Region aufzuhalten. Es regnet immer und immer wieder, und wenn einige Tage die Sonne erscheint, wird es erneut feucht. Und das Grün ist auf einmal so ungeheuer frisch und rein.So geht es halt manchmal nach den immer trockenen Sommern auf der Insel zu, und im Zeichen des Klimawandels könnte sich das in den nächsten Jahren auch noch verschärfen.

Doch eigentlich ist Mallorca wasserarm: Die Stauseen sind oft nur mäßig gefüllt, das Grundwasser ist zu mehr als 50 Prozent unbrauchbar, zudem wird zunehmend Meerwasser entsalzt. Dass die Lage ernster wird, deuten Zahlen von diesem Jahr an: Der August war trockener und heißer als der Vergleichsmonat im Vorjahr. Das galt auch für die Monate davor: Zwischen Januar und Juli fielen nur 261 Liter auf den Quadratmeter. Zum Vergleich: Allein in den vergangenen beiden Starkregennächten kam fast die gleiche Menge zusammen.

Was also ist zu tun? Zunächst mal sollte sich jeder Einzelne am Riemen reißen und Wasser sparen, Bürger und erst recht Urlauber. Es ist nunmal so, dass ein Tourist laut der Stadt Palma 278 Liter am Tag verbraucht, während ein Einheimischer nur auf 119 kommt. Einige Hoteliers haben das erkannt und etwa in den Zimmern Waschbecken mit Durchflussbegrenzer installiert sowie Duschen mit Sparbrausen versehen.

Ungeachtet dessen kommt es weiter zu Wasserknappheit auf der Insel. Im vergangenen Sommer wurde in einigen Regionen die Vorwarnstufe ausgelöst, in der Gemeinde Selva etwa floss in ländlichen Bereichen zeitweise nur am Tag Wasser aus den Hähnen.

Angesichts des Klimawandels könnte sich das Wasserproblem auf Mallorca weiter verschärfen. Und da sind die Regierenden gefordert: Sie müssen sich Gedanken darüber machen, wie man das Ganze in den Griff bekommen kann – etwa mit mehr Stauseen oder einer Runderneuerung des lecken Leitungsnetzes. Doch Bewegung ist dort nicht auszumachen.

Autor: Ingo Thor

25

10 2019

Mallorca ist anders als Katalonien. Zum Glück

Es ist allgemein bekannt, dass Mallorca und Katalonien viel verbindet: Nicht nur die Sprache, sondern auch persönliche Kontakte vieler Inselbewohner zu jener so unruhigen Region sprechen Bände. Barcelona ist halt ein größeres Palma. Und dennoch: Die Menschen auf Mallorca ticken anders. Sie sind konservativer und langmütiger. Und sie sind durch den Tourismus stärker von anderen, liberaleren Kulturen geprägt als etwa Menschen in ländlichen Gebieten von Katalonien. Viele Mallorquiner sind ferner vom Tourismus beruflich abhängig, was das Aufkommen von Hitzköpfigkeit sicherlich bremst. Jedem hier ist klar, dass Urlauber nichts weniger mögen als Unruhe oder gar Gewalt. Angesichts dessen mögen vereinzelte eigensüchtige Insel-Politiker von rechts und links die fürwahr ernste Krise zwar für sich auszuschlachten versuchen, doch die Menschen sind halt von einem anderen, besonneneren Schlag.

Glücklicherweise. Denn das garantiert, dass extremistische Aktionen wie die Flughafen-Besetzung in Barcelona hier nur schwer vorstellbar sind. Eine unzeitgemäß intolerante obskure Organisation, die kurioserweise „Tsunami Democratic” heißt, hatte Unzählige mobilisiert und dann dort alles blockiert.

Es ist zu hoffen, dass sich die nach den durchaus harten Urteilen gegen mehrere katalanische Separatistenführer aufgekommenen Wogen schnell wieder glätten. Im Sinne des seit Jahrzehnten gewohnten entspannten Zusammenlebens müssen sich die nicht selten kindisch auftretenden spanischen Politiker jeglicher Couleur am Riemen reißen. Sie haben dafür zu sorgen, dass in der Katalonien-Frage zumindest ein kleines Licht am Ende des Tunnels aufscheint. Spanien ist doch eigentlich so wunderbar unjugoslawisch! Für den international geschmeidig auftretenden geschäftsführenden spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez ist das, auch vor der Wahl, eine Bewährungsprobe. Er hat die Chance, nach großen Staatsmännern wie etwa Adolfo Suárez oder Felipe González als Politiker von Statur in die Geschichte einzugehen.

Autor: Ingo Thor

17

10 2019

Die angekündigte Überholung des Airports ist vernünftig

Flughäfen sind die Visitenkarten ganzer Regionen. Wer irgendwo ankommt und sieht, dass die Gepäckbänder nicht wie geschmiert laufen oder dass sich der Unrat häuft, macht sich ein Bild, das nicht selten mit der Realität des Reiseziels übereinstimmt. Wird eine Region schluderig geführt, kann sich das also durchaus im Airport widerspiegeln. Für das boomende Bayern etwa gibt es keine idealere Visitenkarte als den hochmodernen Münchner Flughafen.

Angesichts dessen ist es nur vernünftig, wenn die spanische Betreibergesellschaft Aena tief in die Taschen greifen will, um Mallorcas riesigen Flughafenkomplex ein für allemal auf Vordermann zu bringen. Mehr als eine halbe Milliarde Euro lässt man springen. Das ist bestens investiertes Geld, denn es ist nunmal so, dass der Airport jenseits des 2010 eingeweihten, mit dem 21. Jahrhundert kompatiblen C-Terminals trotz vieler schon erledigter Verbesserungen vielerorts angejahrt aussieht. In manchen Ecken und Gängen besonders zwischen dem Hauptgebäude und dem Terminal D kommt der Komplex geradezu muffig daher. Man fühlt sich an Retro-Orte wie den Flughafen Berlin-Tegel erinnert.

Dass auf Mallorca bei der bald anstehenden Überholung bewusst auf Helligkeit gesetzt wird, passt zur lichtdurchfluteten Insel. Dass eine leistungsstarke Photovoltaik-Anlage kommen soll, passt wunderbar in die immer umweltsensiblere aktuelle Zeit. Und dass die Passagiere weniger Zeit vom Eingang zum Gate benötigen sollen, werden diese den Managern dieses sehr weitläufigen Airports danken.

Doch ach, wegen der vielen zu erwartenden Baustellen wird sich manch ein Fluggast vor allem im Winter möglicherweise genervt fühlen, zumal der Mallorca-Flughafen ohnehin ein Labyrinth ist, das nicht wenige verwirrt. Doch all das, was verbesserungstechnisch geschehen wird, wird dazu führen, dass Mallorcas Visitenkarte peppiger und zeitgemäßer daherkommt. Und wir alle hier wollen doch, dass die betörende Insel-Realität eine betörende Eingangspforte bekommt.

Autor: Ingo Thor

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10

10 2019

Nach der großen Flut hat sich in Sant Llorenç schnell viel getan

Es ist erstaunlich, wie schnell und agil Behörden handeln können: Ein Jahr nach der Flutkatastrophe von Sant Llorenç freuen sich Einwohner dort zum Teil geradezu ungläubig, wie rasch und unbürokratisch ihnen von der Balearen-Regierung unter die Arme gegriffen wurde. Ehemals ramponierte Häuserfassaden und sonstige Wände wurden denn auch fleißig angestrichen, Fensterläden massenhaft neu lackiert. Und nicht nur das: Was ansonsten in der Infrastruktur mit Sicherheit viel länger gedauert hätte, wurde in dem Unglücksort fast atemberaubend schnell erledigt: Zahlreiche Straßen erhielten dort inzwischen neue Teerdecken. Man reibt sich überrascht die Au- gen und kann laut ausrufen: Ja, sogar im bekanntlich eher schläfrigen, aber im Grunde durchaus korrekten Spanien kann der Amtsschimmel galoppieren, sofern es hart auf hart kommt.

Aber was soll die ganze Eile, wenn das Wichtigste einfach nicht gemacht wird? Über den Todes-Sturzbach, der sich am Rande des Ortes in seinem Betonbett befindet, führen mehrere Brücken mit meterdicken Wänden. Und die wirkten am 9. Oktober 2018 wie Staumauern und lenk- ten die mit Karacho herunterströmenden Wassermassen in die Dorfstraßen von Sant Llorenç. Es müssten dort also dringend Öffnungen eingebaut werden, um bei ei-findet, führen mehrere Brücken mit meterdicken Wänden. Und die wirkten am 9. Oktober 2018 wie Staumauern und lenkten die mit Karacho herunterströmenden Wassermassen in die Dorfstraßen von Sant Llorenç. Es müssten dort also dringend Öffnungen eingebaut werden, um bei einer neuen Flutwelle das Durchfließen zu garantieren. Das ist bislang nicht ge- schehen. Immerhin: Die Gemeinde hat bereits leere Flächen am Rande des „Torrents” erworben, um die Wassermassen im Notfall dort- hin umzuleiten und so Überschwemmungen zu verhindern beziehungsweise zu minimieren.

Im Großen und Ganzen gingen die Arbeiten in Sant Llorenç erstaunlich glatt über die Bühne. Und das liegt daran, dass wir auf Mallorca gottlob im gut funktionierenden West-Europa leben. Eine so reibungslose Leistung wäre in korrupten Drittweltstaaten, wo sich ganze Heerscharen öliger Politiker nach ähnlichen Katastrophen bekanntermaßen ohne Zeitverzug mit Hilfsgeldern die Taschen gefüllt hätten, kaum vorstellbar.

Autor: Ingo Thor

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10 2019

Die Lehren aus der Thomas-Cook-Pleite

Nein, überraschend kam das Aus von Thomas Cook nicht. Dass das Ende des Reise-Riesen nahen würde, lag schon länger in der Luft. Es war nur eine Frage der Zeit. Schon bei der Pressekonfe- renz, die Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser vor drei Monaten an der Playa de Palma gab, klangen seine Worte eher wie Durchhalteparolen als wie echte Hoffnung. Und wie immer in solchen Fällen gibt es nur Verlierer. Familien mit geplatzten Ferienträumen, weltweit mehr als 20.000 Menschen, die jetzt ihren Job
verlieren, und eine völlig verunsicherte Tourismusbranche auf Mallorca. Da stellt sich vor allem die Frage: Wie konnte das in einer Zeit, in der die Menschen so viel reisen wie nie zuvor, eigentlich passieren?

Um der Erkenntnis näher zu kommen, lohnt sich ein erneuter Blick zurück zur oben genannten Pressekonferenz, bei der unter anderem angekündigt wurde, in Zu- kunft stärker auf eigene Hotels zu setzen. Auf diese Weise sollte die Nachfrage nach Individualität – ein durchaus wachsender Trend in der Reisebranche – befriedigt werden. Tenor: Man habe die Zeichen der Zeit jetzt (endlich) erkannt. Eigenmarken wie die hippen Cook’s-Club-Hotels vermochten es aber nicht, dem bereits seit Längerem ächzenden Konzern neues Leben einzuhauchen. Vielleicht hat Thomas Cook zu lange auf das klassische, aus der Mode gekommene Vermittlergeschäft gesetzt, das Ganze bei einem mörderischen Preisdruck. Und eben je- ner Trend zu mehr Individualität dürfte dem Unternehmen ebenfalls zum Ver- hängnis geworden sein – Stichwort Airbnb, Booking, Tripadvisor – all jene Plattformen, die es Reisenden erlauben, selbst Buchungen vorzunehmen und ihnen den Gang ins Reisebüro ersparen. Zu allem Übel rückten dann noch die dunklen Wolken, die der Brexit am Horizont hat aufziehen lassen, unaufhaltsam näher.

Erschreckend für die Verbraucher ist, mit welcher Geschwindigkeit heutzutage Unternehmen zugrunde gehen. Jetzt macht das Sterben nicht einmal vor den Platzhirschen mehr halt. Am Ende werden wohl nur die Stärksten übrig bleiben. Und nicht einmal darauf scheint Verlass.

Autor: Patrick Czelinski

30

09 2019

Online-Shitstorm gegen Safaripark übersteigt das Maß

Unser Verhältnis zur Haltung von exotischen Tieren hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Zirkusbesuche sind verpöhnt, Zooanlagen wurden umgestaltet und Neuzugänge aus Wildfang sind nicht mehr gestattet, Privatpersonen dürfen nur noch unter strengen Auflagen ausgewählte Exoten als Haustiere haben. Die Zeiten in denen Exzentriker wie Mietwagenkönig Hasso Schützendorf in seiner Finca bei Son Sardina Löwen, Geparden und Schimpansen halten durften, sind glücklicherweise vorbei.

Nach wie vor zählt gerade für Familien mit kleinen Kindern der Besuch im Zoo zum Pflichtprogramm an Wochenenden in der Heimat und im Urlaub auf Mallorca. Tiere zu beobachten, zu riechen, zu schau- en, wie sie sich bewegen, miteinander umgehen üben eine besondere Faszination auf Jung und auch Alt aus. Doch nicht jeder ist mit den Haltungsbedingungen in den Tierparks einverstanden.

Doch der Online-Shitstorm, der aktuell über den Safari-Zoo in Sa Coma herein- bricht, übersteigt das Maß. Auch Beleidigungen in Briefen an den Zoodirektor, dass dieser „verrecken” soll, gehören angezeigt. Natürlich kann ein Privatzoo auf Mallorca nicht mit den subventionierten Anlagen mithalten, die wir aus Deutschland kennen.

Doch einige der Anwürfe, die im Netz erhoben werden, sind schlicht Unfug und lassen sich auch rasch entkräften. Welches Lebewesen beispielsweise wür- de den mallorquini- schen Sommer ohne ausreichend Zu- gang zu Trinkwas- ser überleben? Ge- nau, keins. Die Was- serspeicher sind auch für Laien gut sichtbar aufgestellt. Der Zoo sichert die Wasserversorgung über ein doppeltes Pumpsystem und einNotstromaggregat ab.

Eine andere Frage ist doch vielmehr diese, ob Zoos im Allgemeinen noch zeit- gemäß sind. Tierparkleiter argumentieren, dass ihre Zuchtprogramme zur Erhaltung gefährdeter Arten dienen. Hinzu kommt, dass Zootiere, selbst wenn Anlagen geschlossen werden, nicht einfach wieder ausgewildert werden können. Tierhaltung sollte mehr als nur der Belustigung der Menschen dienen.

Autor: Claudia Schittelkopp


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09 2019

Palma muss verkehrstechnisch umdenken

Am Mittwoch hat die Schule begonnen und es war wie in jedem Jahr, just an diesem Tag brach auf Palmas Straßen wieder das Chaos aus. Das liegt nicht nur daran, dass hierzulande Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, sondern auch an dem Fakt, dass viele Arbeitnehmer wieder aus den Sommerferien zurück und nach wie vor viele Urlauber auf der Insel unterwegs sind.

Es führt einem wieder deutlich vor Augen, woran es in Palma mangelt: An einem ausgeklügelten und gut funktionierenden Nahverkehrssystem, das eine echte Alternative zum Auto darstellt. Für viele Einwohner der Inselhauptstadt ist das Umsteigen auf den Bus keine Option. Wer mit dem Auto bei „Stop-and-go” eine halbe Stunde, mit den „Öffis” aber mehr als eine Stunde zur Arbeit braucht, wird seinen fahrbaren Untersatz nicht stehen lassen. Wer verzichtet schon zugunsten eines abstrakten Prinzips auf seinen eigenen Vorteil, wenn er dafür morgens eine Stunde früher aufstehen muss? Es gilt also, einen Anreiz zu schaffen, den eigenen Wagen – und davon gibt es im Schnitt auf Mallorca so viele wie fast nirgendwo sonst in Europa – dauerhaft zu parken.

Der Nahverkehr, insbesondere in Palma, muss hierfür effizienter und komfortabler werden. Wie kann das funktionieren? Indem man fortschrittlich denkt. Warum gibt es in dieser 400.000-Einwohner-Metropole kein Straßenbahnnetz? Pläne hierzu sind schon lange bekannt, umgesetzt wurden sie nie. Stattdessen baute man eine Metro ins Nirgendwo (die jetzt zumindest bis zum Großklinikum Son Espases verlängert wird). Andere Städte wie beispielsweise das ähnlich große Florenz machen vor, wie man in wenigen Jahren ein effizientes, umweltfreundliches und bei den Bewohnern beliebtes Tramnetz bauen kann.

Ebenfalls wünschenswert wäre ein breit-angelegtes Carsharing-System, wie es in anderen Städten dieser Größe längst existiert. Das würde für einige Bewohner zumindest das eigene Auto dauerhaft entbehrlich machen. Auch solche Vorhaben stecken noch in den Kinderschuhen. Aber so ist es eben auf Mallorca, manch eine Veränderung braucht hier länger als anderswo.

Autor: Patrick Czelinski

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09 2019