Archivo de September, 2021

Das Wahlergebnis könnte Flüge teurer werden lassen

Im Mai verwendeten deutsche Politiker die Insel mal wieder als Synonym für günstiges Reisen. Annalena Baerbock, die Spitzenkandidatin der Grünen, sagte einer Zeitung: „Übrigens fliegt kaum eine Familie für 29 Euro nach Mallorca. In Ferienzeiten liegen die Ticketpreise deutlich darüber. Die Schnäppchen gibt es für Wochenendtrips, da sitzt wohl kaum die Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern im Flieger.” Damit hatte Annalena Baerbock recht und sie deutete an, dass sie Tiefstpreise nicht mehr dulden wolle.

Seit vergangenem Sonntag scheint wahrscheinlich, dass die Grünen an einer neuen deutschen Bundesregierung beteiligt sein werden. Das Mallorca Magazin hat sich für diese Ausgabe mit Mallorquinern unterhalten (S. 8) ; manch einer ist beunruhigt, dass Reisen zwischen Deutschland und Mallorca nun teurer wird. Die hiesige Tourismuswirtschaft ist stark auf Gäste aus „Alemania” angewiesen.

Die Angst ist berechtigt, denn auch der mögliche Kanzler Olaf Scholz von der SPD sagte im Wahlkampf, dass kein Flug billiger als die Flughafen- und sonstigen Gebühren sein dürfe. 50, 60 Euro solle der Mindestpreis betragen, sodass der Ausstoß von CO2 verringert werden könne.

Wer sich mit Sofortmaßnahmen für mehr Klimaschutz beschäftigt, liest schnell, dass Kohlenstoffdioxid die Atmosphäre erwärmt. Fliegen ist besonders schädlich. Grüne und SPD planen effektiv, wenn sie Dumpingpreise verbieten möchten. Nach der Jahrhundertflut in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz dürften nicht nur Klimaschützer sensibler auf die Erderwärmung blicken.

Aber wer will des Klimas wegen auf Urlaubsflüge verzichten? Was tun bei diesem Dilemma? Ein Weg könnte sein, die Emissionen seines Fluges auf Portalen wie Atmosfair berechnen zu lassen und einen Betrag zu zahlen, der diese kompensiert. Der Erlös fließt in Klima-schutzprojekte, über die man sich auf der Homepage näher informieren kann. Für einen Hin- und Rückflug, nach Münster/Osnabrück etwa, zahlt man 15 Euro für 638 Kilogramm CO2. Wer ein schlechtes Gewissen beim Fliegen hat, kann sein Urlaubsbudget in Zukunft erhöhen.

Autor: Philipp Schulte

30

09 2021

Zähmt das Virus den Exzesstourismus?

Hat die Pandemie tatsächlich geschafft, was die Balearen-Regierung schon Jahre davor immer wollte, nämlich den Tourismus vor allem an der Playa de Palma zu zivilisieren? Schlendert man auf der Promenade entlang, hat man mitunter diesen Eindruck. Es ist trotz voller Balkons und Restaurants in der Regel ruhig, Grölgeräusche dringen nur vereinzelt in die Ohren. Es ist festzustellen, dass ein ungewöhnliches Grundrauschen Einzug gehalten hat (siehe auch Seite 19) .

Ein Rauschen, das natürlich nur deshalb so ist, wie es ist, weil die Nachtlokale auf der Insel weiter geschlossen und größere Trinkgelage unter freiem Himmel verboten sind. Die seltsame Kombination aus entspannter Corona-Lage (siehe auch Seite 7) und weiter geltenden Restriktionen machte diesen Zustand der gehobeneren Art erst möglich. Ob er von Dauer sein wird, wenn sämtliche Restriktionen irgendwann wegfallen sollten, ist die Frage aller Fragen.

Nach wie vor gibt es genügend Menschen, die nur nach Mallorca kommen wollen, um aus der Rolle zu fallen. Das bedeutet: Sobald entfesselte Zustände in einschlägig bekannten Etablissements wieder gestattet sind, dürfte wohl wieder die Post abgehen.

Oder doch nicht? Kann es überhaupt wieder einen Rückfall in alte Zeiten geben? Klar ist: Das Virus wird nicht weichen. Es wird wieder Ausbrüche geben, vielleicht auch neue Wellen. Und das immer und immer wieder. Ob dies der Tod des Nachtlebens ist, wie es früher Usus war? Nicht auszuschließen.

Ohnehin hat die traumatisierende Pandemie Gefühlswelten verändert, womöglich sogar bei trink- und feierfreudigen Zeitgenossen. Wer wird sich, selbst geimpft, wohl trauen, irgendwann – wenn sie denn jemals wieder eröffnet sind – in die brechend vollen Partytempel zu gehen, wo sich Viren in Sekundenschnelle verbreiten könnten? Selbst abgebrühteren Naturen dürfte diese Vorstellung das Fürchten lehren. Das Virus könnte also schaffen, was vor Corona nur ein Traum war: den Exzesstourismus zu zähmen. Wünschenswert wäre es.

Autor: Ingo Thor

23

09 2021

Wer 
die Wahl hat …

In Deutschland und letztlich in ganz Europa steht ein Umbruch an: Wenn Angela Merkel in wenigen Tagen ihren Posten im Bundeskanzleramt räumt, dann ist das so wie wenn der Kapitän die Kommandobrücke verlässt – und zwar für immer.

Man kann über Merkels Politik der vergangenen 16 Jahre durchaus geteilter Meinung sein, aber eines muss man anerkennen: An ihrer proeuropäischen Haltung gab es zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel (S. 14) . Aus Ostdeutschland stammend, hielt sie an der Idee ihres Ziehvaters Helmut Kohl von einem geeinten Europa fest. Das ist das Europa, das wir, die wir uns auf Mallorca niedergelassen haben oder zumindest hier unsere Urlaube verbringen, tatsächlich auch leben.

Bleibt zu hoffen, dass Merkels Nachfolger, oder Nachfolgerin, an dieser proeuropäischen Politik festhalten wird. Am 26. September haben die Bundesbürger die Qual der Wahl, und man darf sich sicherlich fragen, ob jene Parteien mit dem größten Führungsanspruch auch wirklich ihre jeweils besten Bewerber für das Bundeskanzleramt ins Rennen geschickt haben. Möge das Wahlvolk mehrheitlich eine ebenso vernünftige wie verantwortungsbewusste Entscheidung herbeiführen.

Auch in Spanien und auf Mallorca kann man sich als Wählender mit der Politik und ihren Vertretern schwer tun. Wenn in Palma der Autoverkehr reduziert werden soll, mag das durchaus sinnvoll und berechtigt sein. Aber dann erscheint es nicht unbedingt stimmig, wenn das Rathaus die Café-Terrassen, die vor den Lokalen auf der Fläche der Autostellplätze entstanden sind, zum Monatsende wieder beseitigen möchte (S. 6). Ob man will oder nicht – diese gastronomischen Zusatzflächen aus Pandemiezeit haben mehr Flair in die Stadt gebracht als es die parkenden Autos tun.

Immerhin hat sich die Corona-Lage weiterhin entspannt, und die vielen Verschwörungstheorienverbreiter verschwinden zunehmend in der Bedeutungslosigkeit. Meist ist es ohnehin besser, statt zu nörgeln, aktiv mitzuhelfen. Etwa wie der Lions Club Palma (S. 9) oder die Macher von Herztat (S. 22). In diesem Sinne – eine schöne Woche!

Autor: Alexander Sepasgosarian

17

09 2021

Kleine Fortschritte in vielen Bereichen

Poc a poc, sagt der Mallorquiner, wenn er zur Geduld mahnt, oder aber die Zuversicht empfindet, dass die Verhältnisse in seinem Leben sich sachte, ganz sachte, zum Besseren wenden. Auf Französisch würde man „Peu à peu” sagen, auf Deutsch „Stück für Stück” oder vielleicht auch „Gut Ding will Weile haben”.

Bezogen auf Mallorca lässt sich vor diesem Hintergrund sagen, dass sich auf der Insel einiges tut, sich die Dinge positiv entwickeln, es irgendwie vorangeht. Nicht schnell, aber eben doch „Poc a poc” in vielen unterschiedlichen Bereichen. Die vorliegende Ausgabe ist voller konkreter Beispiele: Das Kunsthandwerk der Glasbläserei Gordiola wurde zum Kulturgut erklärt, aber was noch wichtiger ist, der mehr als 300 Jahre alte Betrieb richtet sich ökologisch aus, um Abfälle (in diesem Fall Altglas) zu recyclen und seine Emissionen zu senken (S. 26) .

Selbiges streben die Vorreiter in der Kreuzfahrtbranche an: Auf der „Mein Schiff 2” geht es den Betreibern darum, mit modernster Technik ebenfalls Abgase zu verringern und zu filtern. Auch das Abwasser will man an Bord auf nahezu Trinkwasser-Niveau klären. Das sind Fortschritte, wie sie vor ein paar Jahren noch undenkbar schienen (S. 32).

In Sachen Tourismus deuten sich ebenfalls Veränderungen an. Man dürfe nicht auf immer neue Besucherrekorde setzen, sondern müsse vielmehr die Qualität der Destination anheben, forderte jüngst Calviàs Alkalde (S. 8) . Das „Wie” dazu deutet sich in dem Bestreben an, innovative Arbeitsplätze durch neue Technologien zu schaffen (S. 14) . Gerade hier zeigt sich aber auch, dass Veränderungen Zeit benötigen und nicht über Nacht zu stemmen sind. Poc a poc also, aber bitte mit etwas mehr Forcierung, wenn es geht.

Dass sich auch die Corona-Lage auf der Insel verbessert hat und dass die Inzidenzwerte mittlerweile unter jenen in Deutschland liegen, ist ebenfalls ein Hinweis darauf, dass die vielen Bemühungen Früchte tragen. Jetzt zeichnen sich selbst Lockerungen für die Dorffeste ab (S. 6). Das Leben auf der Insel kehrt, in kleinen Schritten, zur Normalität zurück. Bestens! Geht doch!

Autor: Alexander Sepasgosarian

13

09 2021