Aktionismus ist fehl am Platz

Es hat also mal wieder Rennradfahrer auf Mallorca getroffen. Und das so schlimm wie seit vielen Jahren nicht. Am vergangenen Donnerstag fuhr bei Capdepera eine wohl bekiffte Porsche-Fahrerin ungebremst in eine zehnköpfige deutsche Radfahrergruppe. Dabei wurde der Triathlet Christoph B. so schwer verletzt, dass er später im Krankenhaus starb.

Manch einer mag nach diesem Unfall meinen, dass sich jetzt etwas ändern müsste auf Mallorca. Dass etwa die Zahl der Radler und auch Autofahrer begrenzt werden müsste. Dass zudem schleunigst Straßen ausgebessert oder verbreitert oder Schlaglöcher beseitigt werden sollten.

Klar: Das Gedränge ist mit den Jahren dichter geworden auf der Insel. Und ja, es gibt hier und da enge Straßen, von denen einige von diesen nervigen alten Trockensteinmauern begrenzt sind, die bei Autofahrern mitunter klaustrophobische Schübe verursachen. Und es finden sich durchaus noch knietiefe Schlaglöcher. Aber viele Verkehrsteilnehmer ziehen nicht notwendigerweise viele Unfälle nach sich. Und außerdem ist das Straßennetz auf Mallorca im Großen und Ganzen bestens in Schuss. Und generell passiert ja ohnehin unfalltechnisch nicht allzu viel auf der Insel zwischen nüchternen und rücksichtsvollen Radfahrern und ebensolchen Pkw-Lenkern – bei geschätzten 200.000 Radlern pro Jahr im Grunde fast ein Wunder. Dass Radfahrer eine ganze Fahrspur okkupieren kommt zwar vor, aber als Mensch am Steuer verfügt man bekanntlich über eine Hupe. Und wenn man an einer Steigung hinter einem Radler hergurkt, den man einfach nicht überholen kann, fährt man halt langsam hinterher. Wer will schon sein Leben riskieren, nur um zwei Minuten früher an sein Ziel zu gelangen?

Wer aufmerksam und rücksichtsvoll und nüchtern sein Auto steuert, verursacht in der Regel keine Unfälle. Und wer sich als Radler klar macht, dass er die Straßen nicht für sich allein hat, provoziert die anderen Verkehrsteilnehmer nicht. Dann läuft alles gut.

Autor: Ingo Thor

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04 2018

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