Archivo de März, 2022

Auch auf der Insel hat der Krieg Auswirkungen

Der weiter mit brutaler Aggressivität geführte Krieg des russischen Regimes von Präsident Wladimir Putin gegen die benachbarte Ukraine hat zur Folge, dass man sich auch auf Mallorca immer mehr Sorgen machen muss. Denn der Waffengang hat bewirkt, dass die Treibstoffpreise auf breiter Front und schnell und deutlich wie selten nach oben schossen. Die Folge ist, dass beispielsweise die Fluggesellschaften ihre Preise spürbar erhöhen müssen, wie eine MM-Umfrage ergab (siehe Seite 6) . Und weil halt so vieles auf Kerosin, Benzin und Diesel basiert, geht eine zunehmend beunruhigende Lebensmittelknappheit ebenfalls auf den Krieg zurück. Denn die streikenden Brummifahrer, die die Güter in die Supermärkte fahren, tanken halt den so drastisch verteuerten Sprit und kommen deswegen in die Bredouille. Trotz von Madrid angekündigter Millionenhilfen bleiben sie unzufrieden.

Alles hängt auf der Welt halt irgendwie mit allem zusammen, und wenn man annimmt, dass der Krieg im Osten Europas ein örtlich abgegrenztes Phänomen ist, das einen nicht unbedingt betrifft, irrt man sich.

Es ist also nötig, gegenzusteuern. Das haben die Staaten in der Hand, die etwa durch die Freigabe von Ölreserven den Markt zeitweise beruhigen können. Aber auch jeder einzelne kann etwas tun: Statt zu oft das Auto zu benutzen, empfiehlt es sich, zunehmend auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Und im Supermarkt wird es unabdingbar sein, zu teure Produkte liegen zu lassen. Und wenn einem im Restaurant eine viel höhere Rechnung als üblicherweise präsentiert wird, geht man dort eben deutlich seltener hin.

Der Krieg bringt nun einmal auch in friedlichen Gebieten viel durcheinander, dürfte also auch die anstehende Saison beeinträchtigen. Da ob der kriminellen Energie, die von Russland ausgeht, nicht zu erwarten ist, dass das Blutvergießen bald ein Ende hat, bleibt einem nichts anderes übrig, als dennoch zu hoffen, dass bald alles wieder besser wird.

Autor: Ingo Thor

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03 2022

Ein zunehmend zivilisierter Ballermann ist möglich

Es hatte eines kapitalen Schlags bedurft, um das völlig aus den Fugen geratene sommerliche Urlauberleben an der Playa de Palma zu beenden: Die Corona-Pandemie ließ für zwei Jahre Ruhe in der trubeligen Gegend einkehren, weil gewisse Örtlichkeiten, die Exzesstouristen wie das Licht die Motten angezogen hatten, nicht öffnen durften. Kaum Betrunkene waren denn auch zu sehen, kaum deutschsprachige Urlauber, die sich unangemessen anzogen oder daneben benahmen.

Vorbei! Dass es dieses Jahr wieder so ungezügelt wie vor Corona zugehen könnte, ist nicht unwahrscheinlich. Oder kommt es doch anders? Partytempel wie Megapark und Bierkönig haben sich immerhin verpflichtet, allzu abgefahrene Exzesse nicht mehr zu tolerieren. Ob Penis- oder Borat-Kostüme oder nackte Oberkörper – das soll dort nicht mehr möglich sein. Man handele im Sinne der Unternehmervereinigung Palma Beach, so Megapark-Manager Carlos Lucio. Die hatte sich schon vor Corona die Zivilisierung der Urlauberzone zwischen Can Pastilla und Arenal auf die Fahnen geschrieben. Doch der Wunsch ist eine Sache und die Realität könnte eine andere sein. Dass viele, die sich früher im öffentlichen Raum so ziemlich alles erlaubten, jetzt schon ungeduldig mit den Füßen scharren, um nach Mallorca zu kommen, darf vermutet werden. Zu lang waren diese Leute halt coronabedingt auf Entzug. Und so ist es fraglich, ob es am Ballermann in diesem Sommer deutlich zivilisierter zugeht, zumal man, frei nach Carlos Lucio, nicht von den Gästen erwartet, im Anzug aufzutauchen.

Dennoch: Die Initiative des Nachtlokalverbands Abone (S. 10) ist löblich. Auch hier merkt man langsam, dass die Zeit völlig entfesselter Exzesse wohl vorbeigeht. Man setzt auf Party ohne vulgäre Einlagen. Und so ist es möglich, dass man an der Playa de Palma dieses Jahr zumindest nuancenhaft eine Zivilisierung registrieren kann. Denn war es nicht so, dass schon vor Corona Porno-Discos oder ähnliches verschwanden, um einem ansatzweise solideren Party-Geist Platz zu machen?

Autor: Ingo Thor

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03 2022

Es wird Zeit, dass wir umdenken

Wer noch vor zwei Wochen die Meinung vertrat, ein Krieg in Osteuropa könne für das alltägliche Leben auf Mallorca keine nennenswerten Auswirkungen haben, wird derzeit eines Besseren belehrt. Ob beim Tanken an der „gasolinera” oder beim Wocheneinkauf im „supermercado”: Alles ist plötzlich sehr viel teurer, als vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Schweineteuer, möchte man sagen. Und warten Sie auf die nächste Strom- oder Heizölrechnung. Sie werden Ihren Augen nicht trauen.

Dass uns die gegenwärtige Ultra-Verteuerung der Lebenshaltungskosten wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel getroffen hat, ist nicht allein der Wahnsinns-tat des Kremlchefs geschuldet. Auch unser eigenes, bis dato maßloses Konsumverhalten hat sicherlich dazu beigetragen, dass wir derzeit mit Panik in den Augen auf unsere Bankauszüge starren. Viel zu lange haben wir uns an vollgestopfte Lebensmittelregale mit Billig-Produkten aus allen Herren Ländern gewöhnt, haben wir unsere Wohnungen mit Elektrogeräten ohne Rücksicht auf deren Energiekosten ausgestattet, sind mit Autos und Motorrädern oftmals nur so zum Spaß durch die Gegend kutschiert, haben konsumiert und Ressourcen verbraucht, als ob es keinen Morgen danach gäbe. Dafür bekommen wir jetzt die Rechnung präsentiert.

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise und ihre drastischen Folgen für die eigene Haushaltskasse sollte uns zum Umdenken bewegen, unser Konsumverhalten grundlegend zu ändern.

Statt den eigenen Pkw vielleicht mal wieder den Bus oder die Bahn benutzen. Statt exotische Früchte mehr heimisches Obst essen. Statt Neues kaufen besser Altes bewahren. Statt verschwenden nachhaltig leben. Jede Krise hat auch etwas Gutes. Sie kann einen Neuanfang erzeugen. Oder wie die Spanier zu sagen pflegen: „No hay ningun mal, que por bien no venga.” Es gibt nichts Schlechtes, was sich nicht zum Guten wenden lässt.

Autor: Andreas John

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03 2022

Auch Mallorca bleibt nicht außen vor

Zu glauben, dass Mallorca dem Kriegsgeschehen in der Ukraine völlig entgehen kann, ist eine naive Illusion. Reiche Russen, die auf der Insel Luxus-Yachten oder ebenso wuchtige Anwesen ihr Eigen nennen, merken zurzeit, was es heißt, Bürger eines kriegstreiberischen Landes, eines Paria-Staates mit einem gebrandmarkten Präsidenten zu sein: Im Rahmen der EU-Sanktionen gegen das von Wladimir Putin regierte Land wurden sämtliche Sporthäfen auf den Balearen bereits angewiesen, mehr als 24 Meter lange russische Yachten den spanischen Behörden zu melden. Dann wird es einfacher, sie an die Kette zu legen oder gar zu beschlagnahmen.

Es ist halt Krieg, und Mallorca ist in diesem Zusammenhang keine Insel. Sollte sich das Kampfgeschehen in die Länge ziehen, wird das Urlaubsparadies auch anderweitig tangiert sein: Die Regionalregierung sucht bereits händeringend nach Unterkünften für mögliche Flüchtlinge aus der Ukraine. Hunderttausende fliehen gerade, zahlreiche Staaten, darunter auch Spanien, zeigen sich ausgesprochen entgegenkommend, was ihre Aufnahme angeht.

Auch der Tourismus, bekanntlich die wichtigste Branche auf den Inseln, könnte den Krieg zu spüren bekommen. In einer MM-Umfrage zeigten sich gut 37 Prozent fest davon überzeugt, dass sich die politisch schlimme Situation negativ auf den Urlaub auf Mallorca auswirken dürfte (siehe Seite 5) . Fast der gleiche Prozentsatz glaubt, dass man die Auswirkungen schwer einschätzen kann.

Dieser Krieg ist nicht mit lokalen Konflikten in strategisch abgelegeneren Winkeln der Welt vergleichbar. Hier wurde die Friedensarchitektur Europas zerstört. Außen vor ist man da auch auf Mallorca in unabsehbarer Zeit keineswegs. Leider. Dennoch: Auch in ernsten Zeiten wie diesen wollen die Menschen Urlaub machen. Und ist es nicht nachvollziehbar, den Wunsch nach ein paar Tagen Entspannung zu verspüren? So könnte, sollte das Virus es erlauben, die nächste Saison durchaus zur vollen Zufriedenheit der Branche verlaufen.

Autor: Ingo Thor

03

03 2022