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Zwischen Vergnügen und Verantwortung

Morgens in der Bar beim ersten Kaffee die Tageszeitung lesen, mittags mit Kollegen ein Glas Rotwein trinken und eine „Tapa” essen: Das gehört zur spanische Mentalität. Rund sechs Wochen mussten die Inselbewohner darauf verzichten. Aufgrund der hohen Corona-Infektionszahlen waren Gastronomiebetriebe vom 13. Januar bis zum 2. März geschlossen. Nun sind wenigstens die Terrassen wieder geöffnet. Vielen Gastronomen stoßen jedoch die weiterhin geltenden Beschränkungen sauer auf: So dürfen sie ihre Lokale nur bis 17 Uhr öffnen. Viel zu kurz, kritisieren die Wirte. Der wichtige Abendservice bleibe auf der Strecke, tagsüber seien Berufstätige noch auf der Arbeit und können die Lokale kaum aufsuchen. Außerdem müssen die Innenbereiche der Restaurants noch mindestens bis zum 15. März geschlossen bleiben. Das ist ein Problem für alle Betriebe, die keine Außenterrassen besitzen.

Nach Angaben des balearischen Verbandes für kleine und mittelständische Unternehmen Pimem lohne sich das Geschäft derzeit lediglich für kleinere Bars und Cafés, die nicht mehr als drei Mitarbeiter haben. Alle größeren Gastronomiebetriebe gehen leer aus. Viele Arbeitnehmer befinden sich zudem in der Kurzarbeitsregelung ERTE. Daher bleibt die Sorge berechtigt: Kann ich meine Mitarbeiter nun wieder einstellen, oder muss ich damit rechnen, sie in einem Monat wieder in ERTE stecken zu müssen?

Doch welche Alternative hat die Balearen-Regierung? Zu groß ist die Furcht vor einer vierten Corona-Welle und der erneuten Schließung der Gastronomiebetriebe. Ostern gilt als gefährdet, deshalb setzt die Regierung auf die Sommersaison. Ihre Vorgehensweise scheint daher vernünftig: Schritt für Schritt mit Vorsicht zur Normalität. Man will die Kontrolle nicht wieder verlieren, und schließlich stehen Menschenleben auf dem Spiel. Am Ende des Tages liegt die Verantwortung aber auch bei jedem Einzelnen von uns. Die Pandemie ist noch nicht überstanden. Wir sollten weiterhin achtsam sein.

Autorin: Carina Gross

04

03 2021

Die Hochsaison könnte noch gerettet werden

Wenn jetzt keine Fehler gemacht werden, könnte alles zumindest halbwegs gut werden. Den Regionalpolitikern scheint bewusst zu sein, wie viel jetzt von ihren Corona-Entscheidungen abhängt. Wohl deswegen sind sie, was Lockerungen anbelangt, so zögerlich. Nur bis 16 Uhr sollen Restaurantterrassen wohl ab dem 2. März geöffnet bleiben, und das bei einer deutlich entspannteren Ansteckungslage. Die Politiker wissen, dass viele Spanier zu vorgerückter Stunde ihr Bier trinken. Die Pappenheimer, die kennt man halt. Die Gastbetriebe bis in den Abend hinein zu öffnen birgt die akute Gefahr, eine neue Corona-Welle geradezu zu provozieren. Noch ist es erst ein paar Wochen her, als völlig entfesselt agierende Insulaner im weihnachtlichen Konsum-, Feier-, Ess- und Trinkrausch das Ansteckungsgeschehen dermaßen in die Höhe trieben, dass Mallorca gar als geschmähtes europäisches Seucheneiland galt.

Das ist zum Glück vorbei und soll es auch bleiben. Es ist gut, dass deutsche Medien gerade jetzt auf die positive Entwicklung hinweisen, denn das wichtigste Gut dieser Insel ist nunmal der Tourismus. Nur bei einer anhaltend niedrigen Inzidenz können Urlauber empfangen werden. Um die Saison zu sichern, muss halt die Restaurant- und Barbranche unter Kontrolle gehalten werden, selbst wenn vielen Wirten das Aus drohen sollte. Die Armut nimmt zwar leider rasant zu, aber bei einer allgemeinen Erholung zum Sommer hin werden sich viele daraus wieder herausarbeiten können. Dass die ach so geliebte Semana Santa angesichts dessen daran glauben muss, ist fast eine Selbstverständlichkeit.

Um die Hochsaison zu retten, muss aber auch die Impfkampagne forciert werden. Die Politiker scheinen das begriffen zu haben. Man ist dabei, Massenimpfungen mit Nachdruck vorzubereiten. Gut möglich, dass eine Beschleunigung hinhaut, denn viele Dosen werden die Insel im März erreichen. Jetzt muss sich nur noch auch die EU ein bisschen anstrengen und den Impfpass einführen.

Autor: Ingo Thor

25

02 2021

Was tun, wenn eines Tages wieder Massen nach Mallorca drängen?

Lust und Frust vermischen sich in diesen Wochen bei den einheimischen Radsportlern. Sie genießen einerseits die Insel, denn ihresgleichen machen ihnen ebenso wenig die Straßen streitig wie die Autofahrer (S. 32) . Es gibt kaum Urlauber, Leihwagen bleiben dauergeparkt. Andererseits ist praktisch jeder auf Mallorca vom Tourismus abhängig. Und auch den Radlern ist bewusst, dass wir alle uns in einer Lage befinden, die sich ändern muss.

Wann wieder ein gewisser touristischer Alltag einkehren wird, das vermag niemand zu sagen. Auch zu prophezeien, wie das Business dann aussehen wird, ist schwierig. In der Pandemie scheinen sich alle einig zu sein, dass es kein Zurück zum bisherigen Tourismusmodell geben sollte. Die Rede ist von mehr Nachhaltigkeit, mehr Qualität, weniger Masse. Doch ist es der richtige Zeitpunkt, die Pläne umzusetzen, wenn der Tourismus wieder Fahrt aufnimmt – und die Wirtschaft am Boden liegt?

Viele in der Radtourismus-Branche träumen davon, dass sofort die Massen anrollen, wenn das Reisen wieder möglich ist. Denn man braucht das Geld, um die Verluste ein wenig abzumildern. Es ist immer wieder zu hören, dass die Mallorca-Freunde in Deutschland nach der Insel lechzen und vor Sehnsucht vergehen. Würden diejenigen alle direkt in den Flieger steigen und herkommen, könnten Tourismuskritiker schnell wieder auf den Plan treten, wegen der Menge. Aber diese oft ungeliebten Massen könnten es sein, die den Laden wieder zum Laufen bringen. Sie würden Hotelangestellte aus der Kurzarbeit holen oder Gastronomen vor der Pleite retten. Und das betrifft alle Tourismusbereiche gleichermaßen. Ob es zum Beispiel Sinn macht, die Zahl der Kreuzfahrtschiffe zu begrenzen, sobald diese wieder kommen dürfen, sei dahingestellt.

Es lässt sich vieles planen. Aber was wirklich in den kommenden Monaten und vielleicht Jahren geschieht, wird sich erst zeigen. Durchaus möglich, dass die eine oder andere Kröte geschluckt werden muss, um erst einmal überhaupt wirtschaftlich zu überleben. Und um dann von einer gesunden Basis aus auf ein neues Tourismusmodell zumarschieren zu können.

Autor: Nils Müller

19

02 2021

An den Inselpolitikern hängt jetzt alles

Politiker möchten in diesen Tagen der Corona-Pandemie wohl nur diejenigen sein, die zum Masochismus neigen. Denn von ihren Entscheidungen hängt in diesen diffizilen Zeiten ab, wie stark die Wirtschaft geschädigt wird. Sie müssen nämlich hinbekommen, dass auf der einen Seite das Gesundheitssystem vor dem Kollaps bewahrt wird, aber auf der anderen Seite nicht zu viele Menschen in die Armut abrutschen und deshalb der ohnehin schon angeschlagene soziale Frieden noch weiter gefährdet wird.

Momentan ist es den Politikern mit einem in Deutschland schwer vorstellbaren autoritären Schachzug gelungen, aufkommenden Protest im Keim zu ersticken: Sie erlegten den Unzufriedenen, die bereits dreimal in Palma auf die Straßen gingen, reihenweise extrem hohe Bußgelder auf. Jetzt müssten eigentlich Lockerungen kommen, um die Gemüter zu beruhigen. Die Kurve fällt ab, der Zeitpunkt wäre gut. Doch die Restriktionen werden mindestens bis Ende Februar aufrechterhalten und Tausende weiter um ihre Einnahmen bringen. Denn Experten warnen eindringlich vor zu viel Schnelligkeit. Sie argumentieren, dass angesichts der allseits bekannten Bar-Geselligkeit der Spanier ein Wiederaufflackern der Pandemie fast eine logische Folge wäre, wenn man die Gastbetriebe von jetzt auf gleich wieder öffnen würde.

Funktioniert haben die Mitte Januar beschlossenen Restriktionen auf jeden Fall. Doch ist es gut für Mallorca, wenn man zu sehr auf die Zahlen starrt? Den Menschen geht es rasant schlechter, die Schlangen vor den Essensausgabestellen werden länger.

Doch der Tourismus ist wichtiger als das Gastrobusiness. An ihm hängen noch viel mehr Arbeitsplätze. Gelingt es nicht, die Inzidenz auf Mallorca bei einer parallel beschleunigten Impfkampagne in den kommenden Wochen noch weiter nach unten zu drücken, ist die Hochsaison akut gefährdet. In der Abwägung haben die Regionalpolitiker um Ministerpräsidentin Francina Armengol in dieser Hinsicht möglicherweise Recht.

Autor: Ingo Thor

11

02 2021

Der Alptraum, der die Menschen zusammenbringt

Es gibt ein deutsches Sprichwort, das in die jetzige Zeit perfekt passt: Not vereinigt Herzen. Die leidige Corona-Pandemie hat bewirkt, dass etwas vor einigen Jahren noch Undenkbares auf Mallorca passiert: Immer mehr einst durchaus gut situierte Menschen haben kein Geld mehr, um sich Lebensmittel zu kaufen. Viele verschulden sich. Diese bedenkliche Entwicklung liegt auch daran, dass von Politikern versprochene Hilfen einfach nicht ausgezahlt werden.

Nur gut, dass private Hilfe für Bedürftige funktioniert. In einem Gebiet wie der Europäischen Union, wo es eine Überproduktion von Nahrungsmitteln gibt, kann es nicht angehen, dass Menschen hungern müssen. Deswegen ist es gut, dass angesichts des staatlichen Versagens privat etwas auf die Beine gestellt wird. So wie in der vergangenen Woche in Cala Rajada, wo ein Spediteur aus dem Münsterland 36 Paletten Winterkleidung und Lebensmitteln nach einer tagelangen Fahrt abgeladen hat ( siehe Seite 18 ). Durch die Not rücken nun Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen, die vor wenigen Jahren noch mehr übereinander als miteinander geredet hatten. Jetzt nähert sich auf der internationalen Insel Mallorca an, was eigentlich schon immer hätte enger zusammengehören müssen.

Bleibt zu hoffen, dass dies nach dem irgendwann kommenden Ende des Corona-Alptraums auch so bleibt. Möglich ist das durchaus. Spanier wie Deutsche, Briten wie Schweden mussten monatelang das gleiche traumatische Leid erfahren: Restriktionen, Maskenpflicht, eine Ausgangssperre, verstärkt kontrollierende Polizisten.

Es ist nicht nur Not, die die Menschen zusammenbringt. Es ist auch die wachsende Sehnsucht, endlich wieder so zu leben, wie sie es jahrzehntelang gewohnt waren. Frei, ohne Restriktionen und ohne die immer wieder durch die Medien geisternden bedrückenden Äußerungen von Politikern, zu denen auch Panikmacher gehören. Wenigstens eine positive Sache hat der Alptraum gebracht: Gegensätze werden abgemildert, Herzen vereinigt.

Autor: Ingo Thor

04

02 2021

Warum geschlossene Bars und Cafés Spanier so verunsichern

Die Bilder aus den Niederlanden schockieren. Proteste gegen die Corona-Restriktionen arteten in wüsten Straßenschlachten aus. Am Ende fackelte ein enthemmter Mob sogar ein Testzentrum ab. Wem sollen solch vandalische Akte etwas nutzen?Während sich ganz Europa über die verzögerte Auslieferung der Impfstoffe ärgert, bleibt zu hoffen, dass Ausschreitungen wie in Holland den übrigen Regionen erspart bleiben. Der Vorfall zeigt indes, wie blank die Nerven liegen. Die Verunsicherung der Menschen durch die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen nimmt zu, je länger der medizinische Ausnahmezustand anhält. Hinzu kommen die beunruhigenden Nachrichten über Virusmutationen, die einhergehen mit dem lahmen Start der Impfungen. Die Politiker, die die Krise zu managen haben, verlieren unterdessen an Ansehen und Glaubwürdigkeit. Ihnen fällt angesichts der komplizierten Lage die undankbare Aufgabe zu, als Buhmänner (und -frauen) herhalten zu müssen.

Auf Mallorca haben sich die Menschen in ihrer großen Mehrheit lange in Geduld geübt, Lockdowns durchgestanden, die Vielzahl der sich rasch ändernden Corona-Regeln treu befolgt. Erst mit der Schließung der Gastronomie setzte ein Wandel ein: Die Wirte gingen auf der Straße demonstrieren. Und in der Bevölkerung wächst der Frust.

Man muss wissen: Bars und Cafés sind hierzulande ein integraler Bestandteil des spanischen Lebensgefühls. Die Gastro-Räume gleichen öffentlichen Wohnzimmern, in dem man zu sozialen Kontakten zusammenkommt, gemeinsam Getränke und Gerichte konsumiert, Fußball guckt, Lebensfreude empfindet. All das ist jetzt nicht möglich, und niemand weiß, wie lange das Verbot weiter gilt. Doch wenn die Menschen in Bars und Cafés sich nicht mehr über ihre Sorgen, Nöte oder Hoffnungen austauschen können, dann wird es für sie psychisch immer auswegloser, die Härtezeit der Pandemie durchzustehen. Das ist ein Dilemma. Die Regierung wäre gut beraten, baldigst einen akzeptablen Mittelweg zwischen Lockdown und Öffnung für die Gastronomie zu finden, um Gesundheit – sowie ein normales Alltagsleben – zu ermöglichen.

Autor: Alexander Sepasgosarian

28

01 2021

Andere Medizin statt eine höhere Dosis

An diesen Worten ist etwas Wahres dran: „Wenn die Medizin nicht wirkt, erhöhe die Dosis.” Dieser Ratschlag mag bei manchen Therapien zum Erfolg führen. Er kann aber auch fatale Folgen haben. Dann nämlich, wenn die Wirkungslosigkeit nicht an der Dosierung liegt, sondern daran, dass es schlicht die falsche Medizin ist. Dann führt die Erhöhung der Dosis zu mehr und möglicherweise gefährlicheren Nebenwirkungen, ohne dass sich die erhoffte Linderung einstellt.”

Das schrieb die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht in einem Kommentar für den „Focus”. Sie leitet damit ihre Kritik an dem Umgang mit der Corona-Pandemie in Deutschland ein. Doch Wagenknechts Wort könnten auch den Zustand auf Mallorca beschreiben.

Es sah zunächst alles danach aus, dass die Ausgangssperre auf der Insel von 22 auf 20 Uhr vorgezogen wird. Balearen-Ministerpräsidentin Francina Armengol wollte das, doch am Mittwoch kam das Veto aus Madrid. Es stellt sich eh die Frage nach dem Sinn dieser Maßnahme. Gastrobetriebe haben geschlossen, die Geschäfte machen abgesehen von einigen Ausnahmen um 20 Uhr zu, es ist winterlich kalt – und somit sowieso kaum jemand nach 20 Uhr auf der Straße.

Es gibt ständig neue Beschränkungen, ein Land schaut beim anderen ab. Nur wirklich besser wird die Lage nicht.

Vielleicht sollte man mal einen anderen Weg versuchen: Warum lässt man nicht Restaurants, Bars und Einzelhandel ganz normal öffnen und begrenzt die maximale Personenzahl auf 50 oder 30 Prozent? Natürlich müsste die Einhaltung der Abstände dann endlich strengstens kontrolliert werden. Parallel dazu müsste reichlich Geld ins Gesundheitssystem gepumpt werden. Das wäre sicherlich besser angelegt, als damit Pleite-Unternehmen retten zu müssen.

Da die bisherigen Maßnahmen nicht die erhofften Erfolge gebracht haben, ist es an der Zeit und fast schon Pflicht, neu zu denken. Denn in einem Punkt unterscheidet sich die Lage von der vor knapp einem Jahr: Immer mehr Menschen verlieren die damals noch große Hoffnung, dass der Albtraum in absehbarer Zeit ein Ende hat.

Autor: Nils Müller

25

01 2021

Undisziplinierte Bürger, überforderte Politiker

Was derzeit an der Corona-Front auf der Insel passiert, ähnelt dem Finale eines Thrillers: Während Tag für Tag um die 600 Neu-Ansteckungen gemeldet werden, kommt die Impf-Kampagne nicht so recht in Gang. Parallel dazu treiben neue Restriktionen wie die Schließung sämtlicher Restaurants und Bars Menschen wütend auf die Straßen.

Wohin diese auffallend beschleunigte Entwicklung führen soll, ist nicht absehbar. Greift irgendwann die Impf-Kampagne und wird eh alles besser? Nehmen die sozialen Spannungen weiter zu? Werden Politiker ihre Ämter verlieren?

Dass die Regierenden kein glückliches Händchen beim Management der Pandemie-Auswirkungen auf Mallorca haben, sticht geradezu ins Auge. Denn ungeachtet aller möglichen, zum Teil schwer nachvollziehbaren immer wieder verschärften Regeln breitete sich das Virus in den vergangenen Wochen in Windeseile aus und füllte die Intensivstationen. Hinzu kommen ungeschickte Äußerungen vor allem von Gesundheitsministerin Patricia Gómez, die die verschärften Restriktionen auch im Februar gelten lassen will.

Da die Menschen aufgebracht sind, weil ihnen ihre Lebensgrundlagen entzogen werden, ist von Seiten der Lokalpolitiker erheblich mehr Fingerspitzengefühl gefragt. Doch im Augenblick sieht man, dass dies nicht deren Stärke ist. Was soll beispielsweise das Verbot einer Demonstration von Bar- und Restaurantbesitzern, die um ihr nacktes Überleben kämpfen müssen?

Doch die Bürger sollten sich auch an ihre eigenen Nasen fassen, und das richtig fest. Zu oft wurden in der Weihnachtszeit auf Mallorca Abstandsregeln gebrochen, zu entfesselt und voll, ja anarchisch ging es mitunter zu. Man sollte nicht nur mit dem Finger auf die Politiker zeigen. Wichtig ist, diese kritische Phase gemeinsam ohne zu viele Kollateralschäden zu überstehen. Mehr Disziplin seitens der Bürger und ein empathischeres Verhalten von Seiten der Politiker würden wieder etwas mehr Ruhe in die Angelegenheit bringen.

Autor: Ingo Thor

14

01 2021

Erst fühlt man das Grauen, dann stumpft man ab

Eines verwundert derzeit auf Mallorca: Die Zeit der nackten Angst, wie sie während des Lockdowns im Frühling fühlbar war, ist vorbei. Und das, obwohl die Coronalage im Augenblick ebenso heftig ist. Obgleich es tagtäglich Hunderte Neuansteckungen gibt und sich die Intensivstationen weiter füllen, ist man abgestumpft und wohl deswegen fatalistisch geworden. In Ansätzen kann sogar von einer Titanic-Stimmung gesprochen werden, also der Lust, es im Unglück richtig krachen lassen zu wollen.

Weil alles schon so lange dauert, scheinen die Menschen zunehmend Angst zu bekommen, etwas zu verpassen. Also zieht man in Pulks durch die Straßen von Palma, so eng wie noch vor Monaten sitzen die Masken nicht mehr. Man macht Partys, und wenn man erwischt wird, hat man halt Pech. Man fährt zu Hunderten in die Serra de Tramuntana, um sich hingebungsvoll am Schneetreiben zu ergötzen. Und immer öfter macht man Corona-Witze, was noch vor wenigen Monaten undenkbar war, als das Grauen aus China auf die völlig unvorbereiteten Menschen hereinbrach und sie in Schockstarre versetzte.

Auch an einen nicht enden wollenden Albtraum kann man sich offensichtlich gewöhnen. Das erinnert an Kriegssituationen: Zuckte man etwa bei den ersten Nachrichten über den in den 90ern losbrechenden Jugoslawien-Krieg noch zusammen, ließen einen die hereinprasselnden brutalen Neuigkeiten zwei Jahre später in der Regel eher kalt. Es ist halt menschlich, das allzu Schlimme nicht allzu lang ertragen zu können. Auf den Schrecken folgt eine selektive Wahrnehmung, eine Art Ausblenden des Horrors. Wie fühlt man sich auf einer Intensivstation? Na und, es trifft halt andere. Und bald wirkt ja die Impfkampagne.

Den Politikern muss zu denken geben, dass ihnen die anfangs so unterwürfigen Menschen von der Fahne gehen. Die Intensivierung der Witz-Kultur, gezielte Regelverstöße und mehr – sowas führte immer schon zu Veränderungen.

Autor: Ingo Thor

07

01 2021

Mit Zuversicht in die Zukunft

In den vergangenen Wochen war das immer wieder zu vernehmen: „Hoffentlich geht dieses schreckliche Jahr bald zu Ende!” Tatsächlich haben die Corona-Pandemie und die daraus resultierende Wirtschaftskrise vielen Menschen auf Mallorca zu schaffen gemacht. Gerade in den vom Tourismus lebenden Branchen spielten sich unternehmerische Dramen ab.

Schlimmer noch: Viele Menschen in Spanien verloren ihre Angehörigen, konnten sich von den in Intensivstationen isolierten Patienten nicht einmal verabschieden. Ihnen gilt unser Mitgefühl.

2020 hat vieles auf die Probe gestellt, ein globaler Stresstest, für das Gesundheitswesen, die Institutionen, Forschung, Wissenschaft, Politik, bis hin im persönlich-privaten Bereich. Wenn Familien auf Mallorca nun ohne Hilfe nicht einmal mehr genug zu essen haben, dann ist das eine Katastrophe für den Zusammenhalt der Gesellschaft.

2020 hat andererseits enorme Kräfte freigesetzt. Viele Menschen engagieren sich in Initiativen und Vereinen um zu helfen. Und diese Hilfe wird auch in den kommenden Wochen und Monaten notwendig bleiben. Es ist ein positives Zeichen, dass seit Sonntag auch auf Mallorca gegen Covid-19 geimpft wird. Selbst wenn die Maßnahmen nicht so schnell voranschreiten, wie dies zu wünschen wäre, ist das kein Grund, den Erfolg der Medizin kleinzureden.

Wir können von daher mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Mit Zuversicht, aber auch mit Augenmaß. Denn vieles wird nicht von alleine besser werden. Wir müssen daran arbeiten, für die Probleme Lösungen zu finden. Etwas anderes bleibt uns auch gar nicht übrig. Das gilt für den unmittelbaren Nahbereich (Nachbarschaftshilfe, Nachhaltigkeit) als auch für entferntere Bereiche (Umweltschutz, Klimawandel, Weltfrieden).

Mallorca kann zuversichtlich in die Zukunft blicken. Die Nachfrage nach heiler Inselwelt ist ungebrochen. Der Tourismus wird wieder anlaufen, sobald die Corona-Inzidenz unter Kontrolle ist. Dann liegt es an der Insel, die in sie gesetzten Erwartungen nicht zu enttäuschen. In diesem Sinne wünschen wir von MM Ihnen ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2021!

Autor: Alexander Sepasgosarian

31

12 2020