Archivo de August, 2021

Mit Ach und Krach zum achtbaren Saisonergebnis

Es ist wie ein Lauf auf Eiern, der letztendlich mit viel Ach und Krach ein recht gutes Ende nimmt. Ungeachtet der erneuten, noch immer mächtig in Bewegung befindlichen Corona-Welle läuft die wichtigste Branche der Insel, der Tourismus, unerwartet erfreulich. Der zuständige Minister Iago Negueruela sprach von einer untypischen, aber guten Hochsaison (s. auch S. 14). Und es ist möglich, dass sie noch bis weit in den bekanntermaßen betörenden Inselherbst hineinreicht. Mallorca scheint den Sommerlauf durch die noch immer heiße Corona-Hölle achtbar zu überstehen, und das ist viel mehr als ursprünglich gedacht. Fast die Hälfte der Urlauberübernachtungen im Juli fanden spanienweit hier und auf den Nachbarinseln statt.

Doch damit ist die Kuh noch lange nicht vom Eis. Denn weiterhin werden jeden Tag fast 200 Neuansteckungen registriert, und das, obwohl die sogenannte Herdenimminuität mit über 70 Prozent vollständig Geimpften schon längst erreicht wurde. Die deutsche Bundesregierung ziert sich zudem, den Archipel von der Hochrisikoliste zu nehmen, was bei Hoteliers dem Vernehmen nach zu verstärktem Ärger über die Regionalregierung geführt haben soll.

Doch heute ist heute, der ansteckungsträchtige gefürchtete Winter noch einige Monate entfernt. Die derzeitige Menge der Urlauber ist erfreulich, schon fern liegt der Horrorsommer des vergangenen Jahres, als man sogar auf dem Es-Trenc-Strand im August nur wenige Besucher ausmachen konnte. Die Regionalregierung hat mit ihrer langsamen Lockerngsstrategie also richtig gelegen.

Jetzt geht es darum, die Ansteckungszahlen weiter zu minimieren, und das bei immer mehr Impfungen. Verweigerer zu benachteiligen, scheint offenkundig der gangbare Weg zu werden. Nur wer sich schützen lässt, sollte Konzerte, sonstige Spektakel und auch Restaurants besuchen dürfen. Wie das woanders auf der Welt schon usus ist. Jetzt muss nur noch bald die dritte Auffrischungsimpfung für die Senioren kommen, Dosen gibt es ja genug.

Autor: Ingo Thor

27

08 2021

Nur geimpft oder getestet ins Restaurant? Ja, bitte!

Spanien impft wie am Fließband. 60 Prozent der Bevölkerung haben sich bis Dienstag gegen das Coronavirus immunisieren lassen. 70 Prozent haben den ersten Stich erhalten. Wohl in drei Wochen ist die Herdenimmunität erreicht. Das Land rangiert in Bezug auf die Impfquote der 50 bevölkerungsreichsten Länder der Welt auf Platz zwei. Die Balearen liegen über dem Spanien-Schnitt: 66 Prozent erhielten die „Pauta completa”, 76 den ersten Stich.

Die Gründe für die Bereitschaft sind vielfältig: eine mit Impfungen besiegte Polio-Epidemie in den 1970er-Jahren, wenige organisierte Impfgegner und das Trauma des vergangenes Jahres, als in den ersten Wochen der Pandemie 30.000 Menschen starben. Insgesamt liegt Spanien bei den mit und an Corona Verstorbenen über dem europäischen Durchschnitt: 82.000 sind es landesweit.

Experten gehen davon aus, dass 70 Prozent Impfquote nicht reichen werden, um Masken überall fallen zu lassen und wieder dicht an dicht im Stadion zu stehen. 90 Prozent sollen immunisiert sein, was schwierig zu erreichen ist. Deshalb setzt die Balearen-Regierung auf Anreize für Geimpfte von Samstag an. Wer auf ein Konzert oder ins Stadion – Real Mallorca hat Saisonauftakt –will, braucht Impfung oder Test. Von September an sollen nur noch Immunisierte an Fußball- oder sonstigen Spielen aktiv teilnehmen und in Fitnessstudios Gewichte heben dürfen. Diese mögliche Regel müsste wohl Klagen stand halten.

Ein Kompromiss könnte sein, dass Geteste Geimpften gleichgestellt werden. Und die Neuerung sollte auf Restaurants, Bars, Cafés, Überlandbusse ausgeweitet werden. Wenn die Herdenimmunität von 90 Prozent noch nicht erreicht ist, wird es bei einer Übergangsnormalität bleiben. Testen ohne Ende ist in Deutschland seit dem Frühjahr erfolgreich: Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 25, Spanien weist 215 auf.

Für einen Antigen-Test müssen Balearen-Bewohner zwischen sechs und zehn Euro aufbringen. Für ein paar mehr Euro gibt es einen Nachweis. Der Griff in den Geldbeutel könnte Skeptiker dazu bewegen, sich doch impfen zu lassen.

Autor: Philipp Schulte

12

08 2021

Die seltsame Leichtigkeit des Seins auf der Insel

Es ist schon eigenartig: Die Menschen liegen lächelnd an Stränden, die Restaurants und Fußgängerzonen sind voll, doch in den Inselkrankenhäusern befinden sich wieder über 400 Corona-Patienten. Und auch die Intensivstationen sind erneut so voll, dass die Ampel des balearischen Wirtschaftszirkels am Mittwoch erstmals während dieser Welle Rot zeigte. Und damit nicht genug: Seit einigen Tagen werden wieder vermehrt Corona-Tote vermeldet. Dennoch: Die Kurve flacht ab.Und das dürfte die merkwürdige derzeitige Leichtigkeit des Seins auf Mallorca noch intensivieren.

Noch vor wenigen Monaten hätten sich viele Menschen angesichts von Ansteckungszahlen, die in die Hunderte pro Tag gehen, mit angstgeweiteten Augen in ihren Wohnungen verkrochen. Sie wären wie gehetzte Hasen durch die Gassen gehuscht, um Lebensmittel einzukaufen.

Doch die Zeiten haben sich geändert, und das dank der Impfkampagne. Immer mehr Menschen fühlen sich, weil sie vollständig vor der Krankheit geschützt sind, sicher. Zwar kann man sich offenbar trotzdem anstecken, aber der Verlauf der Infektion ist in der Regel nicht so schlimm. Die, die jetzt eingeliefert werden, sind halt zumeist jüngere Ungeimpfte und obendrein leichtsinnige Leute. Die Impfkampagne hat die Menschen psychologisch dergestalt verändert, dass sie sich fast wie in Vor-Corona-Zeiten fühlen, obwohl das Virus und seine verstörenden Mutationen weiter wüten.

Man begreift immer klarer, dass man halt mit der Seuche leben muss, und das lange Zeit. Anders als noch vor einem Jahr glaubt kaum jemand mehr, dass es sich bei der Pandemie um einen vorübergehenden Alptraum handelt, der irgendwann im Nirgendwo verschwindet. Also erlaubt man sich, wieder ausgelassen zu sein. Es lebe der Sommer, vor einem Jahr war er noch mausetot. Was soll depressive Trübsal, das Leben geht weiter, und sterben muss man sowieso beizeiten. Und wenn der Impfschutz schwächer wird, lässt man sich halt – wie offenbar für den Herbst und Winter EU-weit geplant – eine dritte Dosis verpassen.

Autor: Ingo Thor

05

08 2021