Archivo de Dezember, 2021

2021 vieles 
richtig gemacht

Mallorca im Jahresrückblick, das kommt einer Achterbahnfahrt nahe. Insbesondere in Sachen Pandemie. Vor einem Jahr hatte die Insel ein extrem hohes Inzidenzgeschehen, das wussten die Behörden im Winter und Frühling auf einen für Europa vorbildlichen Fast-Nullbereich zu senken. Doch dann explodierten im Frühsommer die Werte, speziell weil spanische Abiturienten bei unkontrollierten Massenpartys die Ansteckungszahlen wieder in die Höhe trieben. Strenges Gegenrudern der Regierung sorgte dafür, dass die Zahlen wieder deutlich sanken und die Insel – nach der coronabedingten Paralyse im Vorjahr – doch noch eine touristische Saison erleben durfte, mit einem Ergebnis, das viel besser ausfiel als gedacht. Das bedeutete Jobs und Einnahmen, wie sie zuvor bitter vermisst worden waren, sowie, noch wichtiger, eine Rückkehr zu so etwas wie Normalität.

Umso enttäuschender ist die derzeitige Flut der Neuansteckungen mit der Omikron-Variante auf der Insel (S. 7) . Es scheint, als wiederholten sich die Szenarien, als hätten die vielen Anstrengungen in den vergangenen zwölf Monaten nichts gebracht. Doch so sollte man nicht denken! Sondern noch einmal zurückblicken und sich daran erinnern, wie die bisherigen Erfolge auf der Insel im Kampf gegen Corona erzielt worden waren. Anders, als es dem spanischen Klischee vom Laissez-faire entspricht, waren auf Mallorca die Restriktionen strenger als anderswo. Auch die Impfrate ist deutlich höher als in anderen Ländern. Viele der damaligen Maßnahmen erwiesen sich als richtig, und wenn man den Behörden einen Vorwurf machen könnte, dann vielleicht den, die Booster-Impfungen nicht schon früher, rascher und intensiver auf den Weg gebracht zu haben.

Die Erfahrungen zeigen, dass es Sinn macht, weiter auf die Wissenschaft zu vertrauen, denn die Alternativen entbehren jeglicher Fundamente. Wollen wir hoffen, dass Corona im kommenden Jahr noch mehr zurückgedrängt werden kann, als es dieses Jahr bereits gelungen war. MM wünscht seinen Leserinnen und Lesern daher ein glückliches und insbesondere ein gesundes 2022!

Autor: Alexander Sepasgosarian

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12 2021

Wir brauchen unsere Traditionen mehr denn je

Es ist der 24. Dezember des Jahres 1914, der Erste Weltkrieg tobt. Doch dann herrscht für einen Moment Frieden. Deutsche, Franzosen, Briten hören an der Westfront auf zu schießen. Die Hände erhoben, verlassen Soldaten Schützengräben, besuchen sich, singen gemeinsam „Stille Nacht“. Sie schenken sich Zigaretten, spielen sogar Fußball. Der Weihnachtsfrieden verstößt gegen Befehle, dauert nur gut einen Tag, ist aber ein Beispiel, wie tief Traditionen in uns verwurzelt sind.

Dieser Tage kommen Tausende Deutsche für das Weihnachtsfest nach Mallorca (S. 6) . Das ist für viele ein Brauch. Trotz hoher Coronavirus-Inzidenzen in Spanien und Deutschland lassen sich Zweithausbesitzer, Pauschalurlauber und Individualreisende die Winterferien auf der Insel nicht nehmen. Gegen diese Reisen ist nichts einzuwenden: Die Mehrheit der Menschen ist geimpft und trägt – wo vorgeschrieben – Maske.

Corona bestimmt weiter unseren Alltag. Gerade jetzt brauchen wir unsere Traditionen mehr denn je. Sie helfen uns besonders während Krisen. Sie geben uns Sicherheit, Halt, Normalität, Selbstvertrauen. Ein Brauch, das kann genauso das Singen von „O du fröhliche” in einer Ferienwohnung im derzeit schneebedeckten Hinterzarten im Schwarzwald sein. Und auch der Urlaub auf Mallorca.

Auch wenn wir das Fest dieses Jahr wieder mit Vorsicht feiern, weil wir Kontakte reduzieren: Wir feiern es. Ob mit vertrauten Menschen aus nur einem weiteren Haushalt an einem Tisch – oder mit vielen weiteren vor einer Videokamera. Ein Gefühl jedenfalls bleibt zurück: Zusammenhalt. Das ist für Menschen in christlich geprägten Ländern wie Deutschland und Spanien wichtig.

Der traditionelle deutsche ökumenische Gottesdienst in der Kathedrale von Palma an Heiligabend fällt der Pandemie wegen zum zweiten Mal in Folge aus. Dennoch gibt es viele kleinere Christmessen, die bestimmt genauso stimmungsvoll werden. Das macht Hoffnung. Liebe Leser, das Mallorca Magazin wünscht frohe Weihnachten.

Autor: Philipp Schulte

23

12 2021

Sozialer Frieden trotz sozialer Gegensätze

Wer mit einem Bus der Linie 7 von Palmas Problemviertel Son Gotleu ins stille, grüne und vornehme Son Vida fährt , sieht ungeschminkt, dass die sozialen Gegensätze auf Mallorca nicht viel weniger krass als in riesigen Millionenstädten sind. Der Unterschied ist, dass hier auf diesem betont internationalen Eiland alles viel kleiner und übersichtlicher ist: Kaum ist ein schlechtes Viertel durchfahren, kommt auch schon nach wenigen Minuten ein etwas besseres. Und in weniger als einer Stunde ist man im Paradies der Wohlhabenden.

Und es gibt noch einen Unterschied: Hält man sich in einer Gegend wie Son Gotleu längere Zeit auf, läuft man nicht wie in einigen Molochen Gefahr, entführt, beraubt oder gleich erschossen zu werden. Klar, eine teure Uhr sollte man auch hier abnehmen, aber Mallorca ist halt eine Insel mit einem allgemein vernehmbaren Sicherheitsgefühl, das fast überall gilt. Und das ist geradezu mehr als sympathisch. Davon kann in riesigen Städten wie Johannesburg, Buenos Aires oder Mexico-City nicht die Rede sein. Dort wird man in ein schlechtes Viertel hineingeboren, wächst dort auf und stirbt dort im Regelfall, manchmal mit einer Kugel im Herzen. Für Angehörige höherer Schichten sind das halt abgekapselte No-Go-Areas, die zu meiden sind. Auf Mallorca sind die Abgrenzungen fließender: Wer in Palma einen halbwegs guten Job ergattert, kann aus „Barrios” wie Son Gotleu oder Son Roca durchaus herauskommen. Dennoch: Auch hier bleiben die Menschen in der Regel in den betroffenen Vierteln.

Wer die sozial so unterschiedlichen Ecken bereist, dem wird einmal mehr klar, dass Mallorca die Welt im Kleinen ist. Wie unter einem Brennglas wird hier der Erdball unverfälscht erfahrbar – mit Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen und mit unterschiedlichster sozialer Herkunft. Diese leben im Großen und Ganzen friedlich zusammen, zwar eher nebeneinander als miteinander, aber immerhin. Und das trägt nunmal entscheidend dazu bei, dass diese Insel so lebens- und liebenswert ist.

Autor: Ingo Thor

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16

12 2021

Palma macht es Autofahrern schwieriger, im Zentrum zu parken

Palmas Rathaus will mit dem Plan „Palma camina” den Autoverkehr in der Innenstadt von kommendem Jahr an reduzieren. Eine Auswahl der Maßnahmen: Nur noch Anwohner dürfen die Plaça de Quadrado anfahren, aber nicht mehr an ihr parken. Von der Balearen-Universität führt ein neuer Radweg ins Zentrum. In beliebten Vierteln wie Santa Catalina wird das kostenpflichtige Parken ausgeweitet. Das gilt auch für klassische Wohnviertel.

Die Pläne zielen auch auf das Zentrum der Inselhauptstadt ab. Nur noch Anwohner sollen innerhalb der Avenidas ihren Wagen abstellen dürfen. Das würde dazu führen, dass weniger einkaufswillige Menschen nach Palma kommen, kritisieren Einzelhändler. 2000 von ihnen mitsamt Gastronomen machen Druck auf das Rathaus, die Maßnahmen zu überdenken.

Doch die Regierung von Bürgermeister José Hila ist bisher hart geblieben. Sie muss die CO2-Emissionen reduzieren. Sie ist an Vorgaben der Zentralregierung in Madrid gebunden. Die wiederum will ihren Beitrag zum Pariser Klimaabkommen leisten.

Hila weist daraufhin, dass es für Tagesgäste mehrere unterirdische Parkhäuser im Zentrum Palmas gibt. Außerdem seien zwei Drittel der Innenstadt bereits „Zona Acire”, also zufahrtsbeschränkt. Seit diesem Herbst ist die Buslinie 2 kostenfrei und umsteigen in andere Linien ebenfalls gratis für diejenigen, die mit Überlandbussen anreisen.

Der Plan „Palma camina” ist grundsätzlich zu loben. Es ist sicher sinnvoll, Anreize zu schaffen, dass Menschen mit Bus und Bahn kommen. Doch auch wer mit dem Auto fahren möchte, sollte das tun können.

Dafür müssen die Preise in den Parkhäusern reduziert werden: eine Stunde für zwei Euro ist zu teuer. Weiter könnten „Park&Ride”-Parkplätze in der Peripherie entlastend wirken. Die Abstellflächen des Son-Moix-Stadions dafür zu nutzen wäre eine Idee. Ein Shuttlebus könnte Besucher in zehn Minuten ins Zentrum bringen. Die Rathausspitzen sollten bedenken, dass Verbote nur dann akzeptiert werden, wenn Alternativen greifen. Über die muss noch besser diskutiert werden.

Autor: Philipp Schulte

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09

12 2021

Die ewige Pandemie, die nicht weichen will

Es war ein Schock, als vor einigen Tagen unerwartet gemeldet wurde, dass in Südafrika eine mysteriöse Corona-Mutation geortet wurde, die womöglich resistenter gegen die Impfstoffe und ansteckender ist. Omikron, wie die neue Variante von der Weltgesundheitsorganisation genannt wurde, brachte auf einmal den geordneten Prozess der Pandemie-Bekämpfung durcheinander. Doch ungeachtet eilig gekappter Flugrouten steht jetzt fest, dass die Mutation bereits in Europa existiert hatte, bevor sie in Südafrika identifiziert wurde. Und steckte sich jemand an, war der Krankheitsverlauf bislang mild.

Von Politikern und einigen Medien geschürte Panik ist also fehl am Platz, und das auch auf Mallorca, wo am Mittwoch ein erster Omikron-Verdachtsfall im Flughafen registriert wurde. Der Impfprozess auf der Insel und anderswo läuft weiter fast wie geschmiert, bald kommen Kinder dran, und das sogenannte „Boostern” bei über 60-Jährigen hat bereits Fahrt aufgenommen. Und sollte Omikron wirklich richtig gefährlich sein, dauert es halt ein paar Wochen, bis die Impfstoffe angepasst sind. Das Virus ist nunmal trickreich, gut möglich, dass es bald noch mehr Varianten gibt. Ganz unverhofft kommt so eine Annahme nicht.

Angesichts der Entwicklungen ist es dringend empfehlenswert, weiter höllisch aufzupassen. Und deswegen ist es nur vernünftig, in Restaurants und Bars jetzt vor Weihnachten, da so viele in Spanien aufeinanderhocken, wie von der Regionalregierung beschlossen den Impfpass als Zugangsberechtigung einzuführen. Und sollte das nicht helfen, muss dieser dann auch woanders, wo viele Menschen zusammenkommen, kontrolliert werden.

Dass die Pandemie mit der Ruhe im Sommer und Herbst vorbei sein würde, dürften nur eher naive Zeitgenossen geglaubt haben. Sie geht weiter, doch Fortschritte sind zu verspüren. Mit Omikron geht nicht alles wieder so wie im März 2020 los, als niemand geimpft und alles so neu und furchtbar war. Der Kampf ist halt ein langer und zermürbender. Ein Ende ist weiterhin nicht abzusehen.

Autor: Ingo Thor

02

12 2021