Archivo de Mai, 2022

Hunger nach Leben – trotz Pandemie und Putin

Die Insel boomt! Und die Insel brummt – schon jetzt im Mai. Am Flughafen ist es derzeit selbst unter der Woche so voll wie früher an einem Samstag im August – Endlos-Schlangen an der Passkontrolle inklusive (S. 8) . Durch Palmas Altstadt schieben sich indes die Urlauberhorden, die die Kreuzfahrtschiffe ausspucken. Wer sich heute einen mittelgroßen Mietwagen für die ersten zehn September-Tage sichern möchte, muss dafür rund 1000 Euro berappen, normale Vier-Sterne-Hotels in Palma schlagen im gleichen Zeitraum mit knapp 2000 Euro zu Buche. Und selbst Herbst und Winter sind schon gut gebucht …

Fakt ist: Die Insel erlebt in diesen Tagen einen Ansturm sondergleichen– und darf (beziehungsweise muss) sich auf eine absolute Rekordsaison einstellen. Glaubt man den Experten, könnte der ewige Touristenrekord von etwas mehr als 14 Millionen Urlaubern in diesem Jahr geknackt werden. Den Hunger der Menschen nach Ferien, Sonne und einer unbeschwerten Zeit kann man förmlich riechen, trotz Pandemie, Putin und Klimakrise. Oder vielleicht gerade deswegen.

Wieder einmal kommt der Insel bei der aktuellen Weltlage ihre hervorragende Infrastruktur zugute. Schon während der heftigsten Corona-Wellen fühlten sich die Urlauber weitgehend sicher. Und auch die Gefahr, dass sich eine russische Bombe hierher verirrt oder sich der Krieg auf Spanien ausdehnt, halten die Meisten – zu Recht – für äußerst gering.

Der neue Boom stellt Mallorca aber auch auf die Probe. Nach zwei Jahren Flaute scheint nämlich noch gehörig Sand im Tourismusgetriebe zu stecken. Hier fehlt es an Strandbuden, dort an Liegen und Schirmen. Arbeitskräfte fehlen, weil der (durch die Pandemie noch einmal angefeuerte) Immobilienboom die Mietpreise derart in die Höhe getrieben hat, dass sich der einfache andalusische Kellner, der sich sonst im Mallorca-Sommer die Taschen für den Winter vollmacht, kein Zimmer mehr leisten kann und gar nicht erst kommt. Am Airport fehlen die Polizisten, im Party-Viertel Santa Catalina auch. Fast hat man das Gefühl, dass keiner so richtig mit dieser Renaissance gerechnet hat. Uns steht wirklich ein „heißer” Sommer bevor…

Autor: Patrick Czelinski

19

05 2022

Eine Stadt mit tausend Gesichtern

Palma ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich eine Stadt verändern kann. Aus der einst grauen Maus, die „dem Meer den Rücken zudreht”, ist in nur zehn Jahren ein Schmuckstück geworden.

Der Autor dieser Zeilen zog vor knapp zehn Jahren her – durfte den Wandel quasi „live” miterleben. Er hat gesehen, wie aus der düsteren, etwas schmuddelig wirkenden Altstadt ein blitzsauberer, vielerorts aufwendig hergerichteter, wunderschöner „Casco Antíguo” wurde, einer der bezauberndsten überhaupt im Mittelmeerraum.

Er hat mit Freude registriert, dass es hier mittlerweile ein Speisenangebot der Extraklasse gibt – von mallorquinischer Landküche über modern interpretierte spanische Spezialitäten und Leckereien aus aller Herren Länder bis hin zum Sternemenü – die Auswahl ist schier grenzenlos. Und er stellt immer wieder aufs neue fest, dass heute Leben herrscht, wo es früher öde war. In den Gassen, auf den Straßen, in den Bars, auf den Terrassen – im Zentrum und außerhalb – und das sieben Tage die Woche. Kein Wunder also, dass Palma heute eine der angesagtesten Metropolen Spaniens ist – modern, hip und trendy.

Aber: Wo Licht ist, ist auch immer Schatten. Und so kämpft diese unsere Heimatstadt derzeit mit vielen Problemen, die die Entwicklung der jüngsten Jahre mit sich gebracht hat. Regelmäßig kollabiert der Verkehr (S. 6) , in fast vollständig gentrifizierten Vierteln kämpfen Anwohner für ein kleines bisschen Ruhe (S. 8) während die Regierung versucht, den unaufhörlichen Zustrom der Urlauberhorden irgendwie zu kanalisieren. (S. 7) .

Die beiden erstgenannten Themen lassen sich so auf fast jede andere Großstadt übertragen. Die Besonderheit im Fall von Palma liegt im dritten Punkt. Denn letztendlich geht in Mallorcas Hauptstadt immer auch darum, das Gleichgewicht zwischen den Interessen der Bewohner und denen der Besucher unter einen Hut zu bringen. Das Ganze unter ständiger medialer Beobachtung, auch aus Deutschland. Die kommenden zehn Jahre werden deshalb eine Herausforderung für die Stadt – und vermutlich schwieriger als die vergangenen zehn.

Autor: Patrick Czelinski

12

05 2022

Bürokraten und Politiker als Sand im Getriebe

Es war ein hässliches Bild, was den Menschen auf Mallorca vor einigen Wochen zugemutet wurde: Ein zu Kultstatus gelangter Swimming-Pool direkt am Strand von Can Picafort wurde einfach zugeschüttet. Dies geschah, weil das die spanische Küstenbehörde so wollte.

Es handelt sich um genau jenes Amt, das Gemeinden grünes Licht geben muss, damit diese Firmen beauftragen können, Miet-Liegen und -Schirme aufzustellen. Vorgänge, die im Grunde in ein paar Stunden erledigt werden können. Es ist jenes Amt, in welchem Arbeitsprozesse nicht glatt genug laufen, wie es aussieht. Weil dem offenbar so ist, werden bürokratische Vorgänge unnötig in die Länge gezogen, so dass Urlauber an einigen Orten damit rechnen müssen, nicht den geringsten Komfort an den Stränden zur Verfügung zu haben.

Dass staatliche Institutionen eher träge agieren, ist auch jenseits von Spanien – etwa in Deutschland – wohlbekannt. Dies kann das Wirtschaftsgeschehen negativ beeinträchtigen. Auf Mallorca heruntergebrochen bedeutet das folgendes: Der wichtigsten Branche, dem Tourismus, werden – womöglich sogar ungewollt – Knüppel zwischen die Beine geworfen, und das auch noch nach zwei höllisch mageren Pandemiejahren. Wobei dabei auch andere staatliche Strukturen mitspielen: regionale Ministerien etwa oder Lokalpolitiker, die schlicht und einfach überfordert sind.

Es gibt aber auch andere Beispiele: In Capdepera oder Alcúdia geht man die Dinge schnell an. Den Massen von Touristen, die erstmals nach der akuten Phase von Corona auf Mallorca erwartet werden, wird der rote Teppich ausgelegt.

Die Vorbereitungen auf die Hochsaison müssten auf Mallorca einheitlich und konsequent über die Bühne gebracht werden. Stattdessen ist eine Verschiebung der Prioritäten hin zum Umweltschutz zu beobachten, was die Strände angeht: Buden müssen zumachen oder abgerissen werden, vielerorts wird das stinkende Seegras nicht weggeräumt. Ein bisschen mehr Entgegenkommen stünde der Insel gut an, erst recht angesichts der harten Konkurrenz im Mittelmeerraum.

Autor: Ingo Thor

06

05 2022