Archivo de April, 2021

Die Ausgangssperre soll bleiben – und eine Perspektive muss her

Die nächtliche Ausgangssperre auf den Balearen ist in den vergangenen Tagen zum Symbol für die Corona-Maßnahmen geworden. Die einen wollen sie abschaffen und weniger eingeschränkt sein. Andere wollen, dass sie weiter wie ein Damm an der See die vierte Corona-Welle aufhält.

Fakt ist, dass der „Toque de queda” den Lebensrhythmus der Menschen verändert. Seit Ende Oktober strukturiert er den Tag, lässt besonders Jugendliche gegen 22 Uhr nach Hause spurten. Sie leiden wie kaum eine andere Altersgruppe unter der Pandemie, weil sie sich öfter als andere mit Freunden treffen – um ein bisschen abzuhängen.

Nächsten Monat, am 9. Mai, soll der Alarmzustand in Spanien enden, wodurch der Balearen-Regierung die rechtliche Grundlage für die Ausgangssperre entzogen würde. Die Ministerpräsidentin der Inselgruppe, Francina Armengol, sucht jedoch nach Möglichkeiten, den Toque de queda aufrechtzuerhalten. Politiker der oppositionellen Parteien Partido Popular und Vox werfen Armengol Autoritarismus vor. Sie verfolge einen Weg, der sich gegen Freiheit richte.

Armengol hingegen hält an der „Desescalada lenta”, der langsamen Öffnung, fest und verweist auf einen Zeitplan. Allerdings sagt sie nicht, wie dieser aussieht. Bars und Restaurants fehlt eine Perspektive, wann sie länger als 17 Uhr öffnen dürfen. Recht gibt Armengol die niedrige Sieben-Tage-Inzidenz auf den Balearen, 30 Corona-Fälle je 100.000 Einwohner. In ganz Spanien steigen die Ansteckungszahlen wohl als Folge der Osterferien – lediglich die Balearen bilden eine Ausnahme.

Die Regierung will diese Zahl den Sommer über halten – oder verringern –, um sicheres Reiseziel zu sein. Die regionale Wirtschaft braucht Touristen wie ein Tennisspieler Bälle. Doch dass auch diese Saison keine normale wird, ist vielen klar. Hotelbetreiber rechnen damit, wenn es gut läuft, dass sie 50 bis 70 Prozent der Betten belegen. Nur dann lohnt es aufzusperren. Und wie viele der rund 1000 Insel-Hotels machen auf? 400, 500? Das wäre angesichts der Ausgangslage ein Erfolg.

Autor: Philipp Schulte

16

04 2021

Politiker müssen Ausdauer der Menschen belohnen

Gute Nachrichten gab es in den vergangenen Tagen für alle Virusmüden. Müde, erschöpft, genervt von der Corona-Krise dürften Sie, liebe Leser, vermutlich alle sein. Sie haben aber bestimmt nicht die Hoffnung auf ein anderes Leben, auf eines ohne Angst vor dem Virus verloren. Ihre Ausdauer könnte sich bald auszahlen.

Also, vier „Buenas noticias”: Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez verspricht, dass bis Ende August 70 Prozent der Menschen in Spanien geimpft sind. Die Sieben-Tage-Inzidenz je 100.000 Einwohner auf den Balearen stabilisiert sich trotz geschätzt 40.000 deutschen Oster-Urlaubern bei 30. In Deutschland geht sie zurück: 110 am Mittwoch. Der Impfpass – oder das grüne Zertifikat – der Europäischen Union, das Reisen leichter machen soll, steht wohl von Juni an zur Verfügung.

Eine fünfte Meldung noch: Die europäische Arzneimittelagentur Ema empfiehlt den Impfstoff von Astrazeneca, der wesentlich zum britischen Impferfolg beiträgt, uneingeschränkt. Der spanische Impfplan könnte aufgehen.

Die Hoffnung auf bessere Zeiten nähren aber auch Diskussionen, wann Restriktionen zurückgenommen werden müssen. Die Ministerpräsidentin der Balearen, Francina Armengol, ist bekanntlich eine Verfechterin strikter Maßnahmen, um mit Zahlen wie derzeit die touristische Saison in zwei Monaten zu erreichen. Wenn der Alarmzustand in Spanien wie angekündigt am 9. Mai endet, verliert Armengol jedoch Befugnisse. Die Ausgangssperre, die den Tagesrhythmus vieler Menschen verändert hat, dürfte nicht mehr haltbar sein.

Und was ist mit Öffnungszeiten von Bars und Restaurants, die derzeit um 17 Uhr schließen? Dort zu sitzen, steht wie kaum etwas für Leben. Die Tage werden länger, die Menschen sehnen sich, um 19 Uhr einen Castell-Miquel-Wein – oder eine Apfelschorle – in sanftem Sonnenlicht zu trinken. Was ist mit Treffen von Menschen aus mehr als zwei Haushalten?

Politiker müssen die Ausdauer der Menschen belohnen. Indem sie ihnen diese Dinge – vorausgesetzt ist eine Sieben-Tage-Inzidenz um 30 – erlauben. Sie würden den Menschen zeigen, dass sie ihnen vertrauen.

Autor: Philipp Schulte

08

04 2021

Die Auferstehung 
der Insel

Mallorca war in den vergangenen ein, zwei Wochen dauerpräsent: Kein Tag, an dem nicht deutsche Medien über die Insel berichteten, aber auch kein Tag, an dem deutsche Politiker nicht auf das Eiland eindroschen. Sie forderten Reiseverbote für die Bundesbürger, nachdem die Osterbuchungen für Mallorca sprunghaft angestiegen waren. Denn die Insel ist, anders als Deutschland, kein Risikogebiet mehr.

Das Reiseverbot hat sich nicht durchsetzen lassen, aber eine neue Testpflicht für Rückreisende nach Deutschland ist seit Dienstag in Kraft. Das muss gar nicht schlecht sein. Die Testpflicht ist zwar ein weiteres Prozedere, das Urlauber in Kauf nehmen müssen. Aber die Testpflicht erhöht die Sicherheit im Flugzeug – und für die Gesellschaft allgemein. Niemand kann hinterher behaupten, die Reiserückkehrer hätten das Coranavirus zusätzlich verbreitet.

Auf Mallorca wartet man ungeduldig auf das Eintreffen der Urlauber, auf das Anspringen des Tourismusmotors. Denn Vielen ist in den vergangenen Monaten schmerzlich bewusst geworden, wie sehr die Insel vom Fremdenverkehr abhängig ist. Die Wirtschaft liegt am Boden, alle hoffen auf Arbeit und Auskommen. Die Schlangen vor den Lebensmittelausgaben der Tafeln sind vorerst nicht kürzer geworden.

Allerdings hat man auch auf Mallorca Angst vor einem neuen Anstieg des Inzidenzgeschehens. Die Regierung setzt auf strenge Maßnahmen, um dies zu verhindern. So haben Reisende wie Residenten dieser Tage viele Einschränkungen in der Gastronomie und bei Zusammenkünften zu befolgen. Aber auch diese Einschränkungen erhöhen die Sicherheit und sind die Voraussetzung dafür, dass der Tourismus – bei fortschreitender Impfkampagne – zum Sommer hin ohne Gefährdungen funktionieren kann. Zum Wohle aller.

Mallorca will auferstehen! Will sich aufrappeln, nach all den Einschlägen. Jeder, der dabei mithilft, durch korrektes Hygieneverhalten und die Einhaltung der Tests bei der Ein- und Ausreise, ist willkommen. Genießen Sie die Insel im Rahmen des Möglichen – aber genießen Sie! MM wünscht entspannte, fröhliche und vor allem gesunde Ostern.

Autor: Alexander Sepasgosarian

01

04 2021