Archivo de November, 2020

Ein europäisches Test-Prozedere muss her

Noch vor wenigen Wochen war es nicht einmal möglich, sich diese Zustände in unangenehmen Träumen vorzustellen. Doch seit Montag ist es wahr: Um nach Mallorca im Flugzeug zu kommen, muss man erstmal 72 Stunden davor irgendwie die Möglichkeit auftreiben, einen sogenannten PCR-Test zu machen. Das ist nicht einfach, vor allem an Wochenenden, wenn Ärzte in der Regel nicht praktizieren. Und hat man es hinter sich, muss man inständig hoffen, das Ergebnis rechtzeitig vor dem Abflug zu bekommen. Sicher ist das nicht, denn das Prozedere kann sich in die Länge ziehen.

Dass diese Zustände auf Dauer untragbar sind, wissen Fluglinien, Reiseveranstalter, Politiker und die EU. Und deshalb fordern sie immer lauter, die teuren PCR-Tests bei Grenzübertritten durch schnelle und günstige Antigen-Tests zu ergänzen, und das als staatenübergreifende Lösung. Doch diese Tests gelten halt weiter als ungenau. Und so wurschtelt jedes Land wie schon seit Monaten weiter vor sich hin. So entstehen Nickeligkeiten wie die, dass Deutschland im Sommer keine auf Spanisch abgefassten PCR-Tests akzeptierte und Spanien jetzt kein Deutsch hinnimmt. Hinzu kommen Ungleichheiten: Während Berlin Ausnahmen wie die 72-Stunden-Regel gewährt, erlaubt Madrid keine andere Option als den leidigen PCR-Test.

Durch diese rigorose Entscheidung schadet sich die Spanien-Regierung überdies selbst: Die ohnehin pandemiebedingt schwer angeschlagene Wirtschaft des Landes wird weiter lädiert. Denn wer will jetzt etwa auf den immer warmen und sonnigen Kanaren Urlaub machen, wenn man für eine vierköpfige Familie mehrere Hundert Euro extra für die PCR-Tests auf den Tisch legen muss?

Doch die Entwicklungen an der Coronafront überstürzen sich bekanntlich. Und so ist nicht auszuschließen, dass sich die Dinge erneut schnell ändern. Wer weiß, vielleicht kann man bei der Einreise nach Mallorca schon vor Weihnachten ein negatives Ergebnis aus einem Antigen-Schnelltest mitbringen, was die ganze Angelegenheit deutlich entkrampfen würde.

Autor: Ingo Thor

30

11 2020

Alles eine Sache der Gewohnheit

Ganz früher durfte man noch im Flugzeug rauchen. Nach den Terroranschlägen vom 11. September wurden Feuerzeuge genau wie größere Mengen Flüssigkeit im Handgepäck tabu, die Sicherheitskontrollen vor dem Check-in dauerten plötzlich doppelt so lang. Dann kam Corona und damit wurde der Mund-Nasen-Schutz zum Pflicht-Accessoire in der Flugkabine. Und bald müssen Passagiere nach der Landung in Spanien auch noch einen negativen PCR-Test vorlegen. Ein gewisser Unmut unter Reisenden ist vorhanden, doch genau wie an alle vorgenannten Veränderungen wird man sich auch daran gewöhnen. Und im Unterschied dazu haben Tests und Maske einen Vorteil: Sie sind nicht für die Ewigkeit bestimmt. Sobald die Impfung greift, werden diese lästigen Begleiterscheinungen des Reisens der Vergangenheit angehören.

Noch verlangt Spanien mit dem PCR-Test die zwar genaueste, aber auch zeitaufwendigste Testvariante. Doch das könnte sich bald ändern. Airlines führen bereits Pilotprojekte mit Schnelltests durch, die schon nach 15 bis 30 Minuten Ergebnisse liefern. Dies scheint nicht die schlechteste Idee, zumal eine aktuelle Studie der Berliner Charité zeigt, dass einige Antigen-Tests deutlich sicherer sind als ihr Ruf.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Spanien seine Einreiseregelungen möglicherweise doch noch in diese Richtung vereinfacht. Im Vorfeld einer Videokonferenz, auf der am Donnerstag die Staats- und Regierungschefs der EU über eine Koordination der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie diskutieren wollen, warb die EU-Kommission jedenfalls für die Antigen-Tests – und zwar auch im grenzüberschreitenden Verkehr.

Angesichts der Tatsache, dass es im Umgang mit der Pandemie kein perfektes Patentrezept gibt, scheint der Einsatz von Schnelltests am Flughafen nicht die schlechteste Möglichkeit, um den Schutz der Gesundheit und die Interessen des Tourismus, auf den die Balearen in besonders existenzieller Form angewiesen ist, auf verantwortungsvolle Weise unter einen Hut zu bringen.

Autorin: Maike Schulte

19

11 2020

Das Reisen wird immer nerviger

Das in den vergangenen Jahren so beliebte fröhliche Hin- und Herreisen zwischen Mallorca und Deutschland gestaltet sich im Augenblick komplexer denn je. Grund sind die neuen Einreiseregeln hüben wie drüben. Viele werden sich deswegen mehrmals überlegen, ob sie von der Insel in ihre Heimat fliegen wollen, was nicht zuletzt für die Weihnachtstage gilt. Nur wenn man die Ausnahmen gut kennt, erspart man sich Ärger. Es lohnt sich allemal, sehr genau hinzuschauen: Bleibt man in Deutschland weniger als 72 Stunden bei einem Verwandten ersten Grades, so erspart man sich sogar einen Test. Und hält man sich dort länger auf, kommt man immerhin um die Pflicht-Absonderung herum. Aber: Jeder, der wieder zurück nach Mallorca will, muss ab dem 23. November am Ziel einen negativen Test vorweisen, wie am Mittwoch bekannt wurde. Oh nein!

Dennoch: Die schon neun Monate die ganze Welt beutelnde Pandemie-Situation scheint sich zwar langsam, aber immerhin, dem Ende zuzuneigen. Zwar tobt die zweite Welle weiterhin, und die Zahlen nicht nur in Spanien sind besorgniserregend hoch, doch die deutsche Firma Biontech und deren US-Partnerkonzern Pfizer machen jetzt den Menschen mit der Kunde Hoffnung, einen Impfstoff entwickelt zu haben, der schon sehr bald einsetzbar sein soll. Es besteht also Grund zu einem gewissen Optimismus. Den teilt auch ein Gewerkschafter wie Antonio Copete (S. 27). Denn ohne Impf-stoff würde die Tourismussaison 2021 komplett ins Wasser fallen.

Das Reisen, das vor noch gar nicht langer Zeit so problemlos und einfach war, nervt derzeit nur noch. Denn will man fliegen, muss man sich vorher genau über die aktuellen Regeln im jeweiligen Zielland erkundigen. Ist man nicht up to date, kann das einen zum Wahnsinn bringen. Zwar gibt es genügend Anlass, zerknirscht zu sein, doch man kann sich das Ausharren gelassener gestalten, erst recht auf Mallorca. Nehmen wir nur das Wetter: Momentan ist es richtig schön. Was bleibt einem auch anderes übrig, als die Situation zu akzeptieren.

Autor: Ingo Thor

12

11 2020

Über sinnige und unsinnige Einschränkungen in Corona-Zeiten

Das Damoklesschwert einer strengeren landesweiten Ausgangssperre schwebt wieder über Spanien. Noch vor kurzem hatte die Regierung in Madrid erklärt, einen Shutdown wie im Frühjahr nicht in Betracht zu ziehen. Jetzt soll am 9. November überprüft werden, was die bisherigen Maßnahmen gebracht haben und ob eine Verschärfung notwendig ist.
Dieses Zurückrudern ist sicherlich realistisch. Wenn wir in diesen Monaten eines gelernt haben, dann dies: Während der Pandemie sollte man niemals nie sagen, solange es keine wirksamen Medikamente oder Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 gibt. Bis dahin werden wir wohl mit einem Hin und Her an Einschränkungen und Freiheiten leben müssen. Schuld daran sind weder die Politiker noch die Wissenschaftler. Ihre Aufgabe ist es, die Infektionszahlen zu drücken und dabei den wirtschaftlichen Schaden möglichst gering zu halten.

Ob sie dabei immer sinnvolle Maßnahmen treffen und mit gleichem Maß messen, darüber lässt sich freilich trefflich streiten. Beispiel Matanzas. Für die auf Mallorca beliebte Hausschlachtung von Schweinen brach die Gesundheitsbehörde der Balearen die Regel, dass sich derzeit maximal sechs Personen treffen dürfen. Statt dessen können zehn Personen die arme Sau zu Fleisch und Wurst verarbeiten. Lapidare Begründung: Nur zu sechst könne man nicht schlachten. Fragt sich, wie man einem Gastwirt in Manacor vermitteln soll, dass er wegen des Lockdowns der Gemeinde seinen Laden zusperren muss, dass man aber bei einer nicht gerade lebensnotwendigen Tradition gerne eine Ausnahme macht?

Ohne Einschränkungen kommen wir nicht durch die Pandemie, aber mit dem Verzicht ist es eben so eine Sache: Geht es an liebgewordene Dinge, will man von ihm nichts wissen. Dass es auch anders geht, hat jetzt der Gemeinderat von Calvià bewiesen. Anstatt 130.000 Euro für Weihnachtsbeleuchtung auszugeben, wird diese Summe für die Lebensmittelhilfe verwendet und dafür, dass kein Kind an Weihnachten ohne Geschenk bleibt. Dieses leuchtende Beispiel sollte Schule machen.

Autor: Martin Breuninger

05

11 2020