Archivo de Oktober, 2021

Endlich einmal 
ein größerer Wurf

Das Landgut von Raixa steht vor einer neuen Etappe seiner Existenz, und diesmal sind die Aussichten für eine erfolgreiche Integration des historischen Anwesens in die Verhältnisse der Gegenwart gar nicht mal schlecht. Als Museum für das von der Unesco zum Kulturgut erklärte Tramuntana-Gebirge dürfte es viele Besucher anlocken, insbesondere jetzt, wo der Eintritt kostenlos ist.

Gratis-Tickets gab es schon früher einmal, aber damals wurde in dem Herrenhaus mit seinem formschönen Säulengang kaum etwas geboten. Jetzt ist zum Landschafts- und Naturerlebnis ein handfestes kulturhistorisches Informationsangebot hinzugekommen, das Besuchern hilft, das Gesehene besser einordnen und verstehen zu können.

Raixa hat immer wieder schöne und weniger schöne Phasen durchlaufen müssen: Einst ließ der mallorquinische Kardinal Antoni Despuig, der im mondänen Rom das Flair der antiken Metropole genossen hatte, den schlichten Bauernhof bei Bunyola mit schicken Anbauten, plätschernden Wasserspielen und lauschigen Gärten aufhübschen. Nach seinem Tod wurde Raixa von Erbe zu Erbe gereicht und sank bald in einen Dornröschenschlaf. Wer vor über 20 Jahren dort vorbeikam, stieß auf ein zu verfallen drohendes Herrenhaus samt verwucherten Grünanlagen von romantisch-morbidem Charme. Dafür musste man damals deftig Eintritt bezahlen.

Dann wollte die deutsche Designerin Jil Sander das Haus retten und originalgetreu restaurieren. Die Politik in Palma und Madrid funkte dazwischen, versprach viel, hielt wenig, modernisierte lieblos – und ließ den Zugang sogar lange sperren. Das war alles sehr unausgegoren. Man wollte verhindern, dass das emblematische Landgut in ausländische Hände fiele. Ohne zu bedenken: Wer auch immer Besitzer ist, muss irgendwann gehen. Doch Raixa selbst wird, ebenso wie die Landgüter des österreichischen Erzherzogs Ludwig Salvator, auf der Insel weiter verbleiben.

Jetzt ist mit dem Inselrat ein Herr im Haus, der das Museumskonzept mit Leben füllt. Warum auch nicht?! Möge dem Projekt Glück beschieden sein! Besuchen Sie Raixa! Es ist schön dort! Vielleicht trifft man sich ..?!

Autor: Alexander Sepasgosarian

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10 2021

Der Flughafen soll schöner, aber nicht größer werden

Der Flughafen Son Sant Joan ist die Visitenkarte der Insel. Er muss freundlich und hell daherkommen und nicht allzu funktionell, ja abweisend. Dass man das 1997 errichtete und sichtlich in die Jahre gekommene Hauptgebäude und einige Terminals erneuern will, überrascht daher nicht. Neu ist, dass man den Komplex nicht – wie das sicherlich noch vor zehn Jahren problemlos durchgegangen wäre – hemmungslos vergrößern will, sondern bei den Maßnahmen die Klima-Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt. Dieser Ansatz ist der Balearen-Regierung zu verdanken, die zwar viele Touristen auf Mallorca haben will, aber deren Hauptankunftsort, den Airport, zum Glück nicht als goldenes Kalb betrachtet, das man um des schnöden Mammons willen unkontrolliert auf Kosten der Umwelt noch weiter vergrößern kann.

Die Regierung von Ministerpräsidentin Francina Armengol setzte bei der mächtigen, von Madrid gesteuerten zentralen Flughafenbetreibergesellschaft Aena außerdem durch, dass keine weiteren Parkflächen für Flugzeuge geschaffen werden. Hinzu kommt, dass der CO2-Ausstoß von Zubringerbussen dadurch begrenzt wird, dass neue Fahrgastschläuche gebaut werden. Und dann kommt noch ein Radweg.

Das alles entspricht der Philosophie des Linksbündnisses, die darin besteht, dort, wo es hinzubekommen ist, schädliche Emissionen unten zu halten oder zu verringern. Ob die neuen, mit Naturgas angetriebenen Überlandbusse oder das Aus für die Kohleverstromung im Kraftwerk Es Murterar oder die Förderung von Elektrofahrzeugen und erneuerbaren Energien. All dies geht in eine Richtung. Man will halt klimafreundlich sein, so wie das in der westlichen Welt seit Jahren immer mehr Mode wird. Und so soll der Flughafen von Mallorca nicht noch riesiger werden, sondern bequemer und passagiernäher. Die Devise heißt: Mehr Freundlichkeit bei mehr grünem Denken. Die ebenfalls der Klima-Gerechtigkeit mit der Zeit mutmaßlich immer mehr gewogenen Passagiere werden dies bemerken und dankbar sein.

Autor: Ingo Thor

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21

10 2021

Ein halbes Jahrhundert 
auf 120 Seiten

Liebe Leserinnen und Leser, wundern Sie sich nicht, wenn Sie diese MM-Ausgabe in den Händen halten und feststellen, dass sie diesmal deutlich umfangreicher ist als sonst. Das Mallorca Magazin ist 50 Jahre alt geworden. Darüber sind wir Redakteure, die wir die Anfangsjahre unseres eigenen Blattes nur aus dem Archiv und von früheren Erzählungen kennen, glücklich und dankbar. Und darum möchten wir Ihnen die Geschichte Ihrer und unserer Wochenzeitung in Form einer MM-Jubiläumsbeilage anschaulich, unterhaltsam und informativ präsentieren. Schließlich wird man nur einmal 50!

Noch nie hat es eine so umfangreiche MM-Beilage gegeben, 120 Seiten, prall gefüllt mit Berichten über die Anfangszeiten unserer Zeitung auf der Insel, aber auch mit Betrachtungen und Analysen der Gegenwart und der Zukunft, etwa in Sachen Tourismus, dem nach wie vor wichtigsten Wirtschaftsmotor der Insel. Auch erinnern wir an langjährige Wegbegleiter und lassen viele Freunde unseres Hauses zu Wort kommen. Letztlich ist die Geschichte von MM immer auch ein Spiegelbild der Menschen und des Zeitgeschehens auf der Insel, wie dieses sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten zugetragen hat.

Zugegeben, das genaue Geburtsdatum war bereits am 19. Juni, und seitdem ziert eine goldene „50” die Titelseite der MM-Ausgaben. Aber aufgrund der Corona-Pandemie haben wir damals auf einen Festakt verzichtet. Stattdessen fand nun am Mittwochabend – nach Redaktionsschluss – das MM-Forum „Mallorca und Deutschland, gemeinsam Zukunft gestalten” statt, bei dem Politiker und Unternehmer sich über die wechselseitigen Beziehungen austauschen wollten (S. 21) . Die Berichterstattung dazu erfolgt aus naheliegenden technischen Gründen erst in der kommenden MM-Ausgabe am 21. Oktober. Bis dahin versorgt Sie unsere Jubiläumsbeilage ausgiebig mit Lesestoff. Die Titelseite dieser Beilage wurde übrigens eigens vom mallorquinischen Künstler Gustavo gestaltet, der zwei Jahrzehnte in Berlin lebte und Deutschland bestens kennt. Wir sind stolz darauf, dass sein Kunstwerk die Jubiläumsbeilage ziert.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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14

10 2021

Shopping-Tourismus nützt der Insel

Eigenartig ist es schon, dass einschlägige Verbände auf Mallorca noch nicht genau Buch darüber führen, wer was wann wo einkauft. Schon seit vielen Jahren ist zu beobachten, dass das Shopping ein eigenes Urlaubsvergnügen geworden ist. Man braucht sich nur in die Fußgängerzone Sant Miquel in Palma zu stellen, um zu bemerken, wie freudig erregt, ja zuweilen exaltiert ausländische Touristen sind, wenn sie in ihrer Heimat nicht so bekannte Modeläden wie Mango oder Des-igual betreten. Zustände in Shopping-Malls in New York oder Dubai lassen grüßen.

Den Drang vieler Ausländer, sich in den Ferien was Schönes für ihr sauer erarbeitete Geld geradezu feierlich zu leisten, scheinen auch viele Ladenbetreiber noch gar nicht so richtig begriffen zu haben. Wenn wie dieses Jahr an einem Herbstsonntag scharenweise Urlauber durch die Straßen der Stadt ziehen, aber deutlich mehr als die Hälfte der Geschäfte geschlossen sind, spricht das Bände. Es ist auch noch nicht so, dass in Deutschland oder Großbritannien oder sonstwo in Europa groß dafür Werbung gemacht wird, zum Shoppen in die Balearen-Kapitale zu kommen. Wünschenswert wäre es um der Verlängerung der Saison willen.

Bei den großen Einkaufzentren wie dem Mallorca Fashion Outlet in Marratxí merkt man jedoch durchaus, dass aus dem Shopping-Tourismus wohl noch mehr herauszuholen ist. Wohl deswegen wurde schon vor Corona eine Umfrage gemacht, die sich mit dem Thema beschäftigt.

Auch den linken Regierenden auf Mallorca scheint der touristische Wert des Shoppens nicht richtig bewusst zu sein. Oder ist der Einkaufsspaß aus ideologischen Gründen gar nicht erwünscht? Wie anders ist zu verstehen, dass man ein geplantes großes Shoppingcenter im Bereich Ses Fontanelles des Viertels Can Pastilla an der Playa de Palma offenbar nicht will? Es ist Aufgabe demokratischer Regierender, Trends wie den Shopping-Tourismus aufzugreifen und zum Vorteil der eigenen Wirtschaft zu nutzen. In dieser Hinsicht gibt es auf den Inseln Nachholbedarf.

Autor: Ingo Thor

07

10 2021