Archivo de Februar, 2021

Die Hochsaison könnte noch gerettet werden

Wenn jetzt keine Fehler gemacht werden, könnte alles zumindest halbwegs gut werden. Den Regionalpolitikern scheint bewusst zu sein, wie viel jetzt von ihren Corona-Entscheidungen abhängt. Wohl deswegen sind sie, was Lockerungen anbelangt, so zögerlich. Nur bis 16 Uhr sollen Restaurantterrassen wohl ab dem 2. März geöffnet bleiben, und das bei einer deutlich entspannteren Ansteckungslage. Die Politiker wissen, dass viele Spanier zu vorgerückter Stunde ihr Bier trinken. Die Pappenheimer, die kennt man halt. Die Gastbetriebe bis in den Abend hinein zu öffnen birgt die akute Gefahr, eine neue Corona-Welle geradezu zu provozieren. Noch ist es erst ein paar Wochen her, als völlig entfesselt agierende Insulaner im weihnachtlichen Konsum-, Feier-, Ess- und Trinkrausch das Ansteckungsgeschehen dermaßen in die Höhe trieben, dass Mallorca gar als geschmähtes europäisches Seucheneiland galt.

Das ist zum Glück vorbei und soll es auch bleiben. Es ist gut, dass deutsche Medien gerade jetzt auf die positive Entwicklung hinweisen, denn das wichtigste Gut dieser Insel ist nunmal der Tourismus. Nur bei einer anhaltend niedrigen Inzidenz können Urlauber empfangen werden. Um die Saison zu sichern, muss halt die Restaurant- und Barbranche unter Kontrolle gehalten werden, selbst wenn vielen Wirten das Aus drohen sollte. Die Armut nimmt zwar leider rasant zu, aber bei einer allgemeinen Erholung zum Sommer hin werden sich viele daraus wieder herausarbeiten können. Dass die ach so geliebte Semana Santa angesichts dessen daran glauben muss, ist fast eine Selbstverständlichkeit.

Um die Hochsaison zu retten, muss aber auch die Impfkampagne forciert werden. Die Politiker scheinen das begriffen zu haben. Man ist dabei, Massenimpfungen mit Nachdruck vorzubereiten. Gut möglich, dass eine Beschleunigung hinhaut, denn viele Dosen werden die Insel im März erreichen. Jetzt muss sich nur noch auch die EU ein bisschen anstrengen und den Impfpass einführen.

Autor: Ingo Thor

25

02 2021

Was tun, wenn eines Tages wieder Massen nach Mallorca drängen?

Lust und Frust vermischen sich in diesen Wochen bei den einheimischen Radsportlern. Sie genießen einerseits die Insel, denn ihresgleichen machen ihnen ebenso wenig die Straßen streitig wie die Autofahrer (S. 32) . Es gibt kaum Urlauber, Leihwagen bleiben dauergeparkt. Andererseits ist praktisch jeder auf Mallorca vom Tourismus abhängig. Und auch den Radlern ist bewusst, dass wir alle uns in einer Lage befinden, die sich ändern muss.

Wann wieder ein gewisser touristischer Alltag einkehren wird, das vermag niemand zu sagen. Auch zu prophezeien, wie das Business dann aussehen wird, ist schwierig. In der Pandemie scheinen sich alle einig zu sein, dass es kein Zurück zum bisherigen Tourismusmodell geben sollte. Die Rede ist von mehr Nachhaltigkeit, mehr Qualität, weniger Masse. Doch ist es der richtige Zeitpunkt, die Pläne umzusetzen, wenn der Tourismus wieder Fahrt aufnimmt – und die Wirtschaft am Boden liegt?

Viele in der Radtourismus-Branche träumen davon, dass sofort die Massen anrollen, wenn das Reisen wieder möglich ist. Denn man braucht das Geld, um die Verluste ein wenig abzumildern. Es ist immer wieder zu hören, dass die Mallorca-Freunde in Deutschland nach der Insel lechzen und vor Sehnsucht vergehen. Würden diejenigen alle direkt in den Flieger steigen und herkommen, könnten Tourismuskritiker schnell wieder auf den Plan treten, wegen der Menge. Aber diese oft ungeliebten Massen könnten es sein, die den Laden wieder zum Laufen bringen. Sie würden Hotelangestellte aus der Kurzarbeit holen oder Gastronomen vor der Pleite retten. Und das betrifft alle Tourismusbereiche gleichermaßen. Ob es zum Beispiel Sinn macht, die Zahl der Kreuzfahrtschiffe zu begrenzen, sobald diese wieder kommen dürfen, sei dahingestellt.

Es lässt sich vieles planen. Aber was wirklich in den kommenden Monaten und vielleicht Jahren geschieht, wird sich erst zeigen. Durchaus möglich, dass die eine oder andere Kröte geschluckt werden muss, um erst einmal überhaupt wirtschaftlich zu überleben. Und um dann von einer gesunden Basis aus auf ein neues Tourismusmodell zumarschieren zu können.

Autor: Nils Müller

19

02 2021

An den Inselpolitikern hängt jetzt alles

Politiker möchten in diesen Tagen der Corona-Pandemie wohl nur diejenigen sein, die zum Masochismus neigen. Denn von ihren Entscheidungen hängt in diesen diffizilen Zeiten ab, wie stark die Wirtschaft geschädigt wird. Sie müssen nämlich hinbekommen, dass auf der einen Seite das Gesundheitssystem vor dem Kollaps bewahrt wird, aber auf der anderen Seite nicht zu viele Menschen in die Armut abrutschen und deshalb der ohnehin schon angeschlagene soziale Frieden noch weiter gefährdet wird.

Momentan ist es den Politikern mit einem in Deutschland schwer vorstellbaren autoritären Schachzug gelungen, aufkommenden Protest im Keim zu ersticken: Sie erlegten den Unzufriedenen, die bereits dreimal in Palma auf die Straßen gingen, reihenweise extrem hohe Bußgelder auf. Jetzt müssten eigentlich Lockerungen kommen, um die Gemüter zu beruhigen. Die Kurve fällt ab, der Zeitpunkt wäre gut. Doch die Restriktionen werden mindestens bis Ende Februar aufrechterhalten und Tausende weiter um ihre Einnahmen bringen. Denn Experten warnen eindringlich vor zu viel Schnelligkeit. Sie argumentieren, dass angesichts der allseits bekannten Bar-Geselligkeit der Spanier ein Wiederaufflackern der Pandemie fast eine logische Folge wäre, wenn man die Gastbetriebe von jetzt auf gleich wieder öffnen würde.

Funktioniert haben die Mitte Januar beschlossenen Restriktionen auf jeden Fall. Doch ist es gut für Mallorca, wenn man zu sehr auf die Zahlen starrt? Den Menschen geht es rasant schlechter, die Schlangen vor den Essensausgabestellen werden länger.

Doch der Tourismus ist wichtiger als das Gastrobusiness. An ihm hängen noch viel mehr Arbeitsplätze. Gelingt es nicht, die Inzidenz auf Mallorca bei einer parallel beschleunigten Impfkampagne in den kommenden Wochen noch weiter nach unten zu drücken, ist die Hochsaison akut gefährdet. In der Abwägung haben die Regionalpolitiker um Ministerpräsidentin Francina Armengol in dieser Hinsicht möglicherweise Recht.

Autor: Ingo Thor

11

02 2021

Der Alptraum, der die Menschen zusammenbringt

Es gibt ein deutsches Sprichwort, das in die jetzige Zeit perfekt passt: Not vereinigt Herzen. Die leidige Corona-Pandemie hat bewirkt, dass etwas vor einigen Jahren noch Undenkbares auf Mallorca passiert: Immer mehr einst durchaus gut situierte Menschen haben kein Geld mehr, um sich Lebensmittel zu kaufen. Viele verschulden sich. Diese bedenkliche Entwicklung liegt auch daran, dass von Politikern versprochene Hilfen einfach nicht ausgezahlt werden.

Nur gut, dass private Hilfe für Bedürftige funktioniert. In einem Gebiet wie der Europäischen Union, wo es eine Überproduktion von Nahrungsmitteln gibt, kann es nicht angehen, dass Menschen hungern müssen. Deswegen ist es gut, dass angesichts des staatlichen Versagens privat etwas auf die Beine gestellt wird. So wie in der vergangenen Woche in Cala Rajada, wo ein Spediteur aus dem Münsterland 36 Paletten Winterkleidung und Lebensmitteln nach einer tagelangen Fahrt abgeladen hat ( siehe Seite 18 ). Durch die Not rücken nun Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen, die vor wenigen Jahren noch mehr übereinander als miteinander geredet hatten. Jetzt nähert sich auf der internationalen Insel Mallorca an, was eigentlich schon immer hätte enger zusammengehören müssen.

Bleibt zu hoffen, dass dies nach dem irgendwann kommenden Ende des Corona-Alptraums auch so bleibt. Möglich ist das durchaus. Spanier wie Deutsche, Briten wie Schweden mussten monatelang das gleiche traumatische Leid erfahren: Restriktionen, Maskenpflicht, eine Ausgangssperre, verstärkt kontrollierende Polizisten.

Es ist nicht nur Not, die die Menschen zusammenbringt. Es ist auch die wachsende Sehnsucht, endlich wieder so zu leben, wie sie es jahrzehntelang gewohnt waren. Frei, ohne Restriktionen und ohne die immer wieder durch die Medien geisternden bedrückenden Äußerungen von Politikern, zu denen auch Panikmacher gehören. Wenigstens eine positive Sache hat der Alptraum gebracht: Gegensätze werden abgemildert, Herzen vereinigt.

Autor: Ingo Thor

04

02 2021