Archivo de Oktober, 2020

Nur im öffentlichen Raum ist Kontrolle möglich

Vielleicht haben sich auf Mallorca am Samstagnachmittag besonders viele Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. Denn im TV lief der Fußball-Clásico. FC Barcelona gegen Real Madrid. Und Fußballfans versammelten sich in heimischen Wohnzimmern, um zu gucken. Wahrscheinlich meistens ohne Masken, ohne Mindestabstand, dafür aber mit einer Zigarette im Mundwinkel. Auf Restaurant-Terrassen darf man nicht mehr rauchen, nirgendwo im öffentlichen Raum auf den Balearen ist der blaue Dunst erlaubt. Also trifft man sich nicht mehr auf der Terrasse, sondern zu Hause. Ist das wirklich sinnvoll?

Die Balearen-Ministerpräsidentin Francina Armengol behauptete kürzlich, dass die hiesigen Maßnahmen greifen, die Daten aber trotzdem nicht gut seien. Wer kann allerdings sagen, wie die Zahlen ohne die Maskenpflicht und das Rauchverbot aussehen würden? Vielleicht wären sie geringer, wenn die Leute auf den Terrassen sitzen würden und Eigenverantwortung an den Tag legten. Zumal Experten zufolge nur wenige Ansteckungen in Lokalen stattfinden. Möglicherweise ist es sinnvoller, Grüppchen nicht ins Private abzudrängen, sondern sie in der Öffentlichkeit zu lassen. In diesem Fall muss man natürlich auch kontrollieren, ob sie die Regeln einhalten. Aber dann ist das wenigstens möglich.

Wer weiß, vielleicht geht die Strategie schon bald in diese Richtung. Zumal sich die Ansichten der Politik oft von Tag zu Tag ändern. So wurde der Beginn der Ausgangssperre auf 23 Uhr festgelegt, dann hieß es Mitternacht. Sicher, die Balearen-Regierung hat dem Druck der Gastronomie stattgegeben. Doch dass die Wirte nicht über die Ausgangssperre jubeln würden, hätte man auch einen Tag eher schon wissen können.

Wir sind in einer prekären Situation, für die niemand eine Lösung parat hat. Die Nachhaltigkeit der bisherigen Maßnahmen darf aber bezweifelt werden. Vielleicht gelingt es uns, die Zahlen wieder auf ein erträgliches Maß zu drücken. Dann aber warten wir erneut auf die nächste Welle. Es scheint, als würde die neue Normalität wirklich erst dann lebenswert, wenn es einen Impfstoff gibt.

Autor: Nils Müller

30

10 2020

Und plötzlich steht Mallorca wieder ganz anders da

Noch vor wenigen Wochen verdüsterte sich die Lage auf der Sonneninsel dramatisch: In Sachen Corona schossen die Ansteckungszahlen in die Höhe, mit einem Mal wurde Mallorca zum Risikogebiet erklärt. Es war damit eines der ganz wenigen, die es damals in Europa gab.

Für die Tourismusdestination war das verheerend. Denn ebenfalls erst wenige Wochen zuvor hatte man sich geöffnet und nach monatelangem Lockdown die ersten Urlauber begeistert willkommen geheißen. Hotellerie und Gastronomie, Airlines und Busunternehmer hatten sich ins Zeug gelegt und aufwendige Schutzmaßnahmen umgesetzt, um den Gästen gesundheitlich Sicherheit garantieren zu können. Die Saison lief vielversprechend an und man schöpfte in vielen Küstengemeinden der Insel die Hoffnung, mit lediglich einem „blauen Auge” die coronabedingte Wirtschaftskrise hinter sich lassen zu können.

Pustekuchen! Im September kam der Zustrom der Sonnenhungrigen aus Deutschland, England und Skandinavien abrupt zum Erliegen. Hatten die Inselbehörden versagt? Es gab zumindest Kritik an der bürokratisch verzögerten Übertragung der Covid-19-Infektionsdaten vom balearischen zum spanischen Gesundheitsministerium. Aber auch in Deutschland wurde mit zweierlei Maß gemessen: Dort erklärte man allenfalls einzelne Straßenblöcke oder Landkreise zum Hotspot. Mallorca hingegen – als Landmasse immerhin deutlich größer als Hamburg, Berlin oder das Saarland – wurde unverhältnismäßig und pauschal zur Gefahrenzone ernannt und dadurch geradezu stigmatisiert.

Jetzt hat sich die Entwicklung kurioserweise geradezu umgekehrt. Während in Deutschland und an vielen anderen Orten in Europa die Ansteckungszahlen in die Höhe schnellen, ist der Trend auf der Insel im Sinken begriffen. Das ist, zumindest für uns, die wir auf Mallorca leben, positiv. Positiv ist ferner, dass der Reiseveranstalter Tui – unter Einhaltung aller Sicherheitskonzepte – wieder Urlauber auf die Insel bringen möchte (S. 6) . Die Saison ist dadurch nicht mehr zu retten. Aber die Maßnahme ist ein Vertrauensbeweis für Mallorca.

Autor: Alexander Sepasgosarian

15

10 2020

Verzagen ist leicht

Während die Corona-Infektionszahlen derzeit wieder im Steigen begriffen sind, etwa in Madrid, in Frankreich und nicht zuletzt auch wieder in Deutschland, ist die Tendenz auf Mallorca am Sinken. Das kommt einem Lichtstreif am Horizont gleich. Ein – bei aller Vorsicht – gutes Gefühl: Es keimt die Hoffnung auf, dass irgendwann die Dinge wieder ins Reine kommen, beziehungsweise, dass die Situation im anstehenden Winter nicht allzu düster ausfallen möge.

Zuversicht vermittelt auch die Erkenntnis, dass die Infrastruktur der staatlichen Krankenhäuser auf der Insel nicht am Limit ist. Die Zahl der Intensivbetten war selbst auf dem Höhenpunkt der ersten Corona-Welle im April nicht ausgeschöpft. Und die zweite Welle, die auf Mallorca vor allem im August und September registriert wurde, lag von der Auslastung der Krankenhäuser sogar unter den Werten des Frühjahrs. Beruhigend also zu wissen, dass derzeit lediglich ein Viertel der Intensivbetten in den Kliniken wegen Covid-19 belegt sind. Die neuartige Corona-Ampel, die der balearische Wirtschaftszirkel ersonnen hat (S. 7) , steht in diesem Bereich auf grün. Die Lage in den Klinken wird von dem Gremium zudem als „exzellent” bezeichnet.

Klar nimmt man das als Bürger, der auf den Balearen lebt, gerne zur Kenntnis. Auch wenn man weiß, dass die Defizite vielleicht woanders liegen. Es mangelt nicht an Intensivbetten – der Engpass besteht eher beim Fachpersonal (S. 6) . Bleibt zu hoffen, dass die Politik in Zusammenarbeit mit Ärzteverbänden und Gewerkschaften hier rasch zu vertretbaren Lösungen findet. Wenn ein Gesundheitswesen gut funktionieren soll, muss es entsprechend finanziert werden.

Verzagen angesichts der vielen Probleme ist leicht. Nehmen wir uns also lieber ein Beispiel an jenen, die nicht aufgeben und für ihre Vorhaben kämpfen. So wie die Macher des Wirtschaftsforums „Neu Denken” (S. 29) . Oder so wie Sandra Lipski. Ungeachtet aller Widernisse will sie uns ein weiteres Mal mit ihrem Mallorca Evolution Filmfestival verzaubern (S. 26) . Dazu kann man nur sagen: Chapeau!

Autor: Alexander Sepasgosarian

08

10 2020

Hilfsbereitschaft kennt keine Nationalität

Die Corona-Krise hat einmal mehr offengelegt, wie viele Menschen auf Mallorca unterhalb der Armutsgrenze leben müssen. Und sie hat jene, die sich bisher knapp darüber hielten, sozial absteigen lassen. In einem Land, in dem es fast schon normal ist, ein „Mileurista” zu sein, also knapp über tausend Euro pro Monat zu verdienen, ist der Weg in die Armut ein kurzer. Darüber mag der wirtschaftliche Aufschwung nach der letzten Krise hinweggetäuscht haben. Doch spätestens jetzt ist sie mit voller Wucht zurück. Und es trifft nicht nur „die Armen”. Mittlerweile kennen viele von uns jemanden, der Schwierigkeiten hat, mit seinem Geld bis zum Ende des Monats zu kommen.

Umso wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die bereit sind zu helfen. Dass die Insel davon viele hat, ist in den vergangenen Wochen sehr klar geworden. Etliche Projekte haben es sich zum Ziel gesetzt, die Not der Menschen zu lindern. Das Schönste daran ist, dass diese Hilfsbereitschaft keine Nationalitäten kennt. Sie hat keinen Pass. Es sind Mallorquiner, Festlandspanier, Deutsche, Briten Skandinavier und manchmal sogar alle zusammen. Egal ob Lions Club, Immobilienunternehmen, gemeinnützige Vereine, Spitzenköche, Tennis-Stars oder Privatpersonen, die einfach nur anpacken – all diese Initiativen sind vorbildlich und sie zeigen einmal mehr: Der Zusammenhalt auf der Insel kann funktionieren, und zwar unabhängig von der Herkunft oder der Sprache, die man spricht. Er ist ein Beispiel für gelebte Solidarität, Gerade zwischen Deutschen und Mallorquinern.

Viele unserer Landsleute haben nicht vergessen, dass die Menschen, die jetzt Not leiden, zu einem Großteil jene sind, die uns normalerweise einen unvergesslichen Urlaub ermöglichen. Der Tellerwäscher im Hotel, das Zimmermädchen, der Busfahrer, der Bademeister, die Kellnerinnen und Kellner, der Rezeptionist.

Es ist schön zu sehen, dass es in Zeiten, in denen Rassismus und Populismus wieder Hochkonjunktur haben, immer noch Menschen gibt, die bereit sind, anderen zu helfen. Sie sollten uns allen Vorbild sein.

Autor: Patrick Czelinski

01

10 2020