Archivo de Juli, 2021

Die Geimpften als Schlüssel zur Erholung

Das Virus tobt und tobt und tobt auf Mallorca, doch die Rahmenbedingungen haben sich mit der Zeit geändert. Zum Glück. Denn jetzt, da schon um die 60 Prozent der Bürger doppelt geimpft wurden, rückt der Schutz und die Förderung der Binnenwirtschaft mehr und mehr ins Blickfeld der Regierenden. Dabei steht der Impfpass im Mittelpunkt. Man will vor allem den vielen unangepassten jungen Leuten klarmachen, dass dieses Dokument unerlässlich sein wird, wenn man auf ein Konzert gehen oder in der Bar abhängen will. Das heißt: Entweder man lässt sich impfen, und das möglichst schleunigst, oder man gehört nicht dazu, ist also „out” und dazu verurteilt, sich irgendwo von der Polizei durch schmuddelige Straßen oder Gewerbegebiete hetzen zu lassen.

Restriktionen will man vorerst keine weiteren verhängen, es sei denn, die Corona-Situation nimmt wieder Züge wie im Frühjahr oder davor an, als die Intensivstationen wie überall sonst in Spanien zu kollabieren drohten. Man ist also dazu übergegangen, die neue Welle wirtschaftsfreundlicher, also pragmatischer und unautoritärer zu managen.

Diese Vorgehensweise sorgt auch dafür, dass die Urlauber Mallorca weiter schätzen, zumal die berüchtigten Lokale an der Playa de Palma – was viele überrascht – im Augenblick offenbleiben dürfen. Die Regierenden sagen, dass der aktuelle Kurs nur möglich sei, weil man im Frühjahr so streng wesen war und teilweise – das Nachtleben ist weiter mausetot – nach wie vor ist.

Wichtig ist halt, was hinten rauskommt, wie Helmut Kohl einst sagte. Und das ist dem „Govern” zufolge eine bis November dauernde Saison mit weiterhin vielen aus dem Off geholten Arbeitskräften in Hotels, Restaurants und sonst wo im Tourismusbereich. Ob das klappt, wird man sehen, die Erfahrung hat während der Pandemie gezeigt, dass Überraschungen der hässlichen Art immer möglich sind. Doch immerhin: Die Saison ist schon einige Wochen alt und läuft. Und das ist der Fall, weil die wichtigsten Regierungen die Geimpften gezielt bevorzugen.

Autor: Ingo Thor

29

07 2021

Wider die Generation der Verantwortungslosen

Es war einfach unhaltbar: Wochenende für Wochenende trafen sich nachts auf Mallorca irgendwo an Stränden oder sonstwo immer wieder zahllose junge Leute, um einem seltsamen, in Spanien seit vielen Jahren üblichen, in anderen europäischen Regionen jedoch eher unbekannten Hobby zu frönen, dem „Botellón”, also Trinkgelage unter freiem Himmel: Man hockt zusammen, redet, hört Musik und besäuft sich im Akkord. Und in Zeiten wie den aktuellen steckt man sich auch noch gegenseitig mit Corona an. Die Inzidenzwerte stiegen und stiegen.

Dass die Regionalregierung handeln musste, ist logisch: Nachts dürfen sich Personen aus unterschiedlichen Haushalten ab Samstag zwischen 1 und 6 Uhr nicht mehr treffen, basta! Und wer es dennoch tut, wird gehörig zur Kasse gebeten. Mit dem neuen Restriktionspaket schossen die Politiker nicht über das Ziel hinaus, es gelang ihnen, sich ausschließlich auf die feierfreudigen, dazu noch impffaulen, also erschreckend verantwortungslosen jungen Leute zu konzentrieren. Die sich weitgehend regelkonform benehmenden anderen Teile der Bevölkerung werden nicht tangiert, was bei einer zeitweise im Raum stehenden erneuten Verschärfung der Maskenpflicht zweifelsohne passiert wäre. Der Gegner wurde glasklar identifiziert und wird jetzt chirurgisch präzise angegangen, auch mit Spezialpolizisten vom Festland.

Die Pandemie hat auf den Inseln, und wohl nicht nur hier, einen veritablen Generationenkonflikt ausgelöst: Während die älteren Bürger in der Regel den Ernst der Lage erkennen, ist das bei vielen jüngeren nicht der Fall. Im Gegenteil: Sie bilden große Gruppen, hören Reggaeton, reden laut und rotzig und denken nicht über ihr Tun nach. Zu verdenken ist es ihnen kaum: Auf eine Zukunft mit geregelter Arbeit können nur wenige hoffen. Diese Leute verabschieden sich Zug um Zug aus der Gesellschaft. Eine Zukunftsaufgabe der Regierenden von welcher Partei auch immer wird es sein, die nicht wenigen jungen Outsider wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Dass dies schwierig werden dürfte, ist abzusehen.

Autor: Ingo Thor

22

07 2021

Eine ganz und gar veränderte Corona-Situation

Es ist eine Lage, an die man sich erst gewöhnen muss: Die Insel füllt sich immer mehr mit ausländischen Urlaubern, obwohl sich die Menschen so häufig wie selten mit Corona anstecken. Bei zuletzt 680 neuen Infizierten pro Tag hätte es während der vergangenen Wellen harte Restriktionsmaßnahmen nur so gehagelt. Doch jetzt bleiben die Restaurants und Bars geöffnet, sogar die Innenräume. Und die Menschen bewegen sich maskenfrei durch die Straßen, als wäre das Leben so sorgenfrei wie vor der Pandemie.

Doch am Ende guckt man halt auf die Krankenhäuser. Füllen die sich nicht rasant, gibt es ja keinen Grund zur Panik. Da hat die balearische Regierungschefin Francina Armengol völlig recht. Die Impfkampagne schlägt also inzwischen durch, die älteren Bürger sind vor der Krankheit geschützt.

Das bedeutet jedoch nicht, sich zurücklehnen zu können: In der besonders schwer von der neuen Welle betroffenen Nachbarregion Katalonien sieht die Krankenhauslage angespannter aus, und das, obwohl auch dort die anfälligeren Älteren durchgeimpft wurden. Es ist also zu hoffen, dass auf den Inseln diese merkwürdige Lage so bleibt und die Zahl der Infizierten bald wieder sinkt.

Es zählt halt im Tourismus, der wichtigsten Branche Mallorcas, jeder Tag. Und momentan läuft es: Immer mehr Hotels machen auf, immer mehr Flieger kommen. Das ist gut für die Menschen, denn die brauchen Arbeit und Brot. Doch alles kann sich schnell wieder ändern, wenn un- oder halbgeimpfte Urlauber bei ihrer Rückkehr in Quarantäne müssen, weil Mallorca als Hochinzidenzgebiet gesehen wird. Oder würde alles auch dann nicht so schlimm, weil so viele schon vor der Krankheit geschützt sind?

Es ist eine kritische Phase, die Mallorca derzeit durchlebt. Die Regionalregierung handelt taktisch richtig, einstweilen auf allzu scharfe neue Restriktionen zu verzichten. Es ist zu hoffen, dass Deutschland ebenso klug agiert und bei der Bewertung Mallorcas nicht nur die Inzidenz beäugt. Die Urlauber werden es den im September zur Wahl stehenden Politikern danken.

Autor: Ingo Thor

15

07 2021

Es war ein Fehler, die Jugend so spät zu impfen

Die Wogen der Empörung sind den vergangenen Tagen hochgegangen. Zu Recht. Die Flut an Corona-Nachrichten, die von Mallorca nach ganz Europa schwappte, hat für reichlich Verunsicherung gesorgt. Das enthemmte Treiben von Abschlussschülern vom spanische Festland, die hier ihr Abitur mit einer Reise feierten, ist eine Ohrfeige für all diejenigen gewesen, die sich die seit Herbst engagierten, um das Inzidenzgeschehen bis zum Start der Tourismussaison Saison auf fast Null zu senken.

Man kann natürlich auch den Behörden die Schuld geben, die womöglich noch intensiver hätten kontrollieren sollen. Aber schon jetzt gab es nicht wenige Zeitgenossen, denen bereits die bisherigen Kontrollen als „Freiheitsberaubung” zu weit gingen.

Das Problem liegt sicherlich tiefer. Es war korrekt, dass im Kampf gegen die Pandemie als Erstes die Senioren und Risikogruppen geimpft wurden. Im Anschluss an diese wäre es dann besser gewesen, vor allem die jungen Leute von 16 bis 30 zu impfen. All jene Teenager und Twens, die ständig auf Achse sein und etwas erleben müssen. Eben jene, die sich aus juveniler Unvernunft an so gut wie keine Regel zu halten wissen. Die 30- bis 50-Jährigen hätten es hingegen eher verwunden, wenn sie nicht jedes Wochenende zur Megaparty strömen könnten.

Immerhin haben die Balearen als erste Region in ganz Spanien die Impfung der feierwütigen Youngster vorgezogen. Auch sonst hat der Umgang mit den Corona-Restriktionen auf den Inseln einen guten Eindruck hinterlassen. Man war strenger als anderswo, weil man die Bedeutung des Tourismus als Lebensgrundlage der Insel besonders gut kennt. Dass Briten nur mit einem Test einreisen dürfen, ist ebenfalls so eine Maßnahme.

Auch wenn die Zahlen wegen der jüngsten Fälle hochschossen – die Lage ist bei weitem nicht mit der im Sommer 2020 zu vergleichen, als noch niemand geimpft war. Die Kliniken sind ihrerseits nicht überlastet. Vorsicht ist weiterhin geboten, Panik jedoch nicht angebracht. Die Zahl der vollständig Geimpften steigt täglich. Diese werden ihre neue Freiheit in vollen Zügen genießen.

Autor: Alexander Sepasgosarian

08

07 2021

Die kalte Dusche kurz vor der Hochsaison

Man hatte sich in der Balearen-Regierung schon so sehr auf eine erfolgreiche Sommersaison gefreut: Die Corona-Lage blieb ruhig, die Deutschen buchten in Massen, die Briten dürfen endlich auf die Insel. Doch dann kam eine eiskalte Dusche: Hunderte spanische Abschlussschüler infizierten sich bei Mallorca-Reisen mit dem Coronavirus. Daraufhin stiegen die Inzidenzwerte in nur wenigen Tagen steil an.

Jetzt versucht man, so gut es geht gegenzusteuern: Man impft die Jüngeren, die Einreisenden aus Großbritannien, wo die Delta-Mutation grassiert, dürfen nur mit einem negativen Testergebnis auf die Insel. Noch sind andere Altersgruppen von Ansteckungen weitgehend verschont.

Doch das Kind ist in den Brunnen gefallen, das Image als Vorzeigeinsel ist gefährdet. Das liegt daran, dass man den inländischen Partytourismus unverständlicherweise einfach toleriert hat. Sogar ein Konzert für die feierfreudigen Jugendlichen war genehmigt worden. Kalt erwischt, reagierten Ministerpräsidentin Francina Armengol und ihre Minister über: Sie sperrten auch negativ getestete und sogar unbeteiligte Schüler in das Corona-Hotel in Palma. Und wurden von einer Richterin zurückgepfiffen. Hier seien Grundrechte eingeschränkt worden, argumentierte diese. So hatten Richter in Madrid auch schon Anfang Juni gesprochen, als es darum ging, die nächtliche Ausgangssperre aufzuheben.

Den sozialistischen und linkspopulistischen Insel-Regierenden ging es zu Recht darum, den Tourismus und damit die Wirtschaft zu retten. Doch sie waren unaufmerksam, weil sie den spanischen Partytourismus nicht verhinderten. Und sie nahmen es auf der anderen Seite mit dem Respekt vor Grundrechten nicht genau, was an ihnen haften bleiben dürfte. Jetzt muss es darum gehen, die Sommersaison noch halbwegs zum Laufen zu bringen, was möglich sein könnte. Aber alles hat im Rahmen von Recht und Gesetz über die Bühne zu gehen. Spätestens nach dem mit den Schülern verbundenen Richterspruch müsste das die im Volke immer unbeliebtere Regierung begriffen haben.

Autor: Ingo Thor

01

07 2021