Archivo de Juni, 2021

Die neuen Freiheiten, die es zu genießen lohnt

Es sieht alles so schön aus: Am Samstag werden in Spanien im Freien die Masken fallen, immer mehr Touristen strömen auf die Insel, halten sich auch in Palma auf und geben Geld in Restaurants und Läden aus. Die Corona-Inzidenz bleibt erfreulich niedrig, schon mehr als 30 Prozent der Menschen auf Mallorca sind vollständig gegen diese Geißel der Menschheit geimpft.

Doch damit ist die schon mehr als ein Jahr dauernde Pandemie noch lange nicht ad acta gelegt. Denn nicht weit entfernt breitet sich die in Indien erstmals festgestellte gefährliche Delta-Variante des Virus’ aus: Im Nachbarland Portugal steigt die Inzidenz deswegen wieder, und das besonders in der Kapitale Lissabon. Dies gilt auch für Großbritannien und Israel. Gegen diese Mutation ist man nur geschützt, wenn man vollständig geimpft ist.

Ein zweites Problem, das die Lage auf der Insel beizeiten verschlechtern könnte, sind viele bewusst unverantwortlich handelnde vor allem junge Menschen. Dass sie endlich Freiheiten spüren wollen, ist nachvollziehbar. Doch sie explodieren förmlich, was ihren Drang angeht, sich in großer Zahl zu betrinken und zu vergnügen. Die Polizei hat seit Wochen alle Hände voll zu tun, solche Ansammlungen aufzulösen, die 16- bis 29-Jährigen stellen die inzwischen am härtesten von Corona betroffene Altersgruppe. Hinzu kommen Hunderte Abschlussschüler vom Festland, die sich derzeit auch an der Playa de Palma verlustieren. Es ist aktenkundig, dass sich schon einige mit Corona angesteckt haben.

Ungeachtet dessen stehen halt alle Zeichen auf Öffnung. Und so wabert noch vor dem Ende der Maskenpflicht ein Gefühl von Freiheit über die Insel: Die Menschen erfreuen sich am Trubel auf den Straßen, sogar das Nachtleben wird – wenn auch gezähmt – wieder angefahren (s. S. 6 und 7) . Es ist also gut, sich jetzt zu entspannen und das Leben auf der sicheren Insel Mallorca zu genießen. Dass es inzidenztechnisch wieder schlechter werden könnte, ist aber alles andere als ausgeschlossen. Die Zukunft ist halt nie genau voraussehbar.

Autor: Ingo Thor

24

06 2021

Lust bei Urlaubern, Frust bei Politikern

Endlich wieder Malle! Das dürften sich Tausende Deutsche gedacht haben, als Spanien am 7. Juni Einreiseregeln lockerte. Morgens einen kostenlosen Antigen-Test im Bürgerbüro der Gemeinde machen, nachmittags in den Flieger, abends in den Bierkönig am Ballermann. Läuft. Dagegen ist nichts einzuwenden. Blöd, dass das Kultlokal um halb elf zumacht. Also noch ein bisschen auf die Mauer am Strand. Vorher noch ein paar Bier beim Spätkauf holen und weiter gehts (S. 13) .

Schon sind Urlauber Gegenstand von Diskussionen, die Mallorca seit dem ersten Juni-Wochenende umtreiben. Bis zu 10.000 Menschen haben sich an der fünf Kilometer langen Playa de Palma besonders an Frei- und Samstagen versammelt. Darunter Touristen und Einheimische. Polizeiautos fuhren über die Promenade, lösten das Treiben auf. Die Stadtverordnung von Palma verbietet Trinken in Gruppen. Doch wenig später kamen die Menschen wieder – oder es waren andere.

Wie dem auch sei: Die Probleme am Ballermann sind so zuverlässig zurückgekehrt wie Schüler nach den Sommerferien. Auf der einen Seite braucht Mallorca Urlauber, damit viele Menschen wieder einen Job haben. Auf der anderen Seite möchten Inselpolitiker und Hoteliers keinen Partytourismus der Exzesse mehr.

Von Samstag, 19. Juni, an dürfen Lokale bis zwei Uhr öffnen. Trinkgelage auf der Straße könnte damit vorgebeugt werden. Doch sie verhindern kann diese Lockerung nicht. Es ist Sommer, Corona so gut wie vorbei und die Lust groß, mal wieder einen drauf zu machen. Bei Deutschen, Spaniern, Franzosen und und und. Die Fußball-Europameisterschaft lässt auch die ein oder andere Feier steigen.

Die Polizei sollte ihre Präsenz in Palmas Stadtzentrum wie an der Playa verstärken. Gleichzeitig müssen Politiker auch ein paar Regeln prüfen. Muss eine etwas lautere, biertrinkende Gruppe von zehn Personen am Strand aufgelöst werden? Eher nicht. Gleichzeitig müssen Behörden besser über Regeln aufklären – auf Deutsch, Englisch, Spanisch. Die Restriktionen an der Playa lassen sich genauso schwierig einprägen wie die gerade erst gefallenen Corona-Regeln.

Autor: Philipp Schulte

17

06 2021

Die uneingeschränkte Maskenpflicht im Zwielicht

So locker es regeltechnisch inzwischen auf Mallorca zugeht, eine Coronarestriktion nervt die Menschen bei zunehmender Wärme immer mehr: Anders als in Österreich und Deutschland muss man hier eine Maske auch im Freien weiter immer tragen, auch wenn man allein ist und einem der Schweiß übers Gesicht läuft. Die zuständige spanische Zentralregierung prüft angeblich Lockerungen ab Juli.

Es ist zu wünschen, dass man schneller zu Potte kommt, denn keine andere Restriktion regt gerade die begehrten Urlauber so sehr auf. Wichtig ist, diese um Gottes Willen nicht zu verärgern. Aber für nicht wenige ist die uneingeschränkte Maskenpflicht Grund genug, Spanien als Urlaubsziel zu meiden.

Es ist nunmal so, dass man bei der Einschränkung oder gar Suspendierung elementarer Freiheiten in Mitteleuropa erheblich empfindlicher als hierzulande ist. In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat sich der Otto-Normalverbraucher in den vielen vergangenen Jahrzehnten daran gewöhnt, von den jeweiligen Regierenden respektiert zu werden. Dieser Respekt wird den Bewohnern von Spanien von den in Madrid derzeit das Zepter schwingenden Sozialisten offenbar nicht immer gezollt. Das ist uneuropäisch. Da aber Spanien bekanntlich zur EU gehört, müssen sich die jeweils Regierenden deren Standards zu Eigen machen. Kennen sie ihre „Pappenheimer” zu gut? Oder ist es die Abgehobenheit nicht besonders weitblickender Funktionsträger, weshalb diese Restriktion trotz niedriger Inzidenzwerte weiterbesteht? Schwer zu sagen. Oder ist es nur Nachlässigkeit? Gut möglich. Andererseits: Ist es angesichts der neuen Feierwut nicht vernünftig, die Menschen zum Tragen von Masken auch im Freien zu verpflichten? Dennoch: Es sollte auch in Spanien schnell dazu kommen, dass man sich die Maske dann aufsetzt, wenn man einen Supermarkt oder Bus betritt, sie aber abziehen darf, wenn man sich nicht in Menschenmengen im Freien bewegt. Nur so können die Regierenden verhindern, dass das Image des Landes leidet und dass weniger Touristen kommen.

Autor: Ingo Thor

10

06 2021

Die letzten Kilometer 
sind besonders hart

Lothar Wieler, Präsident des deutschen Robert-Koch-Instituts hat den Kampf gegen das Coronavirus mit einem sportlichen Wettbewerb verglichen. Es einzudämmen sei ein Marathon – und wir befänden uns auf den letzten Kilometern. Die, sagt Wieler, seien bekanntlich die härtesten.

Auf Mallorca trifft diese Aussage ebenfalls zu. Ein Marathon ist gut 42 Kilometer lang. Wir dürften bei 35 sein – haben also schon eine Menge geschafft. Die Oberschenkelmuskeln beginnen zu schlackern, der Kopf dröhnt. Aber das Ziel ist in Sicht.

Umso motivierender ist, dass die Balearen-Regierung von Sonntag, 6. Juni, an die Corona-Regeln umfassend lockert. Das ist wie ein isotonisches Getränk, gereicht vom Straßenrand. Was wird das für ein Gefühl, wieder nach Mitternacht nach Hause zu kommen? Oder schon um 5 Uhr zu einem Ausflug in die Berge aufzubrechen? Es könnte sein, dass in der Nacht von Samstag auf Sonntag viele Menschen auf den Straßen Mallorcas feiern.

Doch wie wirkt sich die neue, relative Normalität auf die Infektionszahlen aus? Aufmerksame Zeitungsleser kennen die täglich aktualisierte Sieben-Tage-Inzidenz besser als ihren Kontostand. Sie werden genau hinschauen.

Mitte Juni vergangenen Jahres hat sich die Insel ebenfalls geöffnet, wie man so sagt. Deutsche Urlauber kamen in einem Pilotprojekt. Es wurde unbeschwert getanzt. Ach, wie schön. Doch zwei Monate später galt Mallorca aus deutscher Sicht wieder als Risikogebiet. Droht das erneut?

Die Balearen-Regierung scheint aus Fehlern des Vorjahres gelernt zu haben. Im ersten Corona-Jahr konnte man ungetestet einreisen und es herrschte Enge statt Abstand – zum Beispiel auf der Bierstraße. Das darf dieses Jahr nicht passieren. Urlauber sind genauso verantwortlich wie Einheimische.

Die Ministerpräsidentin der Balearen hat die Insel-Bewohner für ihre Disziplin gelobt. Das ist schön. Wir brauchen nun weiter Impfwillige, viele Dosen Vakzine und noch sieben, acht Wochen Ausdauer. Dann könnte die viel beschworene Herdenimmunität erlangt sein und alle erreichen das vermeintliche Ziel. Wir alle sind dann Sieger.

Autor: Philipp Schulte

04

06 2021