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Die Balearen-Regierung muss mit dem Zahlenchaos aufräumen

Transparenz vonseiten der Politik ist gerade in diesen Zeiten besonders wichtig. Leider lassen sowohl die Balearen als auch die spanische Zentralregierung diese – insbesondere im Zusammenhang mit den Infektionszahlen – in den vergangenen Wochen vermissen. Madrid fügt täglich mehrere Tausend Fälle der Gesamtstatistik hinzu, ohne zu erklären, wo diese herkommen. Und eine Touristenregion wie die Balearen sollte wissen, wie genau man im Ausland, insbesondere in den wichtigsten Quellmärkten Deutschland und Großbritannien, auf die Zahlen schaut, die die Inseln veröffentlichen. Kommt es hier zu Abweichungen zu den Daten aus Madrid, sollten die handelnden Behörden diese zumindest erklären. Das ist bis heute nicht Geschehen. Von „Verspätung bei der Datenübertragung” ist die Rede, von einem „trägen” System spricht man im Gesundheitsministerium, über einen „Informatikfehler” schreiben einige Medien.

Fakt ist: Das Datenchaos und die Reaktion der Zeitungen in Deutschland darauf sind ein enormer Image-Schaden für die Insel. Die Balearen-Regierung hätte hier von Anfang an transparenter vorgehen und ihre eigenen Inzidenz-Zahlen veröffentlichen müssen, anstatt am Ende zähneknirschend zuzugeben, dass diese höher liegen als von Madrid angegeben.

Unterdessen fährt der „Govern” weiter schwere Geschütze auf, versetzt nach dem Arbeiterviertel Son Gotleu (und den Nachbarbarrios Can Capes, La Soledat Nord und Son Canals) jetzt auch die bessere Wohngegend rund um die Stierkampfarena in eine mindestens 15-tägige Abriegelung. Allerdings: kontrolliert werden diese Maßnahmen bisher wenig. Zwar ist die Polizei präsent, von einer echten Abriegelung kann aber nicht die Rede sein. Und das ist auch gut so. Die Behörden sollten vielmehr durch Aufklärung weiter versuchen, das Bewusstsein der Menschen für Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln zu schärfen. Man hat den Insel-Bewohnern mit den seit Wochen wieder strengeren Coronaregeln erst mal genug zugemutet.

Es ist und bleibt eine Gratwanderung. Die Politiker sind nicht zu beneiden.

Autor: Patrick Czelinski

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17

09 2020

Der komplizierte Weg zur Corona-Stabilität

Die Coronalage auf Mallorca scheint sich nach wochenlang bedenklich hohen Zahlen langsam zu stabilisieren. Mehrere Male lag die 7-Tage-Inzidenz auf 100.000 Einwohner dieser Tage unter der 50-Personen-Marke, was ein Novum ist. Das lässt eine gewisse Hoffnung aufkeimen, zumal man den Trend ab dem kommenden Freitag mit lokalen Abriegelungsmaßnahmen unterfüttern will.

Es ist nun einmal so, dass nicht, wie von vielen gemutmaßt, die ausländischen Touristen die Zahlen nach oben trieben, sondern sorg- und zügellose Bewohner sozial eher problematischer Gegenden. Dass so mancher Einwohner im nun abgeriegelten Viertel Son Gotleu nicht unbedingt zu jenen Bürgern zählt, die sich voll und ganz obrigkeitshörig verhalten, hat sich in der Vergangenheit immer wieder mal gezeigt. Vielleicht zögerte die Regierung zu lange, hier durchzugreifen, denn die Tourismussaison musste wegen der Reisewarnungen mehrerer Länder, darunter Deutschland, vorzeitig beendet werden.

Bei anderen Maßnahmen scheint man nach der Meinung vieler Menschen übers Ziel hinaus geschossen zu sein. Was soll die Anordnung, auch dort Masken zu tragen, wo weit und breit kein anderer Passant zu sehen ist? Was soll das mitunter allzu strenge Verhalten von Polizisten gegenüber Bürgern? Das alles hat nur allgemein zunehmenden Groll zur Folge.

Ungeachtet dessen kann man der Regional-Regierung unter Francina Armengol nicht vorwerfen, uneffektiv zu handeln. Denn es tut sich nun einmal was. Parallel dazu versucht das spanische Außenministerium, auch mit Deutschland quarantänefreie Luftkorridore auszuhandeln. Sollte das in absehbarer Zeit gelingen, wäre das Reisen wieder völlig unproblematisch. Und sollte die 7-Tage-Inzidenz weiter unten bleiben und die Reisewarnung aufgehoben werden, kann der in Deutschland immer unbeliebtere Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht mehr wie unlängst laut empfehlen, die Herbstferien in Deutschland zu verbringen. Wer will schon unter grauem Himmel durch die Gegend schreiten, während man parallel auf Mallorca noch immer baden kann!

Autor: Ingo Thor

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10

09 2020

Mallorca kann wieder aufblühen – aber wann?

Wer die Entwicklung Mallorcas während der vergangenen Jahre und Jahrzehnte beobachtet hat, der darf auch jetzt sicher sein: Die Insel wird zu alter Stärke zurückfinden. So wie es ihr einst gelang, das Image der „Putzfraueninsel” abzuschütteln, die Wirtschaftskrise von 2008 zu überstehen und in deren Folge sogar zu der Boom-Insel im Mittelmeer zu werden, so wird „Sa Roqueta” auch die Coronakrise hinter sich lassen – die Frage ist nur wann.Die Hoteliers werden nicht müde, den Herbst zu beschwören. Würde die Bundesrepublik ihre Reisewarnung aufheben, so stünde einer Wiederbelebung des Geschäfts nichts mehr im Wege. Man könnte auf diese Weise retten, was zu retten ist. Aber ist das auch realistisch? Jein.

Sollten die Infiziertenzahlen auf Mallorca und den Nachbarinseln weiter sinken und die 7-Tage-Inzidenz über mehrere Tage hinweg deutlich unter der kritischen Schwelle von 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegen, ist nicht ausgeschlossen, dass die deutschen Behörden die Reisewarnung zurückziehen. So schnell wird das allerdings nicht passieren. Denn nach vergleichsweise niedrigen Corona-Zahlen am Wochenende und am Dienstag wurden am Mittwoch erneut mehr als 300 Neuinfektionen auf den Balearen gemeldet. Derzeit bleibt also allen, die wirtschaftlich unter dieser Krise leiden, nur abzuwarten und zu hoffen, dass es den Behörden irgendwie gelingt, die Infektionszahlen nach unten zu drücken.

In der Zwischenzeit tun die Verantwortlichen auf der Insel gut daran, tragfähige Konzepte für den Tourismus zu entwickeln, den man sich auf Mallorca für die Zukunft wünscht. Dieses Eiland bietet alles, was sich Urlauber von einem Reiseziel wünschen: Sonne, Strand, eine hervorragende Gastronomie, tolle Hotels, Kunst, Kultur, Geschichte, Natur und Sport. Dass sie also wiederkommen werden, steht außer Frage. Die Frage ist nur: Will man dann wirklich zurück zum Konzept der Masse? Soll der Erfolg nur dann gewährleistet sein, wenn Millionen von Urlaubern die Insel überrennen? Diese Diskussion wird wieder aufkommen, spätestens dann, wenn die Coronakrise weitgehend überwunden wurde.

Autor: Patrick Czelinski

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03

09 2020

Mehr Kontrolle und weniger Zahlensalat

Kaum steigen die Corona-Zahlen wieder, fühlt man sich in die Zeit der Ausgangssperre zurückversetzt. Als die Politiker der Zentralregierung uns ein ums andere Mal mit verwirrenden Regeln konfrontierten, deren Umsetzung bisweilen schwierig, ihr Nutzen manchmal zumindest zweifelhaft war. Jetzt hat Madrid den „Schwarzen Peter” den Regionalregierungen zugeschoben. Und die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol reagierte prompt und präsentierte am Mittwoch ein Maßnahmenpaket, das gegen die weiter steigenden Coronazahlen endlich Wirkung zeigen soll.

Getreu dem Motto „viel hilft viel” regnet es jetzt nach dem Gießkannenprinzip Verschärfungen in vielen Bereichen. Ob nun aber ausgerechnet eine Maskenpflicht am Uferboulevard und ein Rauchverbot auf einer Café-Terrasse die Weiterverbreitung des Virus eindämmen können, ist fraglich – zumindest die Obergrenze für private Feiern, bei denen sich besonders viele Menschen mit dem Virus anstecken, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wichtiger wäre aber, die bereits jetzt geltenden Maßnahmen endlich strenger zu kontrollieren und Zusammenkünfte vieler Menschen, beispielsweise Trinkgelage Jugendlicher, konsequent aufzulösen. Hier galt bisher: Polizei? Fehlanzeige!

Auch an Transparenz mangelt es. Wie kann es sein, dass an einem Tag 900 Fälle nachgemeldet werden müssen, von denen nur zehn (!) durch PCR-Tests in den letzten 24 Stunden nachgewiesen wurden? Hier muss die Regionalregierung auf jeden Fall nachbessern, ebenso bei den teils unhaltbaren Zuständen in den Gesundheitszentren.

Die Frage, ob noch Urlauber auf die Insel kommen, ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen in den Hintergrund gerückt. Fast schon befremdlich mutet es an, dass die Regierung, die jetzt das soziale Leben wieder herunterfährt, noch vor wenige Tagen „sichere Korridore” mit Deutschland etablieren wollte. Der „Govern” wirkt momentan leider etwas kopflos und nervös – das ist aber auch nur allzu verständlich, bei all dem, was für Mallorca auf dem Spiel steht.

Autor: Patrick Czelinski

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27

08 2020

Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl, bitte!

War die Reisewarnung wirklich notwendig? Geht man nach den nackten Zahlen, ja. In diesem Fall war es richtig, für ganz Spanien Alarm zu schlagen. Schon länger liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei deutlich mehr als 50 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner, sowohl im landesweiten Schnitt als auch auf den Balearen. Und dennoch: Dass die deutschen Behörden im Falle von Mallorca nicht mit ein wenig mehr Empathie vorgegangen sind, erstaunt. Erstens, weil auf der Insel insbesondere Palma, kaum aber der ländliche Raum betroffen ist – vielleicht hätte es auch eine Reisewarnung nur für die Inselhauptstadt getan.

Zweitens, weil Deutschland mit Mallorca deutlich enger verbunden ist als mit anderen Gegenden Spaniens – Millionen von Bundesbürgern lieben und schätzen die Insel, verbringen hier Jahr um Jahr eine unbeschwerte Zeit, kommen immer wieder aufs Neue zurück oder werden hier sogar ganz sesshaft. Und nicht zuletzt drittens: Weil die Insel in den vergangenen Monaten hervorragende Arbeit geleistet hat. Exzellente Hygienekonzepte in den Hotels, ein Pilotprojekt, das man durchaus als „Coup” bezeichnen kann und bei dem sich die Region zu allererst den Deutschen geöffnet hat, noch bevor die eigenen Landsleute vom Festland kommen durften – ein Treuebeweis! Darzulegen, dass man diese Gesichtspunkte zumindest abgewogen hat, wäre schön gewesen. Stattdessen holen deutsche Politiker und selbsternannte Gesundheitsexperten Tag für Tag das alte Bild von wilden Partys am Ballermann heraus, jener Feiermeile, die doch seit Monaten brach liegt. Es ist erschreckend, dass sie blind glauben, was deutsche Boulevard-Zeitungen berichten.

Mallorca holt hier leider der eigene Ruf ein, was zu einem ziemlich unwürdigen Spektakel führt. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl wäre angebracht gewesen. Denn wer Ruhe sucht, auf die Hygiene achtet und Menschenansammlungen meidet, kann auf Mallorca auch jetzt noch einen schönen und sicheren Urlaub verbringen. Vielleicht wesentlich entspannter als an überfüllten Alpenseen oder dicht gedrängt am Nordseestrand.

Autor: Patrick Czelinski

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20

08 2020

Mallorca steht einmal mehr im Mittelpunkt

Ein bisschen fühlt sich der Zuschauer bei einem Termin der Königsfamilie auf Mallorca wie ein Protagonist in „Warten auf Godot“. Mit dem Unterschied, dass Felipe VI., Letizia, Leonor und Sofía tatsächlich auftauchen, wenn auch kurz. Posieren für die Kameras, Wortwechsel mit dem Volk und Politikern, abarbeiten des Programms. Dann sind sie schon wieder verschwunden.

Ohne Überraschungen liefen die ersten Tage des königlichen Sommeraufenthaltes auf der Insel ab. Zu seinem Vater äußerte sich Felipe VI. natürlich nicht. Dafür konnten die Boulevard-Medien berichten, wie liebevoll Prinzessin Leonor ihrer Schwester Infantin Sofía die Hand hielt, da diese sich am Knie verletzt hatte. Dennoch sollte die Wirkung eines solchen Besuchs nicht unterschätzt werden. Denn nicht nur die Inselmedien sondern auch Presse, Radio und Fernsehen vom spanischen Festland sowie aus Deutschland und Großbritannien begleiten die Sommerfrische der „Reyes“. Ob das mallorquinische Dorf Petra so schnell wieder einen Sendeplatz bei RTL bekommt wie am Montag, bleibt fraglich. Fest steht, dass die internationale Öffentlichkeit in diesen Tagen nach Mallorca blickt. Genau das gibt der Insel die Möglichkeit sich zu positionieren und zu präsentieren. Das Eiland zeigt: So sieht unsere „Neue Normalität“ aus. Mallorca mit Maske, aber dennoch schön. Der Vorsitzende des Freundeskreises des Museums Fra Juníper Serra in Petra ist zufrieden, dass die Kulturstätte in den Medien erwähnt wurde. Das kann keine Werbekampagne.

Wichtig für die Zusammenarbeit Palma-Madrid war natürlich die Reise des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez nach Mallorca. Nach seinem Treffen mit König Felipe kam er mit der balearischen Ministerpräsidentin Francina Armengol zu einem Gespräch zusammen. Sie bat Sánchez unter anderem um stärkere Kontrollen an Häfen und Flughäfen. Damit machte die Balearen-Politikerin deutlich: „Wir sind ein sicheres Reiseziel und wollen dies auch bleiben.“

Denn Mallorcas Wirtschaft hängt am seidenen Faden. Steigen die Corona-Zahlen, bricht der wichtigste Einkommenszweig, der Tourismus, weiter weg.

Autorin: Claudia Schittelkopp

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13

08 2020

Verdienste dürfen kein Freibrief sein

Skandale um Staatsoberhäupter sind nichts Neues: Man denke nur an den spektakulären Rücktritt des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff im Jahr 2012, die Eskapaden des thailändischen Party-Königs Maha Vajiralongkorn, die nicht enden wollende Liste afrikanischer oder lateinamerikanischer Präsidenten und Diktatoren, die sich wegen Korruption (oder noch schlimmerer Verbrechen) verantworten mussten (oder auch nicht) und die unzähligen medienwirksamen royalen Klatschgeschichten aus den europäischen Herrscherhäusern. In den meisten Fällen verbindet das Volk solche Skandale jedoch mit einer Person – und stellt nur selten das Amt an sich infrage. Das Gefährliche am „Fall Juan Carlos” ist, dass in Spanien längst eine lebhafte Debatte um Sinn und Zweck der Monarchie entbrannt ist, die jetzt noch einmal angeheizt wird.

Sicher, Juan Carlos I. hat sich um Spanien verdient gemacht, als er nach Francos Tod instinktiv die Transition vorantrieb und Spanien zu einem modernen und demokratischen Staat umbaute und sich auch 1981 einem Putschversuch vehement entgegenstellte und so dem Franquismus endgültig den Wind aus den Segeln nahm.

Aber selbst der ehrenvollste Verdienst darf kein Freibrief sein, später „krumme Dinger” zu drehen. Das musste auch schon der deutsche „Einheitskanzler” Helmut Kohl schmerzlich feststellen.

König Felipe VI. hat mit dem Verzicht auf das Erbe seines Vaters, mit dem Offenlegen der eigenen Einkünfte und nun auch mit dem endgültigen „Bruch” mit Juan Carlos gezeigt, dass er es mit der Transparenz im Königshaus ernst meint. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie geschwächt die Institution Monarchie als solche bereits ist. Viele werden nur darauf warten, dass die Königsfamilie weitere Fehler macht. Denn es gibt zahlreiche Strömungen im Land, von katalanischen Separatisten bis hin zu Regionalisten – auch auf Mallorca –, die Felipe VI. gerne als letzten spanischen Monarchen abdanken sehen würden. Erster „Stresstest” für die Royals wird der Sommerurlaub auf der Insel, der am Freitag beginnt. Wir sind sehr gespannt auf die Bilder.

Autor: Patrick Czelinski

07

08 2020

Den Sommer genießen – aber sicher!

Die Abwägung zwischen dem Schutz wirtschaftlicher Interessen einerseits und dem der Bevölkerung vor Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus andererseits wird auf Mallorca immer mehr zum schwierigen Spagat. Auf der einen Seite sieht man die steigenden Fallzahlen in Katalonien – eine Region, mit der die Balearen sprachlich, wirtschaftlich und allein schon wegen der zahlreichen täglichen Flugverbindungen eng verflochten sind. Da liegt der Gedanke nahe, dass in den kommenden Wochen möglicherweise zahlreiche Fälle von dort nach Mallorca „eingeschleppt” werden. Auf der anderen Seite sieht man aber auch, welchen dramatischen Schaden der Lockdown auf der Insel angerichtet hat. Hotels öffnen erst gar nicht, Geschäfte sind pleite, Tausende Arbeitnehmer in Kurzarbeit.

Es ist deshalb wichtig, bereits jetzt einen Plan für eine „zweite Welle” zu haben, wenngleich die WHO diesen Begriff vermeidet und lieber von einer andauernden „Pandemie mit Schwankungen” spricht. Die Wirtschaft auf der Insel braucht die Sicherheit, dass alle Maßnahmen getroffen werden, um einen zweiten Lockdown zu verhindern und die Bürger brauchen die Sicherheit, dass alles zum Schutz ihrer Gesundheit getan wird. Mit der hohen Testquote, der großen Zahl an Kontaktermittlern und den gut funktionierenden Gesundheitskontrollen am Airport sind die Inseln hier schon gut aufgestellt. Gleichzeitig sollten sich die EU-Länder auf diplomatischer Ebene um Lösungen für den länderübergreifenden Verkehr bemühen, ehe man wieder im Rahmen von Nacht-und-Nebel-Aktionen Grenzen schließt und unübersichtliche Quarantäne-Regeln schafft.

Zuletzt liegt es natürlich auch an uns selbst. Wir sollten uns fragen: Muss ich wirklich in die Disco gehen? Müssen wir uns in Großgruppen am Strand treffen? Kann man nicht auch zu zweit, zu dritt oder zu viert und unter Einhaltung der Corona-Schutzregeln einen schönen Sommerabend genießen? Die jüngst sich verbreitende Sorglosigkeit, insbesondere unter jungen Menschen, ist eine Gefahr, die unterbunden werden muss. Im Notfall durch die Staatsmacht.

Autor: Patrick Czelinski

31

07 2020

Mallorca ist besorgt um seinen guten Ruf

In einem Parlament wäre das eine bequeme absolute Mehrheit. Mehr als 60 Prozent der MM-Leser haben bei der Umfrage die Lokalschließungen in der Bier- und Schinkenstraße an der Playa de Palma (sowie in Magaluf) für gerechtfertigt befunden . Damit befürworteten sie das Vorgehen der Balearen-Regierung, die das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus verringern will – insbesondere bei alkoholisierten Menschenansammlungen ohne Maskenschutz und Mindestabstand.

So weit, so gut, könnte man meinen. Doch die von der Schließung betroffenen Wirte sehen sich ungerecht behandelt. Über ihre Verbände haben sie Verwaltungsklage gegen die Maßnahme eingereicht. Die Richter werden entscheiden. Bewerten sie die Schließung als überzogene Maßnahme, steht den Wirten Entschädigung zu.

Das Vorgehen der Regierung ist jedoch nachvollziehbar. Die Bilder von feierwütigen Menschen auf engstem Raum – wie in der guten alten Zeit vor Corona – sind nicht hinnehmbar. Hätten die Behörden nicht reagiert, wäre der Imageschaden für Mallorca gewaltig gewesen. Doch hätte die Polizei bereits im Vorfeld reagieren müssen? Dem ist schwerlich zu widersprechen. Allerdings: Aufnahmen von Einsatzkräften, wie sie angetrunkene Party-People gewaltsam auseinandertreiben, wären ebenfalls fatal für Mallorca und seinen Ruf gewesen.

Eines ist klar: In dieser heiklen Corona-Situation will die Regierung alles vermeiden, was den Eindruck von Chaos und Unsicherheit ins Ausland aussendet. Mallorca war im Juni mit dem Pilotprojekt an der Playa touristischer Vorreiter in Europa gewesen. Die Insel als Reisedestination will jedoch unter keinen Umständen auch den Vorreiter bei Covid-19 geben. Sicherheit geht vor – damit ein zivilisierter und risikofreier Urlaub möglich ist und möglich bleibt!

Gleichwohl sollten Regierung und Behörden konsequent agieren. Wo immer Zusammenballungen von Privatpartys im öffentlichen Raum bemerkt werden, ist so streng einzugreifen wie an der Playa. Es darf nicht sein, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Denn der Verlust der Glaubwürdigkeit ist für das Image mindestens ebenso schlecht.

Autor: Alexander Sepasgosarian

23

07 2020

Gesundheit ist das höchste Gut

Gerade erst ging es wieder ein Stück weit bergauf mit dem Tourismus auf Mallorca. Exzellent steht die Insel im Bezug auf das Infektionsgeschehen da. Am Mittwoch hieß er erneut: null Tote, null Neuinfektionen – Mallorca ist in Europa derzeit bestimmt eines der sichersten Reiseziele überhaupt. Das Pilotprojekt der Balearen-Regierung mit Urlaubern aus Deutschland galt als voller Erfolg, der Flughafen erwacht aus seinem Dornröschenschlaf und mit den Touristen kehrte auch in den Innenstädten, den Bars und den Lokalen ein großes Stück Normalität zurück.

Zwei Dinge aber haben dieses positive Bild der vergangenen Wochen nun getrübt. Zum einen massenhafte Stornierungen wegen der strengen Maskenpflicht, zum anderen die Alkoholexzesse deutscher und britischer Urlauber, die die Schließung zahlreicher Lokale an der Playa de Palma zur Folge hatten und in den ausländischen Medien hohe Wellen schlagen.

Für die Balearen-Regierung bedeutet die Entwicklung der vergangenen Tage, Wochen und Monate eine Gratwanderung. Zum einen muss sie die Gesundheit der Inselbewohner und der Urlauber so gut es geht schützen, zum anderen sollte sie auch die Interessen der Tourismusbranche, des wichtigsten Wirtschaftsmotors Mallorca, vertreten – es geht hier auch um viele Arbeitsplätze. Die Entscheidung, jetzt Lokale in ganzen Straßenzügen an der Playa de Palma zu schließen, wird man sich nicht leicht gemacht haben. Letztendlich musste man in der Staatskanzlei abwägen: Ist eine maue Sommersaison 2020 schlimmer oder ein eventueller neuer Lockdown verbunden mit einem dramatischen Image-Schaden, sollte Mallorca ein neues Ischgl werden?

Ministerpräsidentin Armengol und ihr Team haben sich hier klar positioniert und sich für einen Gesundheitsschutz um jeden Preis ausgesprochen. Das mag nicht jedem schmecken, mangelnde Standhaftigkeit muss sich der Govern in dieser Hinsicht aber nicht vorwerfen lassen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob dieses Vorgehen das richtige war.

Autor: Patrick Czelinski

16

07 2020