Archivo de Januar, 2022

Spaniens mutiger Blick in die Zukunft

Es ist schon ein großer Unterschied: Während in Sachen Corona in Deutschland nach wie vor der Panikmodus läuft und die Internationale Tourismusbörse Berlin wie im vergangenen Jahr erneut lediglich virtuell stattfindet, geht man in Spanien gehörig in die Vollen: Mit König Felipe VI., seiner Ehefrau Letizia und viel Polit-Prominenz wurde am Mittwoch die Fachmesse Fitur in Madrid geöffnet. Die Botschaft ist unmissverständlich. Man will Normalität. Corona wird hierzulande ohnehin in Bälde nur noch wie eine Grippe behandelt werden, ansonsten wird, was die Wirtschaft anbelangt, auf die Tube gedrückt. Und da bekanntlich der Tourismus die wichtigste Branche ist, musste halt ein Zeichen gesetzt werden. Mit Tausenden Besuchern geht es bei der Schau so wuselig wie früher zu, im Unterschied zu ehedem müssen die Besucher und Standbetreiber jedoch Masken tragen und im Besitz eines EU-Coronazertifikats sein.

Der neue mutige Blick in Spanien in Richtung Zukunft steht ganz im Gegensatz zur Unbeweglichkeit, die noch vor wenigen Monaten vorherrschte. Und er steht im Gegensatz zur hasenfüßig-ängstlichen Art, wie Deutschland dieser Tage mit dem immer nerviger werdenden Problem weiterhin umgeht.

Gut möglich, dass Spanien mit seinem Strategiewechsel Recht behält: Im Idealfall ebbt die Omikron-Welle wie in anderen Ländern schnell ab, und das bei nicht allzu bedenklich ausgelasteten Krankenhäusern. Angesichts dessen würden die Menschen wie wild Urlaub unter anderem auf Mallorca buchen, und der Euro dürfte en masse rollen.

Aber was ist, wenn schon wieder irgendwo eine neue, mitunter richtig gefährliche Variante auftaucht? Dies wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Dann wäre der Traum von der Normalität wieder einmal ausgeträumt. Doch danach sieht es irgendwie nicht aus. Es ist richtig, wenn in Madrid, statt auf die Bremse getreten, Gas gegeben wird. Die Wirtschaft wird es den regierenden Sozialisten danken.

Autor: Ingo Thor

20

01 2022

Der Mensch bleibt, das Virus auch

Es ist schon interessant zu sehen, wie rasant sich die Wahrnehmung der Corona-Pandemie verändert hat. Wären die extrem hohen Ansteckungszahlen von heute vor Monaten registriert worden, hätte es Furcht, Entsetzen und wahrscheinlich sogar einen erneuten Lockdown auf Mallorca gegeben. Doch weil mit Omikron jetzt eine Variante auf dem Vormarsch ist, die offensichtlich mildere Krankheitsverläufe verursacht, ist man im Staate Spanien auf einmal recht entspannt. Eigentlich könne man jetzt dazu übergehen, das Ganze wie eine normale Grippe zu behandeln, äußerte Ministerpräsident Pedro Sánchez. Man arbeite bereits an einem Plan. Würde dieser umgesetzt, gibt es keine strenge Kontaktnachverfolgung mehr, auch die genaue Zählung der Fälle fällt weg.

Wünschenswert wäre das schon, zumal die Gesundheitszentren angesichts der extremen Lage überfordert sind. Doch die Kritik von Teilen der Ärzteschaft und von Seiten von niemand geringerer als der Weltgesundheitsorganisation WHO muss ernst genommen werden. Zu labil sei die Lage noch, wird argumentiert. Das Virus stecke voller Überraschungen. Was wäre, wenn man die Zügel schleifen ließe und auf einmal eine richtig brandgefährliche Mutation auftauchen würde?

Doch irgendwie wird stetig klarer, dass Omikron der Anfang vom Ende des schon fast zwei Jahre dauernden Grauens sein könnte. Es sind halt viele geimpft, und das schützt vor schweren Verläufen. Einigen Experten zufolge läuft alles auf einen Modus Vivendi von Mensch und Virus hinaus, eine Entwicklung hin zu einer endemischen Situation mit immer mal wieder stärker auftretenden und dann wieder abfallenden Infektionsphasen.

Angesichts dessen sind die neuen Gedankengänge in der spanischen Regierung, von denen man auch in Großbritannien oder Israel durchdrungen ist, auf jeden Fall interessanter als der ewige politisch-mediale Panikmodus mit mehr Restriktionen, der momentan etwa in Deutschland unter der Leitung des neuen Gesundheitsministers Karl Lauterbach anhält.

Autor: Ingo Thor

13

01 2022

Wenn Leichtigkeit langsam unheimlich wird

Es sind Zahlen, die einen im Jahr 2020 vom Stuhl gehauen hätten: Am Mittwoch wurden fast 4000 Neuansteckungen mit dem Coronavirus auf den Balearen gemeldet. Was für eine gigantisch hohe Zahl! Und dennoch: Der Dreikönigsumzug fand unter Auflagen, aber immerhin, statt, die Menschen stürmen teils ohne Masken die Straßen und Geschäfte.Das EU-Zertifikat, das vielerorts als Zugangsvoraussetzung verlangt wird, garantiert nicht, dass man sich nicht ansteckt. Denn mitunter wird diese Kontrollprozedur gar nicht durchgeführt.

Dass sich die Corona-Pandemie so verändert hat, dass eine Infektion kein Todesurteil mehr ist, ist der Allgemeinheit klar. Und so lebt man wie früher gruppenfixiert und laut palavernd sein Leben. Warum auch nicht? Ist man zweifach oder gar schon dreifach geimpft, merkt man von dem Virus zwar mehr oder weniger etwas, kuriert das Ganze zuhause aus, aber in die Intensivstation kommt man nicht mehr unbedingt. Die auf dem Vormarsch befindliche Omikronvariante ist auf den Balearen derzeit laut offiziellen Angaben nur mit einem einzigen Patienten dort vertreten. Sämtliche restlichen wurden von der Delta-Variante befallen.

Dennoch: Das rechtfertigt nicht die entfesselten Zustände, die man vielerorts auf der Insel beobachten kann. Eine Omikron-Infektion ist nunmal ebenfalls eine ernste Sache. Die Menschen haben ein Recht darauf, damit nichts zu tun haben zu wollen. Der Staat ist also gefordert.

Doch es passiert nichts. Nimmt man vielleicht eine stärkere Durchseuchung ohne chaotische Zustände in Krankenhäusern bewusst in Kauf, um am Ende den ersehnten endemischen Zustand auf Erkältungsebene schneller erreichen zu können? Das wäre ein nicht unintelligenter Ansatz. Doch irgend etwas zur Eindämmung müsste getan werden, vor allem um Risikopatienten zu schützen. Es böten sich geringere Auslastungen von Bars oder in öffentlichen Verkehrsmitteln an. Auch nächtliche Ausgangssperren zeigten in der Vergangenheit, dass man damit Inzidenzen nach unten bekommen kann.

Autor: Ingo Thor

07

01 2022