Archivo de Februar, 2022

Wenn Kriegsangst auf Urlaubsfieber trifft

Es war so ein schönes Gefühl: Als die Omikron-Welle schneller als erwartet abebbte, feierten Urlaubs-Blütenträume auf Mallorca fröhliche Urständ, und das mit Recht! Die Buchungszahlen schossen nach oben, Fluggesellschaften erhöhten die Zahl ihrer Verbindungen, schon jetzt sieht man viele Touristen in Palma. Reiseexperten warnten schon, Flüge bloß nicht zu spät zu reservieren, um nicht zu viel bezahlen zu müssen.

Doch dann eskalierte die Krise zwischen Russland und den westlichen Staaten um die Ukraine. Präsident Wladimir Putin ließ Panzer in zwei Regionen des Nachbarlandes einrollen, es hagelte Sanktionen von Seiten der EU und den USA. Überall machte sich eine bleierne Angststimmung breit. Wird es wieder einen Krieg in Europa geben, der sich auch noch ausweiten könnte?

Zu der sich ausbreitenden Angst gehen die Reiseveranstalter im Augenblick indes bewusst auf Abstand. Die Ukraine-Krise sei kein Thema, so eine Sprecherin von Alltours gegenüber MM (siehe Seite 8) . Mit dieser Ansicht könnte sie durchaus Recht haben, denn die Erfahrung zeigt, dass lokal begrenzte politische Konflikte Urlauber in den vergangenen Jahrzehnten nicht unbedingt davon abhielten, in südliche Gefilde zu reisen. Das war weder während des Irakkriegs im Jahr 2003 noch während der Balkankriege in den 90ern noch bei der Intervention der USA und anderer westlicher Staaten im von Mallorca nicht allzu weit entfernt liegenden Libyen 2011 der Fall.

Die Corona-Ansteckungen gehen zurück, und die Menschen wollen einfach nur reisen. Das ist das, was zählt. Es geht darum, bloß raus aus dem kalt-grauen Mitteleuropa zu kommen und die Pandemie-Zeit hinter sich zu lassen. Wenn dann irgendwo in einem geographisch entlegenen Gebiet wie der Ukraine geschossen wird, wird das halt verdrängt und das Schöne, Warme und Türkisblaue in Bewusstsein gerückt. Sollte der Konflikt nicht auf weitere Teile der Welt übergreifen, kann sich Mallorca also auf abertausende sonnenhungrige Urlauber und eine aus wirtschaftlicher Sicht schöne Sommersaison freuen.

Autor: Ingo Thor

24

02 2022

Der ganz große Wurf ist das noch nicht

Die Erwartungen an das neue balearische Tourismus-Gesetz waren enorm. Es werde ein vollkommen neues Tourismusmodell begründen, hieß es vorab. Mallorca und die Nachbarinseln würden weltweit Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit, versprach Ministerpräsidentin Francina Armengol – und das nicht nur beim Thema Umwelt, sondern auch in Sachen Arbeitsbedingungen. Bei genauerem Hinsehen beschleicht einen dann jedoch rasch das Gefühl, dass es mit dem versprochenen großen Wurf doch nicht ganz so weit her ist. Die medienwirksam angekündigte Kehrtwende im Mallorca-Tourismus leitet dieses Gesetz gewiss nicht ein.

Dass die Vergabe neuer touristischer Plätze auf den Balearen nun vorerst blockiert ist und es somit keine neuen Hotels sowie Ferienapartments geben wird, ist tatsächlich radikal. Viele Investoren dürften von der Maßnahme auf dem falschen Fuß erwischt worden sein. Allerdings herrscht auf Mallorca ohnehin seit langem schon Konsens darüber, dass ein weiteres Wachstum der Urlauberzahlen nicht anstrebenswert ist – und schon gar nicht nachhaltig sein kann. Dass die Hoteliers nun verpflichtet werden, auf erneuerbare Energien zu setzen, Einwegplastik zu vermeiden und ihren CO2-Abdruck zu verringern, ist gewiss ein Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig aber ziemlich halbherzig: Wasserspartasten an den Toiletten sind streng genommen eine Banalität, sollten sie doch eigentlich längst eine Selbstverständlichkeit sein auf einer Insel, die schon seit vielen Jahren über ihre Verhältnisse lebt, was die natürlichen Ressourcen angeht. Dann vielen Betrieben auch noch eine Übergangsfrist bis 2024 einzuräumen, wirkt schon fast wie Hohn.

Ungelöst bleibt trotz der großspurigen Ankündigung der höhenverstellbaren Betten in den Hotelzimmern auch das Problem der Arbeitsbelastung in vielen touristischen Betrieben. Die Servicekräfte dort fordern seit vielen Jahren effektive Kontrollen und klare Grenzen. Auch diese Erwartungen aber enttäuscht das neue Tourismus-Gesetz letztendlich.

Autor: Jonas Martiny

17

02 2022

Omikron lässt die Länder auseinanderdriften

Angesichts der anhaltend milden Omikron-Krankheitsverläufe und der steigenden Impfquote müssten die Staaten eigentlich unisono lockern oder Freedom-Days ausrufen: Doch während in Spanien Restriktionsrücknahmen anstehen, von denen die wichtigste der Wegfall der Maskenpflicht in Außenbereichen ist, hält der streitbare deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach für sein Land nahezu starrsinnig an Einschränkungen fest. Wie in den dunkelsten Zeiten der Pandemie warnt der SPD-Mann vor all den schlimmen Dingen, die da noch mit möglichen anderen Mutationen kommen können.

Lauterbach könnte Recht behalten wie schon so oft. Doch jetzt ist jetzt, und die Situation hat sich verändert: Die Krankenhäuser sind in der Bundesrepublik wie auch auf Mallorca und sonstwo weiterhin deutlich weniger voll als während anderer Wellen. Dass zwar nicht Deutschland, aber andere Länder den Lockerungskurs intensivieren, verwundert daher nicht: Am Mittwoch fielen sämtliche Restriktionen in Schweden, wo die Inzidenz sehr hoch ist, in Dänemark war das schon vor einigen Tagen der Fall. In Spanien will man die Krankheit als endemisch, also wie eine ganz normale Grippe behandeln.

Das ist auch richtig, denn die aktuellen Varianten des Virus sind nicht mehr so gefährlich, und das Ganze wird der Welt erhalten bleiben. Ein anderer Umgang ist nötig und richtig, das sture Festhalten an Restriktionen passt nicht mehr in die Zeit. Deswegen sollte man den Mut der spanischen Regierung und anderer Länder in Ehren halten. Die Menschen haben den Regelwirrwarr satt und wollen nach all den Monaten endlich frei sein.

Andererseits könnte es pandemiemäßig durchaus wieder schlimmer kommen. Gut möglich, dass die nächste Mutation wo auch immer in der Welt schon bald am Start ist. Dennoch ist es sympathisch, wenn Staaten wie Spanien der Bevölkerung entgegenkommen und ihr endlich verklickern, dass ein Leben wie vor der Pandemie möglich ist, wenn sich das Ganze weiter entspannt.

Autor: Ingo Thor

11

02 2022

MM lag ihm stets am Herzen

Mit Bestürzung und in tiefer Trauer hat die Redaktion des Mallorca Magazin am Freitag vergangener Woche vom Tod unseres dienstältesten Redakteurs Nils Müller erfahren. Der geschätzte Kollege und Vollblutjournalist aus Hamburg hätte im Februar seinen 55. Geburtstag gefeiert. Damit ist Nils Müller nahezu die Hälfte seines Lebens ein fester Bestandteil des Mallorca Magazins gewesen. Seit 1995 hatte „nimü”, so sein Kürzel, fast 27 Jahre das Erscheinungsbild von MM tatkräftig mitgestaltet und mitgeprägt.

Während dieses guten Vierteljahrhunderts gab es keinen Prominenten auf der Insel, der nicht in der für unseren Kollegen charakteristischen Arbeitsweise fair und einfühlsam in Wort und Bild porträtiert worden ist. Nils kannte sie alle: die Schauspieler, Sportler, Musiker, Sänger und andere VIPs. Aber auch gänzlich nicht-prominente Inselresidenten wurden von ihm mit stets derselben Hingabe und Sorgfalt interviewt und mit brillantem Facettenreichtum „ins Blatt gehoben”, wie es in unserer Zunft heißt.

Nils’ Hilfsbereitschaft als Kollege war grenzenlos. Er wusste aber auch zu kritisieren, mitunter gnadenlos. Gerne startete er mit: „Ich will ja nicht päpstlicher sein als der Papst, aber …” Doch wer ihn kannte, wusste: Es ging ihm stets um eine noch treffendere Formulierung, um ein noch besseres Foto. MM lag ihm am Herzen, wie kaum etwas anderes.

Nils Müller war der korrekteste Journalist, den ich je kennengelernt habe. Ein Schriftleiter „alter Schule”, aus Zeiten lange vor Facebook und Instagram. Ein Kollege, der noch wusste, wie man auch ohne Google recherchiert. Jemand, der lieber einmal mehr gegenprüfte, als eine unklare Info zu verbreiten. Mit seinem Arbeitsethos bildete Nils Müller eine feste Säule im Redaktionsalltag und wird uns damit auch in Zukunft Vorbild bleiben.

21 Jahre habe ich mit Nils Müller Seite an Seite gearbeitet. Vergangene Woche erschien er mir im Traum. Er trug einen schicken blauen Anzug samt Krawatte und sah blendend aus. Ein stattlicher Mann in den besten Jahren. So werde ich ihn in Erinnerung behalten. Adiós, lieber Kollege, wir werden dich vermissen!

Autor: Alexander Sepasgosarian

03

02 2022