Archivo de Mai, 2021

Abschied vom bleiernen Winter auf Mallorca

Irgendwie ist derzeit zu spüren, dass mehr und mehr eine gewisse Erleichterung Besitz von den Inseln ergreift. Das liegt an der zunehmenden Wärme, der weiterhin erfreulich niedrigen Corona-Inzidenz, der fast schon trabenden Impfkampagne und am spürbar anschwellenden Strom von Urlaubern. Ja, man sieht wieder viel mehr Mitteleuropäer auf der Insel. Die sich durchaus mit Nachdruck ins Positive bewegende Eigendynamik scheint bereits ein Selbstläufer zu sein. Was interessiert angesichts dessen die Tatsache, dass jetzt auch hier wie fast überall einige wenige Fälle mit der momentan vieldiskutierten Indien-Variante festgestellt wurden.

Wichtig ist, dass sich wieder eine gewisse Freude auf der Insel verfestigt. Verhaltene positive Schwingungen bemerkt man bereits. Weil viele Hoteliers öffnen wollen (S. 8), bekommen mehr und mehr Menschen Arbeit, der bleierne Winter, der so viele Einwohner bis ins Mark traumatisiert haben dürfte, wird immer mehr in die Hinterköpfe verlagert.

Doch ausgestanden ist die Pandemie mitnichten. Zwar wurden schon mehr als 13 Prozent der Insulaner vollständig geimpft, doch dies ist halt keine beeindruckende Zahl. Das Problem bleibt also bestehen. Angesichts dessen ist es verständlich, dass die Regionalregierung nach wie vor auf Vorsicht setzt und etwa die nächtliche Ausgangssperre und Einschränkungen bei privaten Treffen beibehält.

Für gespaltene Gefühle dürfte in den offiziellen Gefilden sicherlich die Tatsache sorgen, dass Briten seit Montag ganz ohne Test auf die Inseln können, obwohl das deutsche Robert-Koch-Institut jenes Land wegen grassierender Fälle der Indien-Mutation gerade als Virusvariantengebiet eingestuft hat, die mit Abstand schlimmste Kategorie für Seuchenareale.

Sollte dieser Widerspruch bald aufgelöst werden und die Inzidenz niedrig bleiben, könnte nach der noch eher verhaltenen Freude so etwas wie Euphorie entstehen, zumal die Nachfrage nach Urlaub auf Mallorca gerade in Deutschland von Tag zu Tag steigt.

Autor: Ingo Thor

27

05 2021

Das Ziel ist nah, doch Euphorie ist fehl am Platz

Es ist ein Marathonlauf, der Monate dauerte, und das Ziel ist endlich in Sicht: Es ist die Hochsaison, von der so viel auf Mallorca abhängt. Die positive Entwicklung spielt Ministerpräsidentin Francina Armengol und ihrem Tourismusminister Iago Negueruela in die Hände: Die ohnehin seit Wochen niedrige Corona-Inzidenz geht immer weiter nach unten, die von nicht wenigen als zu streng verteufelten Restriktionen wirken. Wenn pandemietechnisch nicht noch etwas Unvorhergesehenes passiert – es sind Mutationen noch und nöcher im Umlauf – können die Regierenden womöglich schon bald von sich behaupten, nichts Geringeres als den Tourismus, also die wichtigste Branche der Inseln, gerettet zu haben. Sie werden Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, die ihnen vorgeworfen hatten, die Wirtschaft und Familien zerstört zu haben. Ja, sie beschädigten einen Teilbereich schwer, nämlich die Restaurantbranche, doch sie wollten Wichtigeres retten. Zwar gingen viele Wirte pleite, aber der erhoffte Zustrom von Urlaubern dürfte aus der Asche neue Blumen, also neue Jobs, sprießen lassen.Oder kann doch noch alles anders kommen? Kann es sein, dass alle derzeit hochfliegenden Träume jäh wieder enden, so wie im Sommer 2020? Je mehr Wochen vergehen, desto unwahrscheinlicher wird das. Das liegt daran, dass die Impfkampagne nun wirklich auf Touren gekommen ist. Dennoch: Woanders auf der Welt, etwa in Indien oder Thailand, wütet das Virus so entfesselt wie noch nie, und das darf nicht außer Acht gelassen werden.

Vorsicht ist also weiter geboten, verfrühte Euphorie fehl am Platz. Es ist in diesem Zusammenhang vernünftig, nicht voreilig etwa wieder das Nachtleben anzuknipsen, zumal die jungen Leute ja noch gar nicht geimpft wurden. Viele Youngster betrinken sich in Massen, sie versammeln sich auf Stränden. Sie begreifen die womöglich verheerenden Konsequenzen ihres Tuns nicht, auch was ihre berufliche Zukunft anbelangt. Doch der Polizei ist es bislang gelungen, schlimme Auswirkungen zu verhindern. Also: Optimismus auf Mallorca ist durchaus angebracht, endlich!

Autor: Ingo Thor

24

05 2021

Das Vabanquespiel der Francina Armengol

Es ist ein Vabanquespiel, das die balearische Regierungschefin gerade spielt. Aber jeden Tag wird klarer, dass sie es gewinnen könnte. Um die Hochsaison zu retten und damit Jobs zu bewahren und auch zu schaffen, hat Francina Armengol für die Inseln die inzwischen härtesten Einschränkungen spanienweit zementiert: nächtliche Ausgangssperre ohne Alarmzustand, weiter stark eingeschränkte private Treffen, Tests auch für Inlandseinreisende. Der Lohn für die Härte ist die anhaltend niedrige Corona-Inzidenz.

Die mitunter schon als Insel-Thatcher bezeichnete Armengol nimmt ungerührt in Kauf, dass die Stimmung in der Bevölkerung schlechter wird. In der Nacht zum Sonntag kam es in Palma sogar zu gewalttätigen Ausschreitungen. So etwas hatte man hier jahrelang nicht gesehen. Wäre jetzt Wahl, würde man die Sozialistin wohl in die Wüste schicken. Doch eine neue Regierung wird auf den Inseln das nächste Mal erst 2023 bestimmt. Bekanntlich sind die Menschen vergesslich. Steckt man ihnen kurz vor Urnengängen Brot in die Münder, werden sie handzahm wie gut gefütterte Kälber. Übersetzt heißt das: Gibt man verarmten Menschen Jobs – und die gibt es halt fast nur im Tourismus – werden sie ruhig. Zwar wird es immer gewaltbereite Personen geben, doch Bodensatz gehört halt zu einer Gesellschaft.

Sollte es keine weitere Corona-Welle geben, wird man zu Pfingsten und im Sommer wieder viele Bundesbürger auf Terrassen sitzen sehen. Emsige Kellner werden sie gern bedienen und nicht auf die Idee kommen, nachts Bambule zu machen. Die Zeit wird vergehen. Wer wird sich in zwei Jahren noch an die strengen Regeln von gestern erinnern? An die Polizisten, die einen manchmal mit bösem Blick fixierten, wenn die Maske schief saß? Gut möglich, dass man dann Armengol – wenn sie denn wieder antritt – für ihre Stringenz an den Urnen würdigt. Aber was ist schon voraussagbar … Man könnte auch dermaßen traumatisiert sein, dass man Sozialismus auf den Balearen nie wieder erleben will.

Autor. Ingo Thor

13

05 2021

Regionalwahl in Madrid hat Signalwirkung

Das Ergebnis der Regionalwahl in Madrid transportiert mehrere Botschaften. Erstens: Wer Corona-Maßnahmen lockert, kommt gut an. Zweitens: Die Zentralregierung Spaniens muss noch stärker als zuvor auf die politische Stimmung in der Hauptstadt schauen. Und: Egal wie verroht Wahlkampf geführt wird, die Art und Weise hat nachher kaum Konsequenzen und wird vergessen.

Vor der Wahl in Madrid haben die politischen Führer Wähler gegeneinander aufgehetzt. Die Folge waren an Politiker adressiert Messer mit Blutspuren sowie Patronen. Sprich Morddrohungen. Das war selbst für Spanien, wo Rechts und Links im Gegensatz zu Deutschland kaum miteinander regieren könnte, besorgniserregend.

Madrids Wahlsiegerin Isabel Díaz Ayuso von den Konservativen warb mit dem Slogan „Kommunismus oder Freiheit”. Beide Worte waren überzogen. Vermutlich haben noch nicht mal Anhänger von Ayusos Partido Popular ernsthaft geglaubt, dass linksgerichtete Parteien im Fall eines Wahlsiegs kommunistische Strukturen eingeführt hätten. Frei ist in der spanischen Hauptstadt auch jeder – und während der Pandemie hatten besonders Madrilenen vergleichsweise viele Freiheiten. Bars und Restaurants sind bis 22 Uhr geöffnet. Der Slogan war übertrieben, hatte aber einen wahren Kern.

Welche Auswirkung der überragende Wahlsieg der Partido Popular in Madrid auf nationaler Ebene hat, bleibt abzuwarten. Die Zeitung „El País” spricht von einem politischen Erdbeben. Zumindest der Ton gegenüber der sozialistischen Regierung von Pedro Sánchez dürfte noch rauer werden. Dass sie den Alarmzustand am Sonntag auslaufen lässt und Grundrechte schwieriger einzuschränken sind, trägt dem Stimmungsbild in der Gesellschaft Rechnung.

Auch die sozialistische Regionalregierung der Balearen dürfte der Wahlsieg der Konservativen zumindest beunruhigen. Sie kämpft im Gegensatz zu Ayuso für strenge Corona-Regeln. Für diese ist die Ausgangssperre fast zum Synonym geworden. Wie auch immer das Ringen ausgeht: Eine populistische Debatte wie in Madrid ist während einer Gesundheitskrise unangebracht.

Autor Philipp Schulte

06

05 2021