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Zähmt das Virus den Exzesstourismus?

Hat die Pandemie tatsächlich geschafft, was die Balearen-Regierung schon Jahre davor immer wollte, nämlich den Tourismus vor allem an der Playa de Palma zu zivilisieren? Schlendert man auf der Promenade entlang, hat man mitunter diesen Eindruck. Es ist trotz voller Balkons und Restaurants in der Regel ruhig, Grölgeräusche dringen nur vereinzelt in die Ohren. Es ist festzustellen, dass ein ungewöhnliches Grundrauschen Einzug gehalten hat (siehe auch Seite 19) .

Ein Rauschen, das natürlich nur deshalb so ist, wie es ist, weil die Nachtlokale auf der Insel weiter geschlossen und größere Trinkgelage unter freiem Himmel verboten sind. Die seltsame Kombination aus entspannter Corona-Lage (siehe auch Seite 7) und weiter geltenden Restriktionen machte diesen Zustand der gehobeneren Art erst möglich. Ob er von Dauer sein wird, wenn sämtliche Restriktionen irgendwann wegfallen sollten, ist die Frage aller Fragen.

Nach wie vor gibt es genügend Menschen, die nur nach Mallorca kommen wollen, um aus der Rolle zu fallen. Das bedeutet: Sobald entfesselte Zustände in einschlägig bekannten Etablissements wieder gestattet sind, dürfte wohl wieder die Post abgehen.

Oder doch nicht? Kann es überhaupt wieder einen Rückfall in alte Zeiten geben? Klar ist: Das Virus wird nicht weichen. Es wird wieder Ausbrüche geben, vielleicht auch neue Wellen. Und das immer und immer wieder. Ob dies der Tod des Nachtlebens ist, wie es früher Usus war? Nicht auszuschließen.

Ohnehin hat die traumatisierende Pandemie Gefühlswelten verändert, womöglich sogar bei trink- und feierfreudigen Zeitgenossen. Wer wird sich, selbst geimpft, wohl trauen, irgendwann – wenn sie denn jemals wieder eröffnet sind – in die brechend vollen Partytempel zu gehen, wo sich Viren in Sekundenschnelle verbreiten könnten? Selbst abgebrühteren Naturen dürfte diese Vorstellung das Fürchten lehren. Das Virus könnte also schaffen, was vor Corona nur ein Traum war: den Exzesstourismus zu zähmen. Wünschenswert wäre es.

Autor: Ingo Thor

23

09 2021

Wer 
die Wahl hat …

In Deutschland und letztlich in ganz Europa steht ein Umbruch an: Wenn Angela Merkel in wenigen Tagen ihren Posten im Bundeskanzleramt räumt, dann ist das so wie wenn der Kapitän die Kommandobrücke verlässt – und zwar für immer.

Man kann über Merkels Politik der vergangenen 16 Jahre durchaus geteilter Meinung sein, aber eines muss man anerkennen: An ihrer proeuropäischen Haltung gab es zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel (S. 14) . Aus Ostdeutschland stammend, hielt sie an der Idee ihres Ziehvaters Helmut Kohl von einem geeinten Europa fest. Das ist das Europa, das wir, die wir uns auf Mallorca niedergelassen haben oder zumindest hier unsere Urlaube verbringen, tatsächlich auch leben.

Bleibt zu hoffen, dass Merkels Nachfolger, oder Nachfolgerin, an dieser proeuropäischen Politik festhalten wird. Am 26. September haben die Bundesbürger die Qual der Wahl, und man darf sich sicherlich fragen, ob jene Parteien mit dem größten Führungsanspruch auch wirklich ihre jeweils besten Bewerber für das Bundeskanzleramt ins Rennen geschickt haben. Möge das Wahlvolk mehrheitlich eine ebenso vernünftige wie verantwortungsbewusste Entscheidung herbeiführen.

Auch in Spanien und auf Mallorca kann man sich als Wählender mit der Politik und ihren Vertretern schwer tun. Wenn in Palma der Autoverkehr reduziert werden soll, mag das durchaus sinnvoll und berechtigt sein. Aber dann erscheint es nicht unbedingt stimmig, wenn das Rathaus die Café-Terrassen, die vor den Lokalen auf der Fläche der Autostellplätze entstanden sind, zum Monatsende wieder beseitigen möchte (S. 6). Ob man will oder nicht – diese gastronomischen Zusatzflächen aus Pandemiezeit haben mehr Flair in die Stadt gebracht als es die parkenden Autos tun.

Immerhin hat sich die Corona-Lage weiterhin entspannt, und die vielen Verschwörungstheorienverbreiter verschwinden zunehmend in der Bedeutungslosigkeit. Meist ist es ohnehin besser, statt zu nörgeln, aktiv mitzuhelfen. Etwa wie der Lions Club Palma (S. 9) oder die Macher von Herztat (S. 22). In diesem Sinne – eine schöne Woche!

Autor: Alexander Sepasgosarian

17

09 2021

Kleine Fortschritte in vielen Bereichen

Poc a poc, sagt der Mallorquiner, wenn er zur Geduld mahnt, oder aber die Zuversicht empfindet, dass die Verhältnisse in seinem Leben sich sachte, ganz sachte, zum Besseren wenden. Auf Französisch würde man „Peu à peu” sagen, auf Deutsch „Stück für Stück” oder vielleicht auch „Gut Ding will Weile haben”.

Bezogen auf Mallorca lässt sich vor diesem Hintergrund sagen, dass sich auf der Insel einiges tut, sich die Dinge positiv entwickeln, es irgendwie vorangeht. Nicht schnell, aber eben doch „Poc a poc” in vielen unterschiedlichen Bereichen. Die vorliegende Ausgabe ist voller konkreter Beispiele: Das Kunsthandwerk der Glasbläserei Gordiola wurde zum Kulturgut erklärt, aber was noch wichtiger ist, der mehr als 300 Jahre alte Betrieb richtet sich ökologisch aus, um Abfälle (in diesem Fall Altglas) zu recyclen und seine Emissionen zu senken (S. 26) .

Selbiges streben die Vorreiter in der Kreuzfahrtbranche an: Auf der „Mein Schiff 2” geht es den Betreibern darum, mit modernster Technik ebenfalls Abgase zu verringern und zu filtern. Auch das Abwasser will man an Bord auf nahezu Trinkwasser-Niveau klären. Das sind Fortschritte, wie sie vor ein paar Jahren noch undenkbar schienen (S. 32).

In Sachen Tourismus deuten sich ebenfalls Veränderungen an. Man dürfe nicht auf immer neue Besucherrekorde setzen, sondern müsse vielmehr die Qualität der Destination anheben, forderte jüngst Calviàs Alkalde (S. 8) . Das „Wie” dazu deutet sich in dem Bestreben an, innovative Arbeitsplätze durch neue Technologien zu schaffen (S. 14) . Gerade hier zeigt sich aber auch, dass Veränderungen Zeit benötigen und nicht über Nacht zu stemmen sind. Poc a poc also, aber bitte mit etwas mehr Forcierung, wenn es geht.

Dass sich auch die Corona-Lage auf der Insel verbessert hat und dass die Inzidenzwerte mittlerweile unter jenen in Deutschland liegen, ist ebenfalls ein Hinweis darauf, dass die vielen Bemühungen Früchte tragen. Jetzt zeichnen sich selbst Lockerungen für die Dorffeste ab (S. 6). Das Leben auf der Insel kehrt, in kleinen Schritten, zur Normalität zurück. Bestens! Geht doch!

Autor: Alexander Sepasgosarian

13

09 2021

Mit Ach und Krach zum achtbaren Saisonergebnis

Es ist wie ein Lauf auf Eiern, der letztendlich mit viel Ach und Krach ein recht gutes Ende nimmt. Ungeachtet der erneuten, noch immer mächtig in Bewegung befindlichen Corona-Welle läuft die wichtigste Branche der Insel, der Tourismus, unerwartet erfreulich. Der zuständige Minister Iago Negueruela sprach von einer untypischen, aber guten Hochsaison (s. auch S. 14). Und es ist möglich, dass sie noch bis weit in den bekanntermaßen betörenden Inselherbst hineinreicht. Mallorca scheint den Sommerlauf durch die noch immer heiße Corona-Hölle achtbar zu überstehen, und das ist viel mehr als ursprünglich gedacht. Fast die Hälfte der Urlauberübernachtungen im Juli fanden spanienweit hier und auf den Nachbarinseln statt.

Doch damit ist die Kuh noch lange nicht vom Eis. Denn weiterhin werden jeden Tag fast 200 Neuansteckungen registriert, und das, obwohl die sogenannte Herdenimminuität mit über 70 Prozent vollständig Geimpften schon längst erreicht wurde. Die deutsche Bundesregierung ziert sich zudem, den Archipel von der Hochrisikoliste zu nehmen, was bei Hoteliers dem Vernehmen nach zu verstärktem Ärger über die Regionalregierung geführt haben soll.

Doch heute ist heute, der ansteckungsträchtige gefürchtete Winter noch einige Monate entfernt. Die derzeitige Menge der Urlauber ist erfreulich, schon fern liegt der Horrorsommer des vergangenen Jahres, als man sogar auf dem Es-Trenc-Strand im August nur wenige Besucher ausmachen konnte. Die Regionalregierung hat mit ihrer langsamen Lockerngsstrategie also richtig gelegen.

Jetzt geht es darum, die Ansteckungszahlen weiter zu minimieren, und das bei immer mehr Impfungen. Verweigerer zu benachteiligen, scheint offenkundig der gangbare Weg zu werden. Nur wer sich schützen lässt, sollte Konzerte, sonstige Spektakel und auch Restaurants besuchen dürfen. Wie das woanders auf der Welt schon usus ist. Jetzt muss nur noch bald die dritte Auffrischungsimpfung für die Senioren kommen, Dosen gibt es ja genug.

Autor: Ingo Thor

27

08 2021

Nur geimpft oder getestet ins Restaurant? Ja, bitte!

Spanien impft wie am Fließband. 60 Prozent der Bevölkerung haben sich bis Dienstag gegen das Coronavirus immunisieren lassen. 70 Prozent haben den ersten Stich erhalten. Wohl in drei Wochen ist die Herdenimmunität erreicht. Das Land rangiert in Bezug auf die Impfquote der 50 bevölkerungsreichsten Länder der Welt auf Platz zwei. Die Balearen liegen über dem Spanien-Schnitt: 66 Prozent erhielten die „Pauta completa”, 76 den ersten Stich.

Die Gründe für die Bereitschaft sind vielfältig: eine mit Impfungen besiegte Polio-Epidemie in den 1970er-Jahren, wenige organisierte Impfgegner und das Trauma des vergangenes Jahres, als in den ersten Wochen der Pandemie 30.000 Menschen starben. Insgesamt liegt Spanien bei den mit und an Corona Verstorbenen über dem europäischen Durchschnitt: 82.000 sind es landesweit.

Experten gehen davon aus, dass 70 Prozent Impfquote nicht reichen werden, um Masken überall fallen zu lassen und wieder dicht an dicht im Stadion zu stehen. 90 Prozent sollen immunisiert sein, was schwierig zu erreichen ist. Deshalb setzt die Balearen-Regierung auf Anreize für Geimpfte von Samstag an. Wer auf ein Konzert oder ins Stadion – Real Mallorca hat Saisonauftakt –will, braucht Impfung oder Test. Von September an sollen nur noch Immunisierte an Fußball- oder sonstigen Spielen aktiv teilnehmen und in Fitnessstudios Gewichte heben dürfen. Diese mögliche Regel müsste wohl Klagen stand halten.

Ein Kompromiss könnte sein, dass Geteste Geimpften gleichgestellt werden. Und die Neuerung sollte auf Restaurants, Bars, Cafés, Überlandbusse ausgeweitet werden. Wenn die Herdenimmunität von 90 Prozent noch nicht erreicht ist, wird es bei einer Übergangsnormalität bleiben. Testen ohne Ende ist in Deutschland seit dem Frühjahr erfolgreich: Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 25, Spanien weist 215 auf.

Für einen Antigen-Test müssen Balearen-Bewohner zwischen sechs und zehn Euro aufbringen. Für ein paar mehr Euro gibt es einen Nachweis. Der Griff in den Geldbeutel könnte Skeptiker dazu bewegen, sich doch impfen zu lassen.

Autor: Philipp Schulte

12

08 2021

Die seltsame Leichtigkeit des Seins auf der Insel

Es ist schon eigenartig: Die Menschen liegen lächelnd an Stränden, die Restaurants und Fußgängerzonen sind voll, doch in den Inselkrankenhäusern befinden sich wieder über 400 Corona-Patienten. Und auch die Intensivstationen sind erneut so voll, dass die Ampel des balearischen Wirtschaftszirkels am Mittwoch erstmals während dieser Welle Rot zeigte. Und damit nicht genug: Seit einigen Tagen werden wieder vermehrt Corona-Tote vermeldet. Dennoch: Die Kurve flacht ab.Und das dürfte die merkwürdige derzeitige Leichtigkeit des Seins auf Mallorca noch intensivieren.

Noch vor wenigen Monaten hätten sich viele Menschen angesichts von Ansteckungszahlen, die in die Hunderte pro Tag gehen, mit angstgeweiteten Augen in ihren Wohnungen verkrochen. Sie wären wie gehetzte Hasen durch die Gassen gehuscht, um Lebensmittel einzukaufen.

Doch die Zeiten haben sich geändert, und das dank der Impfkampagne. Immer mehr Menschen fühlen sich, weil sie vollständig vor der Krankheit geschützt sind, sicher. Zwar kann man sich offenbar trotzdem anstecken, aber der Verlauf der Infektion ist in der Regel nicht so schlimm. Die, die jetzt eingeliefert werden, sind halt zumeist jüngere Ungeimpfte und obendrein leichtsinnige Leute. Die Impfkampagne hat die Menschen psychologisch dergestalt verändert, dass sie sich fast wie in Vor-Corona-Zeiten fühlen, obwohl das Virus und seine verstörenden Mutationen weiter wüten.

Man begreift immer klarer, dass man halt mit der Seuche leben muss, und das lange Zeit. Anders als noch vor einem Jahr glaubt kaum jemand mehr, dass es sich bei der Pandemie um einen vorübergehenden Alptraum handelt, der irgendwann im Nirgendwo verschwindet. Also erlaubt man sich, wieder ausgelassen zu sein. Es lebe der Sommer, vor einem Jahr war er noch mausetot. Was soll depressive Trübsal, das Leben geht weiter, und sterben muss man sowieso beizeiten. Und wenn der Impfschutz schwächer wird, lässt man sich halt – wie offenbar für den Herbst und Winter EU-weit geplant – eine dritte Dosis verpassen.

Autor: Ingo Thor

05

08 2021

Die Geimpften als Schlüssel zur Erholung

Das Virus tobt und tobt und tobt auf Mallorca, doch die Rahmenbedingungen haben sich mit der Zeit geändert. Zum Glück. Denn jetzt, da schon um die 60 Prozent der Bürger doppelt geimpft wurden, rückt der Schutz und die Förderung der Binnenwirtschaft mehr und mehr ins Blickfeld der Regierenden. Dabei steht der Impfpass im Mittelpunkt. Man will vor allem den vielen unangepassten jungen Leuten klarmachen, dass dieses Dokument unerlässlich sein wird, wenn man auf ein Konzert gehen oder in der Bar abhängen will. Das heißt: Entweder man lässt sich impfen, und das möglichst schleunigst, oder man gehört nicht dazu, ist also „out” und dazu verurteilt, sich irgendwo von der Polizei durch schmuddelige Straßen oder Gewerbegebiete hetzen zu lassen.

Restriktionen will man vorerst keine weiteren verhängen, es sei denn, die Corona-Situation nimmt wieder Züge wie im Frühjahr oder davor an, als die Intensivstationen wie überall sonst in Spanien zu kollabieren drohten. Man ist also dazu übergegangen, die neue Welle wirtschaftsfreundlicher, also pragmatischer und unautoritärer zu managen.

Diese Vorgehensweise sorgt auch dafür, dass die Urlauber Mallorca weiter schätzen, zumal die berüchtigten Lokale an der Playa de Palma – was viele überrascht – im Augenblick offenbleiben dürfen. Die Regierenden sagen, dass der aktuelle Kurs nur möglich sei, weil man im Frühjahr so streng wesen war und teilweise – das Nachtleben ist weiter mausetot – nach wie vor ist.

Wichtig ist halt, was hinten rauskommt, wie Helmut Kohl einst sagte. Und das ist dem „Govern” zufolge eine bis November dauernde Saison mit weiterhin vielen aus dem Off geholten Arbeitskräften in Hotels, Restaurants und sonst wo im Tourismusbereich. Ob das klappt, wird man sehen, die Erfahrung hat während der Pandemie gezeigt, dass Überraschungen der hässlichen Art immer möglich sind. Doch immerhin: Die Saison ist schon einige Wochen alt und läuft. Und das ist der Fall, weil die wichtigsten Regierungen die Geimpften gezielt bevorzugen.

Autor: Ingo Thor

29

07 2021

Wider die Generation der Verantwortungslosen

Es war einfach unhaltbar: Wochenende für Wochenende trafen sich nachts auf Mallorca irgendwo an Stränden oder sonstwo immer wieder zahllose junge Leute, um einem seltsamen, in Spanien seit vielen Jahren üblichen, in anderen europäischen Regionen jedoch eher unbekannten Hobby zu frönen, dem „Botellón”, also Trinkgelage unter freiem Himmel: Man hockt zusammen, redet, hört Musik und besäuft sich im Akkord. Und in Zeiten wie den aktuellen steckt man sich auch noch gegenseitig mit Corona an. Die Inzidenzwerte stiegen und stiegen.

Dass die Regionalregierung handeln musste, ist logisch: Nachts dürfen sich Personen aus unterschiedlichen Haushalten ab Samstag zwischen 1 und 6 Uhr nicht mehr treffen, basta! Und wer es dennoch tut, wird gehörig zur Kasse gebeten. Mit dem neuen Restriktionspaket schossen die Politiker nicht über das Ziel hinaus, es gelang ihnen, sich ausschließlich auf die feierfreudigen, dazu noch impffaulen, also erschreckend verantwortungslosen jungen Leute zu konzentrieren. Die sich weitgehend regelkonform benehmenden anderen Teile der Bevölkerung werden nicht tangiert, was bei einer zeitweise im Raum stehenden erneuten Verschärfung der Maskenpflicht zweifelsohne passiert wäre. Der Gegner wurde glasklar identifiziert und wird jetzt chirurgisch präzise angegangen, auch mit Spezialpolizisten vom Festland.

Die Pandemie hat auf den Inseln, und wohl nicht nur hier, einen veritablen Generationenkonflikt ausgelöst: Während die älteren Bürger in der Regel den Ernst der Lage erkennen, ist das bei vielen jüngeren nicht der Fall. Im Gegenteil: Sie bilden große Gruppen, hören Reggaeton, reden laut und rotzig und denken nicht über ihr Tun nach. Zu verdenken ist es ihnen kaum: Auf eine Zukunft mit geregelter Arbeit können nur wenige hoffen. Diese Leute verabschieden sich Zug um Zug aus der Gesellschaft. Eine Zukunftsaufgabe der Regierenden von welcher Partei auch immer wird es sein, die nicht wenigen jungen Outsider wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Dass dies schwierig werden dürfte, ist abzusehen.

Autor: Ingo Thor

22

07 2021

Eine ganz und gar veränderte Corona-Situation

Es ist eine Lage, an die man sich erst gewöhnen muss: Die Insel füllt sich immer mehr mit ausländischen Urlaubern, obwohl sich die Menschen so häufig wie selten mit Corona anstecken. Bei zuletzt 680 neuen Infizierten pro Tag hätte es während der vergangenen Wellen harte Restriktionsmaßnahmen nur so gehagelt. Doch jetzt bleiben die Restaurants und Bars geöffnet, sogar die Innenräume. Und die Menschen bewegen sich maskenfrei durch die Straßen, als wäre das Leben so sorgenfrei wie vor der Pandemie.

Doch am Ende guckt man halt auf die Krankenhäuser. Füllen die sich nicht rasant, gibt es ja keinen Grund zur Panik. Da hat die balearische Regierungschefin Francina Armengol völlig recht. Die Impfkampagne schlägt also inzwischen durch, die älteren Bürger sind vor der Krankheit geschützt.

Das bedeutet jedoch nicht, sich zurücklehnen zu können: In der besonders schwer von der neuen Welle betroffenen Nachbarregion Katalonien sieht die Krankenhauslage angespannter aus, und das, obwohl auch dort die anfälligeren Älteren durchgeimpft wurden. Es ist also zu hoffen, dass auf den Inseln diese merkwürdige Lage so bleibt und die Zahl der Infizierten bald wieder sinkt.

Es zählt halt im Tourismus, der wichtigsten Branche Mallorcas, jeder Tag. Und momentan läuft es: Immer mehr Hotels machen auf, immer mehr Flieger kommen. Das ist gut für die Menschen, denn die brauchen Arbeit und Brot. Doch alles kann sich schnell wieder ändern, wenn un- oder halbgeimpfte Urlauber bei ihrer Rückkehr in Quarantäne müssen, weil Mallorca als Hochinzidenzgebiet gesehen wird. Oder würde alles auch dann nicht so schlimm, weil so viele schon vor der Krankheit geschützt sind?

Es ist eine kritische Phase, die Mallorca derzeit durchlebt. Die Regionalregierung handelt taktisch richtig, einstweilen auf allzu scharfe neue Restriktionen zu verzichten. Es ist zu hoffen, dass Deutschland ebenso klug agiert und bei der Bewertung Mallorcas nicht nur die Inzidenz beäugt. Die Urlauber werden es den im September zur Wahl stehenden Politikern danken.

Autor: Ingo Thor

15

07 2021

Es war ein Fehler, die Jugend so spät zu impfen

Die Wogen der Empörung sind den vergangenen Tagen hochgegangen. Zu Recht. Die Flut an Corona-Nachrichten, die von Mallorca nach ganz Europa schwappte, hat für reichlich Verunsicherung gesorgt. Das enthemmte Treiben von Abschlussschülern vom spanische Festland, die hier ihr Abitur mit einer Reise feierten, ist eine Ohrfeige für all diejenigen gewesen, die sich die seit Herbst engagierten, um das Inzidenzgeschehen bis zum Start der Tourismussaison Saison auf fast Null zu senken.

Man kann natürlich auch den Behörden die Schuld geben, die womöglich noch intensiver hätten kontrollieren sollen. Aber schon jetzt gab es nicht wenige Zeitgenossen, denen bereits die bisherigen Kontrollen als „Freiheitsberaubung” zu weit gingen.

Das Problem liegt sicherlich tiefer. Es war korrekt, dass im Kampf gegen die Pandemie als Erstes die Senioren und Risikogruppen geimpft wurden. Im Anschluss an diese wäre es dann besser gewesen, vor allem die jungen Leute von 16 bis 30 zu impfen. All jene Teenager und Twens, die ständig auf Achse sein und etwas erleben müssen. Eben jene, die sich aus juveniler Unvernunft an so gut wie keine Regel zu halten wissen. Die 30- bis 50-Jährigen hätten es hingegen eher verwunden, wenn sie nicht jedes Wochenende zur Megaparty strömen könnten.

Immerhin haben die Balearen als erste Region in ganz Spanien die Impfung der feierwütigen Youngster vorgezogen. Auch sonst hat der Umgang mit den Corona-Restriktionen auf den Inseln einen guten Eindruck hinterlassen. Man war strenger als anderswo, weil man die Bedeutung des Tourismus als Lebensgrundlage der Insel besonders gut kennt. Dass Briten nur mit einem Test einreisen dürfen, ist ebenfalls so eine Maßnahme.

Auch wenn die Zahlen wegen der jüngsten Fälle hochschossen – die Lage ist bei weitem nicht mit der im Sommer 2020 zu vergleichen, als noch niemand geimpft war. Die Kliniken sind ihrerseits nicht überlastet. Vorsicht ist weiterhin geboten, Panik jedoch nicht angebracht. Die Zahl der vollständig Geimpften steigt täglich. Diese werden ihre neue Freiheit in vollen Zügen genießen.

Autor: Alexander Sepasgosarian

08

07 2021