Archivo de März, 2021

Trotz Corona-Chaos gelassen bleiben

Die vergangenen Wochen haben Mallorca-Residenten sowie -Urlaubern gezeigt, wie sehr ihr Leben durch die Bekämpfung des Coronavirus geprägt ist. Sie fieberten auf die Aufhebung der Reisewarnung durch die deutsche Regierung hin. Residenten freuten sich, nach gut sieben Monaten wieder ohne Test und Quarantäne nach Deutschland reisen zu können. Urlauber buchten über Nacht Reisen an die Playa de Palma oder in die Bucht von Alcúdia. Und jetzt, alles wieder auf Anfang?

Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Bundesregierung gar ein vorübergehendes Verbot aller Urlaubsreisen prüft. Egal ob Risikogebiet oder nicht. Das geht über die am Dienstag beim Bund-Länder-Treffen beschlossene Corona-Testpflicht für Rückkehrer aus dem Ausland hinaus. Und zeigt, dass die scheidende Kanzlerin Angela Merkel (CDU), die Pandemie mit allen Mitteln bekämpfen will. Bisher ist sie mit diesem Kurs gut gefahren, Deutschland ist glimpflicher als andere Länder durch die Krise gekommen.

Ob das Verbot kommt oder nicht – die Euphorie bezüglich der Aufhebung der Reisewarnung ist vorbei. Wer bucht bei diesem Hin und Her noch einen Urlaub? Mallorca-Liebhaber scheinen sich noch bis Juni, Juli gedulden zu müssen, um wieder entspannter auf die Insel zu kommen. Dass das klappt, kann niemand garantieren.

Die Leidtragenden sind Hoteliers und ihre Angestellten wie Putzkräfte, Kellner, Rezeptionisten. Sie sind abhängig vom deutschen Quellmarkt. Einige von ihnen sind seit einem Jahr komplett in Kurzarbeit.

Wichtiger als die Frage, ob Deutsche schon im April und Mai wiederkommen können, ist, dass die Sieben-Tage-Inzidenz auf den Balearen unter 50 bleibt. In den vergangenen Tagen stieg sie leicht, auf 30. Deshalb reagiert auch die Ministerpräsidentin der Balearen, Francina Armengol, mit Verboten. Restaurants dürfen nicht mehr in Innenräumen bewirten.

Das zeigt: Deutsche Inselresidenten sind von Entscheidungen zweier Regierungen abhängig. Sie können deshalb lauter über das Hin und Her schimpfen als andere. Oder doppelt so viel Gelassenheit zeigen.

Autor: Philipp Schulte

25

03 2021

Die Sehnsucht und die Bedenkenträger

Die Sehnsucht ist einfach groß. Nach der hochoffiziellen Ankündigung der deutschen Regierung, Mallorca nicht mehr als Corona-Risikogebiet zu sehen, buchen die kälte-, regen- und lockdowngeplagten Menschen in seltenem Ausmaß Flüge auf ihre so heißgeliebte und so lange so fern befindliche Lieblingsinsel. Doch kaum brach sich die Mittelmeereuphorie Bahn, äußerten sich schon Bedenkenträger. Dazu zählten die üblichen Gesichter, die sich in den vergangenen bleiernen Monaten ins Gedächtnis eingebrannt haben. Mallorca-Urlaub würde er keinem empfehlen, unkte etwa der als Panikmacher vielkritisierte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Keine unerwartete Aussage. Auch die Äußerungen von Regierungsvertretern aus Bayern und Niedersachsen überraschen nicht. Auf der Insel würden sich Menschen aus ganz Europa gegenseitig anstecken, hieß es.

Könnten die Kritiker recht behalten? Momentan nicht, denn die Lage ist entspannt. Doch so etwas kann sich in wenigen Wochen wieder zum Schlechteren wenden. Andererseits: Jetzt ist halt ein wunderbarer Augenblick, um zu buchen. Und Sicherheit kann man erwarten, denn hier wird kein Infizierter hereingelassen. Dass man sich als Urlauber anstecken kann, ist ob der niedrigen Inzidenz fast ausgeschlossen. Was soll also dieses auf Unwissenheit und plumpen Ballermann-Vorurteilen basierende deutsche Getue, Mallorca als „zweites Ischgl” abzuqualifizieren? Hier lebt man derzeit x-mal sicherer als in der Bundesrepublik, denn anders als dort ist es gelungen, die Corona-Lage entscheidend zu verbessern.

Die Mehrheit der Deutschen, die während der noch nicht allzu warmen Ostertage kommen werden, wollen keine Party machen, sondern einfach nur Ruhe, etwas Wärme, Meer und eine schöne Umgebung. Sie wollen auch den ewig mäkelnden Bedenkenträgern entweichen. Ihnen ist klar: Wer weiß, wann sich angesichts einer neuerlich beginnenden Corona-Welle in Deutschland wieder so ein Zeitfenster auftun wird. Die Menschen brauchen Hoffnung, sie wissen selbst, wie sie sich vorzusehen haben.

Autor: Ingo Thor

18

03 2021

Die Reisewarnung muss so bald wie möglich kippen

Als das Coronavirus unseren Alltag noch nicht verändert hatte, setzten deutsche Behörden das Wort Risikogebiet dosiert ein. Etwa, wenn es irgendwo einen Anschlag gab. Heute verwendet das Auswärtige Amt Risikogebiet inflationär. Die Corona-Pandemie hat undenkbare Dinge real werden lassen. Besonders,dass seit knapp sieben Monaten vor Reisen nach Mallorca gewarnt wird. Dass der Archipel bald nicht mehr als Risikogebiet gilt, wäre eine beruhigende, gar Jubel auslösende Nachricht bei Mallorca-Residenten, Pendlern und Urlaubern. Dass das passiert, ist überfällig. Mallorca muss am besten diesen Freitag, bei der wöchentlichen Bewertung des Robert-Koch-Instituts, von der Liste der Risikogebiete genommen werden.

Dafür spricht, dass die 7-Tage-Inzidenz auf den Balearen seit gut zwei Wochen unter 50 liegt. Mehr noch: Sie liegt seit einer Woche unter 25. Das ist das Verdienst disziplinierter Bürger.

Kritiker einer Öffnung Mallorcas werden sagen, dass sie zu früh kommt. Für sie klingt es vernünftig, dass deutsche Urlauber noch nicht in der Osterzeit, also zwischen 29. März und 11. April, auf die Insel kommen. Die Gefahr, dass die Inzidenz bei erhöhter Mobilität steigt, ist da. Die Reiseveranstalter Tui und Alltours öffnen noch diesen Monat Hotels.

Für eine Herabstufung der Balearen spricht, dass Urlauber nach wie vor nur mit einem negativen PCR-Testergebnis auf Mallorca landen dürfen. Außerdem sind Bars und Restaurants nur bis 17 Uhr offen, die Maskenpflicht ist streng. Und kommen wirklich schon so viele Touristen an Ostern?

Die Karwoche könnte ein neues Pilotprojekt werden, wie es vergangenes Jahr im Juni stattfand. Sie wissen schon: Als Deutsche nach dem Lockdown als Erste auf die Insel kamen. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre es für Mallorca wichtig, schon im März wieder Gäste zu empfangen. Und um zu zeigen, dass das Infektionsgeschehen dadurch nicht außer Kontrolle gerät. Die Insel kann sich langfristig als sicheres Reiseziel präsentieren. Die Zahl der Gäste würde sich langsam steigern. Im Sommer könnte dann wieder eine Art Urlaubsnormalität herrschen.

Autor: Philipp Schulte

11

03 2021

Zwischen Vergnügen und Verantwortung

Morgens in der Bar beim ersten Kaffee die Tageszeitung lesen, mittags mit Kollegen ein Glas Rotwein trinken und eine „Tapa” essen: Das gehört zur spanische Mentalität. Rund sechs Wochen mussten die Inselbewohner darauf verzichten. Aufgrund der hohen Corona-Infektionszahlen waren Gastronomiebetriebe vom 13. Januar bis zum 2. März geschlossen. Nun sind wenigstens die Terrassen wieder geöffnet. Vielen Gastronomen stoßen jedoch die weiterhin geltenden Beschränkungen sauer auf: So dürfen sie ihre Lokale nur bis 17 Uhr öffnen. Viel zu kurz, kritisieren die Wirte. Der wichtige Abendservice bleibe auf der Strecke, tagsüber seien Berufstätige noch auf der Arbeit und können die Lokale kaum aufsuchen. Außerdem müssen die Innenbereiche der Restaurants noch mindestens bis zum 15. März geschlossen bleiben. Das ist ein Problem für alle Betriebe, die keine Außenterrassen besitzen.

Nach Angaben des balearischen Verbandes für kleine und mittelständische Unternehmen Pimem lohne sich das Geschäft derzeit lediglich für kleinere Bars und Cafés, die nicht mehr als drei Mitarbeiter haben. Alle größeren Gastronomiebetriebe gehen leer aus. Viele Arbeitnehmer befinden sich zudem in der Kurzarbeitsregelung ERTE. Daher bleibt die Sorge berechtigt: Kann ich meine Mitarbeiter nun wieder einstellen, oder muss ich damit rechnen, sie in einem Monat wieder in ERTE stecken zu müssen?

Doch welche Alternative hat die Balearen-Regierung? Zu groß ist die Furcht vor einer vierten Corona-Welle und der erneuten Schließung der Gastronomiebetriebe. Ostern gilt als gefährdet, deshalb setzt die Regierung auf die Sommersaison. Ihre Vorgehensweise scheint daher vernünftig: Schritt für Schritt mit Vorsicht zur Normalität. Man will die Kontrolle nicht wieder verlieren, und schließlich stehen Menschenleben auf dem Spiel. Am Ende des Tages liegt die Verantwortung aber auch bei jedem Einzelnen von uns. Die Pandemie ist noch nicht überstanden. Wir sollten weiterhin achtsam sein.

Autorin: Carina Gross

04

03 2021