Archivo de April, 2022

Landschaftsschutz 
gegen Lebensgefühl

Der Strand von Muro – die Platja de Muro – hat im Sommer des vergangenen Jahres zwischen Dünen und Wasser an manchen Stellen sechs bis zehn Meter in der Breite verloren. Der Strand von Es Trenc ist zwischen 1956 und 2021 zum Teil 26 Meter zurückgegangen. Ein höherer Meeresspiegel ist Hauptgrund für den Verlust.Es wird enger an den beiden Stränden.

Doch nicht nur die Natur steht unter Druck: Auch alle Strandlokale auf Mallorca, die sogenannten Chiringuitos, sind bedroht. Die spanische Küstenbehörde will sie an der Platja de Muro im Inselnorden und am Es Trenc im Südosten räumen lassen.

Das sorgt bei Mallorquinern, Insel-Residenten wie Urlaubern für Unmut. Für die Gäste sind es nicht gewöhnliche Bars und Restaurants. Sondern die, wo man Sand an den Füßen und Meeresrauschen im Ohr hat. Die Lokale befinden sich zum Teil mitten in Dünen, die unter Naturschutz stehen. Das macht sie aus – sie befinden sich aber auch auf öffentlichem Boden. Dort darf eigentlich kein Privatbesitz angesiedelt sein.

Die Hauptfrage des Konflikts lautet: Wie viel Flair und Freizeitspaß kann man sich auf Kosten der Natur erlauben? Müssen gleich alle Bars weg? Können sie besser in die Landschaft eingepasst werden?

Generell ist es wichtig, dass sensible Bereiche der Küste wie Dünen und Sandstrand geschützt werden. Die Hoheit liegt zu Recht bei der Regierung in Madrid.

Verständlich ist, dass Wirte und Kommunalpolitiker der betroffenen Rathäuser Muro und Campos sauer sind. Manchen Betrieben wird schon jetzt ein Teil der Geschäftsgrundlage entzogen, da sie nur im Innenbereich bewirten dürfen. Zudem entgehen etwa der Gemeinde Muro insgesamt 120.000 Euro, die die Lokalbetreiber für die Strandnutzung jährlich zahlten. Und 90 Arbeitsplätze sind in Gefahr.

Kommt der Abriss einiger oder gar aller Lokale, sollten die Wirte unkompliziert einen neuen Standort auf dem Gemeindegebiet erhalten. Die Verwaltungen haben lange von den Bars profitiert. Nun müssen die Kleinen – Betriebe, Besucher, Rathaus – gegen die oberen Behörden zusammenhalten.

Autor: Philipp Schulte

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04 2022

Raucher sollen sich auf Mallorca weiter trollen

Dass das Rauchen gesundheitsschädlich ist, ist selbst schlecht informierten Zeitgenossen inzwischen bekannt. Dass sich in Spanien in einigen Regionen wie Madrid, Navarra oder dem Baskenland Besucher weiterhin auf Terrassen dem Nikotingenuss hingeben dürfen, ist vor diesem Hintergrund kaum nachvollziehbar. Dies vor allem, da die Raucher mit 22 Prozent in Spanien eine klare Minderheit darstellen, sich aber ungeniert erlauben, die Mehrheit dem Risiko, an Krebs zu erkranken, auszusetzen.

Umso erfrischender klingt die jüngst verbreitete frohe Kunde, dass die Balearen-Regierung das pandemiebedingt erlassene Verbot, auf Bar- und Restaurantterrassen zu rauchen, verlängert hat. Es soll nun bis zu dem Zeitpunkt fortbestehen, da für ganz Spanien das lange angekündigte überarbeitete Antirauchergesetz in Kraft treten soll, also im kommenden Jahr. Fest damit gerechnet wird, dass das Rauchverbot auf den Barterrassen dann fürs gesamte Land in Stein gemeißelt wird.

Manch einer, der nicht raucht, dürfte sich fragen, ob man hierzulande nicht zu hart mit den Glimmstängelfreunden umgeht. Ob man sie nicht nachgerade unterdrückt und ihnen lieber ein paar Freiheiten lassen sollte. Das Problem hierbei ist aber, dass die Raucher die Nichtraucher akut gefährden. Wer einen Orangensaft auf einer Terrasse zu sich nimmt, will nicht durch übelriechende Schwaden vom Nebentisch genervt oder gar gesundheitlich ernsthaft beeinträchtigt werden. Das Ziel der gegen Raucher gerichteten Verbote ist auch, diese von ihrer Sucht abzubringen. Es ist nun einmal seit mehr als einem Jahrzehnt schon bekannt, dass die Zeiten, als vor allem in amerikanischen Filmen das Rauchen und auch der Genuss von Alkohol als schick angepriesen wurden, vorbei sind.

Es passt nicht ins Bild des zunehmend propagierten ernährungsbewussten und gesundheitsorientierten Lebensstils, zu tolerieren, dass man sich und andere öffentlich vergiftet. In diesem Sinne ist der Konsequenz der Balearen-Regierung in dieser Angelegenheit zu applaudieren. Wer rauchen will, kann dies ja privat weiterhin tun, niemand wird ihn daran hindern.

Autor: Ingo Thor

21

04 2022

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Es hätte alles so schön sein können. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie, den wirtschaftlichen Abschnürungen und Restriktionen, hatte sich zu Jahresbeginn immer stärker die Hoffnung eingestellt, diese Geißel der Menschheit bald hinter sich lassen zu können. Die Impfquoten hier waren beneidenswert hoch, die Inzidenzen zuletzt winzig. „Alles wird gut. Dieses Jahr holen wir alles nach, was wir an schönen und tollen Dingen einst vorhatten”, dachten sich viele.

Doch es sollte nicht sein. Mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine und den damit einhergehenden Preissteigerungen bei Energie, Treibstoff und Lebensmitteln haben die Sorgen der Menschen wieder zugenommen. Je länger der Konflikt sich hinzieht und Lösungen nicht absehbar sind, desto mehr legen sich Schatten auf die Freude der Menschen. Ganz zu schweigen von der Furcht einer Eskalation des Konflikts. Eine Angst, die tief im Innern schwelt.

Da verwundert es nicht, dass just zu Ostern Mallorca so gut gebucht ist wie seit Jahren nicht. Die Menschen haben Sehnsucht nach Sonne und Schönheit. Der Nachholbedarf nach zwei Jahren Pandemie ist riesig, der Wegfall der Restriktionen erlaubt endlich eine Rückkehr zur vermissten Normalität des Alltags. Das bedeutet für nicht wenige Bundesbürger eben auch: Reisefreiheit.

Und diese Freiheit möchte und sollte man auch nutzen. Denn wir haben gesehen, wie rasch sie plötzlich eingeschränkt werden kann. Besser Mallorca jetzt als später genießen, wenn es dann vielleicht nicht geht. Auch das ist ein Grund, warum viele ihren Urlaub auf der stets als sehr sicher geltenden Insel buchen (S. 6) oder sich hier sogar Besitz zulegen möchten (S. 16) .

Für Mallorca ist das von Vorteil. Das Anspringen des Tourismus führt der Insel „Sauerstoff” zu, bringt den Einheimischen Lohn und Brot. Auch auf der „Sonneninsel” ist der Alltag mit seinem Anstieg der Mietpreise und Kosten nicht immer leicht.

MM wünscht allen Leserinnen und Lesern friedvolle Feiertage, wo auch immer Sie sein mögen. Und wenn Sie auf Mallorca sind, dann genießen Sie das Inselleben in all seinem Charme. Fröhliche Ostern allerseits!

Autor: Alexander Sepasgosarian

15

04 2022